Neu im Brustring: Noah Darvich

Der VfB hat sich mal wie­der mit einem sehr jun­gen Spie­ler ver­stärkt: Noah Dar­vich, der im Sep­tem­ber 19 Jah­re alt wird, kommt für eine über­schau­ba­re Ablö­se vom FC Bar­ce­lo­na. Wie er sei­nen Weg nach Stutt­gart fand und was wir von ihm wann erwar­ten kön­nen, stel­len wir Euch vor.

Fabi­an Wohl­ge­muth beschäf­tigt der­zeit natür­lich nicht nur das unse­riö­se Geba­ren sei­nes Gegen­übers aus Mün­chen und des Bera­ters von Nick Wol­te­ma­de — auch abseits der Stürm­er­per­so­na­lie wird wei­ter am Kader für die kom­men­de Sai­son gebas­telt. Wobei da, Abgän­ge aus­ge­nom­men, in die­sem Som­mer eigent­lich nicht so viel Akti­vi­tät zu erwar­ten war. Lorenz Assi­gnon kam als neue Stamm­kraft auf der rech­ten Sei­te, ansons­ten war­te­te man eigent­lich vor allem dar­auf, dass Enzo Mil­lot einen Ver­ein fin­det, der sei­nen Qua­li­tä­ten gerecht wird und mit sei­ner Leis­tungs­kon­stanz ein­ver­stan­den ist. Das wür­de dann auch wie­der etwas Geld in die Kas­sen spü­len, zumin­dest die damals ver­ab­re­de­te fes­te Ablö­se­sum­me. Von der braucht der jüngs­te (in zwei­er­lei Hin­sicht) Neu­zu­gang des VfB wohl nur einen klei­ne­ren Teil auf: Noah Dar­vich, Kapi­tän der deut­schen U19-Natio­nal­mann­schaft, wech­selt dem Ver­neh­men nach für einen klei­nen ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag vom FC Bar­ce­lo­na, bezie­hungs­wei­se des­sen dritt­klas­si­ger zwei­ten Mann­schaft, nach Bad Cannstatt. Es wur­de bereits spe­ku­liert, ob er nicht zunächst in der 3. Liga an den Bun­des­li­ga-Kader her­an­ge­führt wür­de und nor­ma­ler­wei­se stel­len wir hier nur Spie­ler für die ers­te Mann­schaft in aller Aus­führ­lich­keit vor. Ande­rer­seits haben wir damals auch Hiro­ki Ito kei­nen Arti­kel gewid­met und wenn schon Fabi­an Wohl­ge­muth und Chris­ti­an Gent­ner mit dem Neu­zu­gang posie­ren, dann liegt die Annah­me nicht so fern, dass er zunächst mal unter Sebas­ti­an Hoe­neß und nicht unter Nico Wil­lig trai­nie­ren wird.

In Freiburg auf dem roten Teppich

Dar­vich ist gebür­ti­ger Frei­bur­ger und ent­stammt folg­lich auch der durch­aus beein­dru­cken­den Frei­bur­ger Fuß­ball­schu­le. Über sei­ne Anfän­ge in Süd­ba­den haben wir mit den SCF-Fans Juli­an und @SCTalente gespro­chen. Vor zwei Jah­ren wech­sel­te er dann in den Nach­wuchs des gro­ßen FC Bar­ce­lo­na. Wie es dazu kam und war­um er jetzt fest zum VfB wech­selt, ver­rät uns @ArsenKveFCB, Admin bei @BarcaBuzz. Gebo­ren, wie gesagt, in Frei­burg, wech­sel­te er mit elf Jah­ren von den Sport­freun­den Ein­tracht — für die auch U21-Natio­nal­tor­wart und Namens­vet­ter Noah Atubo­lu sowie Joa­chim Löw schon gespielt haben — ins NLZ des ansäs­si­gen Bun­des­li­gis­ten. Dort durch­lief er die Jugend­mann­schaf­ten und fiel unse­ren bei­den SCF-Exper­ten das ers­te Mal auf, als er als 15jähriger für die deut­sche U16-Natio­nal­mann­schaft auf­lief und gegen Por­tu­gal beim 3:5 nach Elf­me­ter­schie­ßen den Füh­rungs­tref­fer erziel­te. “Zu die­sem Zeit­punkt spiel­te er schon für die Frei­bur­ger U17 und war Leis­tungs­trä­ger des Teams, obwohl er eigent­lich noch für die U16 spie­len könn­te”, berich­tet @SC-Talente. Das war 2022, im dar­auf fol­gen­den Jahr wur­de er dann, als 16‑, bezie­hungs­wei­se knapp 17jähriger als Kapi­tän mit der deut­schen U17 und VfB-Nach­wuchs­spie­ler Max Her­werth erst Euro­pa- und dann Welt­meis­ter. Es sei spä­tes­tes­ten dann klar gewe­sen, dass ihm eine gro­ße Kar­rie­re bevor­ste­he, wenn er sich wei­ter so ent­wi­cke­le, erklärt @SCTalente.

Darvich im Dress des SCF. Christian Kaspar-Bartke/Getty Images for DFB
Dar­vich im Dress des SCF. © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images for DFB

Auch im Ver­ein zeig­te sich Dar­vich als Senk­recht­star­ter, war laut unse­rer Exper­ten “Dreh- und Angel­punkt der Offen­si­ve” der U17, die die Sai­son auf Platz 4 been­de­te. 2023 rück­te er kurz vor Ende der Sai­son mit 16 Jah­ren sogar in die U19 auf und war für die Sai­son 2023/2024 bereits für die damals dritt­klas­si­ge zwei­te Mann­schaft ein­ge­plant, wobei er in der Vor­be­rei­tung bereits mit der ers­ten Mann­schaft trai­nier­te und in einem Test­spiel gegen Straß­burg sehens­wert traf. “Schon an der Kader­pla­nung der Pro­fis im Offen­siv­be­reich konn­te man recht klar sehen, dass der SC bis zu sei­nem Wech­sel ver­sucht hat­te, die­se Plan­stel­le für Noah Dar­vich frei­zu­hal­ten”, unter­streicht Juli­an und @SCTalente hät­te auch ein Bun­des­li­ga-Debüt in jener Sai­son für rea­lis­tisch gehal­ten. Zumal, wie Juli­an anführt, die Frei­bur­ger in jener Sai­son in drei Wett­be­wer­ben spiel­ten und mit vie­len Ver­let­zun­gen zu kämp­fen hat­ten. Es kam anders: Dar­vich wech­sel­te statt­des­sen zu La Masia, der Nach­wuchs-Aka­de­mie des Welt­klubs FC Bar­ce­lo­na. Aus Frei­bur­ger Sicht die fal­sche Ent­schei­dung, bei­de Exper­ten sind sich einig, dass ihm eine wei­te­re Sai­son Frei­burg, wo ihm, so @SCTalente, “rein sport­lich gese­hen der rote Tep­pich aus­ge­rollt” wur­de, bes­ser getan hät­te. Könn­te der ein oder ande­re als war­nen­des Bei­spiel sehen — oder nicht. Denn in Kata­lo­ni­en habe er sich erst­mal hin­ten anstel­len müs­sen. Wobei Juli­an auch anführt, dass Dar­vich sich nach Anga­ben sei­nes Vaters dort sehr wohl gefühlt habe.

In Barcelona ohne Perspektive

In Frei­burg war die Ent­täu­schung über den Wech­sel des Talents jeden­falls ziem­lich groß: “Ein gebür­ti­ger Frei­bur­ger, der alle Jugend­mann­schaf­ten durch­läuft und als eins der größ­ten Talen­te der Nati­on gilt, ver­liert man äußerst ungern — gera­de wenn man als Ver­ein ja durch­aus nach­ge­wie­sen hat, sei­ne eige­nen Talen­te behut­sam, aber erfolg­reich zum Bun­des­li­ga­spie­ler zu ent­wi­ckeln. Ein Blick in jeden Frei­bur­ger Spiel­tags­ka­der spricht da Bän­de”, führt Juli­an aus. Ande­rer­seits habe man Dar­vich den Schritt aber auch gegönnt, gera­de zu einer Adres­se wie Bar­ce­lo­na. Es hieß auch damals sei­tens des Ver­eins, die Tür zum SCF sei “nur ange­lehnt”. Bei­de Exper­ten bezwei­feln, ob das nach einem Wech­sel zum VfB immer noch so sei — auch sei­tens der Fans. Aller­dings mit leich­tem Augen­zwin­kern. In Bar­ce­lo­na jeden­falls hat­te man nach dem Dop­pel­ti­tel mit der deut­schen U17 und auch ange­sichts des guten Rufs der Frei­bur­ger Nach­wuchs­ar­beit gro­ße Erwar­tun­gen an Dar­vich, erklärt @ArsenKveFCB. Der Ver­ein hat­te damals die Wahl zwi­schen Samu Agheho­wa, der dann zu Atle­ti­co Madrid ging, und eben Dar­vich.

Bei Bar­ce­lo­na absol­vier­te Dar­vich in den ver­gan­ge­nen bei­den Spiel­zei­ten 46 Par­tien für Bar­ce­lo­na Atlé­tic, die zwei­te Mann­schaft in der drit­ten Liga, die im Mai in die Viert­klas­sig­keit abstieg. In der Youth League schoss er 2023/24 in vier Spie­len zwei Tore, eines davon, als Bar­ce­lo­na gegen Mainz in der Zwi­schen­run­de aus­schied. La Liga sah er in sei­ner Zeit in Spa­ni­en nur zwei Mal von der Bank aus, auch beim Aus­schei­den im Cham­pi­ons-Leage-Halb­fi­na­le gegen Inter letz­te Sai­son saß er auf der Bank. Dem­entspre­chend über­schau­bar war zuletzt sei­ne Per­spek­ti­ve: Sein Ver­trag lief bis 2026, denn Drei­jah­res-Ver­trä­ge sei­en in Spa­ni­en für jun­ge Spie­ler das Maxi­mum, so @ArsenKveFCB. Für die ers­te Mann­schaft reich­te es noch nicht, Han­si Flick konn­te er trotz eini­ger Trai­nings­ein­hei­ten unter ihm nicht genug von sich über­zeu­gen — oder die­ser ihn nicht von einer Per­spek­ti­ve in blau­gra­na.

Kreativer Zehner mit Schwächen gegen den Ball

Nun hat Noah Dar­vich bis­her noch kei­ne Minu­te Pro­fi­fuß­ball gespielt, ein Blick auf sei­ne Stär­ken und Schwä­chen lohnt trotz­dem, mit dem Vor­be­halt, dass er die­se im deut­schen Nach­wuchs- und im spa­ni­schen Dritt­li­ga-Fuß­ball gezeigt hat. @SCTalente beschreibt ihn als einen klas­si­schen Zeh­ner, zu des­sen Stär­ke das Spiel­ver­ständ­nis und die Posi­tio­nie­rung im letz­ten Drit­tel zählt. Er habe zudem eine gute Tech­nik, sei stark im Dribb­ling und  habe ein gefähr­li­ches Pass­spiel: “Wenn er ein­mal in guter Posi­ti­on auf­dre­hen kann wird es fast immer gefähr­lich.” Schwä­chen habe er vor allem gegen den Ball, was Inten­si­tät und Timing ange­he: “Mit sei­nen Anla­gen soll­te er der Dreh- und Angel­punkt jeder Offen­si­ve sein, oft nutzt er dass aber nicht und fliegt des­halb oft gro­ße Tei­le des Spiels unter dem Radar”, so unser Exper­te. @ArsenKveFCB kann ihn sich als Links­fuß auch auf dem rech­ten Flü­gel vor­stel­len, wo er mehr Frei­hei­ten habe. Auch er lobt Dar­vichs Fähig­kei­ten, sich aus engen Situa­tio­nen mit sei­ner Stär­ke am Ball zu befrei­en und gefähr­li­che Angrif­fe ein­zu­lei­ten. Schwä­chen habe er in Bar­ce­lo­na bei der Ent­schei­dungs­fin­dung gezeigt, obwohl er eigent­lich in der Lage sei, das Spiel­tem­po zu bestim­men.

So sebr der Wech­sel zum VfB die SC-Fans auch schmerzt, so pas­send sehen sie die Vor­aus­set­zun­gen für Dar­vich in Stutt­gart. ‘Der sehr ball­be­sitz­las­ti­ge Fuß­ball und das tech­nisch über­ra­gen­de Team pas­sen per­fekt zu Noah. Sol­che Mann­schaf­ten braucht er um sei­ne Schwä­chen zu kaschie­ren und sich voll auf sei­ne Stär­ken kon­zen­trie­ren zu kön­nen”, so @SCTalente. Er müs­se jedoch auf dem Platz Ver­ant­wor­tung über­neh­men, gleich­zei­tig brau­che er Ver­trau­en und Unter­stüt­zung. Auch Juli­an und @ArsenKveFCB raten zur Geduld, was Ein­sät­ze in der Bun­des­li­ga angeht. Inter­es­san­ter­wei­se hat sich Bar­ce­lo­na Medi­en­be­rich­ten zufol­ge eine Wei­ter­kaufs­be­tei­li­gung gesi­chert sowie die Mög­lich­keit, jedes Ange­bot, dass der VfB ein­mal für Dar­vich bekommt, mit­zu­ge­hen und den Zuschlag zu bekom­men. Man scheint ihn in Kata­lo­ni­en wohl nicht aus den Augen ver­lie­ren zu wol­len — ähn­lich wie der VfB, der sei­ne Talen­te Luca Rai­mund und Ben­ja­min Boakye jetzt wohl auch mit Rück­kauf­op­tio­nen in die zwei­te Liga abge­ge­ben hat.

Talentesammler

Zunächst ein­mal geht Fabi­an Wohl­ge­muth mit die­sem Trans­fer ver­mut­lich kein all­zu gro­ßes Risi­ko ein. Dar­vich, immer noch sehr jung, wird dar­auf bren­nen, sei­ne Kar­rie­re wie­der in Schwung zu brin­gen und wenn er das tut, kann er dem VfB erst sport­lich und dann auch finan­zi­ell wei­ter­hel­fen. Die Ablö­se ist auch wesent­lich gerin­ger als bei­spiels­wei­se die von Wahid Fag­hir, der beim VfB vom Talent zum Dritt­li­ga-Spie­ler wur­de. Den­noch beschleicht mich bei die­sem Trans­fer das Gefühl, dass man ihn auch und viel­leicht vor allem des­we­gen getä­tigt hat, weil man es konn­te und nicht, weil man ihn brauch­te — ähn­lich wie damals die ähn­lich jun­gen Fag­hir und Bey­az oder auch wie der lei­der von Ver­let­zun­gen geplag­te Jovan Milo­se­vic.  Nun hat man mit Lazar Jova­no­vic angeb­lich einen wei­te­ren Spie­ler des Jahr­gangs 2006 an der Angel.

Ich bin zwar nie­mand, der bei jeder Gele­gen­heit for­dert, Spie­ler aus dem eige­nen NLZ unge­ach­tet ihrer Taug­lich­keit hoch- und vor­zu­zie­hen. Gleich­zei­tig inves­tiert der VfB viel Geld in sei­nen Nach­wuchs und hat nun die blei­er­nen Jah­re unter den Vor­gän­gern von Tho­mas Krü­cken lang­sam hin­ter sich gelas­sen. Nach­wuchs­spie­ler, und sei es mit Rück­kauf­op­ti­on, zu ver­kau­fen und gleich­zei­tig für am Ende nicht ganz so klei­ne Sum­men Talen­te wie Jeltsch, Dar­vich oder eben Jova­no­vic zu ver­pflich­ten, die genau­so an den den Her­aus­for­de­run­gen der Bun­des­li­ga schei­tern kön­nen, erscheint mir auf den ers­ten Blick weni­ger nach­hal­tig.

Titel­bild: © Selim Sudheimer/Getty Images for DFB)

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