Bandagiert in Fahrt

Wie schon in der ver­gan­ge­nen Sai­son gewinnt der VfB das letz­te Heim­spiel mit 4:0. Statt die Vize­meis­ter­schaft zu fei­ern, blickt man aktu­ell aber mit leich­tem Opti­mis­mus aufs Pokal­fi­na­le — mit einer Ein­schrän­kung.

Es hät­te — unter den Umstän­den der ent­täu­schen­den Rück­run­de — per­fekt sein kön­nen: Die Cannstat­ter Kur­ve erstrahlt in einer erneut atem­be­rau­ben­den Cho­reo­gra­phie mit der Son­ne um die Wet­te und der VfB pro­fi­tiert erneut von einem Platz­ver­weis des Geg­ners, schießt sich für das Pokal­fi­na­le warm und ver­treibt die Sor­gen vor der gro­ßen Bla­ma­ge gegen den hoch­mo­ti­vier­ten Zweit­li­ga-Auf­stei­ger. Wäre da nicht die zehn­te Minu­te gewe­sen, in der der VfB immer­hin nach einem Sto­cher­tor sei­nes Kapi­täns schon in Füh­rung lag. Die gan­ze Sai­son über ist Ange­lo Stil­ler für geg­ne­ri­sche Spie­ler schon Frei­wild. Im Hin­spiel kam der Augs­bur­ger Onye­ka noch mit einer gel­be Kar­te davon. Im Pokal­spiel Anfang des Jah­res trat Innen­ver­tei­di­ger Gian­nou­lis Enzo Mil­lot von hin­ten um, weil der ihm an der Tor­aus­li­nie sei­ne engen fuß­bal­le­ri­schen Gren­zen auf­ge­zeigt hat­te. Am Sonn­tag­abend hat­te es Jess Thorups Hacker­trup­pe dann geschafft. Samu­el Essen­de ging sicher nicht mit der Absicht, Stil­ler zu ver­let­zen, aber völ­lig kopf­los dem Ball hin­ter­her, traf die Wade des VfB-Mit­tel­feld­re­gis­seurs und brach­te die­sen damit zu Fall. Bän­der­ver­let­zung am Sprung­ge­lenk durch das Umkni­cken, ein Ein­satz im Pokal­fi­na­le könn­te eine Punkt­lan­dung wer­den.

Schö­ne Schei­ße. Natür­lich kann man ein­wen­den, dass auch der Rest der Mann­schaft genü­gend Qua­li­tät hat, um das Fina­le zu gewin­nen. Und nach­dem die Mann­schaft in der ers­ten Halb­zeit durch die trä­nen­rei­che Aus­wechs­lung Stil­lers und den unglück­li­chen Zusam­men­prall sei­nes Ersatz­man­nes Kei­tel mit Kol­le­ge Jeltsch offen­bar etwas neben der Spur war, konn­te sie das Spiel nach der Pau­se deut­lich für sich ent­schei­den und damit nicht nur den Gäs­te­block zum Schwei­gen brin­gen, son­dern auch den rotz­fre­chen Social-Media-Prak­ti­kan­ten des FCA. Ein Stim­mungs­kil­ler ist es trotz­dem, denn im schlimms­ten Fall muss Sebas­ti­an Hoe­neß in ein­ein­halb Wochen nicht nur auf der rech­ten Außen­bahn auf eine Not­lö­sung ohne Spiel­pra­xis set­zen, son­dern auch auf der Dop­pel­sechs. Enzo Mil­lot in die tie­fen des defen­si­ven Mit­tel­felds zurück zu zie­hen, hal­te ich näm­lich wei­ter­hin für kei­ne gute Idee.

Kraft aus den letzten beiden Spielen

Span­nend auch, dass auf eben­je­ner Außen­bahn Pas­cal Sten­zel 75 Minu­ten lang den Vor­zug vor Josha Vagno­man erhielt. Ich kann mir kaum vor­stel­len, dass Sebas­ti­an Hoe­neß im letz­ten Sai­son­spiel in Leip­zig auf die­ser Posi­ti­on noch­mal wech­selt, um Vagno­man zu tes­ten. Sicher, Sten­zel ist zuver­läs­sig, wäh­rend sich Vagno­man bei sei­nen letz­ten Ein­sät­zen häu­fig Stock­feh­ler leis­te­te. Auf der ande­ren Sei­te wird Sten­zel ja nicht nur wegen sei­ner lan­gen Ver­eins­zu­ge­hö­rig­keit bei Heim­spie­len als Fuß­ball­gott beti­telt, son­dern eben auch etwas iro­nisch auf­grund sei­ner feh­len­den Schnel­lig­keit und zumin­dest wahr­ge­nom­men man­geln­den Per­spek­ti­ve. Man darf gespannt sein und muss hof­fen, dass in Leip­zig kei­ne wei­te­ren Ver­letz­ten dazu kom­men.

Wenn das so ist und die Mann­schaft dort kein kata­stro­pha­les Ergeb­nis erzielt, am Ende sogar die Leip­zi­ger, wie die bay­ri­schen Schwa­ben, ein drit­tes Mal in die­ser Sai­son besiegt, kann das Pokal­fi­na­le kom­men. Auch wenn die Geg­ner in den letz­ten bei­den Spie­len 110 von 180 Minu­ten in Unter­zahl waren, soll­te die Mann­schaft aus der Tat­sa­che, dass sie in die­sen 180 Minu­ten kein ein­zi­ges Gegen­tor kas­siert hat und sel­ber fünf Mal getrof­fen hat, Kraft zie­hen. Wol­te­ma­de traf zwei Mal, Demi­ro­vic ein Mal, alle drei Tore in bes­ter Stür­mer-Manier. Enzo Mil­lot zeig­te sich wach und tech­nisch beschla­gen. Wie schon gegen St. Pau­li belohnt sich die Mann­schaft für den Auf­wand, den sie betreibt. Mut, Hal­tung und Kon­zen­tra­ti­on vor dem Tor. Viel mehr erwar­te ich gar nicht für Ber­lin.

Wir hol’n den Pokal!

Zum Wei­ter­le­sen:  Der Ver­ti­kal­pass schreibt von einem Tritt mit­ten ins Herz des VfB. Stuttgart.international sieht Kamp­fes­lust in Weiß und Rot.

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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