Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Bern-Fan Thimo

Das Euro­pa-League-Liga­pha­se-End­spiel steht an und zu Besuch kommt ein alter Bekann­ter. Mit dem BSC Young Boys kommt ein Team, wel­ches das eige­ne Aus­schei­den ver­hin­dern will. Wie es bei den YB’­lern aus­sieht ver­rät uns Thi­mo.

Rund um den Brust­ring: Wie bewer­test Du die Sai­son inter­na­tio­nal sowie natio­nal?

Mini­on: Natio­nal eine abso­lu­te Ent­täu­schung. Man ist extrem inkon­stant und krieg­te irgend­wie nie einen Umschwung hin. Im Cup ist man auch ent­täu­schend am unter­klas­si­gen FC Aar­au geschei­tert. Inter­na­tio­nal ist es eigent­lich von der Punk­te­aus­beu­te her, so wie man es sich erwar­ten konn­te. Ein­zig die hohen Nie­der­la­gen gegen Pan­athi­nai­kos und PAOK waren ent­täu­schend.

Vor zwei Jah­ren wirk­te es so, als wür­de YB den FC Basel als Num­mer 1 in der Schweiz ablö­sen, jetzt liegt man im obe­ren Mit­tel­feld. Wor­an liegt das?

Da gibt es vie­le Grün­de. Es war ein schlei­chen­der Pro­zess. Eigent­lich begann der sport­li­che Rück­gang schon in den letz­ten zwei Meis­ter-Jah­ren — klingt dumm aber ist so… Haupt­säch­lich liegt es an der feh­len­den Ent­wick­lung der Ein­zel­spie­ler die aktu­ell im Team ste­hen. Talent haben alle und deu­ten dies auch immer wie­der an. Aber meist sind es halt Spie­ler, wel­che die Schweiz als Umweg sehen und auch dem­entspre­chend spie­len und halt auch mehr für ihre eige­ne Kar­rie­re spie­len, als im Team. Eben­falls ist ein Mit­grund, dass zah­lungs­kräf­ti­ge­re aus­län­di­sche Ligen in der Schweiz stär­ker scou­ten und die Schwei­zer Mann­schaf­ten ihre Spie­ler aus Kon­kur­renz­grün­den nicht mehr an YB oder Basel abge­ben wol­len — außer ihnen bleibt aus Ver­trags­grün­den nichts ande­res übrig. Das führt halt dazu, dass man deut­lich mehr Risi­ko ein­ge­hen muss bei Trans­fers und die­se halt zu deut­lich spä­te­ren Zeit­punk­ten pas­sie­ren. Spie­ler die uns direkt wei­ter­hel­fen könn­ten, krie­gen halt auch Ange­bo­te aus bes­ser­ge­stell­ten Ligen. Aber natür­lich ist auch ein Eigen­ver­schul­den der sport­li­chen Füh­rung ein Haupt­grund. Man hat schlicht zu vie­le Spie­ler falsch ein­ge­schätzt und als “Lea­der-Figu­ren” gese­hen, die sie ein­fach nicht sind.

Mit 45 Gegen­to­ren hat man die zweit­schwächs­te Defen­si­ve der Schwei­zer Liga, wor­an liegt das?

Auch da gibt es wohl sehr vie­le Punk­te. Einer­seits wie­der die Fehl­ein­schät­zung und auch Fehl­pla­nung der sport­li­chen Füh­rung. Beni­to wur­de vom Links­ver­tei­di­ger zum Innen­ver­tei­di­ger “umge­schult” und war eigent­lich als Stamm-Duo mit Wüth­rich geplant — das Pro­blem ist, dass bei­de ver­let­zungs­an­fäl­lig sind und nicht wirk­lich zusam­men har­mo­nie­ren . Dahin­ter ist der eigent­li­che Sech­ser Lau­per Innen­ver­tei­di­ger Num­mer 3 und Zou­krou als “Talent” die Nr. 4. Die­ser hat sich seit sei­nem Trans­fer im Som­mer 2024 kaum wei­ter­ent­wi­ckelt. Zusätz­lich sind die Abstän­de in der Rück­wärts­be­we­gung zu groß. Das Mit­tel­feld kann die Lücken nicht schlie­ßen und auf den Außen kom­men die Gegen­spie­ler viel zu frei zum Flan­ken.

Und man macht halt weit­aus zu vie­le Feh­ler, sei es Fehl­päs­se in der Vor­wärts­be­we­gung oder Feh­ler in der Staf­fe­lung der Ket­ten. Ein wei­te­rer Grund ist, dass man sich viel zu vie­le rote Kar­ten holt.

Mit Seo­ane kehr­te im Okto­ber zurück in den Wank­dorf­feld­quar­tier. Bist Du zufrie­den mit ihm?

Wenn man jetzt rein auf die Punk­te­aus­beu­te schaut, müss­te man sagen nein. Das Posi­ti­ve an ihm in der aktu­el­len Situa­ti­on ist, dass die sport­li­che Füh­rung nicht mehr dem Trai­ner die Schuld an der sport­li­chen Mise­re geben kann.

Der BSC befin­det sich vor dem letz­ten Liga­spiel­tag noch auf einen Play­off-Platz, hat­te man erwar­tet, dass man am Ende so zit­tern muss, oder ist man ent­täuscht nicht frü­her das Play-Off-Ticket gebucht zu haben?

Die aktu­el­len neun Punk­te sind so das, womit man rech­nen durf­te mit der Aus­wärts­schwä­che von YB, alles ande­re wäre ein Bonus gewe­sen. Des­we­gen ist man dar­über nicht wirk­lich ent­täuscht

YB Muss­te gegen PAOK, Pan­athi­nai­kos, Lyon, Lil­le, Aston Vil­la, Ludo­go­rets sowie gegen FCSB ran und spielt zum Abschluss gegen den VfB Stutt­gart, wie hat man im Vor­feld die­se Geg­ner ein­ge­schätzt?

Ludo­go­rets und FCSB waren aus Sicht der meis­ten “Pflicht­sie­ge”. PAOK und Pan­athi­nai­kos wur­de von vie­len wohl unter­schätzt und ein Drei­er gegen die­se Teams wäre eigent­lich erwart­bar gewe­sen. Gegen die rest­li­chen vier Teams aus den Top 5 Ligen, hoff­te man ein­fach auf Über­ra­schun­gen. Wenn die Spie­le nor­mal lau­fen, geht man eigent­lich stets als Ver­lie­rer vom Platz.

Wie war die Reak­ti­on auf das VfB-Aus­wärts­los?

Glaub die Reak­ti­on der meis­ten dürf­te “Schon wie­der aus­wärts?” gewe­sen sein. Aus dem Topf 4 hät­te man sich natür­lich sport­lich ein­fa­che­re Lose gewünscht oder dann ein Heim­spiel im vol­len Wank­dorf.

Letz­tes Jahr gabs die­ses Duell eben­falls und der VfB gewann mit 5:1. Wie groß ist der Wunsch sich für die­ses Ergeb­nis zu rächen?

Glaub von einer Rache ist bei nie­man­dem die Rede. Nach einer Cham­pi­ons League Sai­son mit 0 Punk­ten und einem Tor­ver­hält­nis von ‑21 hat man das glaub schul­ter­zu­ckend hin­ge­nom­men. Man hat ja auch Fabi­an Rie­der nach dem Spiel noch gefei­ert.

Wie spielt YB? Was sind die Stär­ken und Schwä­chen?

Das ist in die­ser Sai­son eigent­lich die gute Fra­ge. Das YB-Spiel war eigent­lich immer für ein eine hohe Lauf­in­ten­si­tät und ein hohes Pres­sing bekannt. Das wird aber die­se Sai­son kaum (erfolg­reich) ange­wandt. Gegen Lyon und Lil­le war man eher abwar­tend und hat die Räu­me gut zuge­stellt und auf Kon­ter­si­tua­tio­nen spe­ku­liert — wird ver­mut­lich auch heu­te wie­der der Fall sein. Wenn man Stär­ken hat, dann eigent­lich vor allem in der Offen­si­ve. Das Kre­ieren von Chan­cen und die Chan­cen­ver­wer­tung war rela­tiv gut, hat aber in letz­ter Zeit nach­ge­las­sen, da das Selbst­ver­trau­en, die Genau­ig­keit und die Absi­che­rung fehlt. Die ganz gro­ße Schwä­che ist halt das Defen­siv­spiel. Vie­le Lücken, Feh­ler, schlech­te Staf­fe­lung, man ist häu­fig einen Schritt zu spät, gewinnt kaum zwei­te Bäl­le. Man spielt vie­le Fehl­päs­se und die Ball­an­nah­men miss­lin­gen in letz­ter Zeit häu­fig, was zu vie­len Kon­ter­si­tua­tio­nen (und Gegen­to­ren) führt.

Wer sind dei­ne play­ers to watch bei YB?

Alvyn San­ches und Vir­gi­ni­us sind die 2 viel­ver­spre­chends­ten Spie­ler im Kader. Bei­de kön­nen mit ihrer Schnel­lig­keit, Wen­dig­keit und den Fer­tig­kei­ten am Ball Chan­cen kre­ieren.

Wie sieht die Per­so­nal­si­tua­ti­on bei den Ber­ner Young Boys aus?

Had­jam als links Ver­tei­di­ger fehlt seit dem Afri­ka Cup ver­let­zungs­be­dingt. Am letz­ten Wochen­en­de hat sich der Ryan Andrews im Kantons-“Derby” das Kreuz­band geris­sen. Dazu fällt der Lang­zeit­ver­letz­te Faci­n­et Con­te aus und Ebri­ma Col­ley dürf­te auch ver­letzt feh­len. Gesperrt dürf­te nie­mand sein.

Zum Abschluss, dein Tipp für das Spiel?

Opti­mis­tisch ein 2:1 für Stutt­gart. Realistisch/Pessimistisch wird’s ver­mut­lich ein 4–0.

Vie­len Dank!

Titel­bild: © Juli­an Finney/Getty Images

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