Neu im Brustring: Badredine Bouanani und Bilal El Khannouss

Der VfB hat am Wochen­en­de die Ein­nah­men aus dem wahn­wit­zi­gen Trans­fer von Nick Wol­te­ma­de zumin­dest teil­wei­se reinves­tiert. Als ers­tes kam Offen­siv­spie­ler Badre­di­ne Bouana­ni vom OGC Nice, am Mon­tag folg­te dann Bil­al El Khan­nouss leih­wei­se vom eng­li­schen Pre­mier League-Abstei­ger Lei­ces­ter City. Wir haben uns an der fran­zö­si­schen Mit­tel­meer­küs­te, in Bel­gi­en und in den East Mid­lands umge­hört und stel­len Euch die bei­den Neu­zu­gän­ge vor. Außer­dem wagen wir einen ers­ten Rück­blick auf den Trans­fer­som­mer

Lan­ge war es ruhig nach dem Abgang von Enzo Mil­lot nach Sau­di-Ara­bi­en, dann wur­de es zumin­dest auf der Abgangs­sei­te beim VfB noch­mal rich­tig laut: Mit einem Knall wech­sel­te Nick Wol­te­ma­de zwi­schen ers­ter Pokal­run­de und zwei­tem Spiel­tag für eine obs­zön hohe Ablö­se­sum­me auf die Insel zu New­cast­le. Aus wirt­schaft­li­cher Sicht ein nach­voll­zieh­ba­rer Trans­fer, sport­lich ist der Wech­sel min­des­tens schwie­rig, was man Sebas­ti­an Hoe­neß’ Stim­mung auf der Pres­se­kon­fe­renz vorm Glad­bach-Spiel able­sen konn­te. Fabi­an Wohl­ge­muth stand schon vor­her, spä­tes­tens seit dem Don­ners­tag­abend, bezie­hungs­wei­se dem Sams­tag­vor­mit­tag, als der Trans­fer offi­zi­ell wur­de, vor der Her­aus­for­de­rung, in kur­zer Zeit in einem erhitz­ten Markt und dafür zu viel Geld im Porte­mon­naie Ersatz ein­zu­kau­fen, ohne sich dabei kom­plett über den Tisch zie­hen zu las­sen.

Wie weit der VfB-Sport­vor­stand auf dem Tisch lag, wer­den wir abschlie­ßend viel­leicht erst in den kom­men­den Wochen beur­tei­len kön­nen. Auf jeden Fall sind auf den letz­ten Drü­cker nach die­sen auf­re­gen­den Wochen noch zwei Neu­zu­gän­ge gekom­men: Badre­di­ne Bouana­ni wech­selt vom Olym­pi­que Gym­nas­te Club de Nice Côte d’A­zur nach Bad Cannstatt, also von der fran­zö­si­schen Mit­tel­meer­küs­te ans Ufer des Neckars. Zum OGC wech­sel­te er vor drei Jah­ren aus sei­ner Geburts­stadt Lil­le, Anfang 2024 spiel­te er für eine Halb­se­rie beim FC Lori­ent. Über sei­ne Zeit in Niz­za haben wir mit OGC-Fan Joss gespro­chen, über sein hal­bes Jahr in der Bre­ta­gne mit dem Twit­ter-Account Irre­duc­ti­bles Lori­en­tais, den ich im fol­gen­den IL abkür­zen wer­de. El Khan­nouss spiel­te zuletzt bei Lei­ces­ter City die ihn wie­der­um letz­tes Jahr vom KRC Genk ver­pflich­te­ten. In Lei­ces­ter stand uns Pete vom Pod­cast For Fox Sake Rede und Ant­wort, in Bel­gi­en spra­chen wir mit Tim-Oli­ver vom Pod­cast Ter­ril­Talks.

Badredine Bouanani: Mit Nizza aus der fünften Liga in die Europa League

Bouana­ni wur­de am 8. Dezem­ber 2004 wie gesagt in Lil­le gebo­ren und hat neben der fran­zö­si­schen auch die alge­ri­sche Staats­bür­ger­schaft. Nach­dem er beim Vor­ort­ver­ein US Ron­chin mit dem Fuß­ball­spie­len anfing, wech­sel­te er 2011 mit sechs Jah­ren in den Nach­wuchs von Lil­le OSC. Dort durch­lief er die Nach­wuchs­aka­de­mie und rück­te 2021 in die zwei­te Mann­schaft auf, für die er im fünft­klas­si­gen Cham­pion­nat Natio­nal 3 acht Spie­le absol­vier­te, in denen er zwei Mal traf und vier Mal vor­be­rei­te­te. Gleich­zei­tig war er noch für die U19 des LOSC aktiv. 2022 wech­sel­te er dann dann ablö­se­frei nach Niz­za. Die Erwar­tun­gen an den damals 18jährigen sei­en über­schau­bar gewe­sen, erklärt uns Joss, den­noch galt er als gro­ßes Talent. In sei­ner ers­ten Spiel­zeit an der Côte d’A­zur absol­vier­te er 19 Spie­le in der Ligue 1 und berei­te­te vier Tore vor, kam aber über den Sta­tus als Ein­wech­sel­spie­ler nicht hin­aus: Die ers­te Sai­son­hälf­te ver­brach­te er über­wie­gend bei der zwei­ten Mann­schaft, die eben­so wie die von Lil­le in der fünf­ten Liga spielt, erst nach der Win­ter­pau­se lief er regel­mä­ßi­ger für die ers­te Mann­schaft auf, unter ande­rem auch in der Con­fe­rence League. Joss beschreibt es als sei­ne “Über­gangs­sai­son”.

Bouanani spielte mit OGC Nice schon Europa League. © Paolo Bruno/Getty Images
Bouana­ni spiel­te mit OGC Nice schon Euro­pa League. © Pao­lo Bruno/Getty Images

2023 kam nur im Herbst bei der lan­ge auf Platz 2 ste­hen­den Mann­schaft nur zu Kurz­ein­sät­zen und wur­de schließ­lich zum FC Lori­ent ver­lie­hen, die zu die­sem Zeit­punkt im Abstiegs­kampf steck­ten und sich die­sem am Ende der Sai­son geschla­gen geben muss­ten. IL erklärt uns, dass man sich von Bouana­ni mehr Krea­ti­vi­tät erhoff­te. In der Bre­ta­gne absol­vier­te er in elf Spie­len knapp 440 Minu­ten, im Schnitt also eine Halb­zeit pro Spiel. Sein ein­zi­ges Tor erziel­te er beim bedeu­tungs­lo­sen 5:0 gegen Mit­ab­stei­ger Cler­mont Foot am letz­ten Spiel­tag. IL bedau­ert, dass er nicht vie­le Gele­gen­hei­ten hat­te, sich in einer Mann­schaft ohne viel Selbst­ver­trau­en zu zei­gen, Joss bezeich­net die Lei­he aus Sicht von Niz­za als einen “Miss­erfolg”. So kehr­te er im Som­mer zurück nach Süd­frank­reich wo der OGC die Sai­son auf Platz 5 been­det hat­te und damit in der ver­gan­ge­nen Sai­son in der Euro­pa League antrat.

Dort lief er in allen acht Liga­pha­sen-Spie­len auf, davon sechs Mal in der Start­elf. Niz­za schied zwar mit drei Unent­schie­den und fünf Nie­der­la­gen aus, er konn­te immer­hin gegen die Ran­gers und Bodø/Glimt jeweils einen Tref­fer erzie­len. In der Ligue 1 lief es für Niz­za bes­ser, die sich als Tabel­len­vier­ter für die Cham­pi­ons League-Qua­li­fi­ka­ti­on qua­li­fi­zier­ten, dort raus­flo­gen und jetzt wie der VfB in der Euro­pa League star­ten. Ver­gan­ge­ne Spiel­zeit konn­te Bouana­ni sei­ne Ein­satz­zei­ten stei­gern, kam aber nur auf jeweils drei Tore und drei Vor­la­gen. Joss erklärt, er habe ein paar gut Ansät­ze gehabt, sei aber zu unbe­stän­dig gewe­sen, auch was die Ein­stel­lung angeht: “Ein tech­nisch star­ker Spie­ler, aber faul”. Zu sei­nen Stär­ken und Schwä­chen gleich mehr, zunächst möch­te ich aber drauf ein­ge­hen, wel­che Rol­le er in der Offen­si­ve des VfB in Zukunft spie­len kann.

Vielversprechend, aber ausbaufähig

In Lori­ent war er als rech­ter Flü­gel­spie­ler in einem Sys­tem mit Fün­fer­ket­te aktiv — jedoch in einer Mann­schaft, die nicht vie­le Angrif­fe fah­ren konn­te. Auch in Niz­za sei er in einem 3–5‑2 oder sel­te­ner auch in einem 4–2‑3–1 häu­fig auf den Flü­geln ein­ge­setzt wor­den — vor allem auf dem rech­ten — inter­es­san­ter sei er aber im Zen­trum als Spiel­ma­cher. Das sug­ge­rie­ren zunächst auch die Zah­len, denn als offen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler erziel­te er mehr Tore als als Flü­gel­spie­ler. Als Stär­ke wer­den von bei­den Exper­ten sei­ne Dribb­lings und sei­ne Tech­nik genannt. IL sieht Schwä­chen in der Defen­siv­ar­beit und im Timing bei den Päs­sen, wäh­rend ihm Joss, wie schon ange­deu­tet, vor­wirft, nicht die nöti­gen Lauf­we­ge zu machen und kör­per­lich noch nicht durch­set­zungs­stark genug zu sein.

Dazu ein kur­zer Blick auf die Zah­len bei fbref.com. Auf­fäl­lig ist die im Ver­gleich hohe Zahl an Betei­li­gun­gen an Tor­schüs­sen, wäh­rend er gegen den Ball ganz in Ord­nung zu arbei­ten scheint und im Ball­be­sitz zumin­dest im Durch­schnitt liegt. Auf jeden Fall Zah­len die etwas ver­spre­chen, aber noch aus­bau­fä­hig sind.

Wach­sen wird der nur 1,77 Zen­ti­me­ter gro­ße Links­fuß mit 20 Jah­ren hin­ge­gen wohl nicht mehr, viel­leicht kann er ja kör­per­lich noch zule­gen. Dann kön­nen sich unse­re bei­den Fach­leu­te auch vor­stel­len, dass er sich auch beim VfB durch­setzt. Wie bei vie­len jun­gen Spie­lern sind die Anla­gen da, es braucht jedoch Ver­trau­en und Moti­va­ti­on, um sie auf den Platz zu brin­gen. Joss sieht aber defi­ni­tiv im Zen­trum. In Niz­za sei man am Ende nicht beson­ders trau­rig, dass er geht.

Bilal El Khannouss: Außergewöhnliche Talent in Belgien

Ähn­lich sehen es wohl die Fans von Lei­ces­ter City, wenn es um Bil­al El Khan­nouss geht, denn der lieb­äu­gelt schon seit Län­ge­rem mit einem Abgang von den Foxes, die nach nur einem Jahr Erst­klas­sig­keit wie­der in die Cham­pi­on­ship zurück­kehr­ten. Doch dazu gleich mehr. El Khan­nouss wur­de am 10. Mai in Strom­beek-Bever nahe Brüs­sel gebo­ren und hat sowohl die bel­gi­sche, als auch die marok­ka­ni­sche Staats­bür­ger­schaft. 2009 schloss er sich RSC Ander­lecht an und wech­sel­te vor sechs Jah­ren von dort in den Nach­wuchs des KRC Genk. Bis zu sei­nem Debüt in der Jupi­ler Pro League am Ende der Sai­son 2021/22 ver­ging dann noch etwas Zeit, vor­her führ­te er Jong Genk, die zwei­te Mann­schaft des KRC zum Auf­stieg in die zwei­te Liga. Tim-Oli­ver berich­tet, dass zwar auf dem Papier noch ande­re Talen­te vor ihm gestan­den hät­ten, er sich aber schließ­lich als am viel­ver­spre­chends­ten durch­ge­setzt hät­te. In der Spiel­zeit 2021/2022 sam­mel­te er auch inter­na­tio­na­le Erfah­run­gen in der Youth League, bevor er Ende 2022 zum Kader der marok­ka­ni­schen Natio­nal­mann­schaft gehör­te, die bis ins Halb­fi­na­le vor­stieß. Beim 1:2 gegen Kroa­ti­en um Spiel um Platz 3 stand er dann in der Start­elf und wur­de nach knapp einer Stun­de aus­ge­wech­selt. Mitt­ler­wei­le hat er 22 A‑Länderspiele absol­viert.

Bilal El Khannouss in Aktion für die Foxes. © Gareth Copley/Getty Images)
Bil­al El Khan­nouss in Akti­on für die Foxes. © Gareth Copley/Getty Images)

In den kom­men­den bei­den Spiel­zei­ten absol­vier­te er dann 75 Liga­spie­le für Genk, die 2023 knapp die Meis­ter­schaft ver­pass­ten und 2024 als Fünf­ter ein­lie­fen. Zudem lief er noch in der Con­fe­rence League für die Bel­gi­er auf. Die Bilanz: Vier Tore und zehn Assists. Die Sai­son, in der der KRC fast Meis­ter gewor­den wäre, sei trotz des dra­ma­ti­schen Endes gut gewe­sen, erklärt Tim-Oli­ver, in der Fol­ge sei es dann in der sport­li­chen Füh­rung zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten gekom­men, die sich auch aufs Sport­li­che aus­ge­wirkt hät­ten. El Khan­nouss habe sich aber unab­hän­gig davon durch sei­nen gro­ßen Ein­satz aus­ge­zeich­net, sowohl defen­siv als auch offen­siv — sehr zur Freu­de der Fans. Ver­gan­ge­nes Jahr wech­sel­te er dann in die East Mid­lands, wo Lei­ces­ter gera­de in die Pre­mier League auf­ge­stie­gen war. Tim-Oli­ver erläu­tert, dass man sich in Genk dar­an gewöhnt hat, ein Aus­bil­dungs­ver­ein zu sein und dass man einem bestimm­ten Punkt ein­fach merkt, dass der Spie­ler zu gut für den eige­nen Ver­ein ist. In Eng­land soll­te er er Pete zufol­ge hin­ter den Stür­mern für Krea­ti­vi­tät sor­gen, ins­be­son­de­re im Zusam­men­spiel mit Jamie Var­dy. In Lei­ces­ter absol­vier­te er fast alle Spie­le und steu­er­te bei zwei von ledig­lich sechs Sie­gen gegen West Ham und Tot­ten­ham jeweils ein Tor bei. Nahe­lie­gen­der­wei­se stieg Lei­ces­ter direkt wie­der ab.

Einmal Premier League und zurück

Das lag Pete zufol­ge vor allem dar­an, dass Auf­stiegs­trai­ner Enzo Mare­s­ca, der zu Chel­sea ging und mit denen die Con­fe­rence League gewann, nicht ange­mes­sen ersetzt wur­de. Sein Nach­fol­ger Ste­ve Coo­per pfleg­te einen ande­ren Spiel­stil, mit dem die Spie­ler wie­der­um nicht klar­ka­men, zudem wur­de die Mann­schaft nicht aus­rei­chend und vor allem nicht an Schwach­stel­len ver­stärkt. Für Coo­per war Ende Novem­ber Schluss, aber auch unter sei­nem Nach­fol­ger Ruud van Nis­tel­rooy wur­de es nicht bes­ser. Bemer­kens­wert ist, dass neben Lei­ces­ter auch die ande­ren bei­den Auf­stei­ger aus Nor­wich und Sout­hamp­ton direkt wie­der abstie­gen. Pete zufol­ge hat das nur bedingt etwas mit den finan­zi­el­len Unter­schie­den zwi­schen Cham­pi­on­ship und Pre­mier League zu tun. Denn klei­ne­re Ver­ei­ne wie Bour­ne­mouth, Brigh­ton oder Brent­ford hät­ten auch ein klei­ne­res Bud­get, wür­den aber durch sehr gutes Scou­ting und klu­ge Trans­fers regel­mä­ßig die Klas­se hal­ten. Man kön­ne sich zwar wie Sun­der­land in die­ser Spiel­zeit eine Pre­mier League-Mann­schaft zusam­men kau­fen, aber um in der ers­ten Liga zu bestehen, brau­che man bereits vor­her Erst­li­ga-Spie­ler in der Mann­schaft, erzählt Pete und führt Lei­ces­ter in 2014 und Brent­fort in 2021 als Bei­spie­le an.

Für die etwa 22 Mil­lio­nen Euro Ablö­se hat­te El Khan­nouss nicht den Ein­fluss auf die Mann­schaft, den sich die Fans erhofft hat­ten. Pete schränkt aber ein, dass er in einer schlech­ten Mann­schaft ein her­aus­ra­gen­des Talent gewe­sen sei: “Even Mes­si wouldn’t have kept Lei­ces­ter up last sea­son.”. Nach Sai­son­ende habe er rela­tiv deut­lich gemacht, dass er den Ver­ein ver­las­sen will, was bei den Fans natür­lich nicht gut ankam, so dass man über die nach der Lei­he wohl anfal­len­de Ablö­se­zah­lung des VfB glück­lich ist. Schau­en wir ein­mal dar­auf, wie er uns in der kom­men­den Sai­son hel­fen kann. Bei­de Exper­ten sind sich einig, dass er trotz gele­gent­li­cher Aus­flü­ge auf die Außen­bahn im Zen­trum am Bes­ten auf­ge­ho­ben ist — genau­so wie Bouana­ni. In Genk agier­te er meist in einem 4–2‑3–1 oder in einem 4–3‑3, in Lei­ces­ter als Spit­ze eines Mit­tel­feld-Drei­ecks mit den bei­den Sech­sern. Pete sieht sei­ne opti­ma­le Posi­ti­on als hän­gen­de Spit­ze hin­ter einem Stür­mer — prak­ti­scher­wei­se haben wir ja auch nur noch einen aktu­ell. Die Stär­ken sehen bei­de im tech­ni­schen Bereich: Tim-Oli­ver lobt die Ball­kon­trol­le, das Pass­spiel, das Dribb­ling und die Über­sicht von El Khan­nouss eben­so wie sei­ne Defen­siv­ar­beit, und auch Pete betont sei­ne Ball- und Pass­si­cher­heit, mit der er Angrif­fe ent­we­der sel­ber fährt oder ein­lei­tet. Schwä­chen sehen die bei­den beim Abschluss und teil­wei­se in der Phy­sis, wobei die Her­aus­for­de­run­gen dies­be­züg­lich in der Pre­mier League sicher noch­mal ande­re sind. Die Chan­cen­ver­wer­tung der Mann­schaft wird er also nicht auf Anhieb ver­bes­sern, gleich­zei­tig habe er in Genk vie­le ein­lei­ten­de Bäl­le auf die schnel­len Außen geschla­gen, war also an Toren vor häu­fig im Auf­bau zen­tral betei­ligt. Auch hier lohnt ein Blick auf fbref.com:

Die Stär­ke in der Spiel­eröff­nung und die Schwä­che im Abschluss wird hier sehr deut­lich, gleich­zei­tig aber auch die ver­gleichs­wei­se gro­ße Zwei­kampf­stär­ke.

Bei­de Exper­ten sind sich sicher, dass er vom ball­be­sitz­ori­en­ter­ten Spiel unter Sebas­ti­an Hoe­neß genau­so pro­fi­tie­ren wird wie von der höhe­ren Qua­li­tät sei­ner Mit­spie­ler im Ver­gleich zu Genk bei­spiels­wei­se. Pete ist der Mei­nung, dass der Sprung in die Pre­mier League für ihn zu früh kam, dass er als jun­ger Spie­ler aber noch genug Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al hat. Den Sprung in die Bun­des­li­ga trau­en ihm jeweils bei­de zu. Zuletzt noch ein fun fact: Als wohl einer von weni­gen Spie­lern wird er von sei­ner Mut­ter bera­ten.

Oh no!

Mit Bouana­ni und El Khan­nouss hat der VfB also gleich zwei Spie­ler für die Offen­si­ve ver­pflich­tet und damit Enzo Mil­lot in der zen­tra­len Posi­ti­on gleich dop­pelt ersetzt. Oder Mil­lot und Wol­te­ma­de. Oder Mil­lot und den bis ver­mut­lich Mit­te bis Ende Okto­ber ver­letz­ten Undav? So ganz weiß man das noch nicht, denn eigent­lich hät­te am Dead­line Day noch ein drit­ter Spie­ler zum VfB sto­ßen sol­len: Oh Hye­on-gyu, Mit­tel­stür­mer vom…KRC Genk. Auch zu dem hat­te ich schon alle Infos ein­ge­holt, sowohl über sei­ne Zeit in Korea über Albert von Fight­ing Stripes Foot­ball, als auch über sein Jahr bei Cel­tic dank der Hil­fe von Chris­to­pher Gal­lag­her vom Blog und Pod­cast The Cynic. Und natür­lich hat mir auch Tim-Oli­ver etwas über die ver­gan­ge­ne Sai­son in Genk berich­tet. Albert erzähl­te mir, dass er in der Natio­nal­mann­schaft bes­ser sei als Ex-VfB-Spie­ler Jeong und bei der WM im kom­men­den Jahr auf jeden Fall ein Stamm­platz­kan­di­dat sei. Schon 2022 sei bei der WM dabei gewe­sen, obwohl er nicht im Kader stand: Trai­ner Pau­lo Ben­to woll­te ihn trotz­dem im Umfeld der Mann­schaft bei einem gro­ßen Tur­nier haben. Sowohl Tim-Oli­ver als auch Chris­to­pher beto­nen zwar, dass er in Glas­gow und Genk nicht Stamm­spie­ler war, jedoch immer wie­der wich­ti­ge Tore erziel­te und als Neu­ner vor allem durch sei­ne Phy­sis über­zeug­te. Die von Genk auf­ge­ru­fe­ne Ablö­se von etwa 27 Mil­lio­nen Euro — ein neu­er Trans­fer-Rekord für uns —  über­rasch­te zwar alle Exper­ten, sie wur­de aber zurück­ge­führt auf den schnel­len Auf­stieg, den Oh hin­ge­legt hat und der Ver­hand­lungs­si­tua­ti­on am letz­ten Spiel­tag. Und hier kom­men wir zu der Crux, im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Schein­bar hat­te Oh mit 16 Jah­ren einen Kreuz­band­riss, der aber weder einen Wech­sel von Korea nach Schott­land, noch einen von Schott­land nach Bel­gi­en ver­hin­der­te. Der VfB woll­te aber, so hört man nicht nur aus Bel­gi­en, nach dem abge­schlos­se­nen Medi­zin­check die Ablö­se­sum­me erheb­lich sen­ken und brach­te wohl auch eine Lei­he ins Spiel. Genk lehn­te dan­kend ab und das Trans­fer­fens­ter schloss sich ohne einen drit­ten Neu­zu­gang.

Was das de fac­to bedeu­tet, wer­den wir erst in eini­gen Wochen fest­stel­len. Klar ist aber, dass wir unter dem Strich min­des­tens für die Par­tien in Frei­burg, gegen St. Pau­li, gegen Cel­ta Vigo, in Köln, in Basel und gegen Hei­den­heim einen Spie­ler weni­ger im Kader haben als vor dem Mon­tag. Ob Deniz Undav nach der nächs­ten Län­der­spiel­pau­se wie­der zur Ver­fü­gung steht und auch wie­der in alter Form, ist noch völ­lig offen. Nun könn­te man ein­wen­den, dass er auch in die­ser Sai­son noch nicht völ­lig in Form ist, nicht zuletzt wur­de er ja im Pokal rela­tiv früh gemein­sam mit Chris Füh­rich aus­ge­tauscht. Trotz­dem darf man sei­ne Rol­le als Füh­rungs­spie­ler und Antrei­ber nicht unter­schät­zen, selbst wenn er sei­ner eigent­li­chen Auf­ga­be zu sel­ten erfolg­reich nach­kommt. Dass man Trans­fers nicht mehr zwei­glei­sig pla­nen kann, wenn es in den letz­ten Tag des Trans­fer­fens­ters geht, ist klar. Man kann ja schleß­lich nicht fünf Alter­na­ti­ven zum Medi­zin­check schi­cken. Den­noch: Vom Inter­es­se New­cast­les und damit von der absurd höhen Ablö­se­sum­me, die United bereit war zu zah­len, wuss­te man angeb­lich seit Diens­tag. Die etwa 20 Mil­lio­nen für die Ver­pflich­tung und die Lei­he von Bouana­ni und El Khan­nouss war man aber offen­bar nach dem Abgang von Enzo Mil­lot noch nicht bereit zu zah­len — oder man woll­te es nicht. Die Ver­let­zung von Deniz Undav war zwar nicht plan­bar, die Ver­hand­lungs­tak­tik mit Genk über Oh aber min­des­tens mal risi­ko­be­haf­tet. Vom Kreuz­band­riss muss man schließ­lich gewusst haben und selbst wenn man den Spie­ler unbe­dingt woll­te, hät­te es sicher­lich am Dead­line Day noch Alter­na­ti­ven gege­ben, bei denen ein Wech­sel nicht so kom­pli­ziert gewe­sen war.

Was ergab die Saisonanalyse?

Was mich zu einem Rück­blick auf die gera­de been­de­te Trans­fer­pe­ri­ode bringt. Die ist  — min­des­tens —  unbe­frie­di­gend ver­lau­fen. Enzo Mil­lot ließ sich lan­ge bit­ten, um schließ­lich wenigs­tens die Haus­halts­kas­se auf­zu­fül­len, anstatt sich zu sport­li­chen Höhe­flü­gen auf­zu­schwin­gen. Die Bay­ern ließ der VfB zurecht lan­ge am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern, schien dann aber sowohl von der Kurz­fris­tig­keit, als auch vom Erlös des Wech­sels von Wol­te­ma­de nach Eng­land über­for­dert. Neben den drei Per­spek­tiv­spie­lern Noah Dar­vich, Lazar Jova­no­vic und Che­ma Andrés hol­te man zwar mit Tia­go Tomás und Lorenz Assi­gnon für nicht wenig Geld zwei erfah­re­ne Spie­ler, aller­dings auf Posi­tio­nen, auf denen man eher schon ein biss­chen über­be­setzt ist — vor allem nach der über­ra­schen­den Ver­trags­ver­län­ge­rung von Joshua Vagno­man, des­sen Nach­fol­ger Assi­gnon eigent­lich hät­te sein sol­len. Auf­hor­chen ließ mich auch die Pres­se­kon­fe­renz von Sebas­ti­an Hoe­neß vor dem Spiel gegen Glad­bach, als er sicht­lich ange­säu­ert über den Abgang von Wol­te­ma­de durch­bli­cken ließ, dass man sich vor­ge­nom­men habe, den Kader zusam­men­zu­hal­ten und ihn dar­auf auf­bau­end in der Spit­ze zu ver­stär­ken. Ein Ergeb­nis der Sai­son­ana­ly­se sei auch gewe­sen, dass man auch “Erfah­rung und Füh­rung” hin­zu­ge­win­nen wol­le.

Denn für Ver­stär­kun­gen in der (Leistungs-)Spitze dürf­te gera­de nach den Aus­ga­ben für Finn Jeltsch und Luca Jaquez im Win­ter und in der Erwar­tung von ledig­lich knapp 20 Mil­lio­nen Euro Ablö­se für Mil­lot nicht so furcht­bar viel Geld da sein. Zumal Spit­zen­spie­ler, wenn sie auch noch mit Attri­bu­ten wie Erfah­rung und Füh­rung ver­se­hen sind, schon allein wegen des avi­sier­ten Gehalts, aber ohne die Teil­nah­me an der Cham­pi­ons League nur schwer zu krie­gen sind. Mal ganz abge­se­hen davon, dass weder die getä­tig­ten Trans­fers, noch geplatz­te (Oh, Kon­stan­te­li­as) oder nur gemun­kel­te Ver­pflich­tun­gen in die Rich­tung Alter und Erfah­rung gin­gen.  Transfermarkt.de mag ja vie­len Fuß­ball­fans einen fal­schen Begriff vom Markt­wert eines Spie­lers ver­mit­telt haben, als Daten­bank ist die Sei­te hin­ge­gen unschlag­bar und nur eine Hand­voll Spie­ler, die mit dem VfB auf dem einen oder ande­ren Wege in Ver­bin­dung gebracht wur­den, sind 26 Jah­re oder älter. Schein­bar ist man beim VfB mit unter­schied­li­chen Schluss­fol­ge­run­gen aus der Sai­son­ana­ly­se her­aus­ge­gan­gen.

Alle müssen sich diese Saison strecken

Ganz even­tu­ell müs­sen Erfah­rung und Alter aber auch gar nicht von extern ein­ge­kauft wer­den. Der VfB hat zwar mit 24,4 Jah­ren im Durch­schnitt den jüngs­ten Kader der Liga — die Start­elf gegen Braun­schweig war aber im Schnitt zwei Jah­re älter als die des Geg­ners. Stüt­zen der Mann­schaft wie Deniz Undav, Kapi­tän Ata­kan Kara­zor, Tor­hü­ter Alex­an­der Nübel, Maxi­mi­li­an Mit­tel­städt, Chris Füh­rich, Jeff Cha­b­ot oder Erme­din Demi­ro­vic sind mitt­ler­wei­le alle 27 Jah­re oder älter, haben vie­le Bun­des­li­ga-Spie­le auf dem Buckel und mit­un­ter auch schon Euro­pa­po­kal- und Län­der­spie­le. Die Per­so­nal­de­cke mag auf man­chen Posi­tio­nen gespannt sein, es müs­sen sich aber nicht nur des­halb in die­ser Sai­son alle ein biss­chen mehr stre­cken. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass im Pokal fast nur die Favo­ri­ten in die zwei­te Run­de ein­zo­gen, wird die Ver­tei­di­gung des Titels noch­mal schwie­ri­ger. Heißt: Es muss in der Liga für Platz 6 rei­chen. Soll­te man den Ein­zug in den Euro­pa­po­kal über die Liga erneut ver­pas­sen, ste­hen der sport­li­chen Füh­rung unan­ge­neh­me Fra­gen bevor. Zum Bei­spiel die, ob man zwei Mit­tel­feld­plät­ze in der Bun­des­li­ga nicht auch für weni­ger als 50 Mil­lio­nen Ablö­se hät­te haben kön­nen.

Alle müs­sen sich jetzt bewei­sen, um die glän­zen­de Aus­gangs­po­si­ti­on, die man sich erar­bei­tet hat, nicht wie­der zu ver­spie­len. Nach der Welt­meis­ter­schaft ist mit dem Abgang von Ange­lo Stil­ler und viel­leicht wei­te­rer Spie­ler, die sich beim Tur­nier in den Fokus spie­len, zu rech­nen. Kann man Neu­zu­gän­ge für die Sai­son 2026/2027 dann nicht mit dem Aus­blick auf inter­na­tio­na­len Fuß­ball locken, wird es schwer, die Qua­li­tät der Mann­schaft zu erhal­ten. Zumal sich zwar die Gehäl­ter angeb­lich an die gespiel­ten Wett­be­wer­be anpas­sen, in der Sum­me grund­sätz­lich aber den­noch gestie­gen sind. Der VfB wür­de nach der ver­gan­ge­nen Sai­son erneut vor einem Umbruch ste­hen und von dem vie­len in den letz­ten zwei Som­mern beweg­ten Geld blie­be nur wenig sport­li­cher Ertrag über. Das soll kei­ne Pro­gno­se sein, aber zumin­dest eine War­nung.

Noch befin­den wir uns aber Anfang Sep­tem­ber 2025. Die Mann­schaft kann in den kom­men­den Wochen bewei­sen, dass Wohl und Wehe der Hin­run­de nicht von Nick Wol­te­ma­de unf Oh Hye­on-gyu abhän­gen. Auch Sebas­ti­an Hoe­neß wird sich dem nun vor­han­de­nen Kader anpas­sen müs­sen und statt lan­gen Bäl­len auf Nick Wol­te­ma­de wie­der mehr den fla­chen Ball­be­sitz suchen müs­sen. Viel­leicht ist die aktu­el­le Situa­ti­on auch die Chan­ce für Silas und Mo San­koh, einen neu­en Anlauf beim VfB in der Bun­des­li­ga zu neh­men. Und schließ­lich hat Fabi­an Wohl­ge­muth, wenn er sich gut vor­be­rei­tet, im Win­ter die Gele­gen­heit, die Mann­schaft für die Rück­run­de erneut zu ver­stär­ken. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel dafür gibt es: Ein­tracht Frank­furt ver­kauf­te am Dead­line Day 2023 Ran­dal Kolo Mua­ni noch für eine sehr hohe Sum­me nach Paris, fand aber kurz­fris­tig kei­nen Ersatz mehr. Nach einer schwie­ri­gen Hin­run­de lan­de­te man am Ende doch noch auf Platz 6. Eines muss aber allen klar sein: Der Druck und die Ver­ant­wor­tung sind groß und geschenkt wird uns nichts.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass wird sar­kas­tisch: “Mit­tel­stür­mer? Völ­lig über­schätzt!”, Stuttgart.international unk­te schon vor dem Dead­line Day: “Ob die sport­li­che Lei­tung und das Trai­ner­team in der Lage sein wer­den, das pral­le Kon­to in sport­li­che Qua­li­tät umzu­mün­zen, ist alles ande­re als selbst­ver­ständ­lich. Pro­greb­nyak und die Gomez-Mil­lio­nen las­sen grü­ßen.”

Titel­bild­col­la­ge: © sie­he Bild­un­ter­schrif­ten

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