Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Frankfurt-Fan Cettina

Im letz­ten Spiel die­ser Bun­des­li­ga-Sai­son geht es sowohl für den VfB, als auch für die Ein­tracht noch um viel. Über die aktu­el­le Situa­ti­on in Frank­furt vor dem Sai­son­fi­na­le spra­chen wir mit SGE-Fan Cet­ti­na.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Cet­ti­na und vie­len Dank, dass Du Dir Zeit für unse­re Fra­gen nimmst. Im Spiel am Sams­tag geht es um eini­ges: Für den VfB um die Teil­nah­me an der Cham­pi­ons League, für die Ein­tracht um die Con­fe­rence League. Wie wich­tig wäre der 7. Platz und die damit ver­bun­de­ne erneu­te Qua­li­fi­ka­ti­on für Euro­pa für den Ver­ein?

Cet­ti­na: Aus Ver­eins­sicht wäre der 7. Platz enorm wich­tig. Nicht exis­ten­zi­ell im Sin­ne von „Sonst geht der Ver­ein unter“, aber sport­lich und finan­zi­ell hät­te das gro­ßes Gewicht. Euro­pa­po­kal bedeu­tet zusätz­li­che Mil­lio­nen durch UEFA-Prä­mi­en, TV-Gel­der etc. und selbst die Con­fe­rence League bringt noch rele­van­te Zusatz­ein­nah­men. Aber auch sport­lich wäre eine erneu­te Qua­li­fi­ka­ti­on wich­tig, inter­na­tio­na­le Spie­le hel­fen immer, gute Spie­ler zu hal­ten oder neue Talen­te zu holen. Vie­le Pro­fis wol­len inter­na­tio­nal spie­len. Aus (mei­ner) Fan­sicht wäre es kein Welt­un­ter­gang, wenn man mal „nur“ Platz 8 oder 9 belegt, aller­dings ver­ste­he ich, dass das aus wirt­schaft­li­cher Sicht anders aus­sieht.

Albert Rie­ra über­nahm kurz nach dem Hin­spiel Anfang Febru­ar von Dino Topp­möl­ler und steht nach nur vier Sie­gen aus 13 Spie­len Gerüch­ten nach schon wie­der vor dem Aus. Wie blickst Du aus heu­ti­ger Sicht auf den Trai­ner­wech­sel und wie bewer­test Du die Arbeit von Rie­ra?

Albert Rie­ra ist ein Trai­ner, der pola­ri­siert – qua­si das Gegen­teil von Dino Topp­möl­ler. Als Rie­ra das ers­te Mal kon­kre­tes The­ma wur­de, habe ich mich gefreut. Ich mag Trai­ner, die ein gesun­des Ego und eine kla­re Aus­strah­lung haben. Trotz­dem muss man sich ein­ge­ste­hen, dass es wei­ter­hin nicht rich­tig zu pas­sen scheint. Aber da kom­men wir auch schon zum größ­ten Punkt: Viel­leicht liegt das nicht allein am Trai­ner. Die­se Mann­schaft hat am Ende unter Topp­möl­ler nicht funk­tio­niert, Den­nis Schmitt & Alex Mei­er sind auch geschei­tert und jetzt wird der drit­te Trai­ner ver­grault. Da muss man auch mal die Mann­schaft in die Ver­ant­wor­tung neh­men und nicht blind hof­fen, dass das vier­te (!) Trai­ner­team dann Erfolg haben wird. Wenn man sich anschaut, wie medi­al mit dem neu­en Trai­ner umge­gan­gen wird, bekommt man schnell das Gefühl, dass er nie eine fai­re Chan­ce bekom­men hat. Natür­lich muss auch Rie­ra an sich arbei­ten, ein Gespür für die deut­sche Pres­se­land­schaft ent­wi­ckeln und even­tu­ell einen Gang her­un­ter­schal­ten, aber ein sol­ches Ent­ge­gen­kom­men erwar­te ich auch von der Mann­schaft, den Jour­na­lis­ten und auch von Fans. Ob man mit dem aktu­el­len Trai­ner wei­ter­ma­chen soll­te oder nicht, kann ich aus der Ent­fer­nung nicht klar beur­tei­len. Einer­seits wür­de ich es mir wün­schen, bevor in ein paar Mona­ten der nächs­te Name vom alt­be­kann­ten Trai­ner­ka­rus­sell kur­siert, ande­rer­seits wäre es auch fatal ihm eine Trans­fer­pe­ri­ode zu geben nur, um dann am 6. Spiel­tag fest­zu­stel­len, dass es ein Feh­ler war.

Gefühlt ist die Stim­mung in Frank­furt so schlecht wie lan­ge nicht mehr, trotz der Cham­pi­ons League-Teil­nah­me in die­ser Sai­son. Lan­ge hat man in Stutt­gart bewun­dernd auf die Ein­tracht geschaut, die sich von der Rele­ga­ti­on 2016 zu natio­na­len und inter­na­tio­na­len Titeln auf­schwung — aktu­ell schei­nen die Rol­len ver­tauscht. Aus der Innen­sicht: Was ist da aktu­ell bei Euch los?

Von außen wirkt das wahr­schein­lich wider­sprüch­lich: Cham­pi­ons League, wirt­schaft­lich halb­wegs sta­bil, sport­lich oben dabei – und trotz­dem wirkt die Stim­mung ange­spannt. Ich glau­be, das liegt vor allem dar­an, dass sich bei der Ein­tracht und vie­len Fans die Erwar­tungs­hal­tung extrem ver­än­dert hat. Frü­her war Euro­pa etwas Beson­de­res, heu­te wird es fast schon vor­aus­ge­setzt. Und da kön­nen auch bei­de Par­al­le­len gleich­zei­tig exis­tie­ren: Man darf ent­täuscht sein und gleich­zei­tig auch immer dar­an den­ken, was das natür­li­che Habi­tat der Ein­tracht ist, und das ist nun mal nicht die Cham­pi­ons League. Es gibt ca. 6 Ver­ei­ne, die aktu­ell mehr Geld zur Ver­fü­gung hat­ten. Mit Teams wie Bay­ern, Dort­mund, Leip­zig und Lever­ku­sen sind die ers­ten vier Plät­ze nor­ma­ler­wei­se schon mal dicht, danach fol­gen dann Stutt­gart, die Ein­tracht und auch Frei­burg (oder wie momen­tan mal Hof­fen­heim oder klei­ne­re Aus­rei­ßer), die dann um die übri­gen inter­na­tio­na­len Plät­ze kämp­fen. Der Kampf kann aber auch mal ver­lo­ren gehen.
Dazu kommt noch, dass vie­le Fans aktu­ell ein Stück Iden­ti­fi­ka­ti­on ver­mis­sen. Man hat­te über Jah­re das Gefühl, dass Mann­schaft, Trai­ner und Umfeld kom­plett für die­sen Ein­tracht-Weg ste­hen. Momen­tan wirkt vie­les unru­hi­ger, wech­sel­haf­ter und emo­tio­nal nicht greif­bar.

Zurück zum Sport­li­chen: Im Win­ter ver­pflich­te­te die Ein­tracht Arnaud Kali­muen­do, der auch beim VfB mehr­fach im Gespräch war. Was haben wir ver­passt?

Kali­muen­do bringt schon vie­les mit: Er ist schnell, zwei­kampf­stark und hat einen star­ken Abschluss. Mit 6 Toren in 18 Spie­len hat er sei­nen Wert ange­deu­tet — gera­de mit wich­ti­gen Tref­fern wie bspw. beim Sieg gegen Wolfs­burg. Dazu ist er fle­xi­bel ein­setz­bar, egal ob als klas­si­scher Mit­tel­stür­mer, Dop­pel­spit­ze oder über den Flü­gel. Ob er aller­dings wirk­lich 27 Mil­lio­nen Euro wert ist, da habe ich noch so mei­ne Zwei­fel.

Der Blick auf die Zah­len offen­bart zwei­er­lei: Die Ein­tracht braucht für ihre Tore nur ver­hält­nis­mä­ßig wenig Chan­cen, hat aber nach Hei­den­heim und Wolfs­burg die meis­ten Gegen­to­re kas­siert. Reißt Euch die Abwehr­ar­beit die Sai­son rein und wenn ja, wor­an liegt das?

Man hat­te nach der Umstel­lung unter Rie­ra kurz den Ein­druck, dass Frank­furt defen­siv end­lich sta­bi­ler wird und kurz­fris­tig hat das auch funk­tio­niert. Das Pro­blem ist aber, dass die Grund­bau­stel­len geblie­ben sind: kei­ne kon­stan­te Ver­tei­di­gung, vie­le Wech­sel und Form­schwan­kun­gen. Immer wie­der wird man von krank­heits­be­ding­ten Wech­seln und geis­ti­gen Total­aus­fäl­len wäh­rend des Spiels geplagt. Dazu kommt noch das haus­ge­mach­te Tor­wart­pro­blem. Sobald Druck ent­steht, wer­den die alten Mus­ter wie­der deut­lich sicht­bar: zu gro­ße Abstän­de, schlech­te Absi­che­rung, indi­vi­du­el­le Feh­ler.

Du hast das Tor­wart­pro­blem ange­spro­chen. Wel­che Rol­le spie­len die bei­den Tor­hü­ter Kaua San­tos und Micha­el Zet­te­rer und mit wem soll­te die Ein­tracht in die neue Sai­son als Stamm­kee­per gehen.

Mit Kevin Trapp hat­te man einen sta­bi­len Halt im Tor, der zwar von vie­len Fans belä­chelt wur­de, jedoch durch sei­ne Aus­strah­lung und sein Stan­ding ein­fach mal das Zep­ter in die Hand genom­men hat und als Lea­der vor­an­ge­gan­gen ist. Die­se Sai­son hat man mit Kaua San­tos und Micha­el Zet­te­rer kei­nen Tor­wart, der die­se Kri­te­ri­en erfüllt. Auch die anfäng­li­che Unru­he und Wech­sel haben nicht dazu geführt, dass die Ein­tracht einen sta­bi­len Rück­halt hat – eher im Gegen­teil. Kaua San­tos hat­te letz­tes Jahr immer wie­der eine Chan­ce und hat die­se auch super genutzt, aller­dings hät­te den Ver­ant­wort­li­chen klar sein müs­sen, dass man da auch ein Gam­ble ein­geht und er als jun­ger Tor­wart durch­aus pat­zen kann und darf. Dafür hat­te man dann letzt­lich wohl kei­ne Geduld, hat einen ver­un­si­cher­ten Kaua San­tos auf die Bank gesetzt und auf Micha­el Zet­te­rer gesetzt. Als die­ser dann auch anfing, nicht mehr jeden halt­ba­ren Ball zu parie­ren, wur­de die Luft lang­sam dünn und nach wuse­li­gem Hin und Her ist das Ende vom Lied, dass man zwei Tor­hü­ter hat, die bei­de nicht den erwar­te­ten Rück­halt bie­ten. Dazu noch ein ver­un­si­cher­tes jun­ges Talent. Mir wäre es glau­be am liebs­ten, wenn man nächs­te Sai­son einen ganz neu­en Tor­wart holt und Kaua San­tos wei­ter­hin die Chan­ce bie­tet sich zu zei­gen. Zet­te­rer ist bestimmt ein super Typ, aber von einem Tor­wart der SGE erwar­te ich ande­res.

Can Uzun ist mit 14 Scor­er­punk­ten neben Jon­ny Bur­kardt einer der gefähr­lichs­ten Offen­siv­spie­ler der Ein­tracht. Vor wem müs­sen wir uns sonst noch in Acht neh­men am Sams­tag?

Es gab mal eine Zeit, in der ich geant­wor­tet hät­te, dass alle Spie­ler gefähr­lich wer­den kön­nen, aber momen­tan fällt es mir echt schwer. Neben Uzun, Burk­hardt (und natür­lich auch Kali­muen­do) wür­de ich Doan, Knauff, Brown und Baho­ya nen­nen. Aber das kommt natür­lich auch immer auf den Tag an, weil bis auf Brown alle durch­aus von Aus­set­zern geplagt sind. Doan kann mit sei­ner Tech­nik und sei­nem Zug zum Tor immer mal gefähr­lich wer­den. Knauff bringt unglaub­lich viel Tem­po und ist stark im Eins-gegen-eins und vor allem im Umschalt­spiel gefähr­lich. Baho­ya ist ein Spie­ler, der mit sei­nen Dribb­lings und sei­ner Unbe­re­chen­bar­keit immer für Cha­os sor­gen kann und über Brown müs­sen wir, glau­be ich, gar nicht spre­chen. Viel­leicht rede ich mir das aber auch nur ein, bzw. schwingt da der letz­te Fun­ken Hoff­nung mit, dass sie uns alle zum Sai­son­ab­schluss noch­mal ver­zau­bern und zei­gen, was sie kön­nen.

Wer fällt denn bei der Ein­tracht aus?

Stand Don­ners­tag­abend: Nnam­di Coll­ins fällt wei­ter­hin mit einer Sprung­ge­lenks­ver­let­zung aus.

Dein Tipp für Start­elf und Ergeb­nis?

Ich schät­ze mal, dass es ca. so aus­se­hen wird:
Zet­te­rer
Brown, Koch, Amen­da, Kris­ten­sen
Dahoud, Skhi­ri, Uzun, Baho­ya, Kali­muen­do, Burk­hardt.

Aller­dings wür­de ich mir wün­schen, dass Younes Ebn­ou­ta­lib mal wie­der zum Ein­satz kommt. Beim Ergeb­nis habe ich wenig Hoff­nung auf einen Sieg der Ein­tracht. Eher gehe ich davon aus, dass der VfB das humor­los 3:2 gewinnt.

Titel­bild: © Simon Hofmann/Getty Images

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