Gegen Wolfsburg profitiert der VfB von den Punktverlusten der Konkurrenz — und vom katastrophalen Zustand der Gastgeber. Verdient haben sich die Brustringträger diesen Sieg aber angesichts der Dominanz doppelt und dreifach.
Wir können es also doch noch. Nachdem vor dem Spiel, wie am vergangenen Wochenende, geunkt wurde, der VfB würde auch diesmal die Ausrutscher von Leverkusen gegen Mainz oder von Hoffenheim gegen St. Pauli, nicht nutzen, filetierten die Brustringträger den Gast aus Wolfsburg humorlos mit 4:0 und hätten gut und gerne doppelt so viel Tore schießen können. Aber es reichte ja auch so, gegen eine Mannschaft, die sich vor der Partie mit ihrem überschaubaren Anhang einstimmte und dann noch drastischer auseinanderfiel als im Hinspiel. Der VfB hingegen hatte nicht vor, sich von einer dem Abstieg geweihten Mannschaft die nächsten Punkte abknüpfen zu lassen und trat auch genauso auf.
Die Tore durch Undav und Leweling fielen dann auch fast folgerichtig als Resultat eines Sturmlaufs aufs Wolfsburger Tor. Da fiel es auch nicht so ins Gewicht, dass der eine oder andere den Ball wieder ins Tor tragen wollte, denn die Haltung zur Aufgabe, der man sich gegenüber sah, stimmte — auch wenn diese nicht besonders schwer war. Ja, es hört sich herablassend an, aber die Gäste aus dem Werk waren wirklich noch harmloser, als ich es mir ausmalen konnte. Davon, dass man sich in der Tabelle verlaufen habe, wie Augsburgs Trainer Manue Baum neulich höflich sagte, bevor der FCA drei Punkte aus Niedersachsen mitnahm, kann keine Rede sein.
Die eigenen Ambitionen untermauert
Aber reden wir nicht vom gebeutelten Gegner. Deniz Undav mit seinem 14. Saisontor im 20. Spiel und dem 50. für den VfB, Jamie Leweling mit den Toren sechs und sieben in dieser Spielzeit, Niko Nartey, der auch noch netzen durfte, Alex Nübel mit seiner neunten “weißen Weste”, Sebastian Hoeneß in seinem 100. Bundesliga-Spiel an der Seitenlinie des VfB — es gibt genug, worüber wir uns freuen können und dem VAR gelang es nicht einmal Ermedin Demirovic ein Tor zu klauen! Dem VfB gelang es einmal mehr, die eigenen Ambitionen mit Leistungen und einem entsprechenden Ergebnis zu untermauen und sich nach ärgerlichen Spielen gegen Heidenheim und Celtic wieder Selbstvertrauen zu verleihen.
So langsam biegt die Bundesliga-Saison — und nicht nur die — auf die Zielgerade ein. Zehn Spiele sind noch zu absolvieren und der Vorsprung auf die nicht-europäischen Plätze — geht man mal nicht davon, dass die Bundesliga einen fünften Champions-League-Platz bekommt, ist wieder auf zwölf Punkte und 17 Tore angewachsen. Das sind vier von zehn Spielen, in denen sich der VfB eine Niederlage leisten könnte, ohne den Europapokal zu verspielen. Die Ziele sind natürlich höher, denn die Mannschaft hat das Potenzial, erneut in die Champions League einzuziehen und sollte dieses auch nutzen — auch wenn ich persönlich die Europa League sportlich und fantechnisch reizvoller finde. Dafür müssen wir uns, unabhängig vom Gegner, diese Haltung bewahren, anstatt uns wieder Ausgleichstreffer selber reinzulegen. Nutzen wir weiterhin unsere Chancen!
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass schaut auf die helle Seite des Lebens und findet: “Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg war das Heimspiel, das wir uns nach der Niederlage gegen Sankt Pauli, dem Unentschieden in Heidenheim und der Heimniederlage gegen Celtic Glasgow alle erhofft hatten.”
Titelbild: © Sebastian Widmann/Getty Images