Die Nikoläuse vom Neckar

Der VfB ver­schenkt gegen die Her­tha eine Zwei-Tore-Füh­rung, weil er gegen den Korkut-Fuß­ball kein effek­ti­ves Mit­tel fin­det und sich dann noch einen rein­wursch­teln lässt. Frus­trie­rend.

Als Tay­fun Korkut bereits am fünf­ten Dezem­ber sei­nen Stie­fel raus­stell­te, ver­gaß er, dass er eigent­li­chen einen Tag zu früh damit dran war. Wür­de der Niko­laus ihn trotz­dem mit Punk­ten für sei­ne neu über­nom­me­ne Mann­schaft beden­ken. Es sah lan­ge schlecht aus, der blau­wei­ße Stie­fel blieb leer. Aber dann erbarm­ten sich die Niko­läu­se vom Neckar und steck­ten dem wacke­ren Trai­ner doch noch einen Zäh­ler rein. Korkut war dar­über so erfreut, dass er über­mü­tig wur­de und mein­te, da müss­te doch noch viel mehr im Stie­fel ste­cken. Aber nein, lie­ber Tay­fun. Wer sei­ne Mann­schaft bei Rück­stand 70 Minu­ten lang auf Kon­ter spie­len lässt, kann mit einem Punkt ruhig mal zufrie­den sein. Ok, einen Scho­ko-Niko­laus gibt es von der weiß-roten Hin­ter­mann­schaft noch dazu.

Ich has­se ja Spiel­be­rich­te, die ver­su­chen, sich an aktu­el­len Fei­er- und Fest­ta­gen ent­lang­zu­han­geln. Egal ob Ostern oder Advents­zeit, bei­des ergibt lau­ter sprach­li­che Bil­der, die ent­we­der so schief sind wie das oben oder so abge­dro­schen wie “Last Christ­mas”. Wie auch immer: Wer gegen eine Mann­schaft, deren neue Spiel­idee es ist, tief zu ste­hen und vor­ne irgend­wie einen Ball rein­zu­mur­meln — kurz: eine Mann­schaft von Tay­fun Korkut — trotz frü­her Zwei-Tore-Füh­rung noch Unent­schie­den spielt, hat zwei Punk­te ver­schenkt. Man kann es nicht anders sagen. Nicht dass die eigent­li­che Spiel­an­la­ge des VfB gera­de so rich­tig zum Tra­gen kom­men wür­de, aber wenn dir zwei Tore so in den Schoß fal­len, wie Mar­moushs Kon­ter aus der eige­nen Hälf­te und Förs­ters unbe­dräng­ter halb­ho­her, halb­ge­nau­er Schuss, dann nimmst Du den Drei­er halt mit. Die Her­tha mag über teil­wei­se sehr pas­sa­ble Ein­zel­spie­ler ver­fü­gen und wird sich des­halb und wegen der kor­kut­schen Tak­tik nicht so abschlach­ten las­sen wie Glad­bach spä­ter des Abends. Auf gar kei­nen Fall darfst Du dir gegen die­se Mann­schaft noch drei Tore ein­fan­gen.

Punktverlust durch Passivität

Ja, drei. Denn dass das ers­te Tor der Ber­li­ner aberkannt wur­de, war rei­nes Glück für den VfB. Klar kann man das Abseits von Dari­da pfei­fen. Ich kann mir aber nicht wirk­lich vor­stel­len, dass Mül­ler an den Schuss von Bel­fo­dil auch sonst ran­ge­kom­men wäre. Vor­aus­ge­gan­gen war eine Feh­ler­ket­te, die bei Mas­si­mo und Mavro­pa­nos auf der Außen­bahn begann und sich bei Ito am Straf­raum fort­set­ze. War­um weder bei die­ser Sze­ne, noch beim dann gül­ti­gen Anschluss­tref­fer, ein­fach mal jemand den Fuß rein­hielt, anstatt sich weg­zu­dre­hen, ist nur schwer begreif­lich. Klar haben wir mit der Rest­ver­tei­di­gung immer noch Pro­ble­me, irgend­wer kriegt aber meist den Fuß an den Ball, wir spie­len hier schließ­lich nicht in der Cham­pi­ons League. Noch viel fata­ler war die­se Pas­si­vi­tät aber beim spä­te­ren Aus­gleich.  Bel­fo­dil konn­te den Ball unbe­drängt von Ito, der ihn aus den Augen ver­lo­ren hat­te, zu Jove­tic ablen­ken und der durf­te sich vor dem auf der Linie ver­har­ren­den Mül­ler qua­si aus­su­chen, wie er ihn zum Aus­gleich über die Linie wursch­tel­te.

Ange­sichts soll teil­wei­se fahr­läs­si­gen Defen­siv­ver­hal­tens fal­len die offen­si­ven Män­gel in die­sem Spiel fast ein wenig unter den Tisch. Klar, bei einer 2:0‑Führung, egal wie sie zustan­de gekom­men ist, bist Du froh, dass Du die Tore hast und hoffst erst­mal, dass der Geg­ner nicht zurück­kommt. Der VfB lief jedoch mit sei­nen zwei Wing­backs und dem erst­mals aus Hama­di Al Ghad­dioui und Omar Mar­moush gebil­de­ten Sturm immer wie­der gegen eine Wand. Spä­tes­tens nach dem drit­ten Dia­go­nal­ball von Mavro­pa­nos auf Sosa war die lin­ke Angriffs­sei­te zu und damit auch das biss­chen Tor­ge­fahr von Al Ghad­dioui erlo­schen. Mas­si­mo konn­te zwar die lin­ke Abwehr­sei­te der Ber­li­ner ein paar Mal auf­rei­ßen, kam aber sel­ten gefähr­lich durch, zu einem fit­ten Silas fehlt im lei­der noch etwas. Genau­so wie dem tat­säch­li­chen Silas, der sich eben­so­we­nig durch­set­zen konn­te, auch weil die Her­tha­ner bis zum Aus­gleich ein­fach nicht auf­ma­chen woll­ten.

Spiel ohne Mittelstürmer

Dass unse­re Außen mal kalt­ge­stellt wer­den, pas­siert mit­un­ter. Letz­te Sai­son kam kei­ner auf den Gedan­ken, gegen uns mit zwei Vie­rer­ket­ten auf­zu­lau­fen und dann zu kon­tern. Lei­der klafft aber auch in der Mit­te spie­le­risch ein ziem­li­ches Loch. Das mag gegen höher ste­hen­de Mann­schaf­ten nicht so ins Gewicht fal­len, aber wenn Du halt einen Spie­ler wie Phil­ipp Förs­ter hast, der — von sei­nem Tor abge­se­hen — eher für den Spiel­auf­bau wich­tig ist und davor einen Mit­tel­stür­mer, den Du nur über die Außen oder zu nah an der geg­ne­ri­schen Grund­li­nie anspielst, dann wird auch eine hän­gen­de Spit­ze wie Mar­moush immer unsicht­ba­rer. Dass er bei sei­nem ver­meint­lich spiel­ent­schei­den­den Tref­fer aus dem Nichts mit zwei Schnür­sen­kel-Mil­li­me­tern im Abseits stand, ändert auch nichts an den struk­tu­rel­len Pro­ble­men. Auch die Rocha­de mit dem nach­voll­zieh­bar­wei­se noch über­for­der­ten Tibi­di, der nach Silas Ein­wechs­lung von Mas­si­mos Posi­ti­on nach innen rück­te, brach­te kei­ne Bes­se­rung. Der VfB hat ohne Kalajd­zic nach wie vor ein Mit­tel­stür­mer-Pro­blem und auch wenn ich nicht erwar­te, dass Tay­fun Korkut lang­fris­tig Erfolg in Ber­lin haben wird — die­ses Spiel brach­te sei­ne Mann­schaft dadurch immer­hin wie­der unter Kon­trol­le, wenn auch nicht mehr.

Ich bin ja immer noch dafür, dass man in der Hin­run­de auf die Punk­te schaut und nicht auf die Plat­zie­rung. Ob wir am zwölf­ten, 14. oder 16. Spiel­tag zwi­schen­durch mal auf einem Abstiegs­platz ste­hen, beun­ru­higt mich nicht. Die Abstän­de sind so gering, dass Du sonst jede Woche zwi­schen Him­mel und Höl­le pen­deln wür­dest. 14 Punk­te hat der VfB jetzt nach 14 Spie­len. Hoch­ge­rech­net wären das 34 Punk­te und wür­de wahr­schein­lich knapp zum Klas­sen­er­halt rei­chen. 40 Punk­te hin­ge­gen braucht man seit Jah­ren nicht mehr für den Klas­sen­er­halt, inso­fern ist man, wenn man die­ses Ziel anpeilt, mehr als safe. Blie­be der VfB bei die­sen 14 Punk­ten an Weih­nach­ten ste­hen, wäre er im Hin­blick auf die 40-Punk­te-Mar­ke sechs Punk­te im Minus. Nichts unauf­hol­ba­res, es bedeu­tet aber, dass in der Rück­run­de irgend­wo mal ne Serie raus­sprin­gen muss und sich so Spie­le wie gegen Augs­burg und Bie­le­feld nicht wie­der­ho­len dür­fen.

Eine große Herausforderung

Sicher wird es gegen muti­ge­re Mann­schaft wie Wolfs­burg, Bay­ern und Köln jetzt offen­siv wie­der ein wenig leich­ter. Gleich­zei­tig haben die aber auch tor­ge­fäh­li­che­re Spie­ler in ihren Rei­hen, bzw. Mode­s­te. Wenn ich mich für die Lösung eines der bei­den gegen Ber­lin zuta­ge getre­te­nen Pro­ble­me ent­schei­den müss­te, wäre es das pas­si­ve Abwehr­ver­hal­ten. Ich weiß nicht wor­an es liegt, dass wir regel­mä­ßig eigent­lich zahl­reich genug hin­ter dem Ball sind, aber trotz­dem mit dem Kopf nicht da. Aber das abzu­stel­len wird die gro­ße Her­aus­for­de­rung der nächs­ten Wochen.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass schreibt sei­ne Saga von Cap­tain Kork fort.

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

1 Gedanke zu „Die Nikoläuse vom Neckar“

  1. Gut dass du auch mal unse­ren „ver­har­ren­den“ Tor­wart erwähnst, er strahlt aus mei­ner Sicht lei­der kei­ner­lei Sicher­heit aus und wirkt eher wie ein Tor­wart aus dem Jugend­be­reich. Unse­re Abwehr ist sich selbst über­las­sen und benö­tigt aber einen Antrei­ber wie es frü­her Gre­gor Kobel war, den ich wirk­lich sehr ver­mis­se.
    Das gest­ri­ge Spiel ähnel­te ja dem Mainz-Spiel, nur da haben die Fans dafür gesorgt dass die Mann­schaft einen star­ken Kampf lie­fer­te, der 12. Mann hat defi­ni­tiv gefehlt.
    Bes­ter Spie­ler war Mar­moush, den län­ger zu ver­pflich­ten wird sehr schwer wer­den, wenn er „hof­fent­lich“ so wei­ter macht. Irgend­wie eine ganz komi­sche Sai­son die­ses Jahr, da ist nichts schein­bar nichts plan­bar und auch unser Trai­ner wirkt eher hilf­los mit die­ser „Ras­sel­ban­de“.

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