Same same, but different

Der VfB ver­liert zu Hau­se gegen den FC Bay­ern. Eigent­lich wenig über­ra­schend, aber den­noch haar­scharf. Eines der bes­ten Sai­son­spie­le hin­ter­lässt bei Fans des Brust­rings gemisch­te Gefüh­le.

Der VfB zeigte in vielerlei Hinsicht seine beste Saisonleistung. Bild: © Eric Späte
Der VfB zeig­te in vie­ler­lei Hin­sicht sei­ne bes­te Sai­son­leis­tung. Bild: © Eric Spä­te

Pas­send zur Jah­res­zeit wuss­te vor dem Heim­spiel, das frü­her als “Süd­gip­fel” bezeich­net wur­de, eigent­lich jeder, wie es lau­fen wür­de: Der VfB wür­de gut mit­hal­ten, lan­ge das 0:0 hal­ten und am Ende den einen spiel­ent­schei­den­den Feh­ler machen, weil man indi­vi­du­ell dann doch viel schlech­ter besetzt ist als der Meis­ter. Weil hin­ten wie­der irgend­ei­ner pennt. Busi­ness as usu­al, oder auch: same pro­ce­du­re as every game, James!

Genau so lief es natür­lich auch. Aber doch irgend­wie anders als erwar­tet. Der VfB atta­ckier­te wie schon am Mitt­woch in Hof­fen­heim die Bay­ern früh in der eige­nen Hälf­te und kam dadurch auch zu den ers­ten Tor­chan­cen. Die wur­den zwar genau­so wenig ver­wer­tet wie in den letz­ten Spie­len, die Brust­ring­trä­ger muss­ten sich aber auch gegen eine wesent­lich bes­se­re Abwehr durch­set­zen. Aus­nahms­wei­se mal hilf­reich bei den Offen­siv­be­mü­hun­gen war Andre­as Beck, der sei­ne Rol­le als Außen­ver­tei­di­ger wesent­lich offen­si­ver inter­pre­tier­te und damit vor­ne Räu­me und Anspiel­mög­lich­kei­ten schuf. Der Wil­len des VfB, es dem Geg­ner so schwer wie mög­lich zu machen, zog sich durch das gan­ze Spiel und wur­de weder von der ver­let­zungs­be­ding­ten Aus­wechs­lung Simon Terod­des, noch vom obli­ga­to­ri­schen Gegen­tref­fer gebro­chen. Rein vom spie­le­ri­schen Ansatz her war das eines der bes­ten Sai­son­spie­le, weil die Mann­schaft die Bay­ern über 90 Minu­ten unter Druck setz­te und sich die Münch­ner kein Ver­schnau­fen leis­ten konn­ten. Her­vor­he­ben soll­te man an die­ser Stel­le noch­mal Ron-Robert Zie­l­er, der erneut ein bock­star­kes Spiel ablie­fer­te und den VfB so im sel­bi­gen hielt.

Drama, baby!

Das Fie­se an die­ser Par­tie war die letz­te Vier­tel­stun­de. Natür­lich traf Tho­mas Mül­ler genau in dem Moment, als man vor­sich­tig zu hof­fen wag­te, das Enga­ge­ment des VfB wür­de viel­leicht mit einem 0:0 belohnt. Immer­hin: Die Mann­schaft gab das Spiel danach nicht ver­lo­ren, son­dern rann­te wei­ter an. Ja gut, denkst Du Dir. Hast von dem Spiel punk­te­mä­ßig eh nichts erwar­tet. Was solls. Und dann kriegt der VfB in der Nach­spiel­zeit nach eini­gem Video­be­weis-Hin und Video­be­weis-Her einen Elf­me­ter zuge­spro­chen. Vor der Cannstat­ter Kur­ve. Wie geil wär das denn?! Doch noch einen Punkt mit­neh­men! Chadrac Ako­lo schnappt sich den Ball. Der Jun­ge, der gegen Hof­fen­heim noch unter Schmer­zen aus­ge­wech­selt wur­de und trotz­dem am Sams­tag in der Start­elf stand. Und er ver­schießt.

Gehofft, hingenommen, wieder gehofft, enttäuscht: Die letzten 15 Minuten. Bild: © VfB-Bilder.de
Gehofft, hin­ge­nom­men, wie­der gehofft, ent­täuscht: Die letz­ten 15 Minu­ten. Bild: © VfB-Bilder.de

Wie gemein der Fuß­ball sein kann, hat der Ver­ti­kal­pass schon treff­lich zusam­men­ge­fasst. Da hast Du die Hoff­nung schon auf­ge­ge­ben, wirst zunächst eines bes­se­ren belehrt und dann doch wie­der ent­täuscht. Wahn­sinn. Ein unnö­ti­ges Dra­ma am Ende einer zuletzt zähen, ner­vi­gen, mit­un­ter uner­freu­li­chen Hin­run­de. Dann noch die­se gan­zen “ausgerechnet”-Momente. Aus­ge­rech­net Sven Ulreich, der vor dem Spiel noch­mal klar stell­te, dass er damals nicht gehen woll­te, son­dern gegan­gen wur­de, pariert den Elf­me­ter. Aus­ge­rech­net vor der Cannstat­ter Kur­ve, die ihn, wie der Rest des Sta­di­ons, 90 Minu­ten lang aus­ge­pfif­fen und beschimpft hat­te. Das reicht für’s Bou­le­vard locker bis zum Rück­run­den­be­ginn.

Wobei ich die Anfein­dun­gen gegen Ulreich nur bedingt nach­voll­zie­hen kann. Ja, es ist ein Ex-Spie­ler bei einem Kon­kur­ren­ten. Bei einem Kon­kur­ren­ten, den man­che VfB-Fans mit einer sol­chen Inbrunst has­sen, dass sie sogar lie­ber Red Bull als Meis­ter sähen. Aber wie ich schon vor über zwei Jah­ren schrieb: Der Wech­sel von Ulreich zu den Bay­ern war das Bes­te, was uns damals pas­sie­ren konn­te. Denn sport­lich sta­gnier­te er schon seit einer Wei­le, konn­te der Abwehr nicht die nöti­ge Sicher­heit ver­mit­teln. Gleich­zei­tig kannst Du jeman­den, der so lan­ge im Ver­ein ist, nicht ein­fach vor die Tür set­zen. Eine der weni­gen ver­nünf­ti­gen Ent­schei­dun­gen Robin Dutts war es, das den­noch zu tun. War­um also Ulreich aus­pfei­fen? Aus Reflex?

Respekt an die Kurve!

Wie auch immer. Über­flüs­sig, aber irgend­wie auch nicht so wich­tig. Viel wich­ti­ger war, wie es Chadrac Ako­lo nach sei­nem ver­schos­se­nen Elf­me­ter ging. Und wie schon bei Timo Baum­gartl vor ein paar Jah­ren zeig­te die Cannstat­ter Kur­ve, welch fei­nes Gespür sie für den rich­ti­gen Umgang mit ihren Spie­lern, gera­de mit den jun­gen hat:

An die­ser Stel­le einen schö­nen Gruß an die gan­zen Dumm­schwät­zer, die seit Jah­ren die Mär vom über­kri­ti­schen Stutt­gar­ter Publi­kum wei­ter­tra­gen. Anstatt sich sich rich­tig damit zu beschäf­ti­en. Mit einer Fan­sze­ne, die seit Jah­ren den lang­sa­men Ver­fall ihres Ver­eins mit anse­hen muss­te. Die trotz­dem erst dann eska­lier­te, als es die Mann­schaft im zigs­ten Anlauf end­lich geschafft hat­te, den Ver­ein in der zwei­ten Liga zu ver­sen­ken. Die dem Ver­ein in der zwei­ten Liga die Bude ein­rann­te und das größ­ten­teils in der Bun­des­li­ga wei­ter­hin tut. Die einen 19jährigen, der einen Elf­me­ter in der Nach­spiel­zeit ver­schießt, umarmt und nicht aus­stößt. Sucht euch end­lich eine ande­re schlecht recher­chier­te Sto­ry­line!

Keep calm and rock the Rückrunde!

Was bleibt also nach die­sem Spiel? Die vier­te Nie­der­la­ge in Fol­ge. Das vier­te Mal in Fol­ge kein Tor geschos­sen. Aber auch ein Ansatz, wie man in der Rück­run­de erfolg­rei­cher agie­ren kann. Mit offen­si­ven Außen­ver­tei­di­gern, die im Bes­ten Fall spie­le­risch noch etwas beschla­ge­ner sind als Aogo und Beck. Mit einem 90minütigen Anren­nen auf das geg­ne­ri­sche Tor aus einer gesi­cher­ten Defen­si­ve her­aus. Mit einem Simon Terod­de, der ges­tern, auch wenn er kei­ne Tor geschos­sen hat, sei­ne Stär­ken gezeigt hat, nicht nur bei der Hacken­vor­la­ge auf Ako­lo. Mit einem Han­nes Wolf, der in sei­nem ers­ten hal­ben Jahr als Bun­des­li­ga-Trai­ner mit Sicher­heit nicht alles rich­tig gemacht hat. Aber auch nicht alles falsch. Und dem man, wie der Mann­schaft, die Win­ter­pau­se zuge­ste­hen muss, um sich zu rege­ne­rie­ren und für die Rück­run­de tak­tisch und per­so­nell bes­ser auf­stel­len zu kön­nen.

Klar ist wei­ter­hin: Wie­der abstei­gen darf der VfB nicht. Aber er darf jetzt auch nicht den Kopf ver­lie­ren, weil er als Auf­stei­ger den Klas­sen­er­halt nicht schon zu Weih­nach­ten in der Tasche hat. Uns muss allen klar sein, dass es die­ses Jahr um nichts ande­res geht, als über dem Strich zu blei­ben. Egal wie. Dabei hät­te ein Punkt gegen Mün­chen sicher­lich gehol­fen. Viel mehr aber hät­ten drei Punk­te in jenen Spie­len gehol­fen, in denen man ver­nünf­ti­ger­wei­se mit ihnen rech­nen konn­te. Ich habe es schon im Pod­cast gesagt: Mainz weg­hau­en, durch­schnau­fen, Feh­ler ana­ly­sie­ren und dann in der Rück­run­de den Klas­sen­er­halt klar machen!

 

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