Noch ein Schritt

Beim immens wich­ti­gen Heim­sieg gegen Lever­ku­sen bringt der VfB end­lich wie­der die Eigen­schaf­ten auf den Platz, die ihn so stark machen und erkämpft sich damit die gro­ße Chan­ce, mit einem Sieg in Frank­furt in die Cham­pi­ons League ein­zu­zie­hen.

Es geht doch: Erme­din Demi­ro­vic trifft, Deniz Undav trifft, Maxi Mit­tel­städt ver­senkt mit der käl­tes­ten aller Schnau­zen einen Elf­me­ter mit dem Halb­zeit­pfiff und alle drei las­sen gemein­sam mit ihren Mann­schafts­kol­le­gen den Gäs­ten aus Lever­ku­sen so wenig Chan­cen im direk­ten Duell um Platz 4, dass Alex Nübel sich kaum rich­tig aus­zeich­nen kann und am Sams­tag nach­mit­tag vor allem eini­ger­ma­ßen harm­lo­se Flan­ken aus dem Stutt­gar­ter Früh­lings­him­mel pflückt. Kurz: Der VfB hat gelie­fert und damit die zuletzt teil­wei­se schwa­chen Auf­trit­te gegen Frei­burg, Bre­men und Hof­fen­heim kor­ri­giert. Viel­leicht war es am Ende wirk­lich der Tat­sa­che geschul­det, dass wir ver­gan­ge­nes Wochen­en­de durch das Remis in Hof­fen­heim und den deut­li­chen Lever­ku­se­ner Sieg aus den Cham­pi­ons-League-Plät­zen rutsch­ten und damit die Qua­li­fi­ka­ti­on für die­sen Wett­be­werb etwas aus der Hand gege­ben hat­ten. Es wäre über­trie­ben zu sagen, die Mann­schaft hät­te am Sams­tag mit dem Rücken zur Wand gestan­den, aber der Druck war defi­ni­tiv da. Und wir hiel­ten stand und mach­ten aus dem Heim­spiel mal wie­der einen die­ser beson­de­ren weiß-roten Fei­er­ta­ge im Neckar­sta­di­on.

Und das obwohl Ramon Hen­driks mit sei­nem Ball­ver­lust im Mit­tel­kreis das nächs­te sehr ver­meid­ba­re Gegen­tor ein­lei­te­te, wel­ches den VfB früh in Rück­stand brach­te. Ich hat­te ja schon befürch­tet, dass so etwas nur der Auf­takt zur Fort­set­zung der Patrik-Schick-Fest­spie­le sein wür­de, aber der Stür­mer der Gäs­te blieb auch dank einer im Anschluss hoch­kon­zen­trier­ten Abwehr­leis­tung von Cha­b­ot und Co. nahe­zu unsicht­bar, lei­te­te gar mit einem Feh­ler das vor­ent­schei­den­de 3:1 ein. Statt­des­sen glänz­te jemand anders. Erme­din Demi­ro­vic, der angeb­lich so gar nicht ins Sys­tem passt, erziel­te sei­nen zwölf­ten Sai­son­tref­fer, schmiss sich vor­ne in jede Flan­ke, hol­te einen Elf­me­ter raus und gab der Lever­ku­se­ner Clowns­trup­pe auch bei der Rudel­bil­dung kurz vor Abpfiff noch ordent­lich Con­tra. Nicht umsonst wid­men die Kol­le­gen vom Ver­ti­kal­pass ihm einen eige­nen Arti­kel und kon­sta­tie­ren: “Die Scorer spra­chen schon immer für Demi­ro­vic, wel­chen Wert er als Men­ta­li­täts­spie­ler für die Mann­schaft haben kann, haben wir gegen Lever­ku­sen gese­hen. Dass er ger­ne rudelt und sich nichts bie­ten lässt wuss­ten wir schon immer. Und vor­ne drin mit sei­nem Kum­pel Deniz Undav vor ihm auf der Zehn fühlt er sich am wohls­ten – Demi­ro­vic muss nur rich­tig ein­ge­setzt wer­den.” Die Bezeich­nung Men­ta­li­täts­spie­ler trifft es ziem­lich gut, er war aber damit an die­sem Tag nicht der Ein­zi­ge.

Den Ernst der Tabellensituation erkannt

Wich­tig auch, dass Deniz Undav wie­der traf — wun­der­bar ein­ge­lei­tet von Demi­ro­vic und einer Flan­ke von Jamie Lewe­ling — und damit sei­nen Wert für die Mann­schaft auch mit etwas Zähl­ba­rem unter­strich. Am Sams­tag klick­te ein­fach alles beim VfB, der auch von einem nach dem Spiel in der Vor­wo­che über­ra­schend schwa­chen Auf­tritt der Gäs­te pro­fi­tier­te. Gleich­zei­tig ensteht eine Bilanz von 20 zu 6 Tor­schüs­sen aber auch nicht per Zufall, son­dern weil die Mann­schaft im Brust­ring zeig­te, dass sie den Ernst der Tabel­len­si­tua­ti­on erkannt hat und nach län­ge­rer Zeit mal wie­der an ihr Limit ging — mehr war gegen die­ses Lever­ku­sen auch gar nicht nötig, weni­ger wäre aber nicht gut gegan­gen. Durch die etwas über­ra­schen­de Nie­der­la­ge eines Euro­pa­po­kal­fi­na­lis­ten aus dem Breis­gau wird auch genau die­se Leis­tung auch am letz­ten Spiel­tag von­nö­ten sein, denn für die Frank­fur­ter Ein­tracht und ins­be­son­de­re ihren Trai­ner geht um nicht viel weni­ger, als dar­um, ihre Sai­son mit dem Ein­zug in die Con­fe­rence League noch halb­wegs zu ret­ten. Ohne­hin wäre es fatal, jetzt den Fuß vom Gas zu neh­men, durch die Tabel­len­si­tua­ti­on soll­ten die Sin­ne aber zusätz­lich noch ein­mal geschärft sein.

Wenn es uns gelingt, noch­mal für 90 Minu­ten die glei­che Ener­gie­leisch­dung (Hoe­neß-Voice) auf den Platz zu brin­gen wie gegen Lever­ku­sen, wird aus einer guten eine her­aus­ra­gen­de Sai­son für den VfB — ganz egal wie das Pokal­fi­na­le aus­geht. Übri­gens nicht nur für die Bun­des­li­ga-Mann­schaft. Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de haben die Frau­en die Zweit­li­ga-Meis­ter­schaft und den Auf­stieg in die ers­te Liga klar­ge­macht und auch die A- und die B‑Jugend kön­nen die­se Sai­son mit einem Titel abschlie­ßen — die U17 mit der Deut­schen Meis­ter­schaft, die U19 mit dem Pokal­sieg. Und selbst für den hof­fent­lich unwahr­schein­li­chen Fall, dass es mit der Cham­pi­ons League nichts wird, muss man zwi­schen­durch ein­mal fest­hal­ten, in welch guter Situa­ti­on sich unser VfB und damit auch wir als Fans befin­den. Das darf natür­lich nicht zu Selbst­zu­frie­den­heit füh­ren, son­dern soll­te alle anspor­nen, auch noch den nächs­ten, für die­se Sai­son letz­ten Schritt zu machen. Aber wir sind schon sehr weit gekom­men.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass warnt vor dem Fina­le von “Wer wird Mil­lio­när”: “Der VfB hat noch nichts erreicht, soll­te die Ein­tracht nicht unter­schät­zen und das Pokal­fi­na­le gegen Mün­chen muss erst recht aus den Köp­fen.” Stuttgart.international fei­ert “Wild­sau” Demi­ro­vic und stellt fest: “Allein mit Hacke-Spit­ze erreicht man im Fuß­ball aber nichts. Dafür braucht es Spie­ler, die rem­peln und grät­schen.”

Titel­bild: © Adam Pretty/Getty Images

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