Daten-Dienstag, der 27. Oktober 2020

Im diens­täg­li­chen Blick auf die Zah­len beschäf­ti­gen wir uns heu­te mit dem Spiel gegen Köln und der Fra­ge, ob der Punkt für den VfB glück­lich war oder nicht.

Bei einem ers­ten Blick auf den xG-Wert könn­te man näm­lich davon aus­ge­hen, dass der Punkt eher ein Gewinn für den VfB war. Für Köln errech­net Understat.com einen Wert von 2,38 Toren, für den VfB nur einen Wert von 0,72. Heißt das also, dass das Spiel eigent­lich 3:1 für Köln hät­te aus­ge­hen müs­sen? Nicht not­wen­di­ger­wei­se. Expec­ted goals sind kei­ne Wah­re Tabel­le und kein VAR. Sie bewer­ten ledig­lich die Qua­li­tät der Tor­schüs­se und deren Wahr­schein­lich­keit, zu einem Tor zu führt. Die Wahr­schein­lich­keit für jeden ein­zel­nen Tor­schuss wer­den addiert zu einem Gesamt­ergeb­nis für jede Mann­schaft. Abge­se­hen davon, dass Köln 15 Mal aufs Tor schoss und der VfB nur neun Mal, lohnt es sich, einen Blick auf die xG-Wer­te der bei­den Tore zu wer­fen. Wäh­rend der Elf­me­ter zum Aus­gleich bei Under­stat einen Wert von 0,78 haben — was nichts ande­res bedeu­tet, dass, sta­tis­tisch gese­hen, 78 Pro­zent aller Elf­me­ter ins Tor gehen — hat Orel Manga­las erfolg­rei­cher Tor­schuss aus 17 Metern nur eine Tref­fer­wahr­schein­lich­keit von 6 Pro­zent, also 0,06 xG. Rech­net man dazu die Chan­cen, die Jakobs und Anders­son im Straf­raum hat­ten, aber nicht ver­wer­te­ten, genau­so wie die vie­len Schüs­se außer­halb des Straf­raums, kommt man in der Sum­me auf einen ent­spre­chend hohen xG-Wert. Der bedeu­tet aber nichts ande­res, als dass Köln mit sei­nen Chan­cen wesent­lich schlam­pi­ger umging als der VfB. Nicht unbe­dingt ein Qua­li­täts­merk­mal.

Quel­le: Understat.com

Wei­ter rela­ti­viert wird der Ein­druck eines glück­li­chen Siegs beim Blick auf die Zah­len von Fivethir­ty­eight. Die berech­nen näm­lich nicht nur, wie Under­stat shot­ba­sed xG, son­dern auch non-shot xG:

Non-shot expec­ted goals are an esti­ma­te of how many goals a team “should” have scored based on non-shoo­ting actions they took around the oppo­sing team’s goal: pas­ses, inter­cep­ti­ons, take-ons and tack­les. For exam­p­le, we know that inter­cep­ting the ball at the oppo­sing team’s penal­ty spot results in a goal about 9 per­cent of the time, and a com­ple­ted pass that is recei­ved at the cen­ter of the six-yard box leads to a goal about 14 per­cent of the time. We add the­se indi­vi­du­al actions up across an enti­re match to arri­ve at a team’s non-shot expec­ted goals. Just as for shot-based expec­ted goals, the­re is an adjus­t­ment for each action based on the suc­cess rates of the play­er or play­ers taking the action (both the pas­ser and the recei­ver, in the case of a pass).

Betrach­tet man also alle Aspek­te des Angriffs­spiels außer dem Schuss, ist das Bild wesent­lich aus­ge­gli­che­ner: 0,7 non-shot xG des VfB ste­hen nur 0,9 des FC gegen­über. Eine aus­ge­gli­che­ne Par­tie also.

Noch ein paar Zah­len zum Köln-Spiel: Bis zu sei­ner — zuge­ge­be­ner­ma­ßen frü­hen — Aus­wechs­lung hat­te Marc-Oli­ver Kempf eine Zwei­kampf­quo­te von 100 Pro­zent! Und auch wenn das Köln-Spiel nicht völ­lig zufrie­den­stel­lend war, steht der VfB nicht nur nach Punk­ten wei­ter­hin gut da in der Liga. Im Liga­ver­gleich haben wir mit zehn die viert­meis­ten Tore geschos­sen. Ande­re Wer­te unter­strei­chen vor allem das Enga­ge­ment mit dem die Mann­schaft zu Wer­ke geht: Bei den Lauf­wer­ten (gelau­fe­ne Kilo­me­ter, Sprints und inten­si­ve Läu­fe ist der VfB immer­hin Bun­des­li­ga-Mit­tel­maß. Bei den gewon­nen Zwei­kämp­fen (562) aber und den gewon­ne­nen Kopf­ball­du­el­len (116) liegt der VfB liga­weit auf Platz 4 — am fünf­ten Spiel­tag gewan­nen wir sogar mit 121 die meis­ten Zwei­kämp­fe. Noch zwei wei­te­re Zah­len: Der VfB ist mit vier Tref­fern  geteil­ter Alu-Tabel­len­füh­rer, auf Augen­hö­he mit Dort­mund und Leip­zig. Gre­gor Kobel hat bereits 18 Tor­schüs­se abge­wehrt und steht damit liga­weit auf Platz 3.

Über den nächs­ten Geg­ner, den FC Schal­ke 04, wur­de zum The­ma Sta­tis­tik schon so viel geschrie­ben, dass es eigent­lich über­flüs­sig ist, das hier zu wie­der­ho­len. Klar ist: Sie haben wirk­lich, wirk­lich, wirk­lich lan­ge nicht mehr gewon­nen. Und auch bei den eben erwähn­ten Sta­tis­ti­ken fin­det man die Königs­blau­en durch­weg im unte­ren Tabel­len­drit­tel. Wenn man, wie es Under­stat tut, erwar­te­te Tore und Gegen­to­re aus den ein­zel­nen Spie­len nimmt und dar­aus eine erwar­te­te Punkt­zahl errech­net, hat Schal­ke mit 1,58 Punk­ten etwas mehr als einen hal­ben Punkt mehr als in der Rea­li­tät. Damit sind sie aber immer noch Tabel­len­letz­ter.

Das muss natür­lich alles nichts hei­ßen: Der VfB hat zwar wei­ter­hin den bes­ten fünf-Spie­le-Start seit 2008/2009, damals war man nach fünf Spie­len Drit­ter mit zehn Punk­ten, gegen einen ange­schla­ge­nen Boxer wie Schal­ke wird es trotz­dem nicht leich­ter.

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