Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Leipzig-Experte Ulli Kroemer

In Leip­zig beschließt der VfB die­se Bun­des­li­ga-Sai­son. Über die Lage bei den Gast­ge­bern spra­chen wir mit Sport­jour­na­list Ulli Kroe­mer.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Ulli und vie­len Dank, dass du Dir ein drit­tes Mal in die­ser Sai­son Zeit für uns nimmst. Nach dem Aus­schei­den in der Cham­pi­ons League ende­te auch die Pokal­sai­son mit der Halb­fi­nal-Nie­der­la­ge gegen den VfB sicher­lich ent­täu­schend für Leip­zig. Wie waren die Reak­tio­nen im Club und Umfeld auf die Par­tie Anfang April?

Ulli: Die Situa­ti­on war spe­zi­ell. Natür­lich waren Spie­ler, Ver­ant­wort­li­che und Fans schwer ent­täuscht, dass der Traum DFB-Pokal­fi­na­le geplatzt war. Doch gleich­zei­tig herrsch­te nach dem ers­ten Spiel von Inte­rims­trai­ner Zsolt nach dem Raus­schmiss von Mar­co Rose so etwas wie Auf­bruch­stim­mung, weil die Leip­zi­ger end­lich mal wie­der ein ver­nünf­ti­ges Spiel gemacht hat­ten, im alten 4–2‑2–2‑System pha­sen­wei­se über­zeu­gend gespielt haben, viel mehr Akti­vi­tät und ein Auf­bäu­men zu erken­nen war.

Seit­dem konn­te Leip­zig nur noch zwei von sechs Spie­len gewin­nen und droht bei einer Nie­der­la­ge am Sams­tag auch noch das letz­te Sai­son­ziel, die Qua­li­fi­ka­ti­on fürs inter­na­tio­na­le Geschäft zu ver­pas­sen. War­um läuft es in die­ser Sai­son nicht so rund wie in der Ver­gan­gen­heit?

Das hat vie­le Grün­de. Die tie­fe­ren Ursa­chen sind sicher in der Ver­gan­gen­heit zu suchen. Nach dem Abgang von Ralf Rang­nick und der unnö­ti­gen Tren­nung von Mar­kus Krö­sche 2021 haben sich bei Rasen­ball­sport die sport­li­chen Ver­ant­wort­li­chen die Klin­ke in die Hän­de gege­ben. Nach Krö­sche herrsch­te zunächst ein Kom­pe­tenz­va­ku­um, danach lös­ten sich Max Eberl, Rou­ven Schrö­der und Mar­cel Schä­fer ab. Dazu rede­ten auch noch das Glo­bal Soc­cer Team um Mario Gomez und Jür­gen Klopp sowie die Trai­ner maß­geb­lich mit. Irgend­wo in die­sen Wir­ren ist der kla­re Plan, wel­ches Per­so­nal man für die Red-Bull-Spiel­idee braucht, abhan­den gekom­men. So fehl­te den Leip­zi­gern in die­ser Sai­son schlicht Qua­li­tät und Know-how, die Grund­la­ge – Pres­sing-Gegen­pres­sing-Fuß­ball – auf hohem Niveau umzu­set­zen eben­so wie die Kon­zep­te im Spiel mit Ball.

Zsolt Löw fei­er­te gegen den VfB im Halb­fi­na­le sein Debüt. Wie bewer­test Du sei­ne Arbeit und was glaubst Du, wer in der Som­mer­pau­se sein Nach­fol­ger wird?

Ich bin Fan von Löw. Er hat es trotz mäßi­ger Erfol­ge geschafft, einen ande­ren, herz­li­che­ren Ton ein­zu­brin­gen, die Spie­ler anders anzu­pa­cken und zumin­dest in Pha­sen den Leip­zi­ger Mar­ken­kern Red-Bull-Fuß­ball über­zeu­gend umzu­set­zen. Am Ende war die Zeit für ihn zu kurz, um mehr zu bewir­ken. Ich wür­de mir wün­schen, dass Löw Trai­ner bleibt. Doch das steht nicht zur Debat­te. RB tut sich schwer damit, einen pas­sen­den Nach­fol­ger zu fin­den. Anders als in ande­ren Jah­ren gibt es kei­nen lang­fris­tig auf­ge­bau­ten Nach­fol­ger oder von lan­ger Hand geplan­ten Wech­sel wie etwa damals bei Juli­an Nagels­mann. Oli­ver Glas­ner hat das fach­li­che Know­how, ist aber kein Cha­rak­ter, der all­zu gro­ßen Gefal­len an der kom­ple­xen Red-Bull-Struk­tur fin­den dürf­te, wo vie­le Ein­fluss neh­men wol­len. Ein jun­ger Trai­ner wie Fàb­re­gas wür­de pas­sen, aber der will wohl nicht in die Bun­des­li­ga wech­seln. Aktu­ell ist die Suche sehr offen und könn­te noch zur Hän­ge­par­tie wer­den. Für mich wäre aktu­ell der logischs­te Kan­di­dat Mat­thi­as Jaiss­le, doch der wür­de wohl ziem­lich viel Ablö­se kos­ten und müss­te auf viel Gehalt ver­zich­ten, wenn er in die Bun­des­li­ga käme.

Erwar­test Du im Som­mer ange­sichts der für Leip­zi­ger Ver­hält­nis­se einen grö­ße­ren Umbruch? Was muss sich ändern, um wie­der Rich­tung wei­te­rer Titel schie­len zu kön­nen?

Es gab bereits in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren gro­ße Umbrü­che, in die­sem Som­mer könn­te er noch grö­ßer wer­den. Bis zu 13 Spie­ler – inklu­si­ve zurück­keh­ren­de Leih­spie­ler – könn­ten den Klub ver­las­sen. Dar­un­ter wohl auch die Jung­stars Ben­ja­min Ses­ko und Xavi Simons sowie eini­ge der alten Hel­den um Yus­suf Poul­sen, Kevin Kampl, Wil­li Orban, Lukas Klos­ter­mann oder Peter Gulacsi.

Was ist Dein Tipp für die Leip­zi­ger Start­elf und das Ergeb­nis am Sams­tag?

Gulacsi – Nedel­j­ko­vic, Bit­shia­bu (Orban), Luke­ba, Raum – Sei­wald, Kampl – Xavi Simons, Baku (Baum­gart­ner) – Open­da, Ses­ko. Mein Tipp: 2:2.

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

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