Eiskalt

Frost und Schnee haben Deutsch­land und auch die Bun­des­li­ga im Griff, zwei Spie­le fie­len dem aktu­el­len Tief gar zum Opfer. Eis­kalt prä­sen­tiert sich auch der Ver­ein für Bewe­gungs­spie­le bei einem lang erwar­te­ten Aus­wärts­sieg in Lever­ku­sen, bei dem die Mann­schaft den Geg­ner min­des­tens eine Halb­zeit lang eben­falls kom­plett im Griff hat.

Frü­her, als ich noch jung war und mir in den Win­ter­fe­ri­en die Hal­len­mas­ters zu Gemü­te geführt habe, hat­te der VfB am 10. Janu­ar viel­leicht gra­de im Halb­fi­na­le des Hal­len­tur­niers in Meppen gegen Güters­loh den Kür­ze­ren gezo­gen. Aber nicht im Jahr 2025. Ein­ge­quetscht zwi­schen Klub-WM und Län­der-WM, also zwi­schen der einen FIFA-Geld­druck­ma­schi­ne und der ande­ren, muss ja auch noch die unauf­re­gen­de Liga gespielt wer­den. Also berei­tet man sich direkt nach dem Neu­jahrska­ter schon auf das ers­te Rest­run­den­spiel vor — denn dass die Hin­run­de der Bun­des­li­ga mal vor Weih­nach­ten abge­schlos­sen ist, gehört auch schon lan­ge der Ver­gan­gen­heit an. So fal­len dann eben zwei von neun Bun­des­li­ga-Spie­len aus, wenn der Kli­ma­wan­del mal wie­der voll durch­schlägt. Und der VfB? Der friert den alten Angst­geg­ner aus Lever­ku­sen ein­fach in der eige­nen Schuh­schach­tel ein.

Der Jahr 2025 war ja mit dem Kan­ter­sieg in Bre­men und dem Unent­schie­den gegen den Tabel­len­nach­barn von der A6 ganz ordent­lich abge­schlos­sen wor­den, aber natür­lich weißt Du nie, wie Dei­ne Mann­schaft aus der Pau­se kommt und sei sie noch so kurz. Und dann noch die gan­zen Ver­letz­ten, sie­ben an der Zahl, die sich aber bei nähe­rer Betrach­tung vor allem auf die Abwehr aus­wirk­ten. Als wol­le der VfB die­sen Umstand wett­ma­chen, jag­ten die Brust­ring­trä­ger den Geg­ner vom Anpfiff weg über den gan­zen Platz und über­lie­ßen ihnen ganz unty­pisch knapp zwei Drit­tel des Ball­be­sit­zes. Außer zwei Tor­schüs­sen beka­men die Haus­her­ren aber mit dem Spiel­ge­rät nicht beson­ders viel hin. Der VfB hin­ge­gen belohn­te sich für sei­ne Inten­si­tät und hat­te dies­mal auch die nöti­ge Effi­zi­enz: Lewe­ling nach einem fei­nen Steck­pass von Undav sowie mal wie­der aus der Distanz, Mit­tel­städt — mitt­ler­wei­le vom Punkt eine Bank — und Undav stell­ten einen schier unvor­stell­ba­ren Halb­zeit­stand von 4:0 her.

Gnadenlos

Beson­ders bemer­kens­wert fin­de ich dabei den letz­ten Tref­fer. Bekann­ter­ma­ßen kann man ja gegen Lever­ku­sen gar nicht genug Tore schie­ßen, um zu gewin­nen. Der VfB ließ sich nach dem 2:0 nicht zurück­fal­len und nutz­te direkt nach dem vor­ent­schei­den­den 3:0 die Lever­ku­se­ner Unsor­tiert­heit, um kom­plett den Deckel drauf­zu­ma­chen. So gna­den­los, so eis­kalt hat man uns sel­ten in der Ver­gan­gen­heit gese­hen, vor allem gegen eine Mann­schaft die­ser Qua­li­tät. Denn die­ser Jah­res­start hät­te durch­aus auch das Poten­zi­al gehabt, mit schlech­ten Ergeb­nis­sen gegen die direk­ten Kon­kur­ren­ten um Euro­pa direkt in die Hose zu gehen. Sieht man aber die Tor­ge­fähr­lich­keit des VfB und die Anfäl­lig­keit der Ein­tracht für Gegen­to­re, dann kann man sich auch zum Hin­run­den­ab­schluss am Diens­tag etwas aus­rech­nen. Zumal wenn man auf die zwei­te Halb­zeit gegen Lever­ku­sen blickt.

Denn natür­lich ist ein VfB-Spiel in Lever­ku­sen auch mit einer 4:0‑Führung noch nicht ent­schie­den — zumin­dest nicht im Kopf. Bis auf einen Elf­me­ter­tref­fer von Gri­mal­do nach einem leicht­sin­ni­gen Foul von Cha­b­ot im Straf­raum wur­den die Gast­ge­ber unse­rer Mann­schaft aber nicht mehr gefähr­lich. Das lag natür­lich auch an einem erneut sehr über­zeu­gen­den Nübel, der die leich­te Schwä­che­pha­se sei­ner Vor­der­leu­te aus­bü­gel­te. Zwar häuf­ten sich nach der Pau­se leich­te Ball­ver­lus­te, kam der VfB kaum noch gefähr­lich vors geg­ne­ri­sche Tor, wech­sel­te Sebas­ti­an Hoe­neß gar defen­siv — bei einer Füh­rung mit vier und spä­ter drei Toren und einem wei­te­ren Spiel in drei Tagen aber so ver­kraft­bar wie nach­voll­zieh­bar. Außer­dem ver­tei­dig­te die Mann­schaft das Tor genau­so lei­den­schaft­lich, wie sie den Geg­ner vor der Pau­se gepresst hat­te. Und so holt man dann eben am 16. Spiel­tag end­lich auch mal drei Punk­te gegen einen direk­ten Kon­kur­ren­ten aus dem obe­ren Tabel­len­drit­tel.

Mit dem Sieg in Lever­ku­sen, vor allem in die­ser Deut­lich­keit, setzt der VfB das ers­te State­ment die­ses Fuß­ball­jah­res — nicht mehr und nicht weni­ger — und schiebt sich auch in der Liga in eine gute Aus­gangs­po­si­ti­on, nach­dem man ja schon in den Pokal­wett­be­wer­ben Vor­ar­beit geleis­tet hat. Es ste­hen anstren­gen­de und weg­wei­sen­de Wochen an, die wir mit der glei­chen Inten­si­tät ange­hen soll­ten wie die­ses Spiel. Auch wenn es dann hof­fent­lich lang­sam etwas wär­mer wird.

Titel­bild: © Lars Baron/Getty Images

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