Back in the game

Wieder gerät der VfB früh in Rückstand, aber anders als gegen Freiburg gelingt ihm in Mainz ein fulminante Auswärtssieg. Ist der VfB wieder in der Bundesliga angenommen?


Wir VfB-Fans sind ja durchaus geplagt vom Phänomen des deja vu: Frühes Gegentor und dann 90 Minuten ergebnislos eine stabile Abwehr anrennen? Kennen wir. Spielerisch gut aussehen, aber die Früchte der Spielkunst nicht ernten? Kennen wir. In Mainz nicht gewinnen? Alter Hut. Das Mainzer 1:0 durch Quaison in der 13. Minute am Samstag war also quasi das ultimative deja vu: Der VfB hatte die Hausherren eine knappe Viertelstunde lang sehr ansehnlich unter Druck gesetzt, ohne daraus etwas Zählbares zu ziehen. Dann düpierten die 05er mit einer simplen hohen Flanke die schlecht positionierte VfB-Defensive – in diesem Fall machte Anton wie schon gegen Freiburg keine gute Figur – und der eben erwähnte Mainzer Spieler musste nur noch an Kobel vorbei ins Tor köpfen.

Anders als in dieser Szene ließ die VfB-Abwehr auch in diesem Spiel dem Gegner beim Gegentor zu viel Platz. Bild: © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Anders als in dieser Szene ließ die VfB-Abwehr auch in diesem Spiel dem Gegner beim Gegentor zu viel Platz. Bild: © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Endo rettet, Silas regelt

Was folgte, war ein ziemlich kopfloses Hin und Her von schlecht ausgespielten Angriffen und Rettungstaten vor dem eigenen Strafraum. Mainz wurde immer selbstbewusster, nachdem sie in der Anfangsviertelstunde fast zu zerfallen drohten (sorry, hier gibt es keine Streikwitze), waren aber zum Glück nicht so gefährlich wie die Freiburger vor Wochenfrist. Das lag lag auch am erneut bärenstarken Endo, der nicht nur mit über elf die meisten Kilometer im Team mache, sondern sich darüber hinaus im Sechserraum über das ganze Spiel unglaublich viele Bälle sicherte – entweder im direkten Duell oder im Raum.

Und als man sich fast damit abgefunden hatte, dass es vorerst weitergehen würde mit dem Abfangen und dem Scheitern am gegnerischen Strafraum, da spielte Gonzalo Castro einen traumhaften Pass auf Silas Wamangituka, der aus halbrechter Position so kaltschnäuzig wie präzise seinen dritten Treffer im dritten Pflichtspiel erzielte. Ja, auch damit konnte man in Stuttgart nicht rechnen in den letzten Jahren und erst recht nicht nach dem holprigen Aufstieg: Der VfB hat mit sechs Treffern aus zwei Spielen, erzielt von drei verschiedenen Angreifern und einem offensiven Mittelfeldspielern, aktuell kein Stürmerproblem. Denn dem Ausgleich folgte eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff der Führungstreffer, als der ansonsten leider wieder blasse Didavi den Querpass des von Endo fantastisch freigespielten Kalajdzic nur noch über die Linie drücken musste.

Das Rössle springt höher

Teto Klimowicz schiebt seinen ersten Bundesliga-Treffer ein. Bild: © imago
Teto Klimowicz schiebt seinen ersten Bundesliga-Treffer ein. Bild: © imago

Was mir schon in in Rostock und gegen Freiburg gefallen hat: Die Mannschaft spielt einfach weiter, unabhängig vom Spielstand. Und sie spielt zielstrebig, wenn auch nicht immer erfolgreich nach vorne, statt sich aus Ratlosigkeit den Ball zuzuschieben und darauf zu warten, dass der Schiedsrichter sie von ihrem Leiden erlöst. Endlich springt das Stuttgarter Rössle mal höher als es unbedingt muss. Und so beschränkten sich die Brustringträger, obwohl sie nach dem Führungstreffer defensiv wieder ein wenig ins Schwimmen gerieten, nicht darauf, den knappen Vorsprung lediglich über die Zeit zu retten. Vielleicht waren die nach dem Platzverweis für Niakhaté dezimierten Mainzer auch einfach zu leichte Beute für die schnellen Beine der VfB-Offensive. Auf jeden Fall stellten Klimowicz, dem man dieses Erfolgserlebnis nach dem schweren Freiburg-Spiel nur wünschen konnte und Kalajdzic innerhalb weniger Minuten auf 4:1. Beeindruckend, auch wenn Mainz sich zumindest defensiv nun wirklich langsam auflöste, wie Klimowicz noch den Mainzer Torwart umdribbelte, während Kalajdzic aus einer schwierigen Schussposition erfolgreich traf. Nur zur Erinnerung: Der beste Torschütze der vergangenen Zweitliga-Saison ist immer noch verletzt. Schade, dass uns Kalajdzic in dieser Spielzeit erst nach der Corona-Pause zur Verfügung stand. Er hätte uns vielleicht viele Nerven schonen können.

Mit dem 4:1 in Mainz hat der VfB zunächst einmal bewiesen, dass er in der Lage ist, gegen direkte Konkurrenten um den Klassenerhalt zu punkten. Positiv ist auch, dass die Mannschaft nach einem Rückstand nicht zerfällt und jetzt zweimal zurück ins Spiel gefunden hat. Einen nicht unwesentlich Anteil daran hat sicherlich Wataru Endo der auf der Sechs unglaublich viel anfängt, egal ob im direkten Duell oder im Raum. Der Angriff scheint auch ohne ihren zuletzt besten Stürmer in der Lage zu sein sich die in dieser Liga teilweise bietenden Räume zu nutzen.

Klagen auf hohem Niveau

Was mir auch im Hinblick auf Gegner wie Leverkusen oder nach der Länderspielpause Hertha Sorgen macht, ist die Zuordnung in der Dreierkette, die zudem nächsten Samstag auf Stenzel verzichten und damit erneut in einer neuen Zusammenstellung antreten muss. Auch überzeugten weder Sosa noch Wamangituka offensiv in ihren Rollen als Wingbacks so richtig: Ersterer kam mit keiner seiner acht Flanke durch, Letzterer war auf der Außenbahn erneut verschenkt. Seine beiden Scorerpunkte holte sich Silas, ähnlich wie Kollege Sasa, über lange Bälle durch die Mitte. Noch ein Manko: Der VfB hatte insgesamt neun Ecken, acht davon in der schwierigen ersten Hälfte, in der eben auch viele Angriffsversuche ins Toraus geklärt wurden. Aus denen er leider viel zu wenig machte, auch weil häufig im Rückraum jemand für den zweiten Ball fehlte.

Aber das ist bezogen auf dieses Spiel Klagen auf hohem Niveau. Sowohl die Art und Weise der Tore, als auch das Ergebnis sollten uns in der kommenden Woche mit Stolz erfüllen: Der VfB ist zurück in der Bundesliga und er ist (noch) nicht das Kanonenfutter für die anderen Erstligisten, als das die Mannschaft während der letzten Saison bisweilen so voreiliger- wie unsinnigerweise hingestellt wurde. Mal ganz abgesehen davon, dass so ein hoher Auswärtssieg, zudem gegen einen direkten Konkurrenten und nicht gegen einen lustlosen Meister wie im Mai 2018, sich einfach gut anfühlt. Wenn es dann am Samstag gegen Leverkusen geht, rechne ich mir aktuell wenig aus. Womit ich aber rechne und worauf ich hoffe, ist, dass die Mannschaft über 90 Minuten alles gibt. Damit wir in der Bundesliga nicht nur wieder ankommen, sondern auch bleiben.

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