Undav eins, Augsburg null (und das ist auch gut so)

Der VfB star­tet erfolg­reich ins neue Jahr, macht sich aber nach star­kem Beginn das Leben in Augs­burg wie­der unnö­tig schwer. Ist das das berühm­te Pferd, dass das Hin­der­nis gera­de so über­win­det oder hat die Mann­schaft gegen sol­che Geg­ner ein grund­sätz­li­che­res Pro­blem?

Irgend­wann Mit­te der zwei­ten Halb­zeit fuhr ich dann wirk­lich mal aus der Haut. Antho­ny Rou­ault bekam den Ball von Alex Nübel auf rechts zuge­spielt und ent­schied sich für eine ris­kan­te oder viel­mehr fahr­läs­si­ge Form der Spiel­eröff­nung. Halb­hoch, mit hal­ber Kraft flog der Ball quer durch die Stutt­gar­ter Hälf­te und wur­de dank­bar von einem Augs­bur­ger Offen­siv­spie­ler auf­ge­sam­melt. Unser und Rou­aults Glück: Der FCA war am Sonn­tag­abend wesent­lich unge­fähr­li­cher als der FC St. Pau­li kurz vor Weih­nach­ten. Da führ­te näm­lich der exakt glei­che Pass zum Tor von Egge­stein, wel­ches am Ende auch der Sieg­tref­fer sein soll­te. Dass dem VfB auch zum Rest­run­den­auf­takt sol­che Päs­se unter­lie­fen, ist ein alar­mie­ren­des Zei­chen, denn offen­sicht­lich hat man sich das Spiel gegen die Ham­bur­ger nach Weih­nach­ten nicht noch ein­mal genau­er ange­schaut. Denn Rou­aults war nicht der ein­zi­ge fahr­läs­si­ge Quer­pass, den die VfB-Defen­si­ve fabri­zier­te. Dass Augs­burg am Ende auf einen expec­ted goals-Wert von ledig­lich 0,22 kam, lag vor allem an ihrer völ­lig indis­po­nier­ten Offen­si­ve, die am lau­fen­den Band field goals erziel­te, aber eben kei­ne Fuß­ball­to­re.

Und wäre da nicht Deniz Undav gewe­sen und hät­te der nicht allem Anschein nach — anders als ich es am Fern­se­her ver­mu­te­te — doch nicht im Abseits gestan­den, dann wäre das für den VfB ein sehr frus­trie­ren­der Abend gewor­den, der eigent­lich sehr gut begann. Die Mann­schaft begann das Spiel genau so, wie ich es mir vor­ge­stellt hat­te: Wach, mit Zug zum Tor, mit gutem Lauf­spiel und kon­zen­trier­ten Pass-Sta­fet­ten. Vie­les sah so aus, wie wir es von letz­ter Sai­son gewohnt waren und Augs­burg war von der spie­le­ri­schen Qua­li­tät ein­deu­tig über­for­dert — dabei hat­ten wir noch nicht mal Undav und Lewe­ling drauf. Rela­tiv schnell wur­de aber auch deut­lich, wor­an es zuletzt ohne die bei­den auch gehakt hat­te: Erme­din Demi­ro­vic hat­te Chan­cen für drei Tore, mach­te aber kei­nes. Sei­nen zen­tra­len Kopf­ball parier­te Finn Dah­men noch, einen wei­te­ren Kopf­ball und einen Abschluss mit dem Fuß setz­te er völ­lig dane­ben. In einer Situa­ti­on, in der ein Tor so wich­tig gewe­sen wäre und das Spiel ange­sichts der Augs­bur­ger Harm­lo­sig­keit ver­mut­lich schon frü­her ent­schie­den hät­te.

Aufbau ohne Intensität

Aber irgend­wann so um die 30. Minu­te rum, hör­ten die Bäl­le plötz­lich auf, gefähr­lich in den Augs­bur­ger Straf­raum zu flie­gen. Es war, als sei die Mann­schaft ent­täuscht, dass ihr gro­ßes Enga­ge­ment in der ers­ten hal­ben Stun­de nicht zum Erfolg geführt hat­te und als ver­su­che sie nun, das glei­che mit etwas weni­ger Ein­satz zu errei­chen. Es häuf­ten sich Abspiel­feh­ler im Spiel­auf­bau und ver­lo­re­ne Bäl­le, die Lauf­be­reit­schaft sank. Gleich­zei­tig ver­such­ten die Brust­ring­trä­ger, wei­ter­hin das gewohn­te Auf­bau­spiel auf­zu­zie­hen, was aber ange­sichts man­geln­der Prä­zi­si­on häu­fig miss­lang und Augs­burg zu — glück­li­cher­wei­se — letzt­lich unge­fähr­li­chen Gegen­stö­ßen ein­lud. Bezeich­nend war der Frei­stoß, den der VfB in der eige­nen Hälf­te erhielt und der ohne Not vor den Füßen eines Augs­bur­gers lan­de­te. Wäre die­ses Spiel im alten Jahr gewe­sen, hät­te man mit Ver­let­zun­gen und Belas­tung sicher­lich vie­le Grün­de für die­sen Span­nungs­ab­fall fin­den kön­nen. Nach drei Wochen Pau­se und mit bes­se­rer Per­so­nal­si­tua­ti­on fällt mir kei­ner ein. Außer dass es der Mann­schaft in sol­chen Spie­len, in denen sie favo­ri­siert ist und das auch merkt, nicht in der Lage ist, die Inten­si­tät des Geg­ners mit­zu­ge­hen. Da gehen Zwei­kämp­fe in wich­ti­gen Berei­chen des Spiel­felds ver­lo­ren und an frei her­um­hop­peln­den Bäl­len ist zuerst der Geg­ner dran.

Das wirkt nach einem 1:0‑Sieg, was es ja in die­ser Sai­son auch nicht so häu­fig gab, erst­mal reich­lich nega­tiv. Nicht, weil mir ein 1:0 gegen Augs­burg zu wenig wäre. Ich neh­me jeden Sieg, egal wie er aus­sieht. Aber weil es wirk­lich ver­dammt knapp war und der VfB sich wie schon gegen offen­siv ähn­lich limi­tier­te Geg­ner wie Hof­fen­heim und St. Pau­li erneut unnö­tig um den Lohn gebracht hät­te. Was die Spie­ler kön­nen, sah man in der ers­ten hal­ben Stun­de genau­so wie bei Stil­lers traum­haf­ten Heber und Undavs durch­set­zungs­star­ken Abschluss. Aber aus irgend­ei­nem Grund for­dert sie ihr Glück immer wie­der her­aus. Viel­leicht hat­te sie schon die anstren­gen­den nächs­ten Wochen im Hin­ter­kopf und war der Mei­nung, es wür­de schon auch so für Augs­burg rei­chen und man müs­se sich für Leip­zig und Frei­burg scho­nen? Ich weiß es nicht. Ich freue mich sehr über den Sieg und ein wei­te­res Spiel zu Null, aber es ist anstren­gend zu sehen, wie müh­sam die­se Sie­ge zustan­de kom­men, wenn der VfB doch eigent­lich alles in der Hand hat. Zum Abschluss noch etwas Posi­ti­ves: Jacob Bru­un Lar­sen kam zum genau rich­ti­gen Zeit­punkt rein und stach mit schnel­len Sprints und geziel­ten Abspie­len immer wie­der in die Lücken, die Augs­burg gegen Ende des Spiels offen ließ. Für den ers­ten Auf­tritt nach weni­gen Tagen mit der Mann­schaft also durch­aus in Ord­nung.

Auftakt gemeistert

Klar ist: Gegen die nächs­ten Geg­ner kann man so nicht auf­tre­ten und ver­mut­lich wird die Mann­schaft das auch nicht tun. Viel­leicht hat­te der Span­nungs­ab­fall auch wirk­lich etwas mit der Qua­li­tät des Geg­ners zu tun, viel­leicht sind die Sin­ne gegen Xavi Simons und Vin­cen­zo Grifo wie­der schär­fer. Auf jeden Fall hal­ten wir aktu­ell wei­ter die Schlag­di­stanz zu den Euro­pa­po­kal­plät­zen und haben unterm Strich den oft mit Span­nung erwar­te­ten Auf­takt ins neue Jah­re erst­mal gemeis­tert. In den nächs­ten Wochen braucht es trotz­dem mehr als einen Deniz Undav.

Titel­bild: © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

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