Überm Strich

Der VfB belohnt sich für ein enga­gier­tes Spiel gegen Mön­chen­glad­bach mit drei Punk­ten und dem Sprung auf Platz 15. Der Spiel­ver­lauf und die Ergeb­nis­se der Kon­kur­renz zei­gen aber: der gute Weg zum Klas­sen­er­halt, auf dem die Mann­schaft ist, ist noch lang und vol­ler Win­dun­gen.

Als Schieds­rich­ter Tobi­as Welz die schon üppig bemes­se­ne und noch­mal unnö­tig um zwei Minu­ten ver­län­ger­te Nach­spiel­zeit end­lich abge­pfif­fen hat­te, war da vor allem Erleich­te­rung. Dar­über, dass sich die Mann­schaft für ihr stre­cken­wei­se über­le­gen geführ­tes Spiel gegen eine erst rela­tiv harm­lo­se und dann unter­zäh­li­ge Glad­ba­cher Mann­schaft am Ende doch belohnt hat­te. Dass selbst die teil­wei­se haar­sträu­ben­de Chan­cen­ver­wer­tung und die noch haar­sträu­ben­de­re Hand­be­we­gung von Daxo Zag­adou den Heim­sieg nicht ver­hin­dern konn­ten. Dass der VAR zwar viel zu häu­fig zum Ein­satz kam, aber immer­hin zuguns­ten des VfB ent­schied. Und dass Tan­guy Cou­li­ba­ly Ner­ven aus Stahl hat.

Aus Glad­ba­cher Sicht könn­te man nun behaup­ten, die drei Punk­te hät­ten die Brust­ring­trä­ger vor allem jenem Schieds­rich­ter zu ver­dan­ken, der zuerst erkann­te, dass Mil­lots Pass nicht von Wal­de­mar Anton zu ihm zurück kam, son­dern von sei­nem Gegen­spie­ler Neu­haus und des­halb…

… und spä­ter Ko Ita­ku­ra noch die rote Kar­te zeig­te und dem VfB einen Elf­me­ter zusprach, der ihm nicht nur die spiel­ent­schei­den­de Füh­rung und eine Über­zahl, son­dern am Ende auch die drei Punk­te bescher­te. Dann wür­de man aus Glad­ba­cher Sicht aber außer acht las­sen, dass es abge­se­hen von zwei stark von Fabi Bred­low parier­ten Chan­cen vor allem die eben erwähn­te unge­len­ke Hand­be­we­gung von Zag­adou war, die die Borus­sia über­haupt ins Spiel zurück kom­men ließ. Denn bis dahin hat­te der VfB das Spiel eigent­lich ziem­lich gut im Griff und das trotz der eben­so erwähn­ten Chan­cen­ver­wer­tung und den teils uner­klär­li­chen Stock­feh­lern.

Nicht falsch ver­ste­hen — ich lese auf Twit­ter bis­wei­len, ich wür­de ja immer nur meckern: Der VfB hat ein gutes Spiel gemacht und hät­te schon allein auf­grund des Enga­ge­ments und der Viel­zahl an Chan­cen und der Lust­lo­sig­keit einer dem Sai­son­ende ent­ge­gen stol­pern­den Glad­ba­cher Trup­pe den Sieg ver­dient gehabt. Aber genau­so­we­nig, wie Schal­ke oder Bochum den VfB in der Tabel­le ein­fach so davon zie­hen las­sen, wer­den die letz­ten Spie­le die­ser Sai­son ein Spa­zier­gang. Immer wie­der merk­te man der Mann­schaft  in die­sem Spiel an, dass sie wuss­te, wie viel auf dem Spiel steht, und wie sehr sie das bis­wei­len lähmt. Sebas­ti­an Hoe­neß viel­leicht größ­ter Ver­dienst ist, dass er es schafft, die Mann­schaft aus die­ser Schock­star­re wie­der raus­zu­ho­len, in die sie bis­wei­len ver­fällt, was man dar­an merkt, dass Angrif­fe ver­schleppt oder ganz abstru­se Fehl­päs­se im Mit­tel­feld gespielt wer­den. Fabi Bred­low sag­te kürz­lich in einem Inter­view: “Es gab davor auch eine Pha­se, in der man das Gefühl hat­te, der ein oder ande­re möch­te jetzt nicht unbe­dingt den Ball bekom­men.” Er spricht die Angst vor Feh­lern an, die die Mann­schaft schon län­ger beglei­tet und die in Lab­ba­di­as auf Feh­ler­ver­mei­dung aus­ge­rich­te­tem Spiel beson­ders ekla­tant zuta­ge trat.

Die­se Angst wird die Mann­schaft wohl in die­ser Sai­son nicht mehr kom­plett able­gen, aber sie muss ler­nen damit umzu­ge­hen. Dass die schwa­chen Leis­tun­gen in die­ser Sai­son — neben einer Pha­se geschei­ter­ter Per­so­nal­ex­pe­ri­me­te und indi­vi­du­el­len Män­geln — vor allem einem Kopf­pro­blem geschul­det sind, liegt auf der Hand. Der Mann­schaft fehlt es in der Brei­te nicht an der spie­le­ri­schen Qua­li­tät für den Klas­sen­er­halt. Sie braucht nur die rich­ti­gen Impul­se von außen und ist davon wesent­lich abhän­gi­ger als manch ande­rer Liga­kon­kur­rent. Die­se, nen­nen wir es mal emo­tio­na­le Insta­bi­li­tät, führt aber auch dazu, dass die Brust­ring­trä­ger in der Lage sind, eine Erfolgs­wel­le ein Stück zu rei­ten, wenn sie nur hoch genug ist. Nach­dem man unter Mat­a­raz­zo gar nicht gewann, unter Wim­mer sehr wech­sel­haft agier­te und unter Lab­ba­dia dann bis auf eine Aus­nah­me wie­der gar nicht gewann, ist man seit Hoe­neß Amts­an­tritt ohne Nie­der­la­ge, also seit mitt­ler­wei­le vier Liga- oder fünf Pflicht­spie­len.

Wird uns die­se Wel­le auch ins Pokal­fi­na­le tra­gen? Emo­tio­nal wird es am Mitt­woch auf jeden Fall, schließ­lich hast Du nicht in jedem Spiel die Chan­ce, in ein Pokal­fi­na­le ein­zu­zie­hen. Die Fra­ge ist, ob die­se Chan­ce die Mann­schaft eher beflü­geln oder läh­men wird und was Frank­furt damit anstellt. Gleich­zei­tig wäre das Pokal­fi­na­le und die damit ver­bun­de­nen zusätz­li­chen Ein­nah­men aus sport­li­cher Sicht vor allem ein Zubrot, denn viel wich­ti­ger ist das Aus­wärts­spiel beim nun schon sechs Punk­te hin­ter dem VfB lie­gen­den Tabel­len­letz­ten Her­tha. Dank Dort­mun­der Meis­ter­schafts­a­ver­sio­nen und Sascha Ste­ge­mann ist der VfB nur punkt­gleich mit Bochum, dahin­ter drückt Schal­ke, die mit einer ähn­li­chen Emo­tio­na­li­tät daher kom­men. Im bes­ten Fall nimmt die Mann­schaft das Halb­fi­na­le als Beloh­nung für die Leis­tun­gen der letz­ten Wochen und macht ergeb­nis­un­ab­hän­gig das Bes­te draus. In Ber­lin musst Du gewin­nen, wenn Du die Klas­se hal­ten willst, aber danach ste­hen noch schwe­re Spie­le gegen Lever­ku­sen und in Mainz an, bei denen du hof­fen musst, dass zumin­dest nicht bei­de ver­lo­ren gehen und die Kon­kur­renz nicht außer der Rei­he punk­tet. So viel zum Sport­li­chen.

Bla. Natür­lich will ich wie­der nach Ber­lin am 3. Juni! Und natür­lich will ich, dass die Mann­schaft am Mitt­woch und am Sams­tag ihr Herz auf dem Platz lässt und über­haupt nicht mehr auf­hört, end­lich an ihre Gren­zen und dar­über hin­aus­zu­ge­hen, bis das Heim­spiel gegen Hof­fen­heim abge­pfif­fen ist, der VfB in der Bun­des­li­ga geblie­ben ist und wir sport­lich end­lich mal eine lang ver­dien­te Ver­schnauf­pau­se haben. Was könn­ten das, nein was wer­den das für emo­tio­na­le Wochen wer­den. Das Elfer-VAR-Dra­ma am Sams­tag hat mir schon den letz­ten Nerv geraubt. Und die­se Nach­spiel­zeit. Lasst bit­te nicht nach Jungs. Holt Euch die Punk­te, egal wie, und holt Euch das Pokal­fi­na­le!

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass fei­ert Tan­guy Cou­li­ba­ly. Und auch Stuttgart.International ist beein­druckt von sei­ner Cool­ness.

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

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