Undamirovic!

Gegen den 1. FC Köln zeigt der VfB zunächst eine Reak­ti­on auf das ent­täu­schen­de Spiel in Ham­burg, bevor er sich wie­der sel­ber das Leben schwer macht. Zum Glück haben wir zwei, die den Unter­schied machen.

Jaja, ich weiß. Es ist alles ganz schlimm, wie auch der Ver­ti­kal­pass unlängst mit sati­ri­schem Ton fest­stell­te. Der VfB ver­lor bei St. Pau­li und schon ist das Sai­son­ziel in Gefahr, die Trans­fer­po­li­tik eine Kata­stro­phe und über­haupt, wo waren eigent­lich Deniz Undav und Erme­din Demi­ro­vic in Ham­burg? Betrach­tet man bei unse­rem 50-Mil­lio­nen-Euro-Sturm mal ganz nüch­tern die Zah­len in die­ser Sai­son, so stellt man fest: Undav traf in 29 Pflicht­spie­len 16 Mal, Demi­ro­vic in 20 Par­tien zehn Mal — mit ande­ren Wor­ten in min­des­tens jedem zwei­ten Spiel trifft einer von ihnen. Meist trifft im einen Spiel der eine, im ande­ren der ande­re, dies­mal traf in Ham­burg nie­mand und im Heim­spiel gegen Köln: bei­de.

Wenn man wis­sen will, war­um die Brust­ring­trä­ger das Spiel gegen den abstiegs­be­droh­ten FC nach domi­nan­ter Anfangs­pha­se und gedan­ken­lo­sen Ball­ver­lus­ten am Ende doch noch gewan­nen, lan­det man unwei­ger­lich bei den bei­den Stür­mern des VfB. Natür­lich dür­fen wir in der Bewer­tung des aktu­el­len Erfolgs auch Spie­ler wie Jamie Lewe­ling — der Demi­ro­vic sehens­wert den Füh­rungs­tref­fer auf­leg­te und in Ham­burg ebens­wo sehens­wert traf  — oder Chris Füh­rich nicht ver­ges­sen. Aber es sind eben am Ende Undav und Demi­ro­vic die maß­geb­lich dazu bei­tra­gen, dass der VfB aktu­ell erneut eine der erfolg­reichs­ten Spiel­zei­ten sei­ner Bun­des­li­ga-Geschich­te spielt.

Wieder Überstunden notwendig

Das wäre an sich nicht der wei­te­ren Dis­kus­si­on wert, wenn es nicht im Umfeld des VfB die­ses unstill­ba­re Ver­lan­gen danach gäbe, jetzt aber end­lich mal nach­wei­sen zu kön­nen, dass man in Bad Cannstatt seit drei Jah­ren in einer Fan­ta­sie­welt lebt und irgend­wann, bestimmt ganz bald, das böse Erwa­chen kom­men wird. Undav sei zu dünn­häu­tig heißt es da und las­se die offen­sicht­lichs­ten Chan­cen lie­gen und Erme­din Demi­ro­vic, der in 69 Pflicht­spie­len für den VfB 27 Tref­fer erziel­te, pas­se ohne­hin nicht ins Sys­tem und wer­de hof­fent­lich im Som­mer abge­ge­ben. Wer sieht, wie er die bereits erwähn­te Kopf­ball­ab­la­ge von Lewe­ling oder die Flan­ke aus vol­lem Lauf von Hen­driks im Tor unter­bringt, dürf­te ande­rer Mei­nung sein. Und ja, Deniz Undav hät­te bereits nach weni­gen Sekun­den das Spiel in Rich­tung des VfB len­ken kön­nen — dafür mach­te er in den letz­ten Sekun­den den Deckel drauf.

Wor­über wir aber reden müs­sen, ist die Nach­läs­sig­keit, mit der sich der VfB erneut sel­ber in die Bre­douil­le brach­te. Gegen Bern schon ließ man das eige­ne Spiel nach der Füh­rung schlei­fen, nach Jeff Cha­b­ots halb­ga­rem Pass aus dem eige­nen Straf­raum und dem dar­aus resul­tie­ren­den Aus­gleich bet­tel­te die Mann­schaft gera­de zu um den nächs­ten Gegen­tref­fer, bevor sie sich fing und das Spiel am Ende doch zu mach­te. Nach einer (fast) gan­zen Woche auf dem Trai­nings­platz inklu­si­ve zwei frei­er Tage zur Rege­ne­ra­ti­on ziem­lich unver­ständ­lich, denn wir soll­ten nach dem St.-Pauli-Spiel eigent­lich heiß dar­auf sein, die­se Par­tie gegen lan­ge harm­lo­se Köl­ner früh zu ent­schei­den, um sich dann gege­be­nen­falls schon etwas für das schwe­re Spiel in Schott­land am Don­ners­tag zu scho­nen. Statt­des­sen schob der VfB wie­der Über­stun­den, um die drei Punk­te ein­zu­tü­ten.

Die­se Beharr­lich­keit, die­se Fähig­keit am Ende doch noch ein­mal hoch­zu­fah­ren, ist natür­lich auch eine Qua­li­tät, die wir brau­chen wer­den. Gleich­zei­tig kön­nen wir uns sol­che Schwä­che­pha­sen immer weni­ger leis­ten. St. Pau­li hat schon gezeigt, was pas­siert, wenn man gegen einen deter­mi­nier­ten Geg­ner nicht rich­tig in den flow kommt. Die Geg­ner wer­den in den Pokal­wett­be­wer­ben nicht leich­ter und in der Liga nicht weni­ger ver­zwei­felt. Was die Mann­schaft kann, lässt sie in den ver­gan­ge­nen Spie­len in Pha­sen immer wie­der auf­blit­zen. Gegen Cel­tic wer­den wir in bei­den Spie­len län­ge­re Pha­sen brau­chen, um ins Ach­tel­fi­na­le ein­zu­zie­hen — und Unda­mi­ro­vic in Top­form!

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass zieht eine Zwi­schen­bi­lanz: “Was bleibt? Das gute Gefühl, dass der VfB Stutt­gart im Jahr 2026 wei­ter­hin lie­fert. Wett­be­werbs­über­grei­fen zehn Par­tien gespielt und sie­ben davon gewon­nen. Eine Bilanz, die sich sehen las­sen kann.”

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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