Rund um die Mitgliederversammlung: Im Gespräch mit Präsidiumskandidat Dr. Bertram Sugg

Bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Sams­tag wird auch des Prä­si­di­um des e.V. neu besetzt. Wir haben mit Dr. Bert­ram Sugg über sei­ne Kan­di­da­tur und sei­ne Zie­le gespro­chen.

Rund um den Brust­ring: Wie ist der Ent­schluss ent­stan­den, für das Prä­si­di­um des VfB zu kan­di­die­ren?

Dr. Bert­ram Sugg: Bei der letz­ten Wahl zum Prä­si­di­um waren knapp 47 % der wäh­len­den Mit­glie­der der Mei­nung, dass ich ein Prä­si­di­um­s­amt aus­üben kann. Die­se hohe Zustim­mung hat mich bewo­gen, mich erneut für ein Amt im Prä­si­di­um zu bewer­ben, denn mei­ne Lei­den­schaft für den Ver­ein ist unge­bro­chen. Ich bin mehr denn je moti­viert mit Elan, Ener­gie und Erfah­rung, den VfB im Sin­ne der Mit­glie­der wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Was wol­len Sie anders und/oder bes­ser machen als Ihre Vor­gän­ger im Prä­si­di­um?

Der VfB ist ein groß­ar­ti­ger Ver­ein mit einer unheim­li­chen Strahl­kraft. Ich bin der Mei­nung, dass wir noch nicht an allen Stel­len unser vol­les Poten­ti­al aus­ge­schöpft haben. Ich habe ein kla­res Bild davon wie wir im Prä­si­di­um als ein star­kes und ver­ein­tes Team ziel­ge­rich­tet, ergeb­nis­ori­en­tiert und wert­schät­zend zusam­men­ar­bei­ten.

Wo sehen Sie die wich­tigs­ten Hand­lungs­fel­der im VfB e.V. in den nächs­ten Jah­ren?

Die­se Lis­te ist lang mit The­men unter­schied­li­cher Kom­ple­xi­tät. Her­aus­ra­gen­de Punk­te sind stich­wort­ar­tig

  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept mit und für Mit­glie­der ent­wi­ckeln
  • Ver­eins­le­ben för­dern
  • Poten­ti­al­stu­die mit allen Abtei­lun­gen zur Jugend­för­de­rung und Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tur fer­tig­stel­len und umset­zen; hier im Fokus: die Umge­stal­tung des Neckar­parks
  • Nach­wuchs­kon­zept Frau­en­fuß­ball ver­voll­stän­di­gen
  • Muse­um vor­an­trei­ben
  • Grund­la­gen­ver­trag opti­mie­ren
  • Ver­mark­tungs­kon­zept für Gesamt­ver­ein eta­blie­ren

Und was sind Ihre Zie­le für Ihre Amts­zeit?

Zunächst ist es mei­ne fes­te Absicht, über die kom­plet­te Amts­zeit erfolg­reich das Prä­si­di­um­s­amt aus­zu­üben. Mein Ziel ist es, den VfB zu einem der belieb­tes­ten und erfolg­reichs­ten Ver­ei­ne zu machen. Ein Grad­mes­ser kön­nen regel­mä­ßi­ge Mit­glie­der­be­fra­gun­gen sein, die Auf­schluss über die Zufrie­den­heit der Mit­glie­der geben.

Die Mit­glie­der­zahl ist auf einem kon­stant hohen Niveau und der Leis­tungs- und Brei­ten­sport ist ent­spre­chend der Grö­ße und Bedeu­tung des Ver­eins mit­ge­wach­sen und aus­ge­baut. Wir haben in der Zeit ein Muse­um rea­li­siert.

Wenn wir über die Amts­zeit dar­über hin­aus­den­ken, sehe ich den VfB zu sei­nem 140-jäh­ri­gen Ver­eins­ju­bi­lä­um, dass sport­lich sich die VfB-Frau­en fest in der Bun­des­li­ga eta­bliert haben und der VfB Cham­pi­ons League Dau­er-Teil­neh­mer ist.

Mit wel­chen Maß­nah­men wol­len sie die Abtei­lun­gen des VfB e.V. — abge­se­hen vom Jugend­fuß­ball — wei­ter stär­ken?

Eine nahe­lie­gen­de Maß­nah­me ist es, die Bud­gets zu erhö­hen. Wir sind in der glück­li­chen Lage, dass wir finan­zi­ell gut auf­ge­stellt sind. Trotz­dem müs­sen wir das mit Maß und Ziel tun. Ich möch­te es aber auch schaf­fen, Syn­er­gien unter den Abtei­lun­gen zu heben. Hier ist die Krea­ti­vi­tät aller Betei­lig­ten gefragt.

Wenn wir es mit dem Frau­en­fuß­ball ernst mei­nen, brau­chen wir ein Nach­wuchs­kon­zept, das uns den nach­hal­ti­gen und lang­fris­ti­gen Erfolg sichert. Die hier­zu vor­lie­gen­den Pla­nun­gen sind vor­an­zu­trei­ben und ggf. zu for­cie­ren. Am Ende des Tages wird das ver­mut­lich in ein Leis­tungs- oder Talent­för­der­zen­trum mün­den, wie es ande­re Ver­ei­ne schon haben. Das ist nicht allein eine Sache des e.V., aber im Grund­la­gen- und Auf­bau­be­reich steht der VfB hier im Sin­ne sei­nes gesell­schaft­li­chen Auf­trags hier in der Pflicht.

Hal­ten Sie die Ein­rich­tung eines fes­ten Ver­eins­mu­se­ums für sinn­voll und umsetz­bar?

Ich hal­te es für über­fäl­lig und sehr scha­de, dass der VfB das bis­her nicht geschafft hat, zu rea­li­sie­ren. Wenn ich mich an die Aus­stel­lung zur 125-Jahr­fei­er zurück­er­in­ne­re, glau­be ich, dass so ein Muse­um mit gro­ßer Begeis­te­rung ange­nom­men wird. Gera­de für uns als Tra­di­ti­ons­ver­ein ist das ein Muss. Mir schwebt damit ver­knüpft ein Treff­punkt für Fans, Mit­glie­der und Besu­cher aus nah und fern vor. Zur Umset­zung gibt es enga­gier­te Men­schen beim VfB, die bereits Kon­zep­te erar­bei­tet haben. Ich den­ke da auch an unse­re Gar­de-Abtei­lung, bei der ich auch Mit­glied bin, und wo vie­le Gar­dis­ten dazu bei­tra­gen kön­nen. In unse­rem Archiv schlum­mern Schät­ze, die viel zu scha­de sind, als dass man sie nicht einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich macht.  Mate­ri­al und Ideen sind also genug da. Wenn wir alle mit in die Pla­nung und Umset­zung ein­bin­den, wird das eine Erfolgs­sto­ry.

Der VfB hat über 120.000 Mit­glie­der. Wie wol­len Sie die­se in das Ver­eins­le­ben ein­bin­den?

Ein Ver­ein lebt von akti­ven Mit­glie­dern und nicht von einer Zahl auf dem Papier. Des­we­gen wur­de bereits eine Pro­jekt­grup­pe ins Leben geru­fen, die sich genau mit dem The­ma beschäf­ti­gen soll­te. Lei­der wur­de deren Arbeit auf Eis gelegt. Als ers­tens wer­de ich mich im Prä­si­di­um dafür ein­set­zen, die­se wie­der ins Leben zu rufen. Ich wer­de mich mit deren Ideen und bis­he­ri­gen Ergeb­nis­sen beschäf­ti­gen. Neben ein­zel­nen Ver­an­stal­tun­gen wie Fes­te und Aktio­nen, so wie z. B. „VfB im Länd­le“, muss aber auch ein kon­ti­nu­ier­li­cher Pro­zess statt­fin­den. Wir müs­sen die Mit­glie­der näher an die Abtei­lun­gen her­an­füh­ren. Es ist klar, dass vie­le nur wegen des Fuß­balls Mit­glied sind. Aber der Ver­ein hat viel mehr zu bie­ten. Ein Ver­ein lebt vom Mit­ma­chen. Die Mit­glie­der sind eine leben­di­ge Gemein­schaft vol­ler Ideen mit unheim­li­chem Poten­ti­al, wel­ches für den VfB zu nut­zen ist.

Wie ste­hen Sie zur Mög­lich­keit einer hybri­den Mit­glie­der­ver­samm­lung?

Einer der Anträ­ge auf Sat­zungs­än­de­rung bei der nächs­ten Mit­glie­der­ver­samm­lung zeigt, dass die­ses The­ma aktu­el­ler ist, denn je. Es gab bekannt­lich schon meh­re­re Anläu­fe, die Vor­aus­set­zun­gen für eine digi­ta­le bzw. hybri­de Ver­an­stal­tung zu schaf­fen. Ich ver­ste­he die VfB Mit­glie­der, die sich im Zeit­al­ter der Digi­ta­li­sie­rung die Mög­lich­keit einer online-Teil­nah­me wün­schen – ohne aber zu wis­sen, wie groß über­haupt die Betei­li­gung dann wäre. Ander­seits ist das Argu­ment, dass wir ein leben­di­ger Ver­ein sind und des­we­gen die Mit­glie­der­ver­samm­lung in Prä­senz abhal­ten, nicht von der Hand zu wei­sen. Wenn der Antrag die Durch­füh­rung der hybri­den Mit­glie­der­ver­samm­lung nur bei 75% Zustim­mung der Mit­glie­der oder höhe­rer Gewalt sat­zungs­ge­mäß ver­an­kert sein wird, haben wir wie­der ein Stück mehr Klar­heit. Wobei wir aber auch so ehr­lich sein müs­sen, dass ein Groß­teil der­je­ni­gen, die für eine Hybrid-Ver­an­stal­tung sind, nicht über die­ses The­ma abstim­men wer­den oder kön­nen. Aber am Ende haben es die Mit­glie­der in der Hand.

Wel­ches Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al sehen Sie noch bei der Sat­zung des e.V.?

Als frü­he­res Mit­glied der Sat­zungs­kom­mis­si­on muss­te ich lei­der die Erfah­rung machen, dass das dama­li­ge Prä­si­di­um nicht immer ein offe­nes Ohr dafür hat­te, wel­che The­men von der Arbeits­grup­pe vor­ge­schla­gen wur­den zu bear­bei­ten. Und ich spre­che da noch nicht ein­mal von irgend­wel­chen Vor­schlä­gen in der Umset­zung.

Ich möch­te ger­ne einen ande­ren Ansatz ver­fol­gen. Ich wür­de zusam­men mit dem Team dis­ku­tie­ren, was aus deren Sicht am wich­tigs­ten ist und wel­che The­men in deren Pipe­line ste­cken.

Natür­lich habe ich auch eige­ne Ideen, so. z. B. die Bewer­tung, ob eine Brief­wahl als Alter­na­ti­ve zu Online-Abstim­mung eine trag­fä­hi­ge Lösung ist. Auch wenn ein Vor­schlag dann von den Mit­glie­dern nicht ange­nom­men wird, dient dies der Klar­stel­lung. Dass gene­rell die Sat­zung im Sin­ne einer Phi­lo­so­phie der kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­bes­se­rung im Ver­ein stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt wird, steht für mich außer Fra­ge.

Wür­den Sie im Fal­le einer Wahl und der gleich­zei­ti­gen Wahl von Diet­mar All­gai­er zum Prä­si­den­ten die Ein­füh­rung eines/r lei­ten­den Ange­stell­ten im Ver­ein, der dem Prä­si­den­ten die ope­ra­ti­ve Arbeit abnimmt, begrü­ßen und unter­stüt­zen?

Zunächst gilt es fest­zu­stel­len, dass die Füh­rung der Geschäf­te und die Lei­tung des Ver­eins die ur-eigens­te, sat­zungs­ge­mä­ße Auf­ga­be des Prä­si­di­ums ist. Im Prä­si­di­um müs­sen wir fest­le­gen, was die gegen­sei­ti­gen Erwar­tungs­hal­tun­gen der Prä­si­di­ums­mit­glie­der anein­an­der sind und wer wel­che Auf­ga­ben am bes­ten über­neh­men kann. Klar ist aber auch, dass wir uns auf der Geschäfts­stel­le per­so­nell ver­stär­ken müs­sen. Wenn man den Ver­ein pro­fes­sio­nell füh­ren und wei­ter­ent­wi­ckeln will, kann man dies mit so vie­len Auf­ga­ben vor der Brust nicht mit zwei­ein­halb Mit­ar­bei­tern tun.

Wie ist Ihre Hal­tung zum Auf­sichts­rats­vor­sitz der VfB AG: Soll­te die­ser nur vom Prä­si­den­ten des e.V. gestellt wer­den oder kann es auch ein Prä­si­di­ums-Mit­glied sein? Oder muss es über­haupt ein/e Vertreter/in des Ver­eins sein?

Für mich war und ist das unum­stöß­lich, dass der Prä­si­dent immer auch gleich­zei­tig der AR-Vor­sit­zen­de ist. Und ich will das gar nicht dar­an fest machen, ob das ein Aus­glie­de­rungs­ver­spre­chen war oder nicht. Für mich ist es ein kla­res Bekennt­nis aller Betei­lig­ten zur Stel­lung des e.V. gegen­über der AG. Die Dis­kus­si­on in den letz­ten Mona­ten hat gezeigt, wie wich­tig den Mit­glie­dern das The­ma ist. Dies müs­sen alle ernst neh­men und das soll­te auch der Auf­sichts­rat beher­zi­gen – ob mit oder ohne mora­lisch ver­pflich­ten­de Absichts­er­klä­rung. Der Sat­zungs­än­de­rungs­an­trag auf der letz­ten MGV zu §17, die den Raum bie­ten soll­te, dass „…der Auf­sichts­rats­vor­sitz stets von einem Mit­glied des Prä­si­di­ums über­nom­men wird“ wur­de von den Mit­glie­dern nicht ange­nom­men. Das ist zu respek­tie­ren und danach ist zu han­deln. Die Fra­ge, ob es über­haupt jemand aus dem Ver­ein ist, ist für mich damit hin­fäl­lig.

Aktu­ell ist der Auf­sichts­rat der VfB AG mit 10 Per­so­nen besetzt, wovon fünf den VfB e.V. ver­tre­ten (Diet­mar All­gai­er, Andre­as Grupp, Bea­te Beck-Dehar­de, Tan­ja Gön­ner und Alex­an­der Klä­ger) je zwei den Inves­tor Mer­ce­des (Peter Schy­mon und Franz Rei­ner), je zwei den Inves­tor Por­sche (Lutz Mesch­ke und Albrecht Rei­mold) sowie mit Tobi­as Rös­chl ein Ver­tre­ter des Inves­tors JAKO. Ein wei­te­rer Platz ist noch frei. Wie ist Ihre Hal­tung zur Sitz-Ver­tei­lung im Auf­sichts­rat? Soll­te die­ser dem Ver­hält­nis der Antei­le an der VfB AG ent­spre­chen (78,2 Pro­zent VfB e.V., 10,4 Pro­zent Por­sche, 10,4 Pro­zent Mer­ce­des, 1 Pro­zent JAKO) oder reicht eine ein­fa­che Mehr­heit des e.V.?

Nach mei­nem Kennt­nis­stand ist ein zwölf­ter Platz bereits für eine Per­son mit Sport­kom­pe­tenz vor­ge­se­hen. Wenn das Prä­si­di­um nach der Mit­glie­der­ver­samm­lung wie­der voll besetzt ist und alle ein Man­dat im Auf­sichts­rat wahr­neh­men, was ich stark befür­wor­te, haben wir in Sum­me acht vom e. V. ent­sand­te Mit­glie­der, was 67 Pro­zent der Sitz­ver­tei­lung aus­macht. Hier­zu der Hin­weis, dass Tobi­as Rös­chl zur dama­li­gen Zeit als Ver­tre­ter vom e. V. bestellt wur­de. Prak­tisch wird es kaum gelin­gen, die Mehr­heits­ver­hält­nis­se von 78,2 : 10,4 : 10,4 : 1 abzu­bil­den, ohne das Gre­mi­um unnö­tig auf­zu­blä­hen. Ich hal­te die Ver­tei­lung wie oben beschrie­ben somit bis zum Ende der Amts­zeit für ange­mes­sen.

Dar­an anschlie­ßend: Soll­te der Auf­sichts­rat in sei­ner jet­zi­gen Grö­ße bei­be­hal­ten, ver­grö­ßert oder ver­klei­nert wer­den?

Als obers­te Prio­ri­tät muss der vor­ge­se­he­ne zwölf­te Platz mit einer Per­son mit Sport­kom­pe­tenz besetzt wer­den. Auch wenn dies drängt, bin ich bei Per­so­nal­ent­schei­dun­gen kein Anhän­ger von Schnell­schüs­sen, son­dern der Über­zeu­gung, dass die Beset­zung wirk­lich den Anfor­de­run­gen genü­gen muss.

Die Grö­ße des Gre­mi­ums rich­tet sich nach mei­ner Auf­fas­sung nach der stra­te­gi­schen Aus­rich­tung der AG. Der Auf­sichts­rat gibt die Leit­plan­ken vor und hat neben sei­ner Funk­ti­on als Kon­troll­organ die Auf­ga­be, die Vor­stän­de im Sin­ne der Stra­te­gie zu bera­ten. Dazu muss es ein kla­res Anfor­de­rungs­pro­fil geben, wel­che Exper­ti­sen hier­für erfor­der­lich sind und abge­deckt wer­den müs­sen. Erst am Ende rich­tet sich die Grö­ße des Gre­mi­ums danach. Nach mei­ner Erfah­rung und Ein­schät­zung, ohne in den Stra­te­gie­pro­zess der letz­ten Jah­re ein­ge­bun­den gewe­sen zu sein, hal­te ich die Zahl zwölf aber eher für die Ober­gren­ze.

Soll­te der Prä­si­di­al­aus­schuss die Mehr­heits­ver­hält­nis­se eben­so wider­spie­geln oder sind Sie mit der der­zei­ti­gen Beset­zung (zwei e.V.-Vertreter, je ein Inves­to­ren-Ver­tre­ter, Mehr­heit des e.V. ist durch dop­pel­tes Stimm­recht des Prä­si­den­ten gewahrt) zufrie­den?

Prak­tisch die bereits erwähn­ten Mehr­heits­ver­hält­nis­se von 78,2 : 10,4 : 10,4 : 1 gar im Prä­si­di­al­aus­schuss abzu­bil­den, gin­ge rech­ne­risch nur bei einem viel grö­ße­ren Gre­mi­um, was aber Unsinn ist. Das Auf­sto­cken mit einem wei­te­rem e.V.-Vertreter z. B. mit allen drei von den Mitt­glie­dern gewähl­ten Prä­si­di­ums­mit­glie­dern wäre zumin­dest ein deut­li­ches Zei­chen, dass die Mehr­heit des e.V. auch ohne dop­pel­tes Stimm­recht des Prä­si­den­ten gewahrt ist. Die gan­ze Dis­kus­si­on um den Prä­si­di­al­aus­schuss führt aber stän­dig zu Unru­he. Ich fin­de, der Mehr­wert die­ses Gre­mi­ums muss hin­ter­fragt wer­den, zumal es immer wie­der Anlass zu Spe­ku­la­tio­nen gibt. Ich stel­le die Fra­ge, ob die­se Sub­struk­tur noch zeit­ge­mäß ist, auch und gera­de mit dem Wis­sen als ehe­ma­li­ges Mit­glied die­ses Gre­mi­ums. Schnel­lig­keit in den Ent­schei­dun­gen ist für mich heu­te im Zeit­al­ter der digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on kein zwin­gen­des Argu­ment mehr. Auch wür­de die Abschaf­fung eine Reduk­ti­on von Kom­ple­xi­tät mit sich brin­gen, da es inner­halb des Auf­sichts­ra­tes kei­ne unter­schied­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se mehr gäbe. Für mich ist das ein Bei­spiel, wo ich auf­grund mei­ner Erfah­rung den Mut mit­brin­ge Din­ge zu hin­ter­fra­gen und anzu­sto­ßen, um sie ergeb­nis­of­fen zu dis­ku­tie­ren.

Sehen Sie die Not­wen­dig­keit, den Auf­sichts­rat vor Ablauf der Amts­zeit 2027 neu zu beset­zen, was die Ver­tre­tung des VfB e.V. angeht?

Die vom e.V. ent­sand­ten Mit­glie­der wur­den nach mei­ner Kennt­nis nach einem defi­nier­ten Anfor­de­rungs­pro­fil aus­ge­wählt und von den dama­li­gen Ver­tre­tern der Haupt­ver­samm­lung man­da­tiert. Da ich dem AR nicht ange­hö­re, wäre es ver­mes­sen, von außen zu beur­tei­len, wie gut eine Per­son den einst defi­nier­ten Anfor­de­run­gen gerecht wird und wel­chen Wert­bei­trag sie im Auf­sichts­rat lie­fert.  So etwas in der Öffent­lich­keit zu dis­ku­tie­ren wäre unse­ri­ös und nicht pro­fes­sio­nell.

Ich habe aller­dings eine kla­re Vor­stel­lung davon, wel­che Posi­tio­nen ein vom e.V. ent­sand­tes Auf­sichts­mit­glied ver­tre­ten muss, um die Erwar­tun­gen und Auf­ga­ben sowohl im Sin­ne des eV aber auch gleich­zei­tig zum Woh­le der AG zu erfül­len und zu meis­tern.

Sehen Sie die Not­wen­dig­keit, die Mit­glie­der über einen Ver­kauf von Antei­len über die 2017 beschlos­se­nen 24,9 Pro­zent abstim­men zu las­sen? War­um oder war­um nicht?

Damit klar ist, wor­auf ich mich in mei­ner Ant­wort bezie­he: es geht um die Abstim­mung über eine Sat­zungs­än­de­rung, die den Ver­kauf von mehr als 24,9 Pro­zent ermög­li­chen wür­de, nicht über die Ver­tei­lung der rest­li­chen Antei­le inner­halb der 24,9 Pro­zent.

Wie man hören konn­te, wer­den wir auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung zum Bericht über die Finan­zen ein Rekord­ergeb­nis gezeigt bekom­men. Es besteht kei­ne Not­wen­dig­keit wei­te­re Antei­le zu ver­äu­ßern und die­ses Fass auf­zu­ma­chen. Ich den­ke wir fah­ren sehr gut mit unse­rer 75+1 Regel, wel­che ein Allein­stel­lungs­merk­mal und ein kla­res Bekennt­nis unse­res Ver­ei­nes ist.

Wel­che The­men, die Fans abseits des sport­li­chen Erfolgs bewe­gen, hal­ten Sie für am wich­tigs­ten?

Die Ticket­prei­se und die Ver­ga­be von Ein­tritts­kar­ten, die Rol­le der Inves­to­ren beim VfB sowie die Ver­mar­kung des Fuß­balls durch die DFL mit den Kon­se­quen­zen für den VfB sind die Din­ge, die mich per­sön­lich als Fan beschäf­ti­gen. Dann müs­sen wir uns mit den The­men der orga­ni­sier­ten Sze­ne wie z.B. Sta­di­on- und Stadt­ver­bo­te aus­ein­an­der­set­zen. Es gibt aber auch The­men, die klei­ne­re Inter­es­sen­grup­pen umtrei­ben, so z.B. die jüngs­ten Dis­kus­sio­nen um die Schoss­kar­ten für Kin­der oder um bestimm­te Sitz­platz­be­rei­che, wo sich Zuschau­er von ste­hen­den Fans gestört füh­len. Auch die­se Anlie­gen müs­sen wir ernst neh­men und uns dar­um küm­mern. Und schließ­lich bie­tet die letz­te Mit­glie­der­be­fra­gung einen Fun­dus von Anre­gun­gen wie der Wunsch nach exklu­si­ve­ren Ange­bo­ten für Mit­glie­der oder Beson­der­hei­ten für lang­jäh­ri­ge Mit­glie­der, geziel­te Maß­nah­men zur ver­bes­ser­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on oder spe­zi­el­le, regio­na­le Mit­glie­der­ak­tio­nen. All das ist Hand­lungs­auf­trag für das künf­ti­ge Prä­si­di­um dies in einer struk­tu­rier­ten Wei­se anzu­ge­hen und zu lösen.

Wel­che Lösun­gen sehen Sie für eine nach­voll­zieh­ba­re Ver­tei­lung von Ein­tritts­kar­ten?

Jeder weiß, wenn die Nach­fra­ge das Ange­bot über­steigt, kommt es zu Ent­täu­schun­gen – ganz gleich wel­che Lösung man für die Ver­ga­be wählt. Die Her­aus­for­de­rung ist es, eine größt­mög­li­che Akzep­tanz ins­be­son­de­re bei den Ent­täusch­ten zu erzie­len und dies gelingt nur über Nach­voll­zieh­bar­keit. Jeder muss eine Chan­ce bekom­men, Ein­tritts­kar­ten zu bekom­men – egal ob für zuhau­se oder aus­wärts. Daher wäre aus mei­ner Sicht ein gewich­te­tes, trans­pa­ren­tes Los­ver­fah­ren ein Ansatz. Wir wen­den das bei mei­nem eige­nen Fan­club bereits an, denn wir haben mit der Ver­ga­be der uns zuge­teil­ten Kar­ten im Klei­nen ja das­sel­be Pro­blem wie der VfB. Bei uns haben Viel­fah­rer höhe­re Chan­cen (durch meh­re­re Lose im Topf) als Mit­glie­der, die erst seit kür­ze­rer Zeit Inter­es­se zei­gen. Es könn­ten auch wei­te­re Kri­te­ri­en für ein Ran­king defi­niert wer­den. Am Ende ent­schei­det aber immer das Los. Die­ses The­ma ist für mich ein Para­de­bei­spiel dafür, wo Fans und Mit­glie­der wei­te­re Lösungs­vor­schlä­ge im Rah­men einer Arbeits­grup­pe erar­bei­ten kön­nen.

Wel­che Rol­le kön­nen Sie als Prä­si­di­ums­mit­glied des e.V. im Span­nungs­feld zwi­schen orga­ni­sier­ten Fans, der Poli­zei und der Liga spie­len?

Als Fan der Kur­ve set­ze ich mich mit den Anlie­gen der orga­ni­sier­ten Sze­ne schon allein aus natür­li­chem Inter­es­se aus­ein­an­der. Ich suche den Dia­log und bin ein guter Zuhö­rer. So tei­le ich vie­le Posi­tio­nen, habe aber auch Ver­ständ­nis für ande­re Ansich­ten. Die­se Neu­gier und Offen­heit wer­den mir als Prä­si­di­ums­mit­glied hel­fen, mich für Din­ge ein­zu­set­zen, die ich für rich­tig und wich­tig hal­te. Gemein­sam mit den Prä­si­di­ums­kol­le­gen gilt es eine Stra­te­gie dazu fest­zu­le­gen. Im Schul­ter­schluss mit der AG kön­nen wir dann gegen­über den rich­ti­gen Stel­len bei DFL, der Poli­zei oder auch der Poli­tik gezielt argu­men­tie­ren und lösungs­ori­en­tiert agie­ren.

Sehen Sie sich durch Ihre Arbeit im Auf­sichts­rat auf die Auf­ga­ben im Prä­si­di­um vor­be­rei­tet und wenn ja, wie?

Als vom e.V. bestell­ter Auf­sichts­rat und spä­ter vom Gre­mi­um mehr­fach gewähl­ter stell­ver­tre­ten­der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der habe ich einen tie­fen Ein­blick in die Arbeit der AG bekom­men und ken­ne alle Vor­ga­ben und Abläu­fe. Auch das Innen­ver­hält­nis zum e.V. war für mich im Auf­sichts­rat als Mit­glied und Fan immer im Fokus. So habe ich gro­ßen Respekt für die Her­aus­for­de­rung der Prä­si­di­ums­mit­glie­der, wenn sie auf der einen Sei­te im Sin­ne des e.V. aber gleich­zei­tig zum Woh­le der AG agie­ren müs­sen– zu Letz­te­rem ist jeder Auf­sichts­rat gesetz­lich ver­pflich­tet. Die­sen Spa­gat müs­sen übri­gens alle vom VfB ent­sand­ten Mit­glie­der meis­tern. Am Ende habe ich aber gelernt, dass wir alle zusam­men nur erfolg­reich sind, wenn wir gemein­sam für einen ein­zi­gen Ver­ein arbei­ten.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Titel­bild: © Dr. Bert­ram Sugg

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