Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit dem FC Basel-Podcast Yynedruggt

Am zwei­ten Spiel­tag der Euro­pa League geht es für den VfB zum FC Basel 1893. Wie es für den Schwei­zer Dou­ble­si­e­ger aktu­ell läuft und was die Ver­ei­ne außer dem Grün­dungs­jahr noch ver­bin­det, dar­über haben wir mit Patri­ce und Michel vom FCB-Pod­cast Yyne­druggt gespro­chen.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo und vie­len Dank, dass Ihr Euch Zeit für unse­re Fra­gen nehmt. Stellt Euch und Euren Pod­cast doch bit­te kurz vor.

Yyne­druggt: Wir sind Michel und Patri­ce vom Pod­cast “yyne­druggt” was Basel­deutsch ist und für “rein­ge­drückt” steht. Wir sind ein rei­ner Fan-Pod­cast und bespre­chen wöchent­lich die The­men rund um unse­ren FCB. Auf unse­rer web­site könnt ihr ger­ne mehr über uns per­sön­lich lesen und nach­schau­en wie der Pod­cast ent­stan­den ist.

Der FC Basel ist nach acht Jah­ren wie­der Meis­ter und nach sechs Jah­ren wie­der Cup-Sie­ger gewor­den. Wie groß ist die Freu­de in Basel über die Rück­kehr an die Spit­ze, die lan­ge die Kon­kur­renz aus Bern inne­hat­te?

Wie bereits von euch rich­tig recher­chiert, hat­te der FCB eine lan­ge Durst­stre­cke hin­ter sich. Aus unse­rer Sicht längst über­fäl­lig und doch nicht selbst­ver­ständ­lich. In den letz­ten Jah­ren muss­ten die Fans unten durch, vor allem auf­grund der Ära Bern­hard Bur­ge­ner (2017–2021). Die­ser über­nahm den Ver­ein nach der erfolg­reichs­ten Zeit des FCB in den 2010er Jah­ren im Jahr 2017. Mit hirn­ris­si­gen Vor­stel­lun­gen und per­so­nel­len Ent­schei­dun­gen hat­te er den Ver­ein innert weni­gen Jah­ren an den Abgrund gewirt­schaf­tet. Zum Glück über­nahm David Degen den Ver­ein. Mit kla­ren Füh­rungs­ma­nage­ment was nicht immer beliebt war, konn­te er vie­les wie­der gera­de bie­gen und in die rich­ti­ge Bah­nen len­ken.

Der sport­li­che Miss­erfolg war in Basel durch­aus zu spü­ren. Die Young Boys hat­ten uns den Rang abge­lau­fen und man frag­te sich wann dies wie­der ein Ende fin­den wür­de. Ein klei­ner Hoff­nungs­schim­mer war als der FC Zürich 2022 die Dau­er­meis­ter­schaft der Ber­ner bre­chen konn­te. Da war die Hoff­nung wie­der spür­ba­rer und die Mei­nung “jetzt müs­sen wir wie­der” kam auf. Aus unse­rer Sicht war dort die Mann­schaft noch nicht so weit und wir hat­ten x Leih­spie­ler wel­che den Ver­ein nach einem Jahr wie­der ver­las­sen hat. So konn­te kei­ne Kon­stan­te in der Mann­schaft erkannt wer­den und die jun­gen Spie­ler, die wir hat­ten, nutz­ten vor allem das inter­na­tio­na­le Schau­fens­ter, wel­ches im Con­fe­rence League-Halb­fi­na­le mün­de­te. Eini­ge Spie­ler wel­che Teil davon waren sind Zeki Amdouni, Dan Ndoye, Wou­ter Bur­ger (TSG Hof­fen­heim), Andy Diouf oder Ric­car­do Cala­fio­ri.

Für vie­le Fans gibt es zwei her­vor­ste­chen­de Namen für das Zurück­ho­len der Meis­ter­schaft. Zum einen Sport­di­rek­tor Dani­el Stucki wel­cher ein guter Gegen­pol zu David Degen ist. Sei­ne Arbeit wird hoch ange­se­hen und er wird eigent­lich her­vor­ge­ho­ben wenn es dar­um geht, dass man end­lich eine star­ke und kon­stan­te Mann­schaft zusam­men­stel­len konn­te. Das ein­zi­ge was man Stucki bis­her ankrei­den kann, ist die Ver­stär­kung im Sturm-Zen­trum. Man hol­te Brosch­in­ski vom VfL Bochum, er über­zeugt aber über­haupt nicht. Ansons­ten war es ein guter Trans­fer­som­mer, lei­der wur­de das Kader zu spät zusam­men­ge­stellt. Wir hät­ten ja noch die Chan­ce gehabt auf Cham­pi­ons League, ver­lo­ren da aber bei­de Spie­le gegen Kopen­ha­gen. Lei­der ist das als FCB auch schwie­rig da wir in der Nah­rungs­ket­te noch­mals unter bei­spiels­wei­se euch ste­hen und erst gegen Ende einer Trans­fer­pe­ri­ode den Kader voll­enden kön­nen. Schön anzu­se­hen war es, dass vie­le Leis­tungs­trä­ger geblie­ben sind und nicht das erst­bes­te Ange­bot ange­nom­men hat.

Der ande­re Name ist Xher­dan Shaqi­ri. Wer sonst? Er hat­te nach ein paar Spie­len mit Start­schwie­rig­kei­ten eine unglaub­li­che Sai­son. Ich den­ke da seid ihr auch schon infor­miert. Er war der Game­ch­an­ger in sehr vie­len Spie­len.

Aktu­ell ran­giert der FCB auf Platz 5, am Wochen­en­de gab es eine Nie­der­la­ge gegen Luzern, auch in die Euro­pa League star­te­te man mit einer Nie­der­la­ge in Frei­burg. Wie fällt Euer Fazit des Sai­son­starts unter unse­rem ehe­ma­li­gen Meis­ter­spie­ler Ludo­vic Magnin aus?

Lei­der war der Sai­son­start 25/26 nicht so ganz wie vor­ge­stellt. Mit Magnin steht ein neu­er Trai­ner an der Sei­ten­li­nie wel­cher einen unse­rer Mei­nung nach span­nen­den und gut­pas­sen­den Spiel­stil ein­bau­en will. Ansät­ze sind auch klar erkenn­bar. Lei­der sieht man zur­zeit öfters tech­ni­sche Män­gel in der Mann­schaft gera­de im Auf­bau­spiel und in der Ideen­fin­dung auf den letz­ten 20 Meter.
Dies hat meh­re­re Grün­de für uns. Zwar ist die Defen­si­ve ziem­lich gleich geblie­ben, jedoch gab es vor­ne eini­ge Ände­run­gen. Der Abgang von Leon Avdul­la­hu ist deut­lich spür­bar, wel­cher ein klas­se Auf­bau­spie­ler war und mit sei­nen prä­zi­sen Päs­sen im Spiel fehlt. Auch gab es Rota­ti­on in der Offen­si­ve mit Salah/Agbonifo (Flü­gel) und Moritz Brosch­in­ski (sehr schwach) sieht man, dass gewis­se Zahn­rä­der noch nicht in ein­an­der grei­fen.

Ein gros­ser Punkt wel­cher das Umfeld um den FCB spürt: Die Dop­pel­be­las­tung ist in Basel wie­der zurück und dies merkt man. Letz­tes Jahr konn­te sich voll auf die Meis­ter­schaft kon­zen­triert wer­den, das ist die­se Sai­son nicht mehr so.

Wie wur­den denn eigent­lich die Lose Frei­burg und Stutt­gart auf­ge­nom­men bei Euch?

Die Duel­le mit dem VfB und dem SCF waren gemein­sam mit Aston Vil­la die High­lights der Aus­lo­sung.

Zum Spiel: Xher­dan Shaqi­ri ist mit vier Tref­fern bes­ter Tor­schüt­ze bei Euch. Vor wem müs­sen wir uns noch in acht neh­men?

Spe­zi­ell ein Auge wür­de ich das Duo Shaqiri/Otele haben. Dies har­mo­nier­ten (eigent­lich noch mit Trao­re) letz­te Sai­son extrem Stark. Ote­le erziel­te auch einen sehens­wer­ten Tref­fer gegen Frei­burg. Shaq glänzt mit gefähr­li­chen Stan­dard-Situa­tio­nen und unglaub­li­chen Päs­sen. Ote­le durch sein Tem­po und 1gg1 Situa­tio­nen. Euer ehe­ma­li­ge Spie­ler Moussa Cis­se hat einem schwe­ren Stand da er hin­ter Domi­nik Schmid kaum Ein­satz­zeit bekommt. Falls er spielt, fällt er mit sei­nem Offen­siv­drang auf.

Wo sind die Stär­ken und Schwä­chen des FCB?

Die größ­te Bau­stel­le aktu­ell ist die Chan­cen­aus­wer­tung. Unse­re Stür­mer Aje­ti & Brosch­in­ski machen zu wenig aus den Chan­cen. Gera­de Brosch­in­ski hat­te einen schwa­chen Start. Auch fal­len gera­de wich­ti­ge Spie­ler wie Beni Trao­re und Keigo Tsu­ne­mo­to aus.

Es war zu lesen, dass sich vie­le VfB-Fans auch außer­halb des Gäs­te­blocks mit Kar­ten ver­sorgt haben. Wie blickt man in Basel auf die­sen Umstand?

Aus Bas­ler-Sicht lei­der, aus VfB umso gei­ler: wir haben zu wenig Tickets ver­kauft. Wir erwar­ten eine rot-wei­ße Schwa­ben-Inva­si­on im Jog­ge­li. Grund dafür sind die Ticket­prei­se. Im Packa­ge sind die Prei­se für alle vier Spie­le knapp ertrag­bar aber die Ein­zel­spie­le sind ein­fach zu teu­er. Ich den­ke dies ist der Haupt­grund das vie­le Stutt­gar­ter an Tickets neben dem Gäs­te­sek­tor ran­ka­men.

Trotz­dem freu­en wir uns sehr auf die­ses Spiel gegen einen der größ­ten deut­schen Ver­ei­ne und hei­ßen euch ger­ne im Jog­ge­li will­kom­men. Übri­gens ist der St.-Jakob-Park logi­scher­wei­se das schöns­te aber auch das größ­te Sta­di­on der Schweiz mit einer Kapa­zi­tät von 38 512.

Für vie­le VfB-Fans ist es das ers­te Aus­wärts­spiel in Basel, das letz­te Auf­ein­an­der­tref­fen fand vor fast 50 Jah­ren im Sep­tem­ber 1978 stand. Was könnt Ihr uns sonst noch über den St.-Jakob-Park erzäh­len und habt Ihr für den Auf­ent­halt in Basel einen Geheim­tipp?

In die­sem Jahr gab es aber schon eini­ge  Ände­run­gen wel­che vor allem auf Unmut bei der Fan­ge­mein­schaft stie­ßen: Ers­tens Rauch­frei im Jog­ge­li. Klar jeden Nicht­rau­cher stört es weni­ger, die Rau­cher umso mehr. Jedoch darf in den Sta­di­on-Gän­gen geraucht wer­den, nur am Platz nicht mehr. Zwei­tens die LED Ban­de. Die neue dop­pel­te LED Ban­de kos­te­te eini­ge Plät­ze im den ers­ten Rei­hen im Sek­tor C (Haupt­tri­bü­ne). In der Bun­des­li­ga glau­be ich gang und gäbe aber in der Schweiz etwas neu­es. Häss­lich anzu­se­hen und viel zu hell am Leuch­ten. Drit­tens die häss­li­chen grau­en Sit­ze für die geho­be­ne Gesell­schaft. Seit der Womans Euro gab es die­se im Sek­tor A (Pres­se und Loge). Ein­fach nicht pas­send zum rest­li­chen Sta­di­on.

Trotz­dem kann das Jog­ge­li zum Hexen­kes­sel wer­den, wo schon vie­le inter­na­tio­na­le Top-Teams ins Stol­pern gera­ten sind! Die Mut­tenz­erkur­ve ist ein­zig­ar­tig und bril­liert durch melo­di­sche Gesän­ge, wie aber auch durch Wucht und uner­müd­li­cher Laut­stär­ke. Da sind wir auch gespannt, uns mit der Cannstat­ter Kur­ve ein Duell auf den Rän­gen zu lie­fern.

Schaut ger­ne in unse­re schö­ne Alt­stadt rein. Ein Mix aus alter Archi­tek­tur mit Charm und Flair aber moder­nem Touch und Infra­struk­tur. Bei gutem Wet­ter emp­feh­len wir eine kur­ze Fahrt mit einer der Fäh­ren wel­che über den Rhein fah­ren. Die­se ver­bin­den das Gross- und das Klein­ba­sel.
Auf der Gross­bas­ler-Sei­te fin­det man das Müns­ter sowie das Rat­haus wel­che nur ein paar Geh­mi­nu­ten ent­fernt von­ein­an­der sind. Des wei­te­ren gibt es vie­le Ein­kaufs­lä­den, ver­steck­te Gas­sen und diver­se Muse­en. Dies zieht sich im Klein­ba­sel wei­ter, wo aber vor allem ein Spa­zier­gang am Rhein ein abso­lu­tes High­light ist. Für den klei­nen Durst mit schö­nem Blick auf den Rhein fin­det sich immer eine “Buvet­te” oder sonst ein klei­nes Café.
Es emp­fiehlt sich nicht nur an den gro­ßen Stra­ßen zu lau­fen son­dern bei­spiels­wei­se den Spa­len­berg (hat nichts mit Wan­dern zu tun) hin­auf­zu­ge­hen und dort auch in die ver­win­kel­ten Gas­sen zu bli­cken.

Was ist Euer Tipp für Start­elf und Ergeb­nis?

Die Start­elf wir wahr­schein­lich fol­gen­der­ma­ßen aus­se­hen:

For­ma­ti­on 4231

Hitz

Rüegg — Adjet­ey — Bari­sic — Schmid
Leroy — Met­in­ho
Ote­le       —       Shaqi­ri      —       Salah
Aje­ti

Die Hoff­nung etwas Zähl­ba­res zu holen ist logi­scher­wei­se da. Auch beim Anpfiff noch. Wir müs­sen aber rea­lis­tisch betrach­tet ein­se­hen, dass es schwie­rig wird, einen oder geschwei­ge drei Punk­te zu holen. Ich per­sön­lich sehe den VfB spie­le­risch noch­mal bes­ser als Frei­burg. Trotz­dem müs­sen wir eine Reak­ti­on zei­gen nach der ers­ten Nie­der­la­ge in Frei­burg. Genau das macht uns den­ke ich gefähr­lich und unbe­re­chen­ba­rer.
Unse­re Hoff­nung: Ein 2:1 Heim­sieg
Unse­re Befürch­tung 1:3 für den VfB

Titel­bild: © Gabrie­le Maltinti/Getty Images

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