Rund um das Spiel in Augsburg

Rund um das Spiel in Augsburg

Der VfB in Augsburg – smells like Schicksalsspiel. Mit FCA-Fan Kristell (@Kristaldo1907) vom Podcast Auf die Zirbelnuss sprachen wir über das Duell am Samstag, ihren Verein und ihr zweites Podcast-Projekt: FRÜF.

Rund um den Brustring: Hallo Kristell und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Unsere Leser kennen Dich ja von diversen Gesprächen zu Spielen zwischen dem FCA und dem VfB und zu Neuzugängen mit FCA-Vergangenheit, auf eine Vorstellung können wir also verzichten. Nutzen wir doch die Zeilen lieber, um über FRÜF zu sprechen: Frauen reden über Fußball. Wie ist die Idee zu diesem Podcast entstanden, worum geht es und wie waren die Rückmeldungen auf Eure erste Folge?

Kristell: Die Idee entstand bei Becci (Rebecca Görmann, @genderbeitrag auf Twitter) und mir unabhängig voneinander, aber möglicherweise beim gleichen Anlass: Wir hören viele Podcasts, davon viele Fußballpodcasts, und da ist man es ja gewohnt, überwiegend Männer zu hören. Ab und zu ist auch mal eine Frau dabei, aber dass zwei oder mehr Frauen miteinander über Fußball reden, das ist die absolute Ausnahme. Und als es dann beim Rasenfunk mal passierte, fiel es Becci sofort auf und sie twitterte, dass sie Bock hätte, sowas häufiger zu hören. Mir ging es ähnlich,und ich erinnere mich an einen anderen Fußballpodcast, den zwei Mädels starteten, der mich aber sehr enttäuscht hat, weil er sich schnell ins Boulevardeske verlor – und dadurch aber in mir den Wunsch weckte, es selbst anders zu machen, selbst den Podcast zu machen, den ich hören wollte. Und so fanden Becci und ich zusammen und haben das Ganze letztendlich gestartet. Wir sprachen andere fußballaffine Frauen an und so wuchs unser Kreis sehr schnell zu dem an, was er heute ist.

Worum es geht? Um Fußball. Wir wollen über unsere Leidenschaft für den Fußball in ihren Facetten sprechen und dabei in vielerlei Hinsicht anders sein als andere Formate. Es gibt ja schon unfassbar viele großartige Fußballpodcasts da draußen, die völlig unterschiedliche Aspekte beleuchten: Den letzten Spieltag, einen bestimmten Verein, das Gespräch unter Kumpels über beides oder nur eins davon, Schiedsrichterei, Frauenfußball etc. Wir möchten uns für jede Ausgabe ein Thema suchen, das uns gerade interessiert, und das in verschiedenen Aspekten diskutieren. Unsere Themenliste ist lang und betrifft mal die spezifische Sicht weiblicher Fans auf bestimmte Dinge (“Als Frau im Stadion” zum Beispiel), oder auch allgemeine Aspekte wie ein geplanter Rückblick auf die Saison 2018/19 oder eine Ausgabe über die Frauen WM im Juni.

Unsere erste Ausgabe befasst sich mit weiblicher Fußballsozialisation und damit mit der Frage, wie man als Frau überhaupt Fußballfan wird und bleibt. Die Rückmeldungen waren bisher ganz großartig und machen uns sehr stolz. Wir scheinen tatsächlich etwas gefunden zu haben, was vielen fehlte, ohne dass sie es vorher wussten.

Zum FCA: Ich erinnere mich, dass ich nach dem Hinspiel bei Euch im Podcast Auf die Zirbelnuss gesagt habe, dass Euer Verein schon nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben werde, schon allein wegen der viel besseren Tordifferenz. In den letzten Wochen kamen sich FCA und VfB aber – aus Eurer Sicht – bedrohlich nahe. Warum kommt ihr da unten nicht so richtig raus?

Der FCA hat in den letzten Wochen eine Janusköpfigkeit an den Tag gelegt, die man sich schlimmer nicht ausdenken kann: er trotzt den Bayern über weite Strecken, besiegt den BVB, der zu dem Zeitpunkt Tabellenführer war, deklassiert Hannover 96, bringt RB Leipzig in einer spektakulären DFB-Pokal-Nacht fast bis ins Elfmeterschießen – aber lässt sich in Freiburg, Bremen, Nürnberg und von Hoffenheim gnadenlos abschießen. Und letztlich ist es völlig unvorhersehbar gewesen, mit welchem Gesicht die Mannschaft jeweils auftreten wird, denn selbst die Regel “zuhause gegen starke Gegner läuft es gut” galt gegen Hoffenheim nicht mehr. So schmolz der komfortable Puffer auf die Abstiegsplätze dann doch bedenklich schnell, und letztlich sah sich die sportliche Führung gezwungen, doch einen neuen Trainer zu holen, um den Trend zu stoppen.

Das Spiel am vergangenen Sonntag könnte allerdings den Vorteil am Ende wieder ein wenig Richtung Bayrisch Schwaben verschieben. Da gewann der FC Augsburg nach Rückstand 3:1 in Frankfurt. Wie bewertest Du den Auftritt Deiner Mannschaft und welchen Effekt hatte der Trainerwechsel von Manuel Baum zu Martin Schmidt unter der Woche?

Die Mannschaft hat mich massiv überrascht gegen Frankfurt. Natürlich kam uns der Spielverlauf in der zweiten Hälfte mit der frühen gelb-roten Karte für Frankfurt entgegen, aber nach Rückstand das Spiel bereits vor der Halbzeit zu drehen, das hätte ich ihnen vor einer Woche noch nicht zugetraut. Von der Verunsicherung und den hängenden Schultern aus den vorhergehenden Spielen war da nichts mehr zu sehen. Und endlich hat Marco Richter mal wieder getroffen, den Knall von dem platzenden Knoten haben wir bis Augsburg gehört.

Viel von dieser Leistung hat man zwar unter Baum schon gesehen, es ist nicht neu, dass der FCA gegen starke Gegner stark spielen kann. Aber die Art und Weise und der Willen, ein Spiel zu drehen, hat sicherlich ein Stück weit damit zu tun, dass der Trainerwechsel den Jungs neuen Mut und frische Motivation gebracht hat, über sich hinaus zu gehen.

Noch kurz zur Entlassung von Baum: Hat Dich der Rauswurf überrascht? Siehst Du ihn als sinnvoll an? Und täuscht der Eindruck, dass vor allem die Mannschaft ein Problem mit ihm hatte, nachdem mit Gouweleeuw erneut ein Spieler seine Arbeit kritisiert hat?

Der Rauswurf hat mich sehr überrascht, weil man doch so lange an Baum festgehalten hatte, dass ich einfach nicht mehr damit gerechnet habe. Auch weil unter Baum eben immer wieder Hochphasen kamen, die Hoffnung machten. Dennoch war es vollkommen nachvollziehbar, und vom Zeitpunkt nach den letzten beiden Niederlagen in der Liga auch zu rechtfertigen, diesen Schritt zu gehen. Dennoch bin ich etwas traurig, denn ich mochte Baum sehr, und es würde mich sehr freuen, wenn er irgendwann wieder in den Jugendbereich des FCA zurückkehren würde, denn da hat er hervorragende Arbeit geleistet.

Die Kritik von Gouweleeuw kann man natürlich als Zeichen werten, dass die Mannschaft nicht mehr komplett hinter ihm stand, ich denke aber nicht, dass ein tiefer Graben zwischen ihnen verlief. Vielmehr kann ich mir vorstellen, dass es Frust über die fehlende Konstanz war und darüber, dass man da keinen gemeinsamen Weg hinaus fand.

Ihr spielt nach dem kommenden Spiel noch zu Hause gegen Leverkusen und Berlin, auswärts auf Schalke und in Wolfsburg. Wie sicher bist Du Dir, dass der FCA nicht mehr auf den Relegationsplatz abrutscht?

Da wäre ich schrecklich gern sicher, aber das kann ich natürlich nicht sein. Bisher hatten wir wahnsinniges Glück, dass alle unter uns noch langsamer von der Stelle kamen als wir und uns nicht noch weiter runter gezogen haben. Natürlich gibt das Spiel in Frankfurt und der neue Trainer Anlass für Optimismus, aber der FCA hat diese Saison schon oft sensationelle Spiele abgeliefert, nur um die wirklich entscheidenden Spiele ebenso spektakulär zu versemmeln. Ich bin erst sicher, wenn der 34. Spieltag abgepfiffen ist und jemand anderes auf der 16 steht.

Ex-VfBler Nr. 1 (hier noch beim BVB): Julian Schieber. Bild: © Thomas Rodenbücher unter CC BY 2.0
Ex-VfBler Nr. 1 (hier noch beim BVB): Julian Schieber. Bild: © Thomas Rodenbücher unter CC BY 2.0

Kommen wir zu den “Seitenwechslern”. In Eurem Kader stehen zwei Spieler mit VfB-Vergangenheit: Rani Khedira und Julian Schieber. Wie läuft es für die beiden bei Euch derzeit?

Ex-VfBler Nr. 2: Rani Khedira. Bild: © VfB-exklusiv.de unter CC BY-SA 3.0

Beide kommen von Verletzungen zurück: Khedira hatte sich gegen Leipzig Adduktorenprobleme zugezogen, Schieber kam gegen Frankfurt von einer langwierigen Knieverletzung erstmals wieder zum Einsatz. Rani Khedira ist voll eingeschlagen beim FCA und ist, sofern er fit ist, immer in der Startelf. Zuletzt konnte er oft zeigen, dass er auch als Innenverteidiger hervorragend zu gebrauchen ist, aber auch im Mittelfeld überzeugt er regelmäßig. Schieber hatte aufgrund von Verletzungen bisher leider wenig Chancen, sich zu zeigen, aber ich hoffe sehr, dass er nun in der Schlussphase der Saison noch für viel Jubel sorgen kann.

Auf der anderen Seite ist das Spiel am Samstag ein Wiedersehen für unseren Trainer Markus Weinzierl mit seinem ehemaligen Verein. Wie bewertest Du seine Arbeit in Stuttgart aus der Entfernung? Kannst Du dir vorstellen, dass der VfB unter ihm die Klasse hält, oder wird der FCA wieder einmal zum Trainerkiller in Stuttgart?

Ich habe nicht intensiv beobachtet, wie Weinzierl in Stuttgart arbeitet, aber durchaus mitbekommen, dass es bei weitem nicht so gut läuft, wie sich alle erhofft haben. Da wir in Augsburg davon direkt profitieren, tut es mir nur ein kleines Bißchen leid für den guten Markus, der sich ja damals nicht vollkommen reibungslos von seinem Engagement bei uns verabschiedet hat. Ich habe aber definitiv zu wenig Einblicke um zu beurteilen, ob man Weinzierl hier viel vorwerfen kann. Ich halte es aber für realistisch, dass der VfB mit Weinzierl in die Relegation geht und dort dann die Klasse hält. Trainerkiller in Stuttgart waren wir ja schon oft, Weinzierl mit einem Kantersieg in Augsburg abzusägen wäre aber zuviel des Guten – wäre es ein Film, würde es an der Stelle ins Übertriebene kippen.

Was sind derzeit die Stärken des FCA und welche Schwächen könnte der VfB beim Auswärtsspiel ausnutzen?

Stärken und Schwächen sind nach einem Trainerwechsel sehr schwer einzuschätzen, selbst für mich als intensive Beobachterin. Durch die maximale Unkonstanz diese Saison ist es auch nicht möglich, eine Heimschwäche oder -Stärke gegen Gegner auf Augenhöhe zu attestieren, wobei es zumindest gegen Hannover 96 ganz gut lief. Die einzige Konstanz, die sich bei beiden Trainern zeigte, war die bescheidene Chancenverwertung. Ob ihr daraus allerdings etwas machen könnt…

Wenn Du die Saison des FC Augsburg mit einem Song beschreiben müsstest: Welcher wäre das und warum?

Da fällt mir direkt Kate Perry Hot N Cold ein: Eine Saison in der du Dortmund als Tabellenführer einen Fight bis in die Nachspielzeit lieferst (4:3 in Dortmund im Hinspiel), um sie dann zu besiegen wenn sie als Tabellenführer kommen, aber kurz darauf gegen den Tabellenletzten Nürnberg 3:0 untergehst, dann einen Pokalabend erst in der letzten Sekunde in die Verlängerung bringst und Leipzig dann in der letzten Minute der Verlängerung einen Elfmeter schenkst, und dazu innerhalb einer Woche wildere Personalentscheidungen triffst als die Boulevard-Platzhirsche in München, Köln und Hamburg, aber den Trainer erst rauswirfst, als keiner mehr damit rechnet, die ist wahrlich eine Saison der Gegensätze, in der man als Fan ganz schön gebeutelt wird.

Hast Du noch einen Tipp für uns, wo man sich in Augsburg am Besten vor dem Spiel Mut antrinken und hinterher den Auswärtssieg begießen kann?

Das mit dem Auswärtssieg wird leider nichts, aber in der Innenstadt ist eigentlich alles zwischen St Ulrich am einen Ende der Maxstraße und Rathausplatz am anderen ein lohnendes Ziel, denn bei gutem Wetter ist dort eigentlich immer Freiluftparty in sämtlichen Lokalen. Wer mit der Bahn anreist und nach dem letzten Bier nicht lange zum Zug wanken will, ist im Brauhaus 1516 direkt am Hauptbahnhof oder im Brauhaus Riegele hinter dem Helios Center am Bahnhof auch bestens bedient.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Spiel?

Das Spätzlederby wird mit 2:1 für den FCA Martin Schmidts erster Heimsieg werden.

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