When it rains, it pours

When it rains, it pours

Das Fußballjahr 2018 geht zu Ende. Zeit für einen Blick zurück auf die mehr als frustrierende Hinrunde des VfB Stuttgart.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern wann es passierte, aber irgendwann tat es einfach nicht mehr weh. Es war irgendwann zur Normalität geworden, dass das, was die Männer aus Cannstatt da auf dem Rasen zeigten, kein Fußball mehr war. Allenfalls Standfußball, und vermutlich wären damit die Standfußballer noch beleidigt.

Die Spielabläufe ähnlich. Zu Anfang stets bemüht, dann ein, zwei Tore aufgrund dummer individueller Fehler fangen und dann völlig auseinander fallen.

Unter Tayfun Korkut ließ sich nicht erkennen, welches System überhaupt gespielt werden sollte. Als Markus Weinzierl übernahm, war es für den leidgeplagten VfB-Fan gefühlt viel zu spät. Und schon stecken wir mitten drin in der Fehleranalyse. Der Kader zu dünn geplant, zu lange an Korkut festgehalten, die Fitness der Mannschaft ungenügend, einfach nur Pech, schwieriges Umfeld? Das sind die Hauptargumente die uns seitens der Fangemeinschaft immer wieder begegnen.

Der Trainer

Blicken wir zuerst auf die sportliche Leitung, Michael Reschke seine Transfers und seine Trainerentscheidungen. Die Entlassung Hannes Wolfs und der Neustart mit Tayfun Korkut war nachvollziehbar. Wolf brachte zu diesem Zeitpunkt leider keine Punkte mehr ein, ein Konzept war auch nicht zu erkennen. Allerdings war die ihm zur Verfügung gestellte Mannschaft auch alles andere als bundesligatauglich, aber das gehört auf einen anderen Scheiterhaufen.

Tayfun Korkut allerdings zu verlängern war ein großer Fehler. Hatte man zum Abschluss der letzten Saison noch Glück, sah man jetzt genau das was seine Kritiker erwartet hatten: Keine Idee, keine Entwicklungsfähigkeit, eher ein Feuerwehrmann. Nun steht dieser weiterhin auf unserer Gehaltsliste und in der  VfB-Historie als derjenige, der auswärts am letzten Spieltag den Bayern die Meisterfeier versaute.

Die Transfers

Schauen wir uns die Transfers an. Diese standen dem Trainer so früh wie nie zur Verfügung. Reschke hatte das große Glück, ohne jegliche Abstiegsangst frühzeitig die nächste Saison zu planen. Die Namen klangen gut: Borna Sosa, Pablo Maffeo, Nicolas Gonzalez, Marc Oliver Kempf und Roberto Massimo, der noch verliehen bleibt. Alles junge Spieler mit Entwicklungspotenzial. Einer von Ihnen U21-Nationalspieler mit Erfahrung in der Liga, der das Potenzial hat einen Holger Badstuber oder einen Benjamin Pavard zu ersetzen – und der sich gleich mal verletzte. Borna Sosa, Pablo Maffeo und Nicolas Gonzalez sind drei die die Liga nicht kennen, aus dem Ausland kommen und erst mal ankommen müssen. Sosa und Maffeo zeigten in Ihren Einsätzen schon einige gute Szenen, allerdings verletzten sich auch beide und fielen und fallen längerfristig aus. Bei Nicolas Gonzalez scheiden sich die Geister. Alle Trainer setzen auf ihn, sehen großes Entwicklungspotential und dann trifft er halt leider zum zehnten Mal nur den Pfosten. Ohne Verletzungspech wäre er vermutlich nicht so oft eingesetzt worden, langsam herangeführt hätte man ihn dann, sagt Reschke. Gomez sagt,  Gonzalez hätte damit gerechnet wir seien sowas wie der FC Barcelona da wir die Bayern geschlagen hätten. Da stellt man sich schon die Frage: Spricht Michi Reschke kein Spanisch oder hat er den Spieler unter Verschleierung von Tatsachen zum VfB gelockt ? Mit der Wahrheit hat er es ja nicht so. Fakt ist, dass wir offensiv derzeit nicht wirklich eine Alternative haben, Gonzalez aber noch viel Zeit braucht. Einer der so ähnlich heißt, ist Gonzalo Castro. Beim BVB eher auf die Bank beordeert, hat Herr Reschke der ihn aus seiner Leverkusener Zeit kannte, gedacht: “Na gut, holen wir ihn mal. Kann kein Fehler sein.” Mit Rentenvertrag ausgestattet sitzt er nun bei uns auch wieder auf der Bank, da er seine Form vergeblich irgendwo auf dem Cannstatter Wasen im Riesenrad sucht.

Der nächste Name der da steht ist Daniel Didavi. Bei Wolfsburg spielte er zuletzt eine astreine Saison, zeigte im Abstiegskampf sein Potenzial und seine Verletzungsgeschichten gehörten der Vergangenheit an. Vielleicht ist der Stuttgarter Feinstaub daran schuld, aber seit er wieder da ist, ist er wieder am häufigsten an dem Ort an dem er den Großteil seiner Stuttgarter Karriere verbracht hat: In der wunderschönen VfB-Reha Welt bei Dr. Raymond Best und seinen Kollegen. Die Achillessehne hatte schon in Wolfsburg gegen Ende der Saison Probleme gemacht und tut es weiterhin. Wurde dies bei einem Medizincheck übersehen? Sah man es als nicht dramatisch an? Fakt ist, Dida ist nicht bei hundert Prozent. Gegen Schalke trabte er auch nur auf dem Platz herum und konnte wenig weiterhelfen. Allerdings ist auch ein Daniel Didavi kein Heilsbringer und nicht die Lösung aller Probleme die beim VfB Stuttgart derzeit in der Offensive vorhanden sind.

Gucken wir uns den nächsten Invaliden an. Holger Badstuber der eigentlich viel lieber Champions League spielen würde. Hat aber irgendwie keinen Club gefunden der ihn wollte. Also warum dann nicht in Stuttgart bleiben? Die spielen ja auch schließlich fast Champions Leauge. Also wenn man die Tabelle umdreht. Zu diesem Transfer oder der Vertragsverlängerung ist glaube ich alles gesagt. Ja, Badstuber kann weiterhelfen, wenn er fit ist, aber hängt gerade auch mal wieder am liebsten in der Rehawelt ab.

Die Fitness

Die Fitness der Mannschaft also – hängt es daran? Wenn wir uns nur die Transfers anschauen könnte man es schon meinen. Immerhin sind mit Didavi, Sosa, Maffeo, Badstuber und Kempf eigentlich direkt alle verletzt gewesen. Sosa zog sich sogar einen Ermüdungsbruch zu. Teilweise geschah dies schon in der Saisonvorbereitung, teilweise in der laufenden Saison. Nicht nur einmal hatte man in den Spielen das Gefühl, der VfB lief den gegnerischen Mannschaften hinterher, die Laufleistungen waren eher mangelhaft bis ungenügend. Nun ist bei bestimmten Spielsystem eine geringe Laufleistung kein großes Problem – aber ein Spielsystem war halt leider nicht erkennbar oder besser gesagt erfolgreich. Zudem hatte ich, und das kann ich nur aus meiner nicht fachmännischen Sicht als Hobbyausdauersportlerin sagen, das Gefühl, dass viele Spieler schon nach kurzer Zeit die Puste ausging. Die Verletzung häuften sich, für das Spiel in Wolfsburg standen ganze zehn Verletzte auf der Liste von Markus Weinzierl. Hauptsächlich Muskelverletzungen. Die hauptsächlich dann entstehen, wenn die Muskeln nicht ausreichend trainiert sind und zu stark belastet werden. Die Fitness reicht nicht aus. Und hier muss man den Vorwurf dem ganzen Verein machen. Profis werden engmaschig betreut, es gibt Laktattests. Sowas muss gesehen werden und entsprechend gehandelt werden. Eine Ausdauer baut man nicht in drei Wochen Winterpause auf. Aber wie gesagt, nur meine subjektive außenstehende Meinung, nachweisen kann ich es selbstverständlich nicht.

Das Umfeld

Das nächste Thema ist das schwierige Umfeld. Nach der grandiosen Rückrunde ist im VfB-Fan natürlich eine Erwartungshaltung herangewachsen. Wir haben vom Europapokal geträumt. Nach Jahren der Dürre mal wieder Spiele gegen die ganz Großen da vorne gewonnen und jetzt überwintern wir auf dem Relegationsplatz. Wenn vom schwierigen Umfeld die Rede ist, ist von Fans die Rede, welche pfeifen, sich aufregen, der Mannschaft und der sportlichen Direktion jegliche Fähigkeiten absprechen, Sabotage vorwerfen. Nun, irgendwie macht es ja keiner richtig. Kein Robin Dutt, kein Michael Reschke nur einer war der Heilsbringer in den letzten Jahren: Jan Schindelmeiser. Ganz einfach: Weil er genau das sagte was die Fans hören wollten. Rhetorisch topfit. Sein Kader hat aber mit Hannes Wolf auch nur in der zweiten Liga funktioniert. Dann wurde es schwierig. Aufgrund der Erfolge ist eine gewisse Erwartungshaltung da und in manche Köpfe möchte es scheinbar nicht rein, dass die erfolgreichen Zeiten eben seit Jahren vorbei sind. Dass nicht jeder Spieler  oder Trainer mehr “Hurra, der VfB will mich, da geh ich sofort hin!” schreit. Dass man viel mehr nehmen muss, was das kleinere Übel ist. Bei der Verpflichtung von Esswein, die abgesehen davon schon kritisch zu sehen ist, öffnen sich auf Twitter wieder Abgründe. Der arme Mann hatte noch keine Sekunde gespielt schon wurde er wie die Sau durchs Dorf getrieben. Selbst wenn der VfB Stuttgart einen Lionel Messi verpflichten würde, würden Fans schreien: “Warum nicht Christiano Ronaldo?” Bezüglich der Erwartungshaltung sollten sich einige erhebliche Gedanken machen.

Trotz allem ist die Cannstatter Kurve da, unterstützt die Mannschaft  grandios und anstatt zu pfeifen beweist sie nach dem Heimspiel gegen Schalke das Feingefühl, “Christian Gentner” zu skandieren.  Respekt einem Spieler gegenüber zu zeigen, dessen Vater eine Woche zuvor im Stadion verstorben war und der eine sehr starke Leistung zeigte: Funktioniert auch nicht überall, aber in Stuttgart. Hierauf kann man durchaus sehr stolz sein.

Das Pech

Nachdem wir in der Rückrunde noch sehr viel Glück hatten, zieht sich nun eine Pechsträhne durch die Stuttgarter Vorrunde. Denken wir doch mal zurück, an die rote Karte für Emiliano Insua, die natürlich nicht komplett unberechtigt war, aber das Spiel im Endeffekt entschieden hat. Gegen Hoffenheim sah man gut aus, und fiel dann zu zehnt natürlich völlig auseinander. Denken wir an Gladbach, als es in der dritten Minute hätte Elfmeter geben müssen. Oder an das Verletzungspech. Ein Anastasios Donis, der gute Leistungen zeigt und dann ewig ausfällt. Ein Marc Oliver Kempf der, wäre er früher fit gewesen vielleicht auch geholfen hätte. Borna Sosa oder Pablo Maffeo, die über außen vielleicht auch die ein oder ander Flanke hätten schlagen können oder über Eröffnungen Schnelligkeit ins statische Stuttgarter Spiel gebracht hätten. Nicht zu vergessen die hunderprozentigen Torchancen die bei Stuttgart einfach nicht klappen wollen.

Der Schock

Zu guter letzt noch der absolute Schock: Der Vater des Kapitäns bricht im Stadion zusammen und verstirbt. Einer, der den VfB lebte. Und das nach einem Sieg, der ein Aufschwung hätte sein können über den sich dann auch keiner mehr so richtig freuen konnte. Als ich nach dem ernüchternden Spiel gegen Schalke im Regen stehe und auf die U11 warte ist es eine Songzeile von Rise Against die mir immer wieder durch den Kopf schwirrt.

When it rains it pours / Und wenn es regnet schüttet es,

Like summer storms / Wie ein Gewitter

The skies as gray as leaves / Der Himmel genauso dunkel wie die Blätter

The rivers flood the banks / Die Flüsse übersteigen ihre Ufer

And spill into the streets / und füllen die Straßen mit Wasser..

Es regnet nicht nur in Stuttgart, es schüttet. Nur wo fangen wir mit dem Wasserschöpfen überhaupt an, um es besser zu machen? Diese Frage steht final im Raum. Hoffen wir nur, dass sich die Ausdauer der Spieler verbessert, Weinzierl eine Spielidee beibringt, einige Transfers funktionieren und vor allem: die Pechsträhne uns verlässt.

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