Fast wie von selbst

Wenn der ein­zi­ge gefähr­li­che Tor­schuss des Geg­ners ein zwei­fel­haf­ter und schlecht geschos­se­ner Elf­me­ter ist und die­ser eines von drei Toren selbst erzielt, dann gibt es für den VfB wirk­lich nicht viel zu tun. Über ein ent­spann­tes Aus­wärts­spiel.

Sieht man die Nie­der­la­ge in Rom am Don­ners­tag als schwe­re und dann auch noch erfolg­lo­se Arbeit an, bei der man für sei­ne Feh­ler gna­den­los bestraft wur­de, dann war das fol­gen­de Gast­spiel am Nie­der­rhein so etwas wie eine Well­ness-Kur für die Spie­ler im roten Brust­ring. Nicht mal Alex Nübel, des­sen Leis­tung ich damit nicht schmä­lern möch­te, muss­te sich nach dem so schlecht geschos­se­nen wie in der Ent­ste­hung lächer­li­chen Elf­me­ter von Haris Taba­ko­vic wirk­lich stre­cken. Sei­ne Mit­spie­ler lie­ßen zwar den Ball immer wie­der gut lau­fen oder hol­ten ihn sich durch gute Mit­tel­feld­zwei­kämp­fe zurück, spiel­ten aber so lan­ge rela­tiv feh­ler­be­haf­tet nach vor­ne, bis die Haus­her­ren ein Nach­se­hen hat­ten und Jamie Lewe­ling den Ball zur mehr als ver­dien­ten Füh­rung auf­leg­ten. Den zwei­ten Tref­fer mach­te Joe Scal­ly nach einer Ecke ver­se­hent­lich mit dem Rücken gleich sel­ber rein und ver­schaff­te damit der Ecken­sta­tis­tik des VfB einen uner­war­te­ten Höhe­punkt. Da hat­te Sebas­ti­an Hoe­neß von der bis­lang knap­pen Füh­rung längst genug gese­hen und Füh­rich und Undav ein­ge­wech­selt, spä­ter noch El Khan­nouss und Mit­tel­städt, also gleich vier Natio­nal­spie­ler. Füh­rich trat die Ecke zum 2:0, Undav mach­te in sei­ner unnach­ahm­li­chen Art das 3:0, inklu­si­ve Bot­schaft an Medi­en und Umfeld.

Um es kurz zu machen: Die Borus­sia mach­te es dem VfB extrem leicht, ein domi­nan­tes Spiel auf­zu­zie­hen. Oder war der VfB so domi­nant, dass die Foh­len schlicht kei­ne Chan­ce hat­ten? Viel­leicht ein biss­chen von bei­dem, denn beson­ders die Tref­fer von Lewe­ling und Undav zeu­gen natür­lich von der Durch­set­zungs­fä­hig­keit und der Über­zeu­gung, das Spiel gewin­nen zu wol­len und zu kön­nen. Die nahe­zu tadel­lo­se Abwehr­leis­tung trotz man­chem unnö­ti­gen Ball­ver­lust im Mit­tel­feld soll­te man auch nicht gering­schät­zen, schließ­lich spiel­te Alex Nübel schon zum sieb­ten Mal in die­ser Spiel­zeit zu Null. Und schließ­lich soll­te man auch nicht ver­ges­sen, dass der VfB eben aus einer eng­li­schen Woche kam mit zwei Geg­nern, die extrem anstren­gend zu bespie­len waren, wäh­rend die Borus­sia mehr Zeit zur Rege­ne­ra­ti­on hat­te. Alles rich­tig und den­noch muss man fest­hal­ten, dass das Spiel in Glad­bach vor allem gut für den Kopf und das Punk­te­kon­to war. Denn eine Nie­der­la­ge in Glad­bach hät­te nach der Plei­te in Rom trotz guter Leis­tung den Druck vor den kom­men­den Spie­len wie­der erhöht. Es war ein Pflicht­sieg, aber auch die muss man erst­mal ein­fah­ren.

Mehr Chancen im Strafraum

Unterm Strich gibt es an einem 3:0‑Auswärtssieg eigent­lich wenig zu monie­ren, son­dern nur zu erin­nern, dass wir uns noch mehr Chan­cen erar­bei­ten müs­sen, um zu unse­ren Toren zu kom­men. Vor der Pau­se hat­te Glad­bach, natür­lich wegen des ver­schos­se­nen Elf­me­ters, sogar einen höhe­ren expec­ted goals-Wert als der VfB, obwohl die­ser drü­ckend über­le­gen war. Nach dem Wech­sel zeig­te die Hoe­neß-Elf mehr Druck aufs Tor und kam zu meh­re­ren Abschlüs­sen im Straf­raum. Das war natür­lich gegen eine zer­fal­len­de Foh­len­mann­schaft etwas leich­ter als gegen die abwehr­stärks­te For­ma­ti­on der Serie A oder die gelern­ten Mau­rer aus Köpe­nick. Aber es hat eben auch etwas mit Auf­wand, Mut und Prä­zi­si­on zu tun. In Glad­bach konn­ten es sich die VfB-Spie­ler erlau­ben, in Pres­sing zu drib­beln, weil sie wuss­ten, dass sie so gut wie alle Gegen­an­grif­fe wür­den abfan­gen kön­nen. Die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit fehl­te in Rom und gegen Uni­on und führ­te zu der zu beob­ach­ten­den Unschlüs­sig­keit und Umständ­lich­keit in der Offen­si­ve.

Schie­fe Tabel­le wegen der sich teil­wei­se bis in den März (!) zie­hen­den Nach­hol­spie­le hin oder her: Der VfB hat sei­ne Haus­auf­ga­ben gemacht und kann das am Don­ners­tag zu Hau­se gegen Bern wie­der­ho­len. YB kämpft zwar sel­ber noch um den Ver­bleib in der Euro­pa League, steht aber in der hei­mi­schen Liga auch nur auf dem sechs­ten von zwölf Plät­zen und muss zudem auf­grund der kom­plett bescheu­er­ten Kol­lek­tiv­stra­fen der UEFA ohne ihren beim letz­ten Auf­ein­an­der­tref­fen doch recht stimm­ge­wal­ti­gen Anhang antre­ten. Für den VfB eine gute Gele­gen­heit, lang­sam wie­der hoch­zu­fah­ren, denn gegen Frei­burg, die mit einem Bein im Ach­tel­fi­na­le ste­hen und in den kom­men­den Wochen in den nicht aus­zu­schlie­ßen­den Play­offs wer­den wir wie­der mehr Biss benö­ti­gen — vom Pokal-Vier­tel­fi­na­le ganz zu schwei­gen. Aber so eine klei­ne Aus­zeit zwi­schen­durch ist ja auch nicht zu ver­ach­ten.

Titel­bild: © Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

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