Lohn für Mut

Der VfB schließt die Hin­run­de mit einem ver­dien­ten, aber nach Sonn­tag etwas über­ra­schen­den Sieg gegen Leip­zig ab. Die Mann­schaft belohn­te mit einem kämp­fe­ri­schen Auf­tritt sich selbst und ihren Trai­ner für sei­nen Mut bei der Auf­stel­lung.

An Sie­ge Mario Gomez und sei­nen Arbeit­ge­ber könn­te man sich durch­aus gewöh­nen. Vor allem, wenn sie erneut so rasant her­aus­ge­spielt sind, wie am Mitt­woch­abend. Der VfB siegt, was die letz­ten Jahr unmög­lich schien, zum zwei­ten Mal in Fol­ge gegen Leip­zi­ger Geträn­ke­filia­le und been­det die Hin­run­de die­ser Sai­son auf dem fünf­ten Tabel­len­platz mit 29 Punk­ten, der zweit­bes­ten Bilanz seit der Meis­ter­sai­son. Danach sah es am Sonn­tag­abend (was für eine Tak­tung schon wie­der, unglaub­lich) nicht unbe­dingt aus. Zwar gewann die Mann­schaft auch da, sogar aus­wärts und zu Null, traf aber auf einen Geg­ner, der an Harm­lo­sig­keit nur noch ges­tern im direk­ten Duell von Uni­on Ber­lin unter­bo­ten wur­de. Was nicht heißt, dass der VfB nicht bes­ser ist als ein knap­pes 1:0 gegen Augs­burg. Ganz im Gegen­teil: Wir sind viel bes­ser. Und gegen Leip­zig zeig­te es die Mann­schaft auch, rap­pel­te sich nach dem unnö­ti­gen Rück­stand — und dem noch unnö­ti­ge­ren Jubel von Ses­ko in Rich­tung Cannstat­ter Kur­ve — auf, kämpf­te sich ins Spiel zurück und belohn­te sich nach der Pau­se mit zwei wun­der­schö­nen Toren. Dabei zeig­ten die Spie­ler mit dem Brust­ring genau die Bis­sig­keit und Ent­schlos­sen­heit, die sie in Augs­burg nach einer hal­ben Stun­de ver­mis­sen lie­ßen.

Ich hat­te im Nach­be­richt schon gemut­maßt, dass sich der VfB an die­sem Mitt­woch wohl auch wie­der an den Geg­ner anpas­sen und dem­entspre­chend sei­ne Leis­tung stei­gern wür­de. Das war auch der Fall. Denn obwohl den Leip­zi­gern anders als beim letz­ten Auf­ein­an­der­tref­fen ihr Sturm­trio bestehend aus Ses­ko, Xavi und Open­da voll­stän­dig zur Ver­fü­gung stand, gelang ihnen gegen eine lei­den­schaft­lich ver­tei­di­gen­de VfB-Mann­schaft und den Pfos­ten nur ein Tor und über­haupt nur sechs abge­ge­be­ne Schüs­se. Der VfB gab 14 Schüs­se ab, von denen sechs aufs Tor gin­gen, gewann fast zwei Drit­tel der Zwei­kämp­fe, lief drei Kilo­me­ter mehr und ließ sich von der Gefähr­lich­keit des Tabel­len­vier­ten nicht beein­dru­cken. Genau­so­we­nig wie ihr Trai­ner, der nicht nur den an den Adduk­to­ren ange­schla­ge­nen Maxi Mit­tel­städt erwar­tungs­ge­mäß gegen Ramon Hen­driks tausch­te, son­dern im Hin­blick auf die ers­te eng­li­sche Woche des Jah­res und das Heim­spiel gegen Frei­burg am Sams­tag gleich auf meh­re­ren Posi­tio­nen rotier­te: Ameen Al-Dak­hil und Jacob Bru­un Lar­sen kamen so zu ihrem Start­elf-Debüt. Enzo Mil­lot, Jamie Lewe­ling und Erme­din Demi­ro­vic konn­ten sich somit erst­mal auf der Bank aus­ru­hen — auch kei­ne ganz schlech­ten Ein­wech­sel­op­tio­nen.

Eine Leistungsschau

Sowohl die Mann­schaft als auch Sebas­ti­an Hoe­neß wur­den für ihren Mut belohnt. Die Spie­ler war­fen sich in die Zwei­kämp­fe und sowohl Al-Dak­hil als auch Hen­driks und Bru­un Lar­sen zeig­ten viel­ver­spre­chen­de Leis­tun­gen. Al-Dak­hil leis­te­te sich zwar gefühlt ein paar Fouls zu viel, grätsch­te aber vor dem Aus­gleich in höchs­ter Not einen Ball weg und ließ in der ers­ten Halb­zeit durch einen schö­nen lan­gen Ball in die Spit­ze auf­hor­chen. Hen­drik hielt sei­ne Sei­te der Vie­rer­ket­te größ­ten­teils sau­ber und Bru­un Lar­sen krön­te sei­nen nächs­ten enga­gier­ten Auf­tritt mit einem Kopf­ball­tor. An die­ser Stel­le muss ich wohl erst­mal Abbit­te leis­ten. Bei sei­ner Vor­stel­lung war ich noch nicht so über­zeugt, dass er uns kurz­fris­tig hel­fen kann. Offen­sicht­lich will er sich aber direkt bei uns bewei­sen und emp­fin­det den Wech­sel aus der Hof­fen­hei­mer Per­spek­tiv­lo­sig­keit — eben­falls am gest­ri­gen Abend ein­drucks­voll demons­triert — in die Stutt­gar­ter Hof­fungs­fa­brik als Befrei­ung. Bei allem Lob für die drei soll­te man aber einen nicht ver­ges­sen: Deniz Undav. In Augs­burg erziel­te er das gol­de­ne Tor im Nach­set­zen, auch am Mitt­woch lei­te­te er bei­de Tore ein, das ers­te mit einer wun­der­vol­len Flan­ke, das zwei­te mit sei­nem Lauf­weg und sei­nem Schuss nach einem klas­se Pass des erneut star­ken Chris Füh­rich. Den Abpral­ler ver­wer­te­te dann Nick Wol­te­ma­de zu sei­nem bereits fünf­ten Sai­son­tor.

Auf der Pres­se­kon­fe­renz nach dem Spiel mein­te Leip­zig-Trai­ner Mar­co Rose, der ein­gangs das Neckar­sta­di­on in den höchs­ten Tönen lob­te, dass er sowohl den VfB als auch sei­nen Club am Sai­son­ende erneut in der Cham­pi­ons League sehe. Davon sind wir natür­lich noch weit ent­fernt, aber das Spiel am Mitt­woch­abend war mal wie­der eine Leis­tungs­schau des­sen, wozu die Mann­schaft imstan­de ist. Ich wür­de mich auch mit einem ande­ren inter­na­tio­na­len Wett­be­werb zufrie­den geben, wich­tig ist mir aber vor allem, dass die Mann­schaft sich die am Mitt­woch gezeig­te Hal­tung für jedes Spiel kon­ser­viert. Am Sams­tag gilt es gegen Frei­burg die Schar­te des Hin­spiels aus­zu­wet­zen, als man nach einer frü­hen Füh­rung völ­lig aus­ein­an­der fiel, und am Diens­tag muss man in Bra­tis­la­va gegen eine Mann­schaft bestehen, die Sie­ge aus der eige­nen Liga gewohnt ist und ähn­lich wie Bel­grad inter­na­tio­nal alles rein­wer­fen wird, was sie hat. Wenn wir uns die­sen Mut und die­se Ein­satz­be­reit­schaft erhal­ten kön­nen, dann wird es nicht nur eine sehr gute Rück­run­de, son­dern dann könn­te Rose am Ende auch Recht behal­ten.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass fin­det You have a gran­di­os Hin­run­de gespielt!

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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