Rund um das Spiel in München

Zum letz­ten Geg­ner­in­ter­view in die­ser Sai­son haben wir uns FCB-Fan Ste­fen Nie­mey­er (@FCBlogin) ein­ge­la­den und reden mit ihm über das Spiel am Sams­tag und die Bay­ern.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Ste­fen, vie­len Dank dass Du Dir Zeit für unse­re Fra­gen zu dem Spiel nimmst, das frü­her ein­mal Süd­gip­fel hieß. Wir haben uns ja kurz nach der Ver­pflich­tung von Hol­ger Bad­s­tu­ber über ihn unter­hal­ten, damals hat­test Du aber kei­ne Gele­gen­heit Dich vor­zu­stel­len. Also los: Wie bist Du zum FCB gekom­men, wor­um geht es bei “Über die Linie”?

Ste­fen: In den sieb­zi­ger Jah­ren war „Fan­sein“ etwas völ­lig ande­res als heu­te. Es gab kei­ne täg­li­che Info- und Umter­hal­tungs­be­rie­se­lung, kei­ne Live­spie­le dei­nes Lieb­lings­ver­eins im Fern­se­hen oder Inter­net. Die Ver­bin­dung zur Welt da drau­ßen waren die Tages­zei­tung mit einer Sei­te Sport, wo es um tat­säch­lich um Sport und nicht vor­ran­gig nur um Fuß­ball ging und die wöchent­li­che Sport­schau mit ein paar Minu­ten Spiel­be­richt. Von drei Spie­len und nicht jedem. Auf einem Dorf in der Lüne­bur­ger Hei­de groß gewor­den gab es für mich auch kein „Sup­port your local club“ – wir hat­ten nicht ein­mal einen Fuß­ball­ver­ein, son­dern spiel­ten stun­den­lang zu zwan­zig bar­fuß, in San­da­len oder Turn­schu­hen auf einer gro­ßen Wie­se vorm Orts­ein­gang. Oder schos­sen zu zweit oder dritt auf dem Bau­ern­hof auf Kopf­stein­pflas­ter gegen ein gro­ßes Scheu­nen­tor. Ich trat ein­mal in die Stei­ne statt gegen den Ball, das tat zwar weh, aber wir woll­ten wei­ter­spie­len – seit­dem kann ich auch mit links schie­ßen.

Zum „gro­ßen“ Fuß­ball kam ich erst ‚mit der WM 1974 – ich war sie­ben und sah zig Spie­le live im Fern­se­hen. Mei­ne Lieb­lings­spie­ler waren Mül­ler, Mei­er, Becken­bau­er (dass ein gewis­ser Uli Hoe­neß auch dabei war, wuss­te ich lan­ge nicht, er brann­te sich erst im EM-Fina­le 1976 in mein Gedächt­nis ein…), und die waren alle beim FC Bay­ern. Also wur­de ich Bay­ern-Fan. Was aber eben etwas völ­lig ande­res bedeu­te­te als heu­te.

Ende der Sieb­zi­ger wohn­ten wir in Ratin­gen nahe Düs­sel­dorf, da durf­te ich öfters ins Rhein­sta­di­on und bekam die Hoch­zei­ten von For­tu­na Düs­sel­dorf mit. Egon Koeh­nen, Wolf­gang Seel, Gerd Zewe, Klaus All­ofs … Wenn viel los war, kamen schon mal über 20.000 Zuschau­er ins Sta­di­on, zum Bei­spiel bei mei­nem ers­ten Bay­ern-Spiel im Sta­di­on. Es war der 9. Dezem­ber 1978 und wur­de die bis heu­te höchs­te Bun­des­li­ga-Nie­der­la­ge, 1–7. Das war für mich schon ziem­lich ent­täu­schend und dra­ma­tisch, was die Hel­den von frü­her auf dem Platz mach­ten, wie sie sich wehr­los abschlach­ten lie­ßen. Mai­er bekam einen Schuss aufs Tor, er stand erst reg­los da, dann sprang er dem Ball hin­ter­her als wäre es eine Kano­nen­ku­gel gewe­sen. War es aber nicht. Er ver­such­te nicht ein­mal, den Ball zu bekom­men. Ein schlim­mes Erleb­nis und einer der Grün­de, war­um ich bis heu­te nur müde über „Erfolgsfan“-Vorwürfe lächeln kann. In der Zeit hat­te ich übri­gens einen Bay­ern-Auf­nä­her hin­ten auf der Hosen­ta­sche und bekam öfters „Bay­ern am A…“ hin­ter­her­ge­ru­fen. Aber wie gesagt, ins­ge­samt spiel­te „Fuß­ball­fan-Sein“ für Kin­der und Jugend­li­che im All­tag ein weit­aus gerin­ge­re Rol­le.

Heut­zu­ta­ge kann ich auch in der Dia­spo­ra über das Inter­net Gleich­ge­sinn­te fin­den und mich mit ihnen aus­tau­schen, das ist ins­ge­samt sehr berei­chernd, wenn man sich nicht von den Trol­len run­ter­zie­hen lässt. Die neu­en Mög­lich­kei­ten erwei­tern den Hori­zont und bie­ten vie­le Ein­bli­cke, um mehr vom Sport, dem Geschäft und den Men­schen zu ver­ste­hen. Die­se Ein­bli­cke will ich ver­mit­teln, indem ich ein paar Men­schen aus­führ­li­cher vor­stel­le, in der Regel in Form von Inter­views. Eine Sache, die ich schon im Stu­di­um ent­deck­te, ist, dass es mir gro­ßen Spaß macht und in der Regel kei­ne Schwie­rig­kei­ten berei­tet, mich mit rela­tiv „berühm­ten“ oder bekann­ten Leu­ten zu unter­hal­ten. So ist es zur Idee gekom­men, in locke­rer Fol­ge Sport­jour­na­lis­ten vor­zu­stel­len, wozu ich den Blog „Über die Linie!“ nut­ze. Aktu­ell habe ich ein Inter­view schon län­ger lie­gen, dass noch abge­tippt, erwei­tert und ver­öf­fent­lich wer­den muss. Ich hof­fe, dazu kom­me ich noch im Mai end­lich.

Zunächst ein­mal Glück­wunsch zur Meis­ter­schaft. Auch wenn es die sechs­te in Fol­ge ist, Ihr einen mei­len­wei­ten Vor­sprung und fast drei Mal so vie­le Tore wie der VfB geschos­sen habt, ich fin­de das gehört sich ein­fach. Aber Hand aufs Herz: Packen Dich Bun­des­li­ga­spie­le im Früh­jahr noch emo­tio­nal? Gib uns einen Ein­blick in Dein See­len­le­ben, was die Liga angeht.

Ich habe letz­tens im Erfolgs­fans-Pod­cast (Sta­di­on­fol­ge zum Madrid-Hin­spiel) geschil­dert, dass die Meis­ter­schaft immer noch eine beson­de­re war, obwohl es die sechs­te in Fol­ge ist. Für mich war nach dem furio­sen BVB-Start und den #Unru­he­Bay­ern unter Ance­lot­ti die Scha­le nicht wie­der erreich­bar. Des­halb wun­de­re ich mich über die gan­zen Kom­men­ta­re, die schon wie­der von einer Zwangs­läu­fig­keit der Meis­ter­schaft aus­ge­hen, obwohl sie nach den ers­ten Wochen gar nicht abseh­bar war, so dass die Sprü­che dem Ver­lauf der Sai­son schlicht nicht gerecht wer­den. Da es nun die sechs­te Meis­ter­schaft in Fol­ge war, hat­te ich in der Tat kei­ne gro­ßen emo­tio­na­len Aus­brü­che (ganz anders als zum Bei­spiel nach dem ers­ten Kim­mich-Tor gegen Madrid), aber ich habe sie sehr, sehr genos­sen. Die Sai­son ist ein Mus­ter­bei­spiel dafür, dass es auch und gera­de bei einer Spit­zen­mann­schaft nicht gleich­gül­tig ist, wer der Trai­ner ist.

Der FC Bay­ern, das wird ger­ne über­se­hen, ist ein hoch­kom­ple­xes und emo­tio­na­les Gebil­de. Es knirsch­te und krach­te an vie­len Ecken, Sam­mer und Resch­ke waren weg, teils hat­ten sie von Uli, teils von Kal­le genug; die Mann­schaft trai­nier­te und spiel­te nicht mehr gut; die Spie­ler ver­lo­ren ihre tech­ni­sche Prä­zi­si­on (z.B. die Pass­qua­li­tät) und ent­wi­ckel­ten sich nicht mehr wei­ter; Kal­le und Uli waren und sind sich in zen­tra­len Fra­gen nicht oder nur unter gro­ßen Mühen einig — und so tipp­te ich auf den BVB als Herbst- und Bun­des­li­ga-Meis­ter. Car­los Auf­stel­lung für das PSG-Spiel war das Kün­di­gungs­schrei­ben, und der Ver­ein, nament­lich Uli, fand in #Don­Jupp die Ret­tung. Dass Heyn­ckes so ziel­stre­big und prä­zi­se vor­ging, ist für mich ein Zei­chen, dass er trotz Ruhe­stand immer noch so nah wie mög­lich am Fuß­ball dran­blieb, alles sehr genau beob­ach­te­te und sich stän­dig Gedan­ken mach­te, was er ändern wür­de. Inner­lich war er also, so emp­fin­de ich das, immer bereit, so dass Uli sich nicht ein­mal nackig machen muss­te, um ihn von der Not­hil­fe zu über­zeu­gen.

Es ging bei Bay­ern also sofort auf­wärts, zeit­gleich brach der BVB zusam­men (das Atten­tat, das kaput­te Mann­schafts­ge­fü­ge, Bosz‘ Infle­xi­bi­li­tät, das Zögern der Füh­rung, das per­spek­tiv­lo­se Stö­ger-Enga­ge­ment…); bei RBL fand die zu jun­ge und zu dünn besetz­te Mann­schaft kei­ne Kon­ti­nui­tät, wäh­rend die offe­ne Trai­ner­fra­ge und Macht­fra­gen zwi­schen Rang­nick, Mintzlaff und Hasen­hüttl bis heu­te für unpro­duk­ti­ve Unru­he gesorgt hat; Bay­er spiel­te trotz feh­len­der eng­li­scher Wochen nicht kon­stant genug, wäh­rend Heyn­ckes wie ein Zau­be­rer mit sei­ner Ziel­stre­big­keit und Erfah­rung für neu­en Zusam­men­halt sorg­te und Braz­zo als Sport­di­rek­tor neben der schwa­chen Außen­dar­stel­lung nach innen aber einen min­des­tens guten Job macht.

Im Übri­gen fin­de ich es scha­de und ver­schenkt, eine Sai­son allein auf Meis­ter­schaft und Titel zu beschrän­ken. Es sind so vie­le span­nen­de oder inter­es­san­te Geschich­ten zu erzäh­len.

Die Fra­ge, war­um der FC Bay­ern die Liga der­art domi­niert, wur­de ja bereits zur Genü­ge dis­ku­tiert und dabei ent­we­der dem FCB oder der schwa­chen Kon­kur­renz die Schuld zuge­scho­ben. Kannst Du Dir vor­stel­len, dass es in abseh­ba­rer Zeit eine euro­pa­wei­te Eli­te­li­ga gibt, in die der FC Bay­ern dann auf­stei­gen und damit wie­der Span­nung in den Kampf um die deut­sche Meis­ter­schaft brin­gen wür­de?

Die DFL ist kei­ne Kon­struk­ti­on, die den Fuß­ball aktiv und inno­va­tiv gestal­tet. Sie reagiert, und das spät, auf Ent­wick­lun­gen. Seit Peps ers­tem Jahr, also seit 2014 ist die Bun­des­li­ga eine ein­sei­ti­ge Ange­le­gen­heit, die­se Sai­son hat gezeigt, dass es eine lan­ge Schwä­che­pha­se der Bay­ern braucht, um einen span­nen­den sport­li­chen Wett­be­werb um die Meis­ter­schaft zu erle­ben. Wie stop­pen wir den Bein- und Bra­in­drain der Liga Rich­tung Eng­land? Was muss die Liga, was müs­sen die ein­zel­nen Klubs bie­ten, dass sie für Welt­klas­se-Mana­ger, ‑Trai­ner, ‑Wis­sen­schaft­ler, ‑Medi­zi­ner, ‑Spie­ler usw. inter­es­sant wer­den? Nützt oder hin­dert die 50+1‑Regel dabei? Die­se Dis­kus­sio­nen müs­sen geführt wer­den, ob am Ende eine euro­päi­sche Meis­ter­schafts­li­ga ste­hen wird, wür­de ich grund­sätz­lich nicht aus­schlie­ßen, allein weil ich das von der euro­päi­schen Idee her sinn­voll hal­te. Aber das wird noch dau­ern, der­weil läuft uns Eng­land davon, weil sie ihr Geld inzwi­schen stra­te­gisch sehr sinn­voll anle­gen statt es ein­fach nur raus­zu­bal­lern.

Zurück zum hier und jetzt: Nach dem Aus­schei­den im Cham­pi­ons League-Halb­fi­na­le gegen Real Madrid hieß es, nie sei es so mach­bar gewe­sen, Real zu schla­gen und die Cham­pi­ons League zu gewin­nen. Wie siehst Du das?

Klar war es mög­lich, in das Fina­le ein­zu­zie­hen. Real hat im ers­ten Spiel eine enor­me Effi­zi­enz gezeigt, wäh­rend uns das Spiel­glück fehl­te. Die Sum­me an Chan­cen zeigt, wie wenig und doch viel uns gefehlt hat. Ähn­lich im Rück­spiel, als wir noch domi­nan­ter waren. Über indi­vi­du­el­le Feh­ler oder nicht gege­be­ne Elf­me­ter brau­chen wir nicht lamen­tie­ren, es ist ja nicht so, dass uns in den letz­ten Jah­ren gege­be­ne Elf­me­ter geret­tet oder die Geg­ner kei­ne Feh­ler gemacht hät­ten. Es waren auch so genug Chan­cen da.

Aber das Aus­schei­den wird nicht zu einem ähn­li­chen Kampf- und Korps­geist wie nach 2012 füh­ren. Trotz­dem, neue Sai­son, neu­es Glück.

Freust Du dich eigent­lich auf Euren neu­en Trai­ner Niko Kovac oder bist Du, wie manch einer, eher skep­tisch? Was erwar­test Du von ihm?

Einer­seits könn­te man Kovac als drit­te Wahl betrach­ten, ande­rer­seits muss ihm vor ein­ein­halb Jah­ren schon jemand gesagt haben, dass er sich für den FCB bereit­hal­ten soll­te. Sonst hät­te er nicht auf einer Aus­stiegs­klau­sel bestan­den – und die Emp­feh­lung wird nicht vom kroa­ti­schen Fah­rer von Uli Hoe­neß gekom­men sein.

Kovac hat sich von sei­nen „Tak­tik nicht nötig“-Sprüchen ent­fernt und sich deut­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Sei­ne Mann­schaft galt zeit­wei­se als sehr fle­xi­bel. Zudem ist Kovac in der Lage, ein inter­na­tio­nal und mit schwie­ri­gen Cha­rak­te­ren besetz­tes Team zu füh­ren (hier ein auf­schluss­rei­ches FAZ-Inter­view mit ihm zu dem The­ma). Und er ist einer, der sich schlicht mit viel Fleiß und Ehr­geiz an die Arbeit gemacht hat und sich für eine Och­sen­tour nicht zu scha­de war, wäh­rend ande­re jah­re­lang war­te­ten, dass ihnen als ver­dien­te Ex-Spie­ler der rote Tep­pich aus­ge­rollt wird (damit ist natür­lich nicht Lahm gemeint).

Was Kovac bis­her völ­lig fehlt, ist die Erfah­rung mit der inter­na­tio­na­len Dop­pel- und Drei­fach­be­las­tung, mit dem weit­aus grö­ße­ren media­len Furor, dem weit­aus höhe­ren und wahr­schein­lich recht unmit­tel­ba­ren Erfolgs­druck. Inso­fern gehe ich da mit Neu­gier und einer gesun­den Por­ti­on Skep­sis ran.

Dass Tuchel nicht unser Trai­ner gewor­den ist, hat mich erleich­tert, denn er stand für unpro­duk­ti­ve Unru­he. Dass Nagels­mann es noch nicht wird, hat viel­leicht sein gutes, er hat ja gera­de im (übri­gens ziem­lich gut gemach­ten) neu­en Bild-Pod­cast Phra­sen­mä­her geschil­dert, wie unge­dul­dig und auf­brau­send er noch ist. Ihm fehlt noch das dicke Fell, dass es braucht, um Rück­schlä­ge wie das CL-Aus­schei­den gegen Liver­pool oder das media­le Spiel zu beherr­schen.

Kovac hat sei­ne Chan­ce, Viel­ver­spre­chen­des zu leis­ten. Wenn es danach nicht aus­sieht, wird er nächs­ten Som­mer wie­der weg sein, und Bay­ern wür­de dank Aus­stiegs­klau­sel leich­ten Zugriff auf einen erneut gereif­ten Nagels­mann haben. Wenn der will. Gut mög­lich, dass die­se Fra­ge als Dau­er­me­lo­die der kom­men­den Bay­ern-Sai­son ertönt… Wir wer­den sehen.

Ande­res The­ma: Lukas Mai — der letz­te Spie­ler aus der eige­nen Jugend, der sich bei den Pro­fis durch­set­zen konn­te, war Tho­mas Mül­ler, wenn ich das rich­tig sehe. War­um ist das dei­ner Mei­nung nach so und könn­te Mai die­se Serie bre­chen? 

Der Nach­wuchs stand und steht bei den Prio­ri­tä­ten des FC Bay­ern nicht ganz oben. Der Bay­ern-Cam­pus, unser Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum, ist gebaut und seit einem Jahr in Betrieb, muss aber ohne erst­klas­si­ge Füh­rung aus­kom­men. Mit Sam­mer und Resch­ke haben wir zwei her­aus­ra­gen­de Akteu­re ver­lo­ren, die einen sehr guten Blick auf die Jugend haben. Ger­land hat noch immer ein gutes Auge auf so man­che Spie­ler, steht aber dem gan­zen „neu­mo­di­schen Krams“ nicht offen genug gegen­über. Sprich, die umfas­sen­de Pro­fes­sio­na­li­sie­rung im Fuß­ball ist nicht gera­de sein Ste­cken­pferd.

Scholl hat­te sich vom Acker gemacht, statt von und mit Pep zu ler­nen, es gab viel zu wenig Kon­ti­nui­tät und was es noch weni­ger gibt, ist eine Spiel- oder Aus­bil­dungs­phi­lo­so­phie.

Wir haben durch­aus eini­ges ver­sucht mit eige­nen oder zuge­kauf­ten Spie­lern, aber aus zig ver­schie­de­nen Grün­den hat es z.B. bei Gau­di­no jr., Wei­ser jr., Schöpf, Friedl etc. nicht gereicht oder gepasst. Dorsch z.B. geht, weil er einer der­je­ni­gen war, des­sen Pro­fi­ver­trag der Erfül­lung von Auf­la­gen dien­te, aber eine Inte­gra­ti­on in die Mann­schaft wur­de nicht ver­sucht. Kein Wun­der, dass er weg will (und wohl dem Glubb nach des­sen Auf­stieg in die Bun­des­li­ga wei­ter­hel­fen wird). Lukas Mai hat in der Tat ein sehr viel­ver­spre­chen­des Debut hin­ge­legt, und ich bin gespannt, wel­che Mög­lich­kei­ten Kovac den ganz jun­gen Spie­lern ein­räu­men wird. Mehr kann ich aber noch nicht sagen, sei­ne letz­ten Ein­sät­ze waren ja Spie­le mit rela­tiv gerin­gem Druck. Gut für den Ein­stieg, aber mehr auch noch nicht. An einem Trio wie Hum­mels, Boat­eng und Süle muss man erst­mal vor­bei­kom­men.

Fast schon tra­di­tio­nell fin­den sich im Kader des FC Bay­ern immer auch ehe­ma­li­ge VfB-Spie­ler. Über Joshua Kim­mich und des­sen bis­he­ri­ge Kar­rie­re wur­de ja schon aus­gie­big gespro­chen. Zuletzt waren aber zwei ande­re Akteu­re im Fokus. Begin­nen wir mit Sven Ulreich, der jetzt schon einen Groß­teil der Sai­son Manu­el Neu­er ver­tritt. Wie ist Dei­ne Sicht auf ihn? Hat er sich im Ver­gleich zu sei­ner Zeit beim VfB so stark ver­bes­sert, wie vie­le sagen?

Kim­mich? Wird Fuß­ball­gott.

Zu Ulreich: Ich kann mich noch gut an die hämi­schen und mit­leids­vol­len Kom­men­ta­re von VfB-Fans erin­nern, die den FCB für den Trans­fer aus­ge­lacht haben. Den Erwar­tun­gen ent­sprach Ulreich in zu vie­len Sze­nen, so dass wir nie ein gutes Gefühl hat­ten, wenn er spiel­te. Das hat sich unter Heyn­ckes kom­plett gewan­delt. Ulreich hat bis auf das Rück­spiel in Madrid eine fan­tas­ti­sche Sai­son gespielt und sich vom einem Unru­he­fak­tor zur ver­läss­li­chen Stüt­ze und Match­win­ner ent­wi­ckelt, so dass aus ihm ZuNull­reich und Sven­the­Wall wur­de. Ich den­ke nicht, dass der Rück­spiel-Pat­zer ein Rück­schlag ist, von dem er sich nicht mehr erho­len wird. Aber wenn Manu­el Neu­er wie­der gesund wird, wird der sicher wie­der die Num­mer eins sein. Für Ulreich sicher ein zwie­späl­ti­ges Gefühl noch so einer Sai­son.

Der ande­re Spie­ler ist Sebas­ti­an Rudy, der zuletzt immer wie­der mit einer mög­li­chen Rück­hol­ak­ti­on sei­tens des VfB in Ver­bin­dung gebracht wird. Wie hat er sich in sei­nem ers­ten Jahr in Mün­chen gemacht und kannst Du Dir vor­stel­len, dass den Ver­ein schon wie­der ver­las­sen könn­te?

Rudy war lan­ge der ein­zi­ge Spie­ler, der sich unter Heyn­ckes nicht wei­ter­ent­wi­ckel­te, der nicht bes­ser wur­de. Das hat sich in den letz­ten Spie­len wie­der geän­dert. Unter Heyn­ckes waren aber Mar­tí­nez und zuletzt sogar Süle auf der Sechs gesetzt, so dass es mich nicht wun­dert, wenn er anders­wo immer spie­len will. Die Bild berich­tet, dass Schal­ke scharf auf ihn sei, sie könn­ten ihn als Ver­bes­se­rung nach dem Mey­er-Abgang sicher gut gebrau­chen. Hät­te der VfB da eine Chan­ce außer um als Preis­trei­ber zu die­nen? Ich weiß es nicht. Und ich weiß auch nicht, was Kovac will, die Kader­pla­nung wird sicher eines der The­men für den neu­en Trai­ner, aller­spä­tes­tens nach dem Pokal­fi­na­le.

Kom­men wir zum Spiel. Ange­sichts der indi­vi­du­el­len und mann­schaft­li­chen Stär­ke des FCB ist es fast über­flüs­sig, nach den Stär­ken der Mann­schaft zu fra­gen. Siehst Du der­zeit Schwä­chen, die es dem VfB erlau­ben wür­den, einen oder sogar drei Punk­te aus Mün­chen zu ent­füh­ren?

Nein. Wir wol­len die Meis­ter­schafts­sai­son und Heyn­ckes‘ (vor­erst) aller­letz­tes Bun­des­li­ga-Spiel mit einem Sieg been­den. Die Pokal­fi­na­lis­ten wol­len im Rhyth­mus blei­ben und sich für das End­spiel emp­feh­len, das wird also kein locke­rer Trai­nings­kick, bei dem wir Gomez ein paar Tore schen­ken. Tut mir aber nicht leid für Euch. 😉

Aber mei­ne Fra­ge an Dich: Wird es Bad­s­tu­bers letz­tes Spiel für den VfB? Wie hat er sich geschla­gen? Hat sich der Trans­fer für euch und für ihn gelohnt?

Gute Fra­ge. Gelohnt hat sich der Trans­fer defi­ni­tiv für bei­de Sei­ten. Bad­s­tu­ber hat die Abwehr ent­schei­dend sta­bi­li­siert und somit auch ein biß­chen Druck von unse­ren jun­gen Innen­ver­tei­di­gern genom­men. Was vie­len VfB-Fans der­zeit ein wenig sau­er auf­stößt ist sein Koket­tie­ren mit einem Wech­sel zu einem Cham­pi­ons-League-Teil­neh­mer. So wert­voll er für uns ist, sehe ich ihn nicht als Stamm­spie­ler in der Cham­pi­ons League. Und ich sehe uns auch in der Lage, ihn zu erset­zen, auch wenn ich nichts dage­gen hät­te, wenn er auch in der schwe­ren zwei­ten Sai­son nach dem Auf­stieg den Brust­ring trägt. Mei­ne letz­te Fra­ge: Das Aus­wärts­spiel in Mün­chen ist für die anwe­sen­den VfB-Fans die Abschluss­tour die­ser Bun­des­li­ga-Sai­son. Hast Du einen Geheim­tipp für uns, was man in Mün­chen abseits des hin­läng­lich bekann­ten sehen und unter­neh­men soll­te?

Es geht nicht um das Spiel? Fahrt nach Mur­nau in die bes­te Eis­die­le Bay­erns oder früh mor­gens erst­mal an den Starn­ber­ger See für ein erfri­schen­des Bad. Für Mün­chen selbst emp­feh­le ich, sich für einen Tag ein Rad zu lei­hen, sich ein paar grü­ne Oasen an der Isar aus­zu­su­chen und am Nach­mit­tag mit dem Radl zur Are­na zu fah­ren. Für das Spiel der Ama­teu­re in der Her­mann-Ger­land-Kampf­bahn wird die Zeit ein biss­chen knapp, inso­fern emp­feh­le ich für den Weg zur Are­na einen Zwi­schen­stopp auf dem Bay­ern-Cam­pus, irgend­wel­che Jugend­spie­le lau­fen da immer, und von dort aus ist es nicht mehr weit zur Are­na.

Vie­len Dank für das Gespräch und — nach dem Pokal­fi­na­le dann — eine schö­ne Som­mer­pau­se Dir!

Hey, ich bin nicht nur Bay­ern-Fan, son­dern freue mich, trotz Putin, auf die WM, also: Nach dem Pokal ist vor dem WM-Tur­nier — die Pau­se wird kurz.

Bild: © VfB-Bilder.de

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