Rund um die Mitgliederversammlung: Im Gespräch mit Präsidentschaftskandidat Dietmar Allgaier

Der Ver­eins­fuß­ball pau­siert und der VfB nutzt die­se Pau­se für sei­ne Mit­glie­der­ver­samm­lung. Am Sams­tag wäh­len die Mit­glie­der einen Prä­si­den­ten und ein Prä­si­di­um. Wir haben mit Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Diet­mar All­gai­er über sei­ne Kan­di­da­tur und sei­ne Zie­le gespro­chen.

Rund um den Brust­ring: Wie ist der Ent­schluss ent­stan­den, für das Amt des VfB-Prä­si­den­ten zu kan­di­die­ren?

Diet­mar All­gai­er: Die­se Ent­schei­dung ist in einem Pro­zess gereift. Ich durf­te erle­ben, dass mei­ne Arbeit als Prä­si­dent und Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der posi­ti­ve Wir­kung ent­fal­tet und dass sich mein Enga­ge­ment gut mit mei­nen ande­ren Auf­ga­ben ver­ein­ba­ren lässt. Gleich­zei­tig spü­re ich jedes Mal, wenn ich nach Bad Cannstatt fah­re, wie viel Freu­de mir der VfB berei­tet. Das hat mich dazu gebracht, mei­ne ursprüng­li­che Ein­schät­zung in den Anfän­gen zu über­den­ken. Hin­zu kam die gro­ße Unter­stüt­zung aus der VfB-Fami­lie. Vie­le Mit­glie­der, Fans und Weg­be­glei­ter haben mich ermu­tigt und mir signa­li­siert: „Diet­mar, mach doch bit­te wei­ter.“ Das hat mich schon tief berührt. Am Ende habe ich die Ent­schei­dung nach vie­len Gesprä­chen mit mei­ner Fami­lie, mei­nem per­sön­li­chen und beruf­li­chen Umfeld, mit VfB-Mit­glie­dern und natür­lich mei­ner zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de getrof­fen – mit vol­ler Über­zeu­gung und gutem Gewis­sen.

Was wol­len Sie anders und/oder bes­ser machen als der letz­te gewähl­te Prä­si­dent, Claus Vogt?

Ich hal­te wenig von sol­chen Ver­glei­chen, da sie meist nicht viel Aus­sa­ge­kraft haben. Mir ist es wich­tig, ruhig und beson­nen mei­nen Bei­trag für den VfB zu leis­ten – so, wie ich es in den ver­gan­ge­nen 8 Mona­ten getan habe. Dabei set­ze ich auf Trans­pa­renz und Ver­läss­lich­keit. Sehr ger­ne wür­de ich das neu for­mier­te Prä­si­di­ums­team füh­ren, denn vor unse­rem Ver­ein lie­gen span­nen­de Jah­re.

Wo sehen Sie die wich­tigs­ten Hand­lungs­fel­der im VfB e.V. in den nächs­ten Jah­ren?

Auf Sei­ten des Ver­eins sehe ich drei Schwer­punkt­the­men. Der VfB zählt inzwi­schen über 120.000 Mit­glie­der. Die­sen müs­sen wir gerecht wer­den über einen Aus­bau unse­rer Ver­eins­an­ge­bo­te – sei­en es Sport- und Frei­zeit­an­ge­bo­te, Aus­tausch­for­ma­te oder Ver­an­stal­tun­gen. Wir haben bei­spiels­wei­se mit VfB im Länd­le sehr posi­ti­ve Erfah­run­gen gemacht und ich ste­he dafür, die­sen ein­ge­schla­ge­nen Weg wei­ter­zu­füh­ren. Der Aus­bau unse­rer Sport­an­ge­bo­te, womög­lich auch die Schaf­fung neu­er Abtei­lun­gen ist auch davon abhän­gig, wie es uns gelin­gen wird, die Infra­struk­tur des Ver­eins im Neckar­park wei­ter­zu­ent­wi­ckeln – die Stich­wor­te hier lau­ten Leicht­ath­le­tik, Hockey und Frau­en-Spiel­stät­te. Es gibt bereits Mach­bar­keits­stu­di­en hier­zu, jetzt heißt es, auch ins Machen zu kom­men. Als drit­tes Hand­lungs­feld möch­te ich unse­re gesell­schaft­lich-sozia­le Arbeit über die Stif­tung nen­nen. Wir sind der mit Abstand größ­te Sport­ver­ein unse­res Lan­des und tra­gen damit beson­ders gro­ße Ver­ant­wor­tung. Der VfB ist bereits stark enga­giert, aber den­noch sind wei­te­re Aus­bau­stu­fen anzu­stre­ben, zum Bei­spiel eine stär­ke­re Ein­be­zie­hung von Schu­len und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen in der Regi­on.

Und was sind Ihre Zie­le für die Prä­si­dent­schaft?

Ich möch­te, dass die Men­schen Freu­de beim und am VfB haben. Mei­ne Zie­le sehe ich in der Stär­kung der Ver­eins­in­ter­es­sen in den Gre­mi­en, der Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­eins und aller Abtei­lun­gen, der För­de­rung des Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trums, dem Aus­bau des Neckar­parks und der Infra­struk­tur, der Siche­rung eines soli­den Finanz­fun­da­ments und dem Enga­ge­ment für sozia­le Pro­jek­te und der VfB Stif­tung. Ich möch­te den VfB Stutt­gart 1893 e.V. als offe­nen, ver­läss­li­chen und zukunfts­ori­en­tier­ten Ver­ein wei­ter­ent­wi­ckeln.“

Mit wel­chen Maß­nah­men wol­len sie die Abtei­lun­gen des VfB e.V. — abge­se­hen vom Jugend­fuß­ball — wei­ter stär­ken?

Das The­ma Ver­bes­se­rung der Sport­in­fra­struk­tur wie auch der Aus­stat­tung habe ich bereits erwähnt. Für eine Wei­ter­ent­wick­lung der Abtei­lun­gen brau­chen wir auch auf der Geschäfts­stel­le eine wei­te­re Ver­bes­se­rung der Pro­zes­se und Struk­tu­ren. Wir haben über den Grund­la­gen­ver­trag sehr viel Poten­zi­al, das wir noch heben kön­nen – und zwar alle mit­ein­an­der, im engen Schul­ter­schluss mit der AG.

Hal­ten Sie die Ein­rich­tung eines fes­ten Ver­eins­mu­se­ums für sinn­voll und umsetz­bar?

Ich hal­te es sogar für mehr als gebo­ten und eigent­lich längst über­fäl­lig. Das ist auch nicht mei­ne exklu­si­ve Mei­nung, denn im Prä­si­di­um den­ken wir da genau gleich wie der Vor­stand. Und ich kann heu­te schon allen Mit­glie­dern ver­si­chern, da wird sich im Fal­le mei­ner Wahl in Zukunft etwas tun.

Der VfB hat über 120.000 Mit­glie­der. Wie wol­len Sie die­se in das Ver­eins­le­ben ein­bin­den?

Der VfB ist für vie­le Mit­glie­der ein Bezugs­punkt im All­tag. Sie besu­chen unse­re Spie­le oder Sport­wett­kämp­fe oder trei­ben selbst Sport. Wenn wir das ziel­ge­rich­tet mit Maß­nah­men wie VfB im Länd­le flan­kie­ren und das Ange­bot an Ver­an­stal­tun­gen erwei­tern, haben noch viel mehr Mit­glie­der die Mög­lich­keit, sich ein­zu­brin­gen und mit­zu­ma­chen. Das müs­sen nicht immer nur Gro­ße­vents wie ein Sai­so­n­ope­ning sein. Ich den­ke da bei­spiels­wei­se auch an unser noch rela­tiv jun­ges Pubquiz, das durch die Land­krei­se tin­gelt, oder an ein zen­tra­les Som­mer­fest der Ver­eins­ab­tei­lun­gen, das allen Mit­glie­dern offen­steht. Das wer­den wir die­sen Som­mer erst­ma­lig anbie­ten.

Wie ste­hen Sie zur Mög­lich­keit einer hybri­den Mit­glie­der­ver­samm­lung?

Grund­sätz­lich bin ich immer für das Maxi­mum an Teil­ha­be und Mit­be­stim­mung. Andre­as Grupp und ich haben uns im Zuge der Arbeit der Sat­zungs­kom­mis­si­on damit auch inten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt und sind uns einig, dass die­se weit­rei­chen­de Ent­schei­dung direkt in die Hän­de der Mit­glie­der­ver­samm­lung gelegt wer­den muss, was in Form des ent­spre­chen­den Antrags nun auch gege­ben ist. Es gibt eine Viel­zahl von Grün­den, die für eine hybri­de Ver­samm­lung spre­chen wür­den und genau­so vie­le für die rei­ne Prä­senz­ver­an­stal­tung. Die­ses The­ma beschäf­tigt den VfB bekann­ter­ma­ßen ja auch schon lan­ge. Ich per­sön­lich bin dafür, dass wir als VfB uns die­ser kom­ple­xen The­ma­tik per­spek­ti­visch noch­mals zuwen­den und sie in allen Aspek­ten beleuch­ten mög­lichst breit ange­legt, offen und trans­pa­rent.

Wel­ches Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al sehen Sie noch bei der Sat­zung des e.V.?

Die Sat­zungs­kom­mis­si­on hat in den zurück­lie­gen­den Jah­ren her­vor­ra­gen­de Arbeit geleis­tet, ist aber mit dem Pro­zess der Durch­ar­bei­tung noch nicht am Ende. Wir sehen das an Ein­zel­the­men wie dem aktu­ell noch unter­schied­li­chen Wahl­pro­ce­de­re für den Prä­si­den­ten und das Prä­si­di­um. Sol­che punk­tu­el­len Unwuch­ten gibt es noch und ich bin mir sicher, dass wir da in den kom­men­den Jah­ren noch wei­ter vor­an­kom­men wer­den.

Wie ist Ihre Hal­tung zum Auf­sichts­rats­vor­sitz der VfB AG: Soll­te die­ser nur vom Prä­si­den­ten des e.V. gestellt wer­den oder kann es auch ein Prä­si­di­ums-Mit­glied sein? Oder muss es über­haupt ein/e Vertreter/in des Ver­eins sein?

Für mich muss der Prä­si­dent des Ver­eins auch den Vor­sitz des AG-Auf­sichts­ra­tes füh­ren. Das war und ist mei­ne per­sön­li­che Erwar­tungs­hal­tung als Mit­glied und die­se ist deckungs­gleich mit der Erwar­tung der gro­ßen Mehr­heit unse­rer Mit­glie­der. Rein recht­lich sind ande­re Kon­stel­la­tio­nen natür­lich mög­lich. Letzt­lich ist die Eig­nung für bei­de Ämter doch das Ent­schei­den­de. Das bedeu­tet zugleich, dass die Mit­glie­der­ver­samm­lung in der Ver­ant­wor­tung ist, eine Per­son ins Prä­si­den­ten­amt zu wäh­len, die auch den Vor­sitz des Auf­sichts­rats eines Fuß­ball­un­ter­neh­mens mit einem drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­um­satz füh­ren kann.

Aktu­ell ist der Auf­sichts­rat der VfB AG mit 10 Per­so­nen besetzt, wovon fünf den VfB e.V. ver­tre­ten (Sie, Andre­as Grupp, Bea­te Beck-Dehar­de, Tan­ja Gön­ner und Alex­an­der Klä­ger) je zwei den Inves­tor Mer­ce­des (Peter Schy­mon und Franz Rei­ner), je zwei den Inves­tor Por­sche (Lutz Mesch­ke und Albrecht Rei­mold) sowie mit Tobi­as Rös­chl ein Ver­tre­ter des Inves­tors JAKO. Ein wei­te­rer Platz ist noch frei. Wie ist Ihre Hal­tung zur Sitz-Ver­tei­lung im Auf­sichts­rat? Soll­te die­ser dem Ver­hält­nis der Antei­le an der VfB AG ent­spre­chen (78,2 Pro­zent VfB e.V., 10,4 Pro­zent Por­sche, 10,4 Pro­zent Mer­ce­des, 1 Pro­zent JAKO) oder reicht eine ein­fa­che Mehr­heit des e.V.? Dar­an anschlie­ßend: Soll­te der Auf­sichts­rat in sei­ner jet­zi­gen Grö­ße bei­be­hal­ten, ver­grö­ßert oder ver­klei­nert wer­den?

Ohne einem neu­ge­wähl­ten Prä­si­di­um vor­grei­fen zu wol­len: Der Auf­sichts­rat könn­te nach der Wahl eines neu­en Prä­si­di­ums auf künf­tig zwölf Mit­glie­der erwei­tert wer­den. Aktu­ell sind zwei Plät­ze des Ver­eins im Gre­mi­um unbe­setzt. Im Übri­gen ist auch Tobi­as Rös­chl ein vom Ver­ein bestell­ter Auf­sichts­rat. Es könn­te per­spek­ti­visch also einen zwölf­köp­fi­gen Auf­sichts­rat geben, dem acht ver­ein­sei­tig ent­sen­de­te oder bestell­te Mit­glie­der ange­hö­ren wer­den. Ich wür­de dies zum einen als gute Gesamt­grö­ße für das Gre­mi­um betrach­ten, zum ande­ren wäre hier­bei der Ver­ein als Haupt­an­teils­eig­ner auch ent­spre­chend stark reprä­sen­tiert.

Soll­te der Prä­si­di­al­aus­schuss die Mehr­heits­ver­hält­nis­se eben­so wider­spie­geln oder sind Sie mit der der­zei­ti­gen Beset­zung (zwei e.V.-Vertreter, je ein Inves­to­ren-Ver­tre­ter, Mehr­heit des e.V. ist durch dop­pel­tes Stimm­recht des Prä­si­den­ten gewahrt) zufrie­den?

Auch hier ist kei­nes­falls aus­ge­schlos­sen, dass es per­spek­ti­visch zu Ver­än­de­run­gen kom­men kann. Ich den­ke auch im Prä­si­di­al­aus­schuss müs­sen die Mehr­heits­ver­hält­nis­se zuguns­ten des e.V. klar und ein­deu­tig abge­bil­det sein. Ich erach­te es aber als nicht ange­mes­sen, einem neu zu wäh­len­den Prä­si­di­um und auch der AG-Haupt­ver­samm­lung vor­zu­grei­fen. Das ist ein The­ma für das neu gewähl­te Prä­si­di­um.

Sehen Sie die Not­wen­dig­keit, den Auf­sichts­rat vor Ablauf der Amts­zeit 2027 neu zu beset­zen, was die Ver­tre­tung des VfB e.V. angeht?

Das neue Prä­si­di­um muß das zeit­nah bespre­chen. Wir benö­ti­gen eine kla­re Struk­tur wie wir den e.V. im Auf­sichts­rat abbil­den und da kann es dann auch vor 2027 schon zu Ver­än­de­run­gen kom­men.

Sehen Sie die Not­wen­dig­keit, die Mit­glie­der über einen Ver­kauf von Antei­len über die 2017 beschlos­se­nen 24,9 Pro­zent abstim­men zu las­sen? War­um oder war­um nicht?

Auch wenn dies aktu­ell über­haupt kein The­ma ist, so ist doch klar in der Sat­zung gere­gelt, wel­cher pro­zen­tua­le Anteil ver­äu­ßert wer­den darf. Es bräuch­te für so einen Schritt also eine Sat­zungs­än­de­rung, die das ent­spre­chen­de Quo­rum errei­chen wür­de. Und das ist auch genau rich­tig so.

Wel­che The­men, die Fans abseits des sport­li­chen Erfolgs bewe­gen, hal­ten Sie für am wich­tigs­ten?

Neben dem sport­li­chen Erfolg sind den Fans vor allem Trans­pa­renz, Mit­be­stim­mung und eine star­ke Ver­einsi­den­ti­tät wich­tig. Wir wol­len den Aus­tausch mit unse­ren Mit­glie­dern wei­ter inten­si­vie­ren und ihre Anlie­gen ernst neh­men. The­men wie Sta­di­on­er­leb­nis, Fan-Kul­tur und sozia­le Ver­ant­wor­tung spie­len dabei eine gro­ße Rol­le. Dafür set­ze ich auf Dia­log, nach­hal­ti­ge Kon­zep­te und eine enge Ver­bun­den­heit mit den Men­schen in unse­rer VfB-Fami­lie.

Wel­che Lösun­gen sehen Sie für eine nach­voll­zieh­ba­re Ver­tei­lung von Ein­tritts­kar­ten?

„Ich möch­te mir nicht anma­ßen, hier­für im Besitz des Steins der Wei­sen zu sein. Die Her­aus­for­de­rung, eine nicht zu schlie­ßen­de Lücke zwi­schen einem Sta­di­on mit 60.000 Plät­zen und 120.000 Ver­eins­mit­glie­dern zu über­brü­cken, betrifft nicht nur uns, son­dern die gesam­te Bun­des­li­ga. Alle Ver­ei­ne ste­hen vor der Auf­ga­be, eine fai­re Ticket­ver­ga­be zu gewähr­leis­ten. Unser Ticke­ting-Team arbei­tet daher gemein­sam mit den Fan­be­auf­trag­ten und in Abstim­mung mit dem Fan-Aus­schuss kon­ti­nu­ier­lich an Ver­bes­se­run­gen, um mög­lichst trans­pa­ren­te und gerech­te Ver­ga­be­pro­zes­se zu schaf­fen.“

Wel­che Rol­le kön­nen Sie als Prä­si­dent des e.V. im Span­nungs­feld zwi­schen orga­ni­sier­ten Fans, der Poli­zei und der Liga spie­len?

Als Prä­si­dent des e.V. und zugleich als Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der sehe ich es als mei­ne Auf­ga­be, im engen Aus­tausch mit unse­rem Vor­stand zu ste­hen und eine ver­mit­teln­de Rol­le ein­zu­neh­men. Der VfB trägt Ver­ant­wor­tung, die Inter­es­sen der orga­ni­sier­ten Fans, der Liga und der Sicher­heits­be­hör­den aus­ge­wo­gen zu berück­sich­ti­gen. Wir neh­men die Anlie­gen aus dem Fan­aus­schuss und der Kur­ve ernst und set­zen uns für kon­struk­ti­ve Lösun­gen ein. Es geht dar­um, den Dia­log zu för­dern, gegen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis zu schaf­fen und trag­fä­hi­ge Wege für ein siche­res und zugleich leben­di­ges Sta­di­on­er­leb­nis zu fin­den.

Bis zu Ihrer Kan­di­da­tur beton­ten sie als Inte­rims­prä­si­dent stets, das Amt des VfB-Prä­si­den­ten sei mit dem des Land­rats des Krei­ses Lud­wigs­burg nicht ver­ein­bar. Was hat sich dar­an geän­dert?

Ich habe nicht bis zu mei­ner Kan­di­da­tur stets betont, dass bei­de Ämter unver­ein­bar sei­en, son­dern ledig­lich in den ers­ten Wochen mei­ner Amts­zeit als Inte­rims­prä­si­dent. In die­ser Zeit habe ich die Her­aus­for­de­rung genau geprüft und fest­ge­stellt, dass es mit kla­rer Struk­tur, hohem Ein­satz und einem star­ken Team mög­lich ist, bei­de Ämter ver­ant­wor­tungs­voll aus­zu­fül­len. Ich bin durch mei­ne brei­te Erfah­rung, mei­ner Füh­rungs­stär­ke und sicher­lich mei­nem Fleiß in die­sem Amt ange­kom­men. Die Auf­ga­be als VfB-Prä­si­dent berei­tet mir gro­ße Freu­de, und ich bin bereit, die­se Ver­ant­wor­tung auch wei­ter­hin zu tra­gen. Mein Enga­ge­ment für den VfB ist tief ver­wur­zelt, und ich brin­ge es mit vol­ler Über­zeu­gung und Lei­den­schaft ein. Des­halb habe ich mich bewusst ent­schie­den, für das Prä­si­den­ten­amt zu kan­di­die­ren.

Im Zuge Ihrer Kan­di­da­tur brach­ten Sie die Anstel­lung eines wei­te­ren lei­ten­den haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­ters oder Mit­ar­bei­te­rin im e.V. ins Gespräch, der vie­le ope­ra­ti­ve Auf­ga­ben über­neh­men soll. Wie soll des­sen oder deren Auf­ga­ben­pro­fil kon­kret aus­se­hen?

Der VfB e.V. hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt und steht vor span­nen­den Her­aus­for­de­run­gen. Um die wach­sen­den Anfor­de­run­gen pro­fes­sio­nell zu bewäl­ti­gen, ist es wich­tig, die ope­ra­ti­ven Struk­tu­ren im e.V. gezielt zu stär­ken. Zusätz­li­che haupt­amt­li­che Unter­stüt­zung soll ins­be­son­de­re die Mit­glie­der­be­treu­ung, die Koor­di­na­ti­on zwi­schen Ehren­amt und Haupt­amt sowie die orga­ni­sa­to­ri­sche und stra­te­gi­sche Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­eins vor­an­trei­ben. Dabei geht es nicht nur dar­um, bestehen­de Auf­ga­ben effi­zi­ent abzu­ar­bei­ten, son­dern auch Raum für inno­va­ti­ve Kon­zep­te und zukunfts­ori­en­tier­te Ent­wick­lun­gen zu schaf­fen. Die genaue Auf­ga­ben­ver­tei­lung wird in enger Abstim­mung mit den Gre­mi­en des Ver­eins defi­niert.

Wie begeg­nen Sie der Kri­tik, der Prä­si­dent wür­de durch eine/n ope­ra­tiv sehr aktive/n Angestellte/n zum “Grüß­au­gust”, der nur noch reprä­sen­ta­ti­ve Auf­ga­ben wahr­neh­me?

Ich ver­ste­he die Sor­ge dahin­ter schon ein Stück weit. Aber ich möch­te noch­mals beto­nen, dass eine per­so­nel­le Ver­stär­kung des e.V.-Teams in der Ope­ra­ti­ven bit­te nicht mit der Schaf­fung eines neu­en Ver­eins­or­gans zu ver­wech­seln ist. Denn auch wenn nicht mehr jede Bestel­lung von Sport­ar­ti­keln direkt über das Prä­si­di­um lau­fen wür­de, blie­be die gene­rel­le Ent­schei­dungs­ho­heit immer im Prä­si­di­um. Wir wür­den hier kein Neu­land betre­ten, son­dern dem Prä­si­di­um mehr Ellen­bo­gen­frei­heit für sei­ne pri­mä­ren Auf­ga­ben ver­schaf­fen. Ande­re Ver­ei­ne ver­gleich­ba­rer Grö­ßen­ord­nung haben bereits längst sol­che Struk­tu­ren erfolg­reich ein­ge­führt und damit ihrem Wachs­tum Rech­nung getra­gen.

Bei der Bekannt­ga­be Ihrer Kan­di­da­tur sag­ten Sie: “Gibt es eine Ter­min­kol­li­si­on, ist klar, wo ich bin: In Lud­wigs­burg.“ Sehen Sie dadurch Ein­schrän­kun­gen in Ihrer Posi­ti­on als Prä­si­dent?

Nein, denn ich arbei­te äußerst struk­tu­riert und bin Herr mei­nes eige­nen Kalen­ders. Im übri­gen war ich in den ver­gan­ge­nen 8 Mona­ten als Prä­si­dent sehr prä­sent. Natür­lich kann es Situa­tio­nen geben, in denen mein Man­dat als Land­rat Prio­ri­tät hat, vor dem schöns­ten Ehren­amts Baden-Würt­tem­berg– das ist selbst­ver­ständ­lich. Doch der VfB ist kei­ne One-Man-Show. Gemein­sam mit Andre­as Grupp, der eben­falls beruf­lich stark ein­ge­bun­den ist, haben wir in den ver­gan­ge­nen Mona­ten bewie­sen, dass sich Enga­ge­ment und Ver­ant­wor­tung her­vor­ra­gend koor­di­nie­ren las­sen. Hin­zu kommt, dass das Prä­si­di­um künf­tig aus drei Mit­glie­dern besteht. Die­se Erwei­te­rung stärkt die Füh­rungs­struk­tur wei­ter und ermög­licht eine noch effi­zi­en­te­re Auf­ga­ben­tei­lung.

Im Novem­ber gaben Sie und Andre­as Grupp über die Ver­eins­web­sei­te und in einem Pres­se­ter­min des VfB ihre Kan­di­da­tur bekannt. Sehen Sie es als legi­tim an, dass Amts­in­ha­ber die kom­mu­ni­ka­ti­ve Infra­struk­tur ihres Amtes für eine erneu­te Kan­di­da­tur nut­zen, wäh­rend ande­re Bewer­ber zu die­sem Zeit­punkt noch nicht dar­auf zurück­grei­fen kön­nen?

Die­se Fra­ge haben wir sorg­fäl­tig abge­wo­gen. Als amtie­ren­des Prä­si­di­um sehen wir es als unse­re Ver­pflich­tung an, die Mit­glie­der früh­zei­tig und trans­pa­rent über unse­re Kan­di­da­tur zu infor­mie­ren. Dafür haben wir die vor­ge­se­he­nen ver­eins­in­ter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge gewählt– nicht für Wahl­wer­bung, son­dern um unse­rer Ver­ant­wor­tung gegen­über dem Ver­ein gerecht zu wer­den. Unse­re per­sön­li­che Wahl­kam­pa­gne füh­ren wir selbst­ver­ständ­lich unab­hän­gig davon.

War die Bekannt­ga­be ihrer erneu­ten Kan­di­da­tur mit dem Wahl­aus­schuss abge­spro­chen?

Ja, ich habe vor der Ein­rei­chung mei­ner Bewer­bung das Gespräch mit dem Wahl­aus­schuss gesucht und die­sen infor­miert – ohne jedoch inhalt­li­che Details zu bespre­chen. Trans­pa­renz ist für mich ein zen­tra­ler Wert. Mir war und ist es grund­sätz­lich wich­tig, dass wir in und zwi­schen den Gre­mi­en einen guten und ver­trau­ens­vol­len Aus­tausch pfle­gen und uns nicht gegen­sei­tig vor voll­ende­te Tat­sa­chen stel­len.

Als Kom­mu­nal­po­li­ti­ker könn­ten sie im Land­kreis auch poli­tisch unter Druck gera­ten aus Grün­den, die nichts mit dem VfB zu tun haben. Sehen Sie die Gefahr, dass poli­ti­sche Kon­flik­te auf den Ver­ein abstrah­len?

Nein, denn ich tren­ne mei­ne Rol­le als Land­rat klar von mei­nem Enga­ge­ment für den VfB. Auch wenn der VfB eine ganz ande­re Strahl­kraft und öffent­li­che Bedeu­tung besitzt als mei­ne bis­he­ri­gen Ehren­äm­ter, wird mir die­se Tren­nung wei­ter­hin gelin­gen. Über die Jah­re habe ich mir einen kla­ren Umgang damit erar­bei­tet, um bei­de Berei­che von­ein­an­der abzu­gren­zen. Zudem bin ich mir sicher, dass unse­re Mit­glie­der ein fei­nes Gespür dafür haben und erken­nen wür­den, falls poli­ti­sche The­men in den Ver­ein hin­ein­ge­tra­gen wer­den soll­ten. Unser Fokus liegt aus­schließ­lich auf dem Wohl und Erfolg des VfB.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Titel­bild: © Diet­mar All­gai­er

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