Wieder im Brustring: Jacob Bruun Larsen

Der ers­te Trans­fer die­ses Win­ters ist unter Dach und Fach, aller­dings nicht unbe­dingt auf der Posi­ti­on, auf der wir das alle erwar­tet hät­ten: Der VfB verp­licht den däni­schen Offen­siv­spie­ler Jacob Bru­un Lar­sen zum zwei­ten Mal. Dies­mal aber nicht wie Anfang 2018 als Lei­he, son­dern mit einem Ver­trag bis 2027 und für eine nied­ri­ge Mil­lio­nen-Ablö­se. Wir schau­en uns an, wie sich Bru­un Lar­sen in der Zwi­schen­zeit ent­wi­ckelt hat.

Immer wie­der mal was Neu­es. Vor ziem­lich genau sie­ben Jah­ren stell­ten wir Euch an die­ser Stel­le den 19jährigen Jacob Bru­un Lar­sen vor, den Micha­el Resch­ke für ein hal­bes Jahr von Borus­sia Dort­mund aus­lieh. Das Ende ist bekannt: Der offen­sicht­li­che Wunsch­spie­ler des dama­li­gen Trai­ners Han­nes Wolf, der ihn schon bei den BVB-Junio­ren trai­niert hat­te, lief im ers­ten Ein­satz gegen Schal­ke auf der unge­wohn­ten Rechts­ver­tei­di­ger-Posi­ti­on auf, ver­ur­sach­te einen Elf­me­ter und kos­te­te sei­nen Trai­ner den Job. Unter Tay­fun Korkut kam er dann noch zu drei Kurz­ein­sät­zen in der Bun­des­li­ga sowie einem Spiel für die zwei­te Mann­schaft unter Andre­as Hin­kel, bevor es zurück nach Dort­mund ging. Eines die­ser Leih­ge­schäf­te, von denen am Ende eigent­lich kei­ner so rich­tig was hat: Der VfB brauch­te Bru­un Lar­sen nicht wirk­lich, Bru­un Lar­sen sam­mel­te kei­ne Spiel­zeit und Borus­sia Dort­mund hat­te einen Spie­ler, der nach sei­ner Lei­he nicht wei­ter war als vor­her. Nun also hat Bru­un Lar­sen, mitt­ler­wei­le 26 Jah­re alt, zum zwei­ten Mal in Bad Cannstatt unter­schrie­ben. Kei­nen Leih­ver­trag, son­dern ein fes­tes Arbeits­pa­pier, das bis 2027 datiert ist. Erneut trifft er in Stutt­gart auf einen ehe­ma­li­gen Trai­ner, der sich allem Anschein nach auch für die­sen Trans­fer stark gemacht hat, denn in Hof­fen­heim spiel­te er bereits zwei Jah­re unter Sebas­ti­an Hoe­neß.

Ein ers­ter Blick auf die Zah­len offen­bart aber: Weder unter Hoe­neß, noch unter ande­ren Trai­nern in Hof­fen­heim war Bru­un Lar­sen Stamm­spie­ler und weder die Lei­he zum RSC Ander­lecht noch die zum Burn­ley FC brach­ten sei­ne Kar­rie­re ent­schei­dend vor­an, nach­dem er Borus­sia Dort­mund im Janu­ar 2020 für 9 Mil­lio­nen Rich­tung Hof­fen­heim ver­las­sen hat­te. Bevor Bru­un Lar­sen jetzt beim VfB ein neu­es Kapi­tel die­ser Kar­rie­re auf­schlägt, haben wir uns erkun­digt wie es ihm ergan­gen ist, seit wir ihn das letz­te Mal im Tri­kot mit dem Brust­ring sahen. Zu sei­ner Zeit in Hof­fen­heim haben wir dazu mit Ben­ni Hof­mann vom Kicker gespro­chen, der nicht nur über den VfB berich­tet, son­dern auch über den Ver­ein vom Tech­nik­mu­se­um an der A6. Außer­dem hat uns Niko­las Beck, stell­ver­tre­ten­der Res­sort­lei­ter Sport der Rhein-Neckar-Zei­tung eine Ein­schät­zung zu die­sem Trans­fer gege­ben. Über Bru­un Lar­sens Zeit in Bel­gi­en spra­chen wir mit Ste­ven de Win­ter vom Café Con­stant Pod­cast und zu sei­nem Jahr in Eng­land mit Matt von Burn­ley-Pod­cast No Nay Never, der uns auch schon mit Infos zu Ameen Al-Dak­hil ver­sorgt hat.

Vom Transfercoup zum Einwechselspieler

Bruun Larsen nach seiner Rückkehr zum BVB. © Maja Hitij/Bongarts/Getty Images
Bru­un Lar­sen nach sei­ner Rück­kehr zum BVB. © Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Zu Bru­un Lar­sens Rück­kehr nach Dort­mund im Som­mer 2018 haben wir lei­der auf die Kür­ze nie­man­den auf­trei­ben kön­nen, der sich kon­kret an sei­ne rest­li­chen ein­ein­halb Jah­re dort erin­nert. Vor sei­nen Ein­sät­zen für den VfB hat­te ein­mal sie­ben Minu­ten Bun­des­li­ga-Luft für den BVB geschnup­pert, galt aber als sehr viel­ver­spre­chen­des Talent, wel­ches mit der U19 der Borus­sia meh­re­re Meis­ter­ti­tel abräum­te und auch in der Youth League erfolg­reich war. Obwohl die Lei­he zum VfB nicht opti­mal ver­lief, gehör­te er unter dem neu­en Trai­ner Luci­en Fav­re direkt zum Stamm einer Mann­schaft, die bis in den März hin­ein die Tabel­le anführ­te und über­haupt am 16. Spiel­tag erst die ers­te Nie­der­la­ge ein­ste­cken muss­te. In der Rück­run­de folg­ten drei wei­te­re Nie­der­la­gen, unter ande­rem ein 0:5 in Mün­chen, und ein paar Unent­schie­den, wel­che den BVB letzt­lich knapp die Meis­ter­schaft kos­te­ten. Bru­un Lar­sen saß in der zwei­ten Sai­son­hälf­te häu­fi­ger auf der Bank, hat­te aber durch­aus einen fes­ten Platz in einer der wohl stärks­ten Dort­mun­der Mann­schaf­ten der letz­ten Jah­re. Natür­lich lief er für die Mann­schaft auch in der Cham­pi­ons League auf. In der fol­gen­den Sai­son war er die­sen Platz in der Mann­schaft dann plötz­lich los, hat­te ihm ver­mut­lich der neu aus Glad­bach ver­pflich­te­te Thor­gan Hazard auf der lin­ken Außen­bahn den Rang abge­lau­fen. So kam er in der Hin­run­de nur auf vier Ein­wechs­lun­gen und wech­sel­te im vor-Coro­na-Win­ter 2019/2020 für die bereits genann­te Sum­me von 9 Mil­lio­nen Euro nach Hof­fen­heim.

Für die Ver­ant­wort­li­chen der TSG Hof­fen­heim galt der Wech­sel “als klei­ner Trans­fer­coup” erin­nert sich Niko Beck. Im glei­chen Trans­fer­fens­ter hat­te man für die dama­li­ge Rekord­sum­me von 12 Mil­lio­nen Euro Munas Dabbur ver­pflich­tet, man erhoff­te sich also eini­ges vom ehe­ma­li­gen Dort­mun­der. In Hof­fen­heim trai­nier­te damals Alfred Schreu­der, der im Som­mer sei­nen ehe­ma­li­gen Chef­trai­ner Juli­an Nagels­mann beerbt hat­te. Der Plan mit Bru­un Lar­sen, so Ben­ni, sei gewe­sen, dass er im defen­si­ven Sys­tem Schreu­ders für die offen­si­ve Explo­si­vi­tät sor­gen soll­te. Das habe aber man­gels ent­spre­chen­den Zuspie­len in die Tie­fe nie so rich­tig funk­tio­niert. Die zuletzt anstei­gen­de Form Bru­un Lar­sens hat sei­ner Mei­nung nach auch damit zu tun, dass der viel­seits umwor­be­ne Tom Bischof genau die­se Päs­se spie­len kön­ne. In der ver­län­ger­ten Coro­na-Rück­run­de der Spiel­zeit 2019/20 stand Bru­un Lar­sen dann noch fünf Mal unter Schreu­der und des­sen Nach­fol­ger Mar­cel Rapp (heu­te Kiel) in der Start­elf, kam aber sonst eher als Ein­wech­sel­spie­ler zum Zug. Ins­ge­samt gelan­gen ihm in die­ser Sai­son für den BVB und Hof­fen­heim nur je ein Tor. Zur Sai­son 2020/2021 trat Sebas­ti­an Hoe­neß sein Trai­ner­amt in Hof­fen­heim an, konn­te jedoch nur sel­ten auf Bru­un Lar­sen zurück­grei­fen. Nach zwei Teil­ein­sät­zen Mit­te Okto­ber muss­te die­ser wochen­lang wegen einer Coro­na-Infek­ti­on pau­sie­ren und fand sich danach auf der Bank wie­der. So war es erneut das Win­ter-Trans­fer­fens­ter in dem Bru­un Lar­sen und die TSG Hof­fen­heim nach einer Luft­ver­än­de­rung für ihn such­ten.

Keine Entwicklung in Anderlecht und unter Hoeneß

Die­se fan­den sie in der Jupi­ler League beim bel­gi­schen Rekord­meis­ter RSC Ander­lecht, zu dem Bru­un Lar­sen für ein hal­bes Jahr leih­wei­se wech­sel­te. Die­se Lei­he sei damals typisch für den Ver­ein gewe­sen, berich­tet uns Ste­ven: Aus finan­zi­el­ler Not lieh man sich eins hoch­ge­han­del­te Talen­te im Win­ter aus, in der Hoff­nung, die­se wür­den für die Rück­run­de eine Ver­stär­kung bie­ten. Wie bei ande­ren erfüll­te sich auch bei Bru­un Lar­sen die Hoff­nung nicht. Er absol­vier­te ins­ge­samt 19 Pflicht­spie­le für Ander­lecht, stand dabei aber nur fünf Mal in der Liga in der Start­elf. Eigent­lich erin­nert man sich in Ander­lecht nur wegen sei­nes Frei­stoß­to­res gegen Club Brug­ge an Bru­un Lar­sen, so Ste­ven:

Wen man auf die­sem Video auch sieht, ist der dama­li­ge RSCA-Trai­ner Vin­cent Kom­pa­ny, dem Bru­un Lar­sen spä­ter in Burn­ley wie­der begeg­ne­te und der mitt­ler­wei­le den FC Bay­ern trai­niert. Abge­se­hen von die­sem Frei­stoß­tor sei­en die Fans oft frus­triert gewe­sen ob sei­ner Leis­tung, berich­tet Ste­ven. Dass Kom­pa­ny ihn in Burn­ley erneut haben woll­te, deu­te aber dar­auf hin, dass er zumin­dest gut trai­niert habe. In Ander­lecht sei man aber nicht trau­rig gewe­sen, als der Spie­ler im Som­mer 2021 wie­der zur TSG Hof­fen­heim und Sebas­ti­an Hoe­neß zurück­kehr­te.

Bruun Larsen in Hoffenheim. © Octavio Passos/Getty Images
Bru­un Lar­sen in Hof­fen­heim. © Octa­vio Passos/Getty Images

Unter die­sem stand er zunächst erneut die ers­ten fünf Spie­le in der Start­elf, erziel­te auch den Anschluss­tref­fer bei der 1:3‑Niederlage in Stutt­gart, bekam jedoch zuneh­mend weni­ger Minu­ten und war dann mit mus­ku­lä­ren Pro­ble­men für den Rest des Jah­res 2021 wie­der außen vor. Eine Ent­wick­lung habe man durch sei­ne Lei­he nach Bel­gi­en nicht wahr­neh­men kön­nen, so Ben­ni. Nach der Win­ter­pau­se stand er nur noch drei Mal in der Start­elf einer Mann­schaft, die aus den Euro­pa­po­kal­rän­gen ins Mit­tel­feld abstürz­te, eine Ent­wick­lung, wegen der Sebas­ti­an Hoe­neß vor sei­nem Antritt bei uns ja durch­aus auch kri­tisch gese­hen wur­de. Hoe­neß wur­de zur neu­en Sai­son durch André Brei­ten­rei­ter ersetzt, aber auch unter ihm konn­te sich Bru­un Lar­sen nicht durch­set­zen, eine Leis­ten­ope­ra­ti­on im Janu­ar 2023 been­de­te dann sei­ne Sai­son so gut wie, erst als der VfB es am letz­ten Spiel­tag beim 1:1 ver­säum­te, der Rele­ga­ti­on zu ent­ge­hen, fei­er­te er sein Come­back für die Hof­fen­hei­mer. Die wur­den mitt­ler­wei­le von Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo trai­niert, was viel über die sport­li­che Ent­wick­lung im Kraich­gau in jener Sai­son aus­sagt.

Lichtblick in Burnley

Also ging es für ihn erneut auf die Rei­se, aber nicht in die Cham­pi­ons League, son­dern zum Pre­mier League-Auf­stei­ger Burn­ley FC und des­sen Trai­ner Vin­cent Kom­pa­ny. Dort stand er vor des­sen Ver­let­zung mit sei­nem neu­en VfB-Kol­le­gen Ameen Al-Dak­hil gemein­sam auf dem Platz und absol­vier­te ins­ge­samt 32 von 38 mög­li­chen Pre­mier League-Spie­len, davon 16 in der Start­elf. Wie bereits bekannt ist, stieg Burn­ley nach einer Sai­son direkt wie­der ab, im Som­mer 2023 herrsch­te nach dem Auf­stieg aber einer­seits gro­ße Eupho­rie, gleich­zei­tig habe man sich bei jeder Ver­pflich­tung gefragt, wel­cher Spie­ler der Cham­pi­on­ship-Meis­ter­mann­schaft nach dem Auf­stieg ersetzt wer­den wür­de, weil es für die Pre­mier League nicht rei­che, erklärt Matt. Kom­pa­ny habe damals vie­le Spie­ler ver­pflich­tet, genoß aber bei den Fans nach zwei Jah­ren und einem Auf­stieg einen gro­ßen Ver­trau­ens­vor­schuss, was auch für die von ihm gehol­ten Spie­ler galt — spe­zi­ell für jeman­den, der schon ein­mal unter Kom­pa­ny trai­niert hat­te. Und immer­hin: Für die in die­ser Sai­son gebeu­tel­ten Cla­rets-Fans war Bru­un Lar­sen einer der weni­gen Licht­bli­cke, so Matt. Er schoß Burn­ley Anfang Okto­ber in Luton zum ers­ten Sai­son­sieg und galt den Fans damit als einer der Spie­ler, die ihre Qua­li­tät auch auf den Platz brin­gen konn­ten.

Durch den Abstieg und den Abgang von Vin­cent Com­pa­ny sei­en die Chan­cen auf eine Wei­ter­ver­pflich­tung Bru­un Lar­sens jedoch gegen Null gesun­ken, erläu­tert Matt. Immer­hin konn­te er im Sai­son­end­spurt noch vier Tore erzie­len. In Hof­fen­heim, so Ben­ni, habe man gehofft, nach der Lei­he in die Pre­mier League noch eine annehm­ba­re Ablö­se zu gene­rie­ren, es fehl­te jedoch an Inter­es­sen­ten.

Den hat man nun, nach Kuz­ein­sät­zen unter Pel­le­gri­no Mat­a­raz­zo und Chris­ti­an Ilzer in die­ser Sai­son mit dem VfB gefun­den. Ben­ni ver­mu­tet, dass man Bru­un Lar­sen zuletzt auch ein wenig ins Schau­fens­ter gestellt habe, beim 4:3 gegen Leip­zig und dem 1:1 in Dort­mund traf er sogar. Auch von der bekann­ter­ma­ßen spä­ten Kad­er­zu­sam­men­stel­lung der Hof­fen­hei­mer pro­fi­tier­te Bru­un Lar­sen zunächst. Den­noch lief sein Ver­trag in Hof­fen­heim im kom­men­den Som­mer aus, die kol­por­tier­ten 1,7 Mil­lio­nen Ablö­se — etwa ein Vier­tel der an Dort­mund gezahl­ten Ablö­se, wie Niko bemerkt — sind das Maxi­mum, was Hof­fen­heim noch für ihn krie­gen konn­te. Dabei konn­te er sich in Hof­fen­heim, da sind sich bei­de Exper­ten einig, nie nach­hal­tig durch­set­zen. ” In […] 76 Spie­len stand Jacob durch­schnitt­lich nur etwas mehr als eine hal­be Stun­de auf dem Platz”, erklärt Niko. Eine für bei­de Sei­ten ent­täu­schen­de Zeit, vor allem die dama­li­ge hohe Ablö­se ent­pupp­te sich im Nach­hin­ein als schlech­ter Deal, die die Hof­fen­hei­mer aller­dings auch nicht in den Ruin stür­zen dürf­te. Niko weist dar­auf hin, dass eine solch unbe­frie­di­gen­de Ent­wick­lung vor allem in einen Kar­rie­re­ab­schnitt fällt, in dem es eigent­lich berg­auf gehen soll­te, näm­lich zwi­schen 21 und 26.

Reflektiert, talentiert, aber ohne Konstanz

Zum drit­ten Mal in sei­ner Kar­rie­re folgt Bru­un Lar­sen jetzt also einem Trai­ner nach: Erst Han­nes Wolf von Dort­mund nach Stutt­gart, dann Vin­cent Kom­pa­ny von Ander­lecht nach Burn­ley und jetzt eben Sebas­ti­an Hoe­neß von Hof­fen­heim nach Stutt­gart. Auf die Fra­ge, wel­chen Ein­fluss der Trai­ner auf die­sen Wech­sel habe, erklärt Ben­ni, dass auch Sebas­ti­an Hoe­neß natür­lich wis­se, wel­ches Talent Bru­un Lar­sen immer noch habe. Die­ses müs­se der Spie­ler aber kon­stant auf den Platz brin­gen. Gleich­zei­tig ist der Wechel zum Cham­pi­ons League-Teil­neh­mer VfB für einen Hof­fen­hei­mer Ein­wech­sel­spie­ler natür­lich auch ohne den Fak­tor Trai­ner reiz­voll, so Ben­ni. Mehr Ein­satz­zei­ten als in Hof­fen­heim sieht er für Bru­un Lar­sen aber ange­sichts der Kon­kur­renz nicht. Bru­un Lar­sen sei sei­ner Mei­nung nach zudem jemand, der das Ver­trau­en als Stamm­kraft spü­ren müs­se, um sei­ne Leis­tung brin­gen zu kön­nen. Das mer­ke man auch bei der Chan­cen­ver­wer­tung, “er ist ein sehr reflek­tier­ter Typ, der das Ver­trau­en braucht”. Nikos Ein­schät­zung zu Bru­un Lar­sen und sei­ner Zeit in Hof­fen­heim liest sich ähn­lich: “Auch ich habe Jacob immer als total sym­pa­thi­schen und unter­halt­sa­men Pro­fi ken­nen­ge­lernt, der reflek­tier­te Inter­views gab und in der Kabi­ne beliebt war. Es ist zwar eine Flos­kel, aber manch­mal will es ein­fach nicht pas­sen.” Und auch Ste­ven ver­mu­tet, dass er auch mit wegen Drucks in Ander­lecht nie wirk­lich befreit auf­spie­len konn­te.

In der Tat ist frag­lich, wie Bru­un Lar­sen den VfB kurz- und mit­tel­fris­tig ver­stär­ken kann. Da man in sei­nen weni­gen Ein­sät­zen unter Korkut nicht viel von den Stär­ken des damals 19jährigen sehen konn­te, müs­sen wir uns hier an die Erfah­run­gen in Hof­fen­heim, Ander­lecht und Burn­ley hal­ten. Ben­ni attes­tiert ihm ein “ordent­li­ches Dribb­ling” und beschreibt sein Tem­po mit Ball als sei­ne stärks­te Waf­fe, wäh­rend Matt ihn für einen Flü­gel­spie­ler nicht beson­ders drib­bel­stark fand, ihn aber als “hard working mid­fiel­der” cha­rak­te­ri­siert. Ste­ven weist auf sei­ne gute Aus­bil­dung hin, die Bru­un Lar­sen ein gutes Pass­spiel, Selbsrver­trau­en am Ball und einen guten Schuss ermög­lich­te, gleich­zei­tig habe er aber in Ander­lecht Schwie­rig­kei­ten in der Ent­schei­dungs­fin­dung gehabt. Auch aus dem Ver­gleich mit ande­ren Mit­tel­feld­spie­lern auf FBref wird deut­lich, dass Bru­un Lar­sen eher der Pass­emp­fän­ger ist als der­je­ni­ge, der sei­ne Mit­spie­ler in Sze­ne setzt:

Quelle: fbref.com
Quel­le: fbref.com

Ben­ni sieht ihn am Bes­ten auf der lin­ken Außen­bahn auf­ge­ho­ben, von wo er nach innen zie­hen und mit sei­nem stär­ke­ren rech­ten Fuß abzie­hen kann. Auch in Ander­lecht spiel­te er in einem 4–2‑2–2 oder einem 4–3‑2–1 auf dem lin­ken Flü­gel, in Burn­ley habe er durch­aus auf bei­den Sei­ten über­zeugt, so Matt.

Wohin mit ihm?

Letz­ten Endes ist das ziem­lich genau das Pro­fil von Chris Füh­rich auf der lin­ken, bezie­hungs­wei­se Jamie Lewe­ling auf der rech­ten Außen­bahn. Viel­leicht ist es gera­de die­se Varia­bi­li­tät im Offen­siv­spiel, die Hoe­neß dazu bewog, sich für den Trans­fer von Bru­un Lar­sen ein­zu­set­zen. An Füh­rich und Lewe­ling dürf­te er in der der­zei­ti­gen Ver­fas­sung nicht vor­bei kom­men. Ob er offen­siv mehr Ein­fluss hat als ein offen­si­ver Josha Vagno­man oder ein wie­der­ge­ne­se­ner Jus­tin Diehl, muss sich zei­gen. Auf jeden Fall bringt er mehr Tem­po mit als Fabi­an Rie­der, der ohne­hin zunächst nur aus Ren­nes aus­ge­lie­hen ist. Ange­sichts der Ver­trags­lauf­zeit bis 2027 sieht man ihn aber zumin­dest mal als eine ernst­haf­te Alter­na­ti­ve zu Silas, soll­te der im Som­mer nicht nach Stutt­gart zurück­kom­men. Bru­un Lar­sens bis­he­ri­ge Kar­rie­re spricht nicht unbe­dingt dafür, dass er gera­de bei uns den Durch­bruch schafft, vor allem wenn er zunächst für die Kader­brei­te zustän­dig ist und star­ke Kon­kur­ren­ten vor sich hat. Soll­te es Hoe­neß gelin­gen, sein Poten­ti­al zu heben, blie­be wei­ter­hin die Fra­ge ob er sei­ne Drib­bel­stär­ke  im Sin­ne der Mann­schaft wei­ter aus­bau­en kann, denn man hat ja Silas unter ande­rem des­halb auch ver­lie­hen, weil ihm unter Hoe­neß und in einer meist favo­ri­sier­ten Mann­schaft die Räu­me für sei­ne Tem­po­läu­fe feh­len. Wie damals in Burn­ley bleibt einem als Fan eigent­lich nur, auf den Trai­ner zu ver­trau­en. Eine sofor­ti­ge Ver­stär­kung für die anste­hen­den schwe­ren Spie­le sehe ich in Bru­un Lar­sen aktu­ell noch nicht.

Die Fra­ge ist aber natür­lich wie in jedem Win­ter, wie rea­lis­tisch es ist, eine Sofort­hil­fe zu einem ver­nünf­ti­gen Preis zu ver­pflich­ten. Auch die Suche nach einem wei­te­ren Innen­ver­tei­di­ger sehe ich skep­tisch, nach­dem man im Som­mer 9 Mil­lio­nen Euro für Ameen Al-Dak­hil über­wie­sen hat und die­ser noch kei­ne Chan­ce hat­te, sich zu bewei­sen. Unge­ach­tet indi­vi­du­el­ler Feh­ler waren es mei­ner Mei­nung nach auch eher mann­schafts­tak­ti­sche Pro­ble­me, die man­geln­de Chan­cen­ver­wer­tung, die das Spiel lan­ge offen­hielt und die Wach­heit des gesam­ten Teams, die zu der Men­ge an Gegen­to­ren führ­ten. Klar ist auf jeden Fall: Bru­un Lar­sen wird sich hier bewei­sen müs­sen, er kann es sich nicht leis­ten, ein wei­te­res Mal aus­sor­tiert zu wer­den. Soll­te die Sai­son wei­ter­hin so anstren­gend blei­ben, ist eine wei­te­re offen­si­ve Vari­an­te natür­lich auch nicht zu ver­ach­ten. Dafür muss er aber in nächs­ter Zeit, wenn er ver­mut­lich zunächst von der Bank kommt, Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten müs­sen.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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