Taten statt Worte

Nach dem Super­cup ver­liert der VfB auch den Liga­auf­takt gegen ein typi­sches Uni­on Ber­lin mit 1:2. Die Ergeb­nis­se mögen aktu­ell noch zweit­ran­gig sein. Es sind vor allem die Auf­trit­te, die (noch) nicht zu den pro­kla­mier­ten Sai­son­zie­len pas­sen.

Nach­dem der VfB am Diens­tag­abend die Mis­si­on Titel­ver­tei­di­gung im Pokal hof­fent­lich erfolg­reich eröff­net hat, wird am kom­men­den Frei­tag die Liga-Pha­se der Euro­pa League aus­ge­lost. Die erneu­te Rei­se nach Euro­pa war schon letz­te Sai­son ange­sichts der Inves­ti­tio­nen in den Kader das offen­sicht­li­che Sai­son­ziel, das am Ende über den Tri­umph im Pokal auch erreicht wur­de. Nur fol­ge­rich­tig, dass man auch in die­ser Spiel­zeit hohe Zie­le hat. Von Platz 6 sprach Deniz Undav nach dem Test­spiel gegen Bolo­gna im SWR und auch vor dem Super­cup gab man sich selbst­be­wusst — und ich klam­me­re hier ganz bewusst Jamie Lewe­lings ange­schi­cker­te Ankün­di­gung auf der Pokal­fei­er aus.

Nun kann man natür­lich nach einem Liga-Spiel und einem Kir­mes­cup noch kei­ne Sai­son­pro­gno­sen aus­ge­ben. Was aber beim 1:2 in Köpe­nick auf­fiel: Der VfB lie­fert aktu­ell nicht. Schon gegen die Bay­ern spiel­te man viel zu lan­ge mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se, ließ sich hin­ten rein­drän­gen und am Ende vom 170-Mil­lio­nen-Angriff der Münch­ner schla­gen, auch wenn man mit sei­nem Abwehr­ver­hal­ten auch einen gehö­ri­gen Eigen­an­teil an der Nie­der­la­ge hat­te. Für Ily­as Ansah zahl­te der 1. FC Uni­on Ber­lin schlap­pe drei bis vier Mil­lio­nen  an den Zweit­li­gis­ten Pader­born, er hat­te aber kaum weni­ger Mühe, das Spiel gegen den VfB auf eige­ne Faust zu ent­schei­den.

Offensiv blass

Viel­leicht hät­ten uns die Bay­ern auch geschla­gen, wenn wir in die­ses Spiel das inves­tiert hät­ten, was wir ange­kün­digt haben. Für den Sai­son­auf­takt kann das kei­nes­falls gel­ten. Der VfB war den Zah­len nach drü­ckend über­le­gen, fiel aber am Ende wie­der auf den alten Uni­on-Trick rein: Bei­ßen, krat­zen, Chan­cen nut­zen, wei­ter­krat­zen. Dass man die­ses Spiel nicht für sich ent­schei­den konn­te, ist eben genau das, was uns zu den ange­peil­ten Top 6 in der Liga kurz vor Ende des Tran­ser­fens­ters noch fehlt: Hin­ten wenig zulas­sen, vor­ne die Qua­li­tät auch auf den Platz brin­gen.

Statt­des­sen ließ man sich vom naür­lich mal wie­der traum­haf­ten Füh­rungs­tref­fer der Unio­ner beein­dru­cken, schlug Flan­ke um Flan­ke in einen über­be­setz­ten Straf­raum, in dem Nick Wol­te­ma­de so blass blieb wie sein Bera­ter nach jeder som­mer­li­chen Ver­hand­lungs­run­de, in dem Erme­din Demi­ro­vic schon des­halb nicht auf­tauch­te, weil Sebas­ti­an Hoe­neß ihn unver­ständ­li­cher­wei­se auf Links­au­ßen beor­der­dert hat­te, auch wenn ich den Denk­zet­tel für unse­ren neu­en Zeh­ner und alten Flü­gel­dribb­ler nach­voll­zie­hen kann. Konn­ten Tick, Trick und Track im Mai noch mit dem Sieg in Leip­zig die Wei­chen auf Pokal­sieg stel­len, so nahm sich auch dies­mal Deniz Undav jeden noch so schlech­ten Abschluss — mit dem erwar­te­ten Ergeb­nis.

Vergeudetes Potenzial

Am Ende war es Neu­zu­gang Tia­go Tomás, der den VfB mit einem eben­so sehens­wer­ten wie uner­war­te­ten Tref­fer auf die manu­el­le Anzei­ge­ta­fel in der Alten Förs­te­rei brach­te — wie schon in der Vor­wo­che viel zu spät, dar­an änder­te auch Wol­te­ma­des Abseits­tor nicht. Zwei kreuz­dum­me Gegen­to­re zu kas­sie­ren — und eins davon sogar tief in der Nach­spiel­zeit der ers­ten Hälf­te, nach­dem man erneut (!) bei einem Ein­wurf zu hoch stand — ist das eine. Das eige­ne Poten­zi­al und die eige­ne Domi­nanz der­art zu ver­schleu­dern, ist ein­fach nur frus­trie­rend. statt mit neu­em Elan aus der Pau­se zu kom­men, ließ man sich von kar­ten­sam­meln­den Unio­nern nach der Pau­se kur­zer­hand den Schneid abkau­fen. Dass Ilic für sei­ne Ell­bo­gen-Atta­cke gegen Jaquez’ Nasen­bein nicht mit Gelb-Rot vom Platz flog, war der ein­zi­ge grö­ße­re Feh­ler des sonst sta­bi­len Schieds­rich­ters.

Nein, die­se Nie­der­la­ge haben wir uns schon sel­ber zuzu­schrei­ben. Nicht den Unio­nern, die nach zwei schwa­chen Jah­ren wie­der genau das spie­len, was sie kön­nen und zwar form­voll­endet. Nicht dem Schieds­rich­ter. Erneut konn­te man sich des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass die Mann­schaft mit dem Brust­ring davon aus­ging, der Tref­fer wür­de schon irgend­wann fal­len, wenn man nur aus­dau­ernd genug auf den Zeh­ner-Rie­gel am geg­ne­ri­schen Straf­raum drauf lie­fe. Einer mit Natio­nal­spie­lern gespick­ten Offen­siv-Abtei­lung fiel am Ende viel zu wenig ein, um den Aus­wärts­sieg oder zumin­dest einen Punkt zu erzwin­gen. Von den gezähl­ten 25 Schüs­sen gin­gen nur sechs wirk­lich aufs Tor und davon nur drei inner­halb des Straf­raums. Das kön­nen auch kei­ne hohen Ball­be­sitz- und Pass­quo­ten in unge­fähr­li­chen Räu­men auf­wie­gen.

Saisonendspurt als Vorbild

Damit knüp­fen wir aktu­ell erst­mal an die ent­täu­schen­de Rück­run­de an, die man erst zu einem ver­träg­li­chen Ende brach­te, als einem vier Wochen vor dem Pokal­fi­na­le der Arsch auf Grund­eis ging. Natür­lich liegt das Nar­ra­tiv nahe, dass man sich vom Final­sieg gegen einen Dritt­li­gis­ten habe blen­den las­sen und dass der VfB, der sechs Heim­spie­le am Stück ver­geig­te, näher an der Rea­li­tät dran ist als der mit dem Pokal in der Hand. Gera­de im Pokal­fi­na­le gegen einen top­mo­ti­vier­ten Under­dog lie­fer­te die Mann­schaft aber über wei­te Stre­cken des Spiels ab. Die letz­ten vier Pflicht­spie­le der ver­gan­ge­nen Sai­son soll­ten also nichr Täu­schung ange­se­hen wer­den, son­dern als Vor­bild.

Zum Bei­spiel für das anste­hen­de Spiel beim Zweit­li­ga-Rele­ga­ti­ons­sie­ger. Der hat viel­leicht nicht die Qua­li­tät von Uni­on, wird aber min­des­tens genau­so viel Bis­sig­keit in die­ses Spiel inves­tie­ren. Umso wich­ti­ger, dass der VfB dem mehr ent­ge­gen­zu­set­zen hat als schi­cken Kom­bi­na­ti­ons­fuß­ball. Gera­de wenn wir wir aktu­ell ohne einen krea­ti­ven Offen­siv­spie­ler aus­kom­men müs­sen, ist die Wider­stands­fä­hig­keit und die rich­ti­ge Hal­tung zum Spiel umso wich­ti­ger. Als Titel­ver­tei­di­ger nicht direkt in der ers­ten Run­de aus­zu­schei­den ist hof­fent­lich dring­lich genug, um die Mann­schaft aus ihrer “Es hat lei­der nicht gereicht”-Haltung zu lösen.

Titel­bild: © Maryam Majd/Getty Images

2 Gedanken zu „Taten statt Worte“

  1. Natür­lich spie­len wir wie­der, wie in der letz­ten Sai­son einen gepfleg­ten Fuß­ball! Der Knack­punkt: wir haben kei­nen Tor­jä­ger! Mit einem Giuras­sy wären wir auch die­ses Jahr wie­der in der Cha.-L.
    Das müs­sen sich die Ver­ant­wort­li­chen im Ver­ein schon ankrei­den!
    Mög­lich­kei­ten (Geld) und Top­stür­mer in Euro­pa gibt es sicher genug!

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