Groß, ganz groß!

Der VfB zeigt im mit Span­nung erwar­te­ten Spit­zen­spiel gegen Uni­on Ber­lin eine rei­fe Leis­tung und gewinnt ver­dient mit 3:1. Nur ein wei­te­rer Schritt Rich­tung Ziel, aber ein sehr wich­ti­ger.

Was waren wir ner­vös vor die­sem Spiel. Rech­nun­gen erga­ben, dass Uni­on schon ein 2:0‑Auswärtssieg gereicht hät­te, um von Platz vier auf Platz eins zu sprin­gen und den VfB vom Thron zu sto­ßen. Wür­de der VfB nach den nicht kom­plett über­zeu­gen­den Sie­gen gegen die Abstiegs­kan­di­da­ten aus Karls­ru­he und Bie­le­feld an die­sem Mon­tag­abend eine eines Spit­zen­spiels wür­di­ge Leis­tung abru­fen kön­nen? Oder wür­de das Schick­sal der spä­ten Gegen­to­re dies­mal die Brust­ring­trä­ger selbst tref­fen?

Endlich Platz für den VfB

Gleich schepperts. Das 1:0. Bild © Eric Späte
Gleich schep­perts. Das 1:0. Bild © Eric Spä­te

Am Ende über­rasch­te die Mann­schaft wohl alle im Sta­di­on, viel­leicht noch am wenigs­ten sich selbst. In die­sem Spiel, wel­ches natür­lich noch kei­ne Vor­ent­schei­dung sein wür­de, aber ein deut­li­cher Fin­ger­zeig wer­den konn­te, klapp­te end­lich mal alles so, wie man es sich nach eige­nem Bekun­den schon die gan­ze Zeit vor­ge­nom­men hat­te. Dazu trug sicher­lich auch bei, dass Uni­on, anders als vie­le ande­re Mann­schaf­ten in der Liga, nicht über gro­ße Tei­le des Spiels hin­ten drin stand. Dadurch öff­ne­ten sich für den VfB offen­siv immer wie­der Lücken, in denen er sei­ne durch­aus vor­han­de­ne indi­vi­du­el­le Klas­se aus­spie­len konn­te.

Die offen­bar­te sich zunächst ein­mal mehr im fei­nen Füß­chen von Alex­an­dru Maxim. Nach einer guten Anfangs­pha­se war es sein Frei­stoß, der die Dose des Spiels öff­ne­te und dem VfB das Selbst­ver­trau­en gab, das die­se Mann­schaft manch­mal braucht, um in Fahrt zu kom­men. Wir haben ja in die­ser Sai­son schon häu­fi­ger pro­phe­zeit: “Wer das macht oder wenn das ein­tritt, dann steigt man auf.” So ein Moment war auch das 1:0. Wenn ein VfB-Spie­ler zum ledig­lich drit­ten Mal in den ver­gan­ge­nen sie­ben Jah­ren ein direk­tes Frei­stoß-Tor erzielt, dann kann an die­sem Abend alles pas­sie­ren.

Maxim und Ofori spielen sich nach vorne

Oforis Abnehmer: Josip Brekalo Bild: © VfB-Bilder.de
Ofo­ris Abneh­mer: Josip Bre­ka­lo Bild: © VfB-Bilder.de

Und das geschah auch. Zum einen natür­lich wegen Alex­an­dru Maxim, der eines sei­ner bes­ten und wich­tigs­ten Spie­le im Brust­ring mach­te und zurecht mit stan­ding ova­tions auf die Bank ver­ab­schie­det wur­de. Immer wie­der nutz­te er im offen­si­ven Mit­tel­feld die sich bie­ten­den Räu­me und lei­te­te gefähr­li­che Chan­cen des VfB ein — und die gab es zur Genü­ge. Ein wei­te­rer Mit­tel­feld­spie­ler, der mit dem Über­maß an grü­nem Rasen sehr gut zurecht kam, war Win­ter-Neu­zu­gang Ebe­ne­zer Ofo­ri. Hat­te er bei sei­nen ers­ten Auf­trit­ten vor allem durch sei­ne gute Ball­kon­trol­le und ‑behaup­tung über­zeugt, ging er dies­mal einen Schritt wei­ter und könn­te damit end­gül­tig in Stutt­gart ange­kom­men sein.

Nicht nur, aber am her­aus­ra­gends­ten beim 2:0 trieb er den Ball immer wie­der durchs Mit­tel­feld nach vor­ne. In die­sem Fall lei­te­te er damit den 20. Sai­son­tref­fer von Simon Terod­de ein, der nach Ofo­ris stei­lem Pass per­fekt von Bre­ka­lo bedient wur­de und den Ball mit der Innen­sei­te zwi­schen zwei Ver­tei­di­gern durch ins Tor schob. Ein Tref­fer, wie gemalt, Eksta­se in der Cannstat­ter Kur­ve. Konn­te der VfB gegen einen sol­chen Geg­ner wirk­lich so Fuß­ball spie­len?

Union nicht gefährlich genug

Er konn­te und das lag auch dar­an, dass sich Uni­on an die­sem Mon­tag­abend nicht in Spit­zen­spiel-Form befand. Sicher­lich, sie blie­ben immer gefähr­lich, was sich auch im Anschluss­tref­fer aus­drück­te, als erneut eine hohe Flan­ke an den Fünf-Meter-Raum, die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Innen­ver­tei­di­gung und Tor­wart an ihre Gren­ze sto­ßen ließ. Aber irgend­wie fehl­te ihnen der letz­te Biss, um dem VfB rich­tig gefähr­lich zu wer­den. Für Anhän­ger des Brust­rings ein teil­wei­se bekann­tes Gefühl, was uns aber am Mon­tag­abend zum Glück fremd blieb.

Just als das Spiel näm­lich wirk­lich etwas zu kip­pen droh­te — und man in der Cannstat­ter Kur­ve auf­ge­for­dert wur­de, sich ange­sichts die­ses lang­wei­li­gen Spiels hin­zu­set­zen, um dann wie­der auf­zu­ste­hen -, da waren Simon Terod­de und der ein­ge­wech­sel­te Dani­el Gin­c­zek hell­wach, luchs­ten einem etwas schläf­ri­gen Toni Leist­ner den Ball ab, spiel­ten einen kur­zen Dop­pel­pass und mach­ten den Deckel auf das Spiel. Ein Spiel­ver­lauf wie ein kit­schi­ger Fuß­ball­ro­man: Frei­stoß­tor, Kon­ter und everybody’s dar­ling Gin­ni besorgt die Ent­schei­dung.

Politik der wichtigen Schritte

Der Dosenöffner, vielleicht eines der wichtigsten Tore von Maxim. Bild: © VfB-Bilder.de
Der Dosen­öff­ner, viel­leicht eines der wich­tigs­ten Tore von Maxim. Bild: © VfB-Bilder.de

Ein rich­tig gei­ler, rund­um gelun­ge­ner Fuß­ball­abend bei die­sem hof­fent­lich letz­ten Mon­tags­spiel in der zwei­ten Liga — ich wür­de gern sagen für immer, aber Chris­ti­an Sei­fert, die DFL und Sky müs­sen ja die­sen Irsinn auch in der Bun­des­li­ga wei­ter­füh­ren, um wei­ter­hin nicht mit der Pre­mier League mit­hal­ten zu kön­nen. Und ein ers­ter gro­ßer Schritt in Rich­tung Wie­der­auf­stieg.

Der VfB hat ja in die­ser Sai­son schon vie­le ver­schie­de­ne Schrit­te gemacht, um dort­hin zu kom­men, wo er jetzt steht: Stol­per­schrit­te, schnel­le Schrit­te, Dau­er­läu­fe. Jetzt kom­men die ent­schei­den­den Schrit­te. Der Vor­sprung auf das Nie­der­sa­chen-Duo auf den Plät­zen zwei und drei beträgt jetzt drei Punk­te, den Eiser­nen auf Platz vier ist man nun schon auf sechs Punk­te ent­eilt. Kein Grund, in sorg­lo­se Eupho­rie zu ver­fal­len, aber Grund genug, um mit einem gesun­den Selbst­be­wusst­sein auf den Rän­gen und auf dem Platz nach Nürn­berg und Würz­burz zu fah­ren und zu Hau­se Aue und Würz­burg ent­ge­gen zu tre­ten.

Kommt mit!

Und an Uni­on Ber­lin und sei­ne Fans gerich­tet, wie­der­ho­le ich mei­ne Bit­te vom Hin­spiel:

Auch wenn das mit dem Ergeb­nis vom Mon­tag etwas schwie­ri­ger wird und eine Zweit­li­ga-Meis­ter­schaft und der direk­te Auf­stieg des VfB bei mir natür­lich Prio­ri­tät genießt: Wenn ich es mir aus­su­chen könn­te, wür­de ich mir Uni­on auf Platz zwei wün­schen, das von sei­nen Fans ges­tern noch weit nach Schluß­pfiff gefei­ert wur­de und damit sowohl aus­wärts als auch daheim einen posi­ti­ve­ren Ein­druck hin­ter­las­sen hat, als vie­le ande­re Ver­ei­ne und Fan­sze­nen.

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