Rund um Fußball und Corona in Karlsruhe

CTVor dem Spiel am Sonn­tag in Baden haben wir uns mit KSC-Fan Kirs­ten (@Schrokim) über die Lage beim Erz­ri­va­len unter­hal­ten.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Kirs­ten und vie­len Dank erst­mal, dass Du Dir Zeit für unse­re Fra­gen nimmst. Wie geht es Dir und Dei­nem Umfeld denn in die­sen Zei­ten?

Kirs­ten: Sehr ger­ne. Es geht mir gut und auch in mei­nem Umfeld ist soweit alles ok. Aller­dings habe ich im erwei­ter­ten Bekann­ten­kreis mit­be­kom­men, wie unbe­re­chen­bar Covid19 ist und was ein schwe­rer Ver­lauf bedeu­tet. Das ist schon anders, als nur die nüch­ter­nen Zah­len aus den Medi­en zu ver­neh­men.

Zunächst zum Sport­li­chen: Von den fünf Spie­len seit der Wie­der­auf­nah­me des Spiel­be­triebs konn­te der KSC nur gegen Darm­stadt gewin­nen und belegt vor dem 30. Spiel­tag wei­ter­hin den Rele­ga­ti­ons­platz. Wie schätzt Du die Chan­cen auf den Klas­sen­er­halt ein?

Der Anschluss zum Nicht­ab­stiegs­platz ist ja noch gege­ben. So gese­hen ist es nicht aus­sichts­los. Den­noch bin ich eher skep­tisch, ob wir Nürn­berg noch über­ho­len kön­nen. Die spie­le­ri­schen Mit­tel sind begrenzt und Feh­ler des Geg­ners nut­zen wir viel zu sel­ten aus. Noch ver­tei­di­gen wir den Rele­ga­ti­ons­platz, aber das ist bei uns auch eher Fluch als Segen, Rele­ga­ti­on kön­nen wir nicht.

Die Coro­na-Kri­se hat den finan­zi­ell sowie­so nicht auf Rosen gebet­te­ten Ver­ein zusätz­lich in Mit­lei­den­schaft gezo­gen. Mitt­ler­wei­le ist eine Insol­venz — im Gespräch war eine Plan­in­sol­venz, die von der DFL wohl nicht mit Sank­tio­nen belegt wor­den wäre — ange­wen­det, aller­dings muss­te Prä­si­dent Ingo Wel­len­reu­ther auf Druck eines Inves­to­ren­bünd­nis­ses sei­nen Pos­ten räu­men. Wie bewer­test Du die Vor­gän­ge?

Wel­len­reu­ther war nicht unum­strit­ten. Er war 10 Jah­re Prä­si­dent und anstatt vor­wärts ging es zurück, mit Anhäu­fung wei­te­rer Schul­den. Zudem waren auch immer per­sön­li­che Eitel­kei­ten ein The­ma. Dem Bünd­nis KSC, das durch außer­ge­richt­li­che Eini­gun­gen die Insol­venz abge­wen­det hat, wur­de anfangs auf­grund der Vor­ge­hens­wei­se „Erpres­sung“ vor­ge­wor­fen. Die finan­zi­el­le Hil­fe wur­de vom Rück­tritt Wel­len­reu­thers abhän­gig gemacht. Die Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung klang viel­ver­spre­chend, weil die DFL sport­li­che Kon­se­quen­zen auf­grund der Pan­de­mie aus­ge­setzt hat. Ich bin aller­dings froh, dass die Insol­venz abge­wen­det wer­den konn­te.

Wel­che Aus­wir­kun­gen hät­te denn ein direk­ter Wie­der­ab­stieg auf Euch, auch in Bezug auf den Sta­di­on-Umbau, der gera­de läuft?

Ein Abstieg jetzt hät­te direkt noch kei­ne Aus­wir­kung auf den Sta­di­on­bau. Die liga­ab­hän­gi­ge Pacht­zah­lung tritt erst nach Fer­tig­stel­lung in Kraft. Man müss­te aber sofort wie­der auf­stei­gen. Der Sta­di­on­bau wird ja sehr kri­tisch betrach­tet und der KSC ist eigent­lich zu sport­li­chem Erfolg in den nächs­ten 10 Jah­ren gezwun­gen. Ein Abstieg in die 3. Liga ist ein finan­zi­el­les Desas­ter und die Gefahr, sich dort zu „eta­blie­ren“ ist groß.

Ich habe die­se Woche in einem Arti­kel die The­se auf­ge­stellt, dass ein Der­by vor allem von der Riva­li­tät der Fans im Sta­di­on lebt und weni­ger von der Emo­tio­na­li­tät der Spie­ler, die bei uns der­zeit sowie­so nicht vor­han­den ist und dass das Spiel am Sonn­tag des­halb eigent­lich kein Der­by ist. Was meinst Du dazu und wie stehst ydu gene­rell zum The­ma Geis­ter­spie­le, auch ange­sichts der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on des KSC?

Da stim­me ich dir zu. Am Sonn­tag steht außen Der­by drauf, es ist aber kein Der­by drin. Ich kann mich mit den Geis­ter­spie­len nicht anfreun­den. Zum Fuß­ball gehö­ren Zuschau­er. Selbst­ver­ständ­lich feh­len dem KSC die Zuschau­er­ein­nah­men, je weni­ger TV-Geld des­to höher ist das Gewicht der Ein­tritts­gel­der.

In vie­len Städ­ten gab und gibt es Soli­da­ri­täts­ak­tio­nen der orga­ni­sier­ten Fan­sze­ne für Risi­ko­grup­pen und Berufs­grup­pen im Ein­satz. Was gibt es da aus Karls­ru­he zu berich­ten?

Auch in Karls­ru­he wur­den sol­chen Aktio­nen ins Leben geru­fen. Die KSC-Nach­bar­schafts­hil­fe hat einen Ein­kaufs­ser­vice für Risi­ko­grup­pen ein­ge­rich­tet. Unter dem Mot­to „Fuß­ball macht satt“ wurde/wird für Woh­nungs­lo­se gekocht und das Essen aus­ge­lie­fert. Selbst Spie­ler Marc Lorenz ist für Risi­ko­grup­pen ein­kau­fen gegan­gen. Zudem wur­den über­all in der Stadt an Brü­cken Soli­da­ri­täts­ban­ner auf­ge­hängt, an Super­märk­ten Dan­ke-Pla­ka­te geklebt und auch an Kran­ken­häu­sern hin­gen Trans­pa­ren­te. Schö­ne und wich­ti­ge Aktio­nen.

Kannst Du die Kri­tik, die in den letz­ten Mona­ten am Pro­fi­fuß­ball geäu­ßert wur­de, nach­voll­zie­hen und hat sich dein Ver­hält­nis zum Fuß­ball im All­ge­mei­nen und zu dei­nem Ver­ein im Spe­zi­el­len dadurch ver­än­dert?

Ich kann die Kri­tik nicht nur nach­voll­zie­hen, ich ste­he hin­ter ihr. Der Fuß­ball zeigt, wie krank das Sys­tem dahin­ter ist. Das „Kon­zept“ der DFL, das medi­en­wirk­sam gehypt wur­de, das aber mitt­ler­wei­le nur noch will­kür­lich ver­folgt wird, war nur Mit­tel zum Zweck, um die Geld­ma­schi­ne am Lau­fen zu hal­ten. Es wur­de von DEM Fuß­ball gespro­chen, gemeint waren aber nur die weni­gen Top­clubs. Das sieht man dar­an, wie arro­gant der DFB mit den Anlie­gen man­cher Ver­ei­ne aus der 3. Liga umge­gan­gen ist. Das Mär­chen, dass man Arbeits­plät­ze ret­ten möch­te, glaubt auch kei­ner, wenn vie­len Ver­ei­nen durch die Geis­ter­spie­le höhe­re Kos­ten ent­ste­hen. Im Pro­fi­fuß­ball ist die Jacke näher als das Hemd. Mein Ver­hält­nis zum Fuß­ball hat sich tat­säch­lich geän­dert, mir ist noch bewuss­ter gewor­den, wie ego­is­tisch und arro­gant die­ses Geschäft ist. Mir ist er ein Stück ega­ler gewor­den. Im Hin­blick auf den KSC, mir fehlt etwas das Drum­rum, im Sta­di­on mit den Leu­ten. Die Liga­zu­ge­hö­rig­keit wäre mir egal, wenn unter­klas­sig nicht frü­her oder spä­ter Zah­lungs­un­fä­hig­keit bedeu­ten wür­de.

Titel­bild: © ima­go

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