Ein Scheißergebnis der anderen Sorte

Der VfB verliert in Leverkusen deutlich mit 2:5, dennoch bietet das Spiel nicht nur wegen einer gravierenden Fehlentscheidung einige Lichtblicke.

Es mag angesichts des Misserfolgs der letzten Jahre überraschen, aber dass der VfB fünf oder mehr Gegentore in einem Pflichtspiel kassiert, hat eher Seltenheitswert. Es gab das 2:6 in Hamburg vergangene Saison, das 0:6 in Augsburg 2018/2019, das 0:5 in Dresden 2016/2017 und natürlich das 2:6 in Bremen an jenem unsäglichen 2. Mai 2016. Und jetzt eben das Spiel am Samstag in Leverkusen. Über all diese Spiele habe ich hier im Blog geschrieben und bei fast allen sprach ich der jeweiligen VfB-Mannschaft nicht nur die Erstliga-, beziehungsweise Aufstiegstauglichkeit ab, sondern vor allem die richtige Einstellung zu Ihrem Beruf. Nicht jedoch in diesem Spielbericht.

Und das hat nicht nur damit zu tun, dass die Mannschaft direkt nach der Pause durch die Beliebigkeit der Handspielregel und die Unfähigkeit des ehemaligen Assistenten von Robert Hoyzer eines möglichen Ausgleichs beraubt wurde, nach dem das Spiel vielleicht ganz anders ausgesehen hätte als nach dem im Gesamtkontext irregulären 3:1. Sondern vor allem damit, dass die Brustringträger eine Reaktion auf die defensiv wie offensiv katastrophale erste Halbzeit zeigten. Was in beiden Fällen auch mit der Personalsituation und Pellegrino Matarazzos Reaktion darauf zu tun hat.

Hinten indisponiert, vorne harmlos

Aber der Reihe nach: Natürlich unterscheidet dieses Spiel von den anderen oben aufgezählten, dass wir es diesmal mit einem individuell wesentlich besser besetzten Gegner zu tun hatten, während uns die hohen Niederlagen der letzten Jahre von Mannschaften zugefügt wurden, mit denen wir uns auf Augenhöhe wähnten. Dennoch machte die Mannschaft es Leverkusen zu einfach zu glänzen: Die Dreierkette war völlig indisponiert und schaute teilweise nur zu, als die Hausherren Gregor Kobel die Bälle um die Ohren schossen. Mindestens genauso gravierend war, dass Orel Mangala und Wataru Endo erneut nicht in der Lage waren, vor dem Strafraum aufzuräumen, sondern mit leichten Ballverluste und Fehlpässen zusätzlich für Gefahr sorgten. Was neben der Qualität des Gegners sicherlich auch damit zu tun hat, Thema Personalsituation, dass beide in jedem der bisherigen 23 Pflichtspiele durchgängig gefordert waren und irgendwann auch mal eine Pause brauchen. Dennoch ist es unverständlich, wie die gesamte Mannschaft den Leverkusenern in aller Seelenruhe dabei zuschaut, wie sie aus einem Einwurf das 2:0 machten.

Aber auch offensiv sah es nicht besser aus. Nicolas Gonzalez wurde als einzige Sturmspitze aufgeboten, flankiert von Wamangituka links und Massimo rechts, unterstützt von Förster und Klimowicz im offensiven Mittelfeld. Die Idee, auf das Tempo insbesondere von Massimo, Klimowicz und Gonzalez zu setzen, löste sich mit der Verletzung von Gonzalez nach 20 Minuten in Luft auf, aber auch vorher schon ging der Plan nicht auf. Silas kam mit der für ihn ungewohnten Spielhälfte nicht zurecht, Klimowicz und Massimo fehlt noch die Zielstrebigkeit und Philipp Förster kann sich zwar aufgrund seiner Physik durchsetzen, hat aber anschließend viel zu selten das Gefühl für den richtigen Pass. Dass es schwer ist, Castro und Didavi gleichzeitig zu ersetzen, ist klar und vielleicht brauchte Borna Sosa auch eine Pause, aber spätestens mit der verletzungsbedingten Einwechslung von Kalajdzic wäre seine Einwechslung und ein Seitenwechsel von Wamangituka sinnvoll gewesen.

Lichtblicke Thommy und Ahamada

Zum Glück gibt es Erik Thommy. Der kam nämlich zur Halbzeit rein, ersetzte damit kaum sichtbaren Massimo und legte beide Tore von Sasa Kalajdzic auf. Dass der überhaupt zwei Tore schießen konnte, lag daran, dass die Mannschaft wesentlich wacher aus der Kabine kam, als sie in der ersten Halbzeit aufgetreten war. Auch defensiv stellte Matarazzo um, verhalf dem 18jährigen Naouirou Ahamada zu seinem Bundesligadebüt, nahm dafür Kempf runter und zog Endo zurück in die Dreierkette. Wenngleich Ahamada vor dem irregulären 3:1 die herausragende Rettungstat von Gregor Kobel durch einen Fehlpässe zunichte machte, bot er unterm Strich eine gute Vorstellung und könnte ähnlich wie Thommy für Entlastung im Saisonendspurt sorgen. Auch unabhängig von diesen beiden Lichtblicken war die zweite Halbzeit trotz drei kassierter Tore wesentlich besser und der insgesamt vierte und fünfte Leverkusener Treffer sicher auch dem geschuldet, dass der VfB unter Schadensbegrenzung kein Einmauern am eigenen Strafraum versteht, sondern versucht, so viele Anschlusstreffer wie möglich zu erzielen. Diesmal leider ohne Erfolg.

Ein 2:5 ist und bleibt ein unschönes Ergebnis und es war, vielleicht nicht unbedingt in der Höhe, von den Spielanteilen her verdient. Obwohl der breite Kader bisher größtenteils von Verletzungen verschont blieb und die Tabellensituation nach wie vor recht komfortabel ist, machte sich beim VfB in der ersten Halbzeit eine gewisse mentale Müdigkeit breit, die uns nun schon eine Weile verfolgt. Viele unserer letzten Gegner, angefangen mit Bielefeld, wirkten bissiger, aggressiver und belohnten sich dafür auch in den meisten Fällen. Damit will ich der Mannschaft um Himmels willen kein Mentalitätsproblem unterstellen, schließlich kämpfte man noch vor einer Woche Mainz nieder und spielte dabei zu null. Aber ein Abwehrverhalten wie beim 2:0 der Leverkusener kann man nur bedingt mit deren individueller Klasse rechtfertigen.

Diese Mannschaft kam bisher immer zurück 

Der VfB befindet sich nach wie vor im Abstiegskampf und zwar so lange, bis ein Abstieg rechnerisch unmöglich ist. Da kann es unter den Umständen dieses Spiels auch zu so einem Ergebnis kommen. Die zweite Halbzeit zeigt aber, dass aus einer Ergebnis-keine Sinnkrise werden muss. In den kommenden drei Partien gegen die direkten Konkurrenten aus Berlin, Köln und Gelsenkirchen kann sich die Mannschaft wieder so zurückmelden, wie sie es nach den Niederlagen gegen Wolfsburg und Leipzig mit dem 4:1 in Augsburg und nach den Pleiten gegen Bielefeld und Freiburg gegen Mainz getan hat. Es ist der bisherige Saisonverlauf und die Grundeinstellung der Mannschaft die mich weiter optimistisch auf das letzte Drittel der Saison blicken lässt. Fünf Gegentore müssen es diese Saison trotzdem nicht mehr sein.

Titelbild: © imago 

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