Heute ein König

Der VfB siegt deut­lich bei den Go Ahead Eagles und klet­tert in der Euro­pa League-Tabel­le wei­ter nach oben. Die Gast­ge­ber waren indes nicht nur mit der Effi­zi­enz der Brust­ring­trä­ger über­for­dert.

Das sind doch eigent­lich die Aus­wärts­spie­le, wie Du sie liebst: Klei­nes enges Sta­di­on, alle gegen Dich und dann zau­bert Dei­ne Mann­schaft einen Aus­wärts­sieg auf den Rasen, der kei­ne Dis­kus­sio­nen zulässt, wäh­rend Du im Gäs­te­block aus­ge­las­sen fei­erst. So hät­te es auch in Deven­ter sein kön­nen, am Ende stimm­te im fünf­ten Euro­pa-League-Spiel der Sai­son nur das Ergeb­nis. Lei­der waren weder Geg­ner, noch Sta­di­on, noch Stadt in der Lage, die­sem Euro­pa­po­kal­spiel einen ange­mes­se­nen Rah­men zu bie­ten.

Die bei­den teils sehens­wer­ten, teils kurio­sen Tref­fer von Jamie Lewe­ling bekam ich immer­hin noch zu sehen, beim Anpfiff aber steck­te ich gera­de im ein­zi­gen Dreh­kreuz, wel­ches den Ein­lass zum Gäs­te­block regu­lier­te — und dass, obwohl ich mich an die lächer­li­chen Auf­la­gen gehal­ten hat­te, die Möch­te­gern-König Ron von Deven­ter (jaja, ich weiß, no jokes with names, aber der lag auf dem Elf­me­ter­punkt) erlas­sen hat­te: Ich war zum Fan-Park­platz am Stadt­rand gefah­ren und nach einer hal­ben Stun­de War­ten mit dem Shut­tle-Bus zum Fab-Treff­punkt gefah­ren. Die Innen­stadt zu betre­ten, war mir als VfB-Fan ja ver­bo­ten. Ohne Anlass ein­fach so,

Shuttle hin, Shuttle her

Danach hat­te ich, wie alle ande­ren ca. 500 VfB-Fans mei­nen Vou­ch­er gegen ein Ticket umge­tauscht, aber nicht, bevor ich nicht am Ein­lass in eine Braue­rei, in der sich nur VfB-Fans auf­hiel­ten, aufs genau­es­te abge­tas­tet wur­de — kri­tisch beäugt von nie­der­län­di­schen Poli­zis­ten die mit ihren run­den Schil­dern aus­sa­hen, als hät­te am Don­ners­tag in Deven­ter noch ein Mit­tel­al­ter-Spek­ta­kel statt­ge­fun­den. Anschlie­ßend blieb ich ein­ge­sperrt auf dem Gelän­de der Braue­rei — das anlass­lo­se Innen­stadt­ver­bot galt ja wei­ter­hin — und war­te­te dar­auf, dass uns erneut ein Shut­tle-Bus zum Sta­di­on brin­gen soll­te.

Erhei­ternd wur­de es kurz, als es hieß, dass die­se Bus­se nur den Fans im Gäs­te­block zur Ver­fü­gung stün­den und dass die Fans auf der Haupt­tri­bü­ne, dass Innen­stadt­ver­bot miss­ach­tend, durchs mitt­ler­wei­le dunk­le Deven­ter zum Sta­di­on lau­fen soll­ten. Am Ende füh­ren sie wohl wie wir einen rie­si­gen Umweg, gefühlt bis fast an die deut­sche Gren­ze, bevor die Shut­tle-Bus­se eine Vier­tel­stun­de vor Anpfiff end­lich am Sta­di­on anka­men. Die Anfahrt so desas­trös zu orga­ni­sie­ren ist das eine — die Leu­te bei der Abfahrt aber über eine Stun­de hin den Bus­sen am Sta­di­on war­ten zu las­sen, ist nur noch unwür­dig.

Gestutzte Adler

Dazwi­schen mach­te der VfB kur­zen Pro­zess mit der Heim­mann­schaft und stutz­te den Adlern so gehö­rig die Flü­gel, dass die sich irgend­wann nur noch mit wüs­ten Belei­di­gun­gen zu hel­fen wuss­ten. Bezeich­nend, wie der Ball zum 2:0 ins Tor kul­ler­te, wie Deniz Undav ohne Pro­ble­me Bil­al El Khan­nouss das 3:0 auf­le­gen konn­te und wie ein­fach Badre­di­ne Bouana­ni zu sei­nem zwei­ten Euro­pa­po­kal-Tor für den VfB kam. Deven­ter deu­te­te zwar mit hohem Anlau­fen und Pres­sing an, wie sie hät­ten gefähr­lich wer­den kön­nen, so rich­tig wur­de aber nicht deut­lich, wie Aston Vil­la und zuletzt Feye­noord hier hat­ten ver­lie­ren kön­nen. Der VfB press­te ein­fach sel­ber hoch und über­töl­pel­te so die hei­mi­sche Abwehr. So fie­len selbst die eige­nen klei­ne­ren Unsi­cher­hei­ten nicht ins Gewicht. Und mit nun­mehr neun Punk­ten bei noch zwei Heim­spie­len haben wir aller­bes­te Chan­cen, auch nach dem Janu­ar noch­mal inter­na­tio­nal aus­wärts fah­ren zu kön­nen.

Wobei man sich lang­sam fra­gen muss, ob es das wert ist (ist es natür­lich) und damit zurück zum klei­nen König aus der klei­nen Stadt. Hat­te er vor dem Spiel noch voll­mun­dig ange­kün­digt, dass man sich auf ein tol­les Fuß­ball­spiel freue, zie­hen sei­ne behörd­li­chen Anord­nun­gen, die­ses Gere­de kom­plett ins Lächer­li­che. Was auch immer beim kon­trol­lier­ten Ein­lass in die Braue­rei (!) vor­ge­fal­len sein mag — ich war nicht dabei: Offen­sicht­lich war es dem König und sei­nem Hof­staat nie ein Anlie­gen, Gäs­te zu einem Fuß­ball­fest zu emp­fan­gen. Denn Gäs­te­bus­se bereits an der Auto­bahn abzu­fan­gen und dann nach einem Vor­fall pau­schal der Stadt zu ver­wei­sen, hat nichts mit Gast­freund­lich­keit zu tun — eben­so­we­nig wie das von Alex­an­der Wehr­le beschrie­be­ne und mehr­fach fest­ge­hal­te­ne Ver­hal­ten der ört­li­chen Poli­zei (die mit den Mit­tel­al­ter-Schil­dern).

Freier Knüppel per Notverordnung

An die­ser Stel­le mal viel Respekt an unse­ren CEO, den ich ja bei wei­tem nicht unkri­tisch sehe. Aus der sonst in der Bran­che ver­brei­te­ten Funk­tio­närs­kum­pe­lei aus­zu­bre­chen und — nicht zum ers­ten Mal — die Miss­hand­lung von Fans deut­lich anzu­spre­chen, ist wich­tig und rich­tig. Wäh­rend Feye­noord-Fans in Stutt­gart sogar ein Bier­gar­ten auf­ge­macht wur­de und sie zum Dank einen Busch abfa­ckel­ten und den Gäs­te­block aus­ein­an­der bau­ten, sind Aus­wärts­spie­le in Euro­pa für VfB-Fans regel­mä­ßig Spieß­ru­ten­läu­fe, die einem den Spaß am Rei­sen und Fuß­ball­schau­en ordent­lich ver­mie­sen.

Ange­sichts der Leis­tun­gen der Eagles dürf­ten wir Deven­ter so schnell nicht mehr besu­chen müs­sen. Denn die Stadt und ihr Ober­haupt sind offen­bar nicht in der Lage, ein Euro­pa­po­kal-Spiel aus­zu­rich­ten. Ich weiß nicht, ob König Ron dem glei­chen Sicher­heits­fe­ti­schis­mus frönt wie die deut­schen Innen­mi­nis­ter oder ob er mit der Orga­ni­sa­ti­on sei­ner Stadt schlicht über­for­dert ist. Aber neben dem Innen­stadt­ver­bot ist eine Ver­ord­nung, die auf Ver­mu­tun­gen der Poli­zei basiert, “dass es im Zusam­men­hang mit dem Fuß­ball­spiel Go Ahead Eagles – VfB Stutt­gart zu schwe­ren Stö­run­gen der öffent­li­chen Ord­nung und Sicher­heit kom­men könn­te” und die der Poli­zei das Recht ein­räumt, “sofort gegen Per­so­nen vor­ge­hen, die sich im Rah­men des Fuß­ball­spiels auf der Stra­ße auf­hal­ten und den Anwei­sun­gen der Poli­zei nicht Fol­ge leis­ten”, nur schwer mit dem Gedan­ken eines frei­zü­gi­gen Euro­pa zu ver­ein­ba­ren. Aber viel­leicht ist Deven­ter ja in Wirk­lich­keit eine ver­kapp­te Mon­ar­chie, wo der König tun und las­sen kann, was er will. Dass das Ver­hal­ten der Behör­den Kon­se­quen­zen sei­tens der UEFA nach sich zieht darf ohne­hin bezwei­felt wer­den.

Die wah­ren Köni­ge von Deven­ter tra­gen ohne­hin einen Brust­ring.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass fasst zusam­men: “Sport­lich nicht mehr als ein Spar­rings­part­ner, atmo­sphä­risch ohne jeden Respekt, orga­ni­sa­to­risch unter aller Sau. Alle in Deven­ter waren mit dem Spiel gegen den VfB über­for­dert.”

Titel­bild: © Rund um den Brust­ring

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