Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Leipzig-Experte Ulli Kroemer

Aus­ge­rech­net vor dem Pokal-Halb­fi­na­le wech­selt Geg­ner Leip­zig den Trai­ner. Über die aktu­el­le Lage dort spra­chen wir vor­ab mit Sport­jour­na­list und Leip­zig-Exper­te Ull­rich Kroe­mer.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Ulli und vie­len Dank, dass du bin­nen weni­ger Mona­te schon wie­der für unse­re Fra­gen zur Ver­fü­gung stehst. Leip­zig gas­tier­te ja Mit­te Janu­ar erst im Neckar­sta­di­on und ver­lor nicht nur das Spiel 2:1, son­dern auch zwei Spie­ler durch Platz­ver­wei­se. Wie blickst Du auf das dama­li­ge Spiel zurück?

Ulli: Die Par­tie war sym­pto­ma­tisch für die RB-Sai­son. Auf eine ordent­li­che Start­pha­se und ers­te Hälf­te folg­te eine wehr­lo­se Vor­stel­lung in der zwei­ten Hälf­te. Die Platz­ver­wei­se durch unglück­li­che und uncle­ve­re Aktio­nen des Sturm­du­os pass­ten ins Bild.

Im Anschluss an die­ses Spiel zeig­ten bei­de Mann­schaf­ten durch­wach­se­ne Leis­tun­gen: Der VfB gewann nur noch gegen Frei­burg und Dort­mund, Leip­zig gegen St. Pau­li und eben­falls Dort­mund, außer­dem kamen natür­lich bei­de im Pokal wei­ter. Der Absturz des VfB auf Platz 11 kam für vie­le über­ra­schend, war die wei­te­re Ent­wick­lung der Rück­run­de für dich nach dem Spiel damals schon abseh­bar?

Bei RB hat­te man nach dem fürch­ter­li­chen Herbst zu Jah­res­be­ginn die Hoff­nung, dass mit mehr Per­so­nal, unter ande­rem Xavi Simons, Spiel­kul­tur und Erfolg zurück­keh­ren. Die Par­tie gegen den VfB brach­te dann die Erkennt­nis, dass es wei­ter zäh wer­den wür­de. Leip­zig hat danach nie zu kon­stan­ten Leis­tun­gen gefun­den.

Nach der Nie­der­la­ge in Mön­chen­glad­bach zog man am Wochen­en­de die Reiß­lei­ne und ent­ließ Trai­ner Mar­co Rose. Die rich­ti­ge Ent­schei­dung?

Ja, aber sie kam zu spät. Dass Jür­gen Klopp und Mar­cel Schä­fer so lan­ge wie mög­lich am Trai­ner fest­hal­ten woll­ten, ehrt sie. Aber die Mann­schaft war viel zu leicht zu ent­schlüs­seln und brach regel­mä­ßig in sich zusam­men. Bereits nach dem 1:2 gegen Mainz zu Hau­se wäre ein not­wen­di­ger Zeit­punkt für den Wech­sel gewe­sen. Doch der Klub hat sich die Tren­nung von dem gebür­ti­gen Leip­zi­ger Rose nicht ein­fach gemacht.

Nach­fol­ger ist Tho­mas Tuchels ehe­ma­li­ger Co-Trai­ner Zsolt Löw, der auch schon mal beim VfB im Gespräch war und sich in Leip­zig schon aus­kennt. Er soll die Mann­schaft bis Sai­son­ende trai­nie­ren. Was hältst Du von die­ser Per­so­na­lie und wel­chen Fuß­ball erwar­test Du von Löw?

Einen bes­se­ren Inte­rims­trai­ner als Löw hät­te RB nicht bekom­men kön­nen. Er kennt den Red-Bull-Fuß­ball seit 2012 und war bis 2018 als Co-Trai­ner in Leip­zig, hat Erfah­rung und Titel gesam­melt, kann her­vor­ra­gend mit Spie­lern umge­hen und steht für die rei­ne Pres­sing-Gegen­pres­sing-Leh­re – also drän­gen­den Red-Bull-Fuß­ball. Den­noch hat er sich unter Tho­mas Tuchel auch wei­ter­ent­wi­ckelt. Ich gehe davon aus, dass RB muti­ger und ziel­stre­bi­ger agiert, wie­der akti­ver gegen den Ball spielt und viel­leicht zur Vie­rer­ket­te zurück­kehrt. Zudem ist Löw ein unheim­lich offe­ner und sym­pa­thi­scher Typ, dem die Her­zen zuflie­gen.

Was waren denn zuletzt die Stär­ken und Schwä­chen Leip­zigs?

Stär­ken: An guten Tagen stand die Abwehr kom­pakt; die Tor­hü­ter Peter Gulacsi, der bereits 13 wei­ße Wes­ten in der Liga hat, und Maar­ten Van­de­vo­or­dt agie­ren sta­bil. Schwä­chen: Den Leip­zi­gern ging teil­wei­se jeg­li­cher Plan mit dem Ball ab, das Über­gangs­spiel war eine Kata­stro­phe und die Stür­mer wur­den kaum in Sze­ne gesetzt. Der Mann­schaft, die viel zu vie­le form­schwa­che Spie­ler hat, fehl­te es an Struk­tur und Wider­stands­fä­hig­keit. Der Fuß­ball war phleg­ma­tisch, bie­der und unat­trak­tiv, ein abso­lu­ter Absturz in die Mit­tel­mä­ßig­keit.

Der VfB zeig­te zuletzt schwan­ken­de Leis­tun­gen, hat aber auch seit Mit­te Febru­ar kein Spiel mehr gewon­nen. Wie schätzt Du die Kräf­te­ver­hält­nis­se bei­der Teams ein?

Ich sehe den VfB stär­ker als RB zuletzt, weil die Stutt­gar­ter viel mehr Sub­stanz hin­sicht­lich der Spiel­kul­tur haben. Doch der Effekt des Trai­ner­wech­sels ist nicht zu unter­schät­zen. Löw kann die­se Befrei­ung durch eine ande­re Anspra­che und Ener­gie sowie eini­ge tak­ti­sche Anpas­sun­gen durch­aus bewir­ken.

Zum Abschluss: Dein Tipp für Auf­stel­lung und Ergeb­nis?

Gulacsi (Van­de­vo­or­dt) – Geer­trui­da (Baku), Orban, Luke­ba (Bit­shia­bu), Raum – Sei­wald, Hai­dara (Ver­mee­ren) – Baum­gart­ner, Xavi Simons – Ses­ko, Open­da.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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