Weihnachtsfrust

Eigent­lich bin ich ja schon in Fei­er­tags­stim­mung. Aber ganz unkom­men­tiert kann ich das Pokal­spiel in Mainz und die Trans­fer­nach­rich­ten vom Mitt­woch nicht las­sen.

Ich will mich eigent­lich gar nicht mehr groß auf­re­gen — das habe ich die bei­den letz­ten Tage genug getan — des­we­gen hal­te ich mich heu­te kurz. Ich bin ja auch irgend­wie selbst schuld:

Mainz weg­hau­en, durch­schnau­fen, Feh­ler ana­ly­sie­ren und dann in der Rück­run­de den Klas­sen­er­halt klar machen!

Das schrieb ich am Wochen­en­de nach dem bit­te­ren Nicht-Unent­schie­den gegen die Bay­ern. In dem irri­gen Glau­ben, dass die Mann­schaft nach einem der bes­ten Sai­son­spie­le begrif­fen hät­te, wel­ches Auf­tre­ten von­nö­ten ist, um in der Liga zu bestehen: Kampf von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te, selbst bei Rück­stand. Ich hät­te es bes­ser wis­sen müs­sen.

Schmeichelhafte Führung, schlechter Elfer

Ein Tor! Ein richtiges Tor! Das erste und einzige im Dezember 2017. Bild: © VfB-Bilder.de
Ein Tor! Ein rich­ti­ges Tor! Das ers­te und ein­zi­ge im Dezem­ber 2017. Bild: © VfB-Bilder.de

Statt­des­sen sahen die knapp 5.000 mit­ge­reis­ten VfB-Fans — immer­hin ein Vier­tel der Anwe­sen­den — am Diens­tag­abend den glei­chen Stie­fel wie in den vor­an­ge­gan­ge­nen Spie­len in der Liga: Halb­ga­re Flan­ken, Fehl­päs­se, Rück­päs­se, Quer­päs­se. Das Glück des VfB war, dass Mainz nicht ohne Grund die glei­che Punkt­zahl hat: So konn­te der VfB trotz­dem in Füh­rung gehen und das sogar mit einem schö­nen Dop­pel­pass zwi­schen Chris­ti­an Gent­ner und Chadrac Ako­lo. Umso unver­ständ­li­cher, dass die Mann­schaft die­se Aus­wärts­füh­rung nach der Pau­se ein­fach, man kann es nicht anders sagen, ver­schenk­te.

Natür­lich gehört zur Geschich­te die­ses Spiels auch der zwei­ten ver­schos­se­nen Elf­me­ter inner­halb weni­ger Tage. War es am Sams­tag noch der jun­ge Ako­lo, über­nahm dies­mal Den­nis Aogo die ehren­vol­le Aufgabe…und pro­du­zier­te eine Kopie des Ako­lo-Elfers, mit iden­ti­schem Aus­gang. Wäre das Spiel mit einer 2:0‑Führung des VfB anders ver­lau­fen? Ich kann es mir fast nicht vor­stel­len. Denn der VfB war von zwei mit­tel­mä­ßig bis schlech­ten Mann­schaf­ten die Düm­me­re.

Rückpässe schießen keine Tore

Natür­lich muss man auch das absur­de Ver­let­zungs­pech erwäh­nen, das dazu führ­te, dass die Brust­ring­trä­ger mit einer Drei­er­ket­te bestehend aus Aogo, Kamin­ski und Baum­gartl auf­lie­fen.  Was aber weder erklärt, war­um die Mann­schaft im kol­lek­ti­ven Tief­schlaf zwei Gegen­to­re nach Stan­dards kas­sier­te, noch, war­um sie nicht in der Lage war, genü­gend Druck auf­zu­bau­en, um doch noch den Aus­gleich zu erzwin­gen. Als hät­te ihnen nicht das Spiel gegen den Meis­ter vor Augen geführt, dass man durch Ball­ge­schie­be kei­ne Tore schießt.

Jetzt könn­te man natür­lich sagen: Ist doch nur Pokal, nur die Liga zählt! Dumm nur, dass wir in knapp einem Monat schon wie­der nach Mainz fah­ren. Viel­leicht mit weni­ger Ver­letz­ten und hof­fent­lich mit dem einen oder ande­ren Neu­zu­gang — dazu spä­ter mehr — aber im schlimms­ten Fall mit der glei­chen Men­ta­li­tät. Ich war ja über einen Groß­teil der Hin­run­de davon aus­ge­gan­gen, dass die Mann­schaft den Abstiegs­kampf ange­nom­men hat. Die zwei­te Halb­zeit wider­leg­te die­se The­se ein­drucks­voll.

Oh captain, my captain

Einer geht vorneweg. Es ist nicht der Kapitän. Bild: © VfB-Bilder.de
Einer geht vor­ne­weg. Es ist nicht der Kapi­tän. Bild: © VfB-Bilder.de

Dabei geht es gar nicht dar­um, dass “Mainz weg­hau­en” von vorn­her­ein eine unrea­lis­ti­sche Auf­ga­ben­stel­lung ist. Wir hau­en die­ses Jahr nie­man­den weg. Aber so kannst Du, so darfst Du nicht gegen einen direk­ten Kon­kur­ren­ten im Abstiegs­kampf auf­tre­ten, selbst wenn es ein ande­rer Wett­be­werb ist. Und so ende­te auch das fünf­te Pflicht­spiel im Dezem­ber mit einer Nie­der­la­ge. Ver­ständ­lich, dass dem Gäs­te­block nach die­sem spie­le­ri­schen und men­ta­len Rück­schritt der Gedulds­fa­den riss. Nie­der­la­gen gegen Bay­ern und Lever­ku­sen kann man ver­kraf­ten, die feh­len­de Bereit­schaft, im letz­ten Spiel des Jah­res noch­mal einen raus­zu­hau­en, nicht.

Weni­ger ver­ständ­lich war das, was sich nach Abpfiff abspiel­te. Da trot­te­te eine Mann­schaft, die schon mit­be­kom­men hat­te, dass der Block koch­te, lang­sam Rich­tung Gäs­te­fans, um sich beschimp­fen zu las­sen. Für vie­le eine neue Erfah­rung, für einen nicht. Aber aus­ge­rech­net Chris­ti­an Gent­ner war es, der den Aus­flug zum ent­täusch­ten Anhang lie­ber frü­her als spä­ter abge­bro­chen hät­te und — so schien es — von Ron-Robert Zie­l­er über­zeugt wer­den muss­te, ste­hen zu blei­ben, wenn er schon nicht wei­ter nach vor­ne gehen woll­te. Das muss man sich mal klar­ma­chen: Der Tor­wart, der seit August im Ver­ein ist, muss den Kapi­tän, das Ver­eins-Urge­stein, über­re­den, nicht vor den eige­nen Fans davon zu lau­fen. So stark Gent­ner spie­le­risch unter­wegs gewe­sen sein soll — ich fand es eher mäßig — so schwach war sei­ne Vor­stel­lung nach Abpfiff. Aber wer soll ihm bei der Fluk­tua­ti­on im Kader das Amt strei­tig machen?

Die Konkurrenz gestärkt

Womit wir beim zwei­ten Auf­re­ger­the­ma die­ser Woche sind. Es hat­te sich schon ange­deu­tet, am Mitt­woch Vor­mit­tag wur­de es offi­zi­ell: Simon Terod­de, der den VfB mit 25 Toren in die Bun­des­li­ga geschos­sen hat­te, wech­selt mit sofor­ti­ger Wir­kung zum 1. FC Köln. Um es sich noch­mal auf der Zun­ge zer­ge­hen zu las­sen: Der VfB lässt einen Stür­mer auf des­sen Wunsch hin zu einem Ver­ein zie­hen, des­sen Ziel es ist, den VfB in der Tabel­le ein­zu­ho­len. Zu einer Mann­schaft, die das in die­ser Sai­son beach­tens­wer­te Kunst­stück zustan­de bringt, noch weni­ger Tore zu schie­ßen als die Män­ner im Brust­ring.

Nicht nur das: Der VfB ver­kauft den ein­zi­gen Stür­mer, der nicht alle paar Wochen ver­letzt aus­fällt. Ohne den Ver­letz­ten dar­aus einen Vor­wurf machen zu wol­len, aber gera­de bei Dani­el Gin­c­zek mache ich mir echt Sor­gen. Selbst­ver­ständ­lich steht noch kein Ersatz bereit, denn, oh Wun­der, auch mit den paar Daim­ler-Mil­lio­nen sind Win­ter­trans­fers schwie­rig. Erst recht, wenn alle Welt weiß, dass man bei ca. 10 Mil­lio­nen Euro aus­steigt und jetzt drin­gend einen neu­en Stür­mer braucht. Wenn es nun Terod­des unbe­ding­ter Wunsch ist, nach Köln zu wech­seln — kann man dann nicht wenigs­tens mit dem Wech­sel war­ten, bis man Ersatz hat?

Abgehauen

Ich ver­ste­he aber auch Terod­de nicht. Der Wie­der­auf­stieg ist für die gesam­te Mann­schaft eine neue Situa­ti­on. Die Hälf­te der Spie­ler bestritt gegen Her­tha das ers­te Bun­des­li­ga-Spiel ihres Lebens. Natür­lich läuft in so einer Hin­run­de nicht alles opti­mal. Natür­lich traf Terod­de sel­te­ner als er und wir uns das gewünscht hät­ten. Was aber auch dar­an lag, dass kei­ner unse­rer Offen­siv­spie­ler eine Idee hat, wie man den Ball gefähr­lich in den Straf­raum bringt. Aber haue ich des­we­gen nach einer Halb­se­rie ab, zu einer Mann­schaft, die mit einem Bein in der zwei­ten Liga steht? Wozu? Um sich die Tor­jä­ger­kro­ne der zwei­ten Liga zurück zu holen?

Ja, Her­zens­ver­ein und so. Klar. Des­we­gen koket­tiert man auch vor nicht mal einem hal­ben Jahr mit einem Wech­sel zum rhei­ni­schen Erz­ri­va­len, um einen bes­ser dotier­ten Ver­trag zu bekom­men. Ich weiß nicht, wie viel davon mit sei­nem Bera­ter zu tun hat, aber irgend­wie hät­te ich von einem so boden­stän­dig wir­ken­den Spie­ler wie Terod­de etwas ande­res erwar­tet. Aber ja: Ich weiß, wie es im moder­nen Fuß­ball läuft. Trotz­dem wäre es mir lie­ber gewe­sen, er hät­te die Her­aus­for­de­rung ange­nom­men, sich bei uns auch in der Bun­des­li­ga durch­zu­set­zen. Tschüss, Simon. Dan­ke für die 25 Tore. Viel Spaß in der zwei­ten Liga — hof­fent­lich.

Die Lücke schließen

So, jetzt ist der Text doch län­ger gewor­den, als er es eigent­lich soll­te, aber das muss­te noch ein­mal raus. Von Josip Bre­ka­lo und sei­nem ver­meint­li­chen Wunsch, im Win­ter nach Wolfs­burg zurück zu keh­ren, will ich gar nicht erst anfan­gen. Wir haben ja kein Offen­siv­pro­blem oder so.

Ich hät­te mir einen schö­ne­ren Start in den Weih­nachts­ur­laub und die Win­ter­pau­se vor­stel­len kön­nen. Jetzt bin ich gespannt, wen Micha­el Resch­ke im Win­ter aus dem Hut zau­bert. Denn zu “Ja zum Erfolg” gehört auch, dass wir alles tun, um nicht wie­der abzu­stei­gen.

Frohe Weihnachten!

Jetzt aber erst­mal genug davon. Wir wün­schen euch fro­he Weih­nach­ten und schö­ne Fei­er­ta­ge. Wenn Ihr es noch nicht getan habt, hört Euch unse­re sehr inter­es­san­tes Inter­view mit Cacau an. Ein sehr sym­pa­thi­scher und offe­ner Mensch, der viel zu erzäh­len hat. Lasst Euch reich beschen­ken und gut gehen. Zum Sport mel­den wir uns im neu­en Jahr wie­der, an des­sen Ende der VfB hof­fent­lich wei­ter­hin in der Bun­des­li­ga spielt.

 

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Rund um den Brustring
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