Happier End

Der VfB krönt mit dem ers­ten Aus­wärts­sieg in Leip­zig sei­nen Liga-Schluss­spurt und kann mit brei­ter Brust ins Pokal­fi­na­le gehen. Nicht nur der Kopf, son­dern auch die Bei­ne schei­nen bereit zu sein für das gro­ße Spiel.

Auf Platz 9 lau­fen die Brust­ring­trä­ger über die Ziel­li­nie die­ser Bun­des­li­ga-Sai­son. Mehr Mit­tel­maß als die­ser ers­te Tabel­len­platz der obe­ren Tabel­len­hälf­te geht eigent­lich gar nicht. Wer aber in fer­ner Zukunft beim Blick auf die Abschluss­ta­bel­le 2024/2025 eine lang­wei­li­ge Sai­son in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­mu­tet, könn­te sich nicht mehr irren: Die Mann­schaft flog erst ziem­lich hoch, stand im Win­ter auf einem Cham­pi­ons-League-Platz, ging dann in den Sink­flug, arbei­te­te sich aber zum Sai­son­ende wie­der zurück nach oben. Nach zwei zu-Null-Sie­gen gegen Kon­kur­ren­ten aus dem Tabel­len­mit­tel­feld ließ sich die Mann­schaft auch von zwei ärger­li­chen Rück­stän­den gegen eine Mann­schaft mit höhe­ren Ambi­tio­nen nicht zurück­wer­fen und setz­te am Ende mit dem ers­ten Sieg in der Brau­se­fa­brik in Salz­burg-Nord noch ein Aus­ru­fe­zei­chen.

Dabei ver­lei­tet kei­nes der letz­ten drei Spie­le irgend­je­man­den dazu, über­mü­tig zu wer­den und mit blin­dem Opti­mis­mus ins Pokal­fi­na­le zu gehen. Das 2:1 durch Rid­le Baku war ein­fach wie­der eines die­ser Gegen­to­re, die sich in die­ser Sai­son schein­bar nicht ver­hin­dern las­sen.  Bei der frü­hen Füh­rung durch Xavi Simons war der VfB mal wie­der nicht wach genug. Die Sie­ge gegen Augs­burg und St. Pau­li muss man auch unter dem Vor­be­halt sehen, dass bei­de Geg­ner lan­ge in Unter­zahl spiel­ten. Und trotz­dem gelan­gen der Mann­schaft in die­sen drei Spie­len ins­ge­samt acht Tore und vor allem die Offen­siv­spie­ler kom­men zum Ende der Sai­son hin Rich­tung in Fahrt: Nick Wol­te­ma­de traf drei Mal, Erme­din Demi­ro­vic steu­er­te zwei Tref­fer bei, Enzo Mil­lot und Deniz Undav je einen. Das Spiel gegen Bie­le­feld am Sams­tag wird trotz­dem kein Spa­zier­gang, aber die Mann­schaft hat, gera­de noch recht­zei­tig, die rich­ti­gen Schu­he für den Auf­stieg zum Gip­fel — dem ers­ten Titel seit 2007 — gefun­den. Und dass sogar ohne Mit­tel­feld­re­gis­seur Ange­lo Stil­ler, des­sen Hei­lungs­ver­lauf uns vor­aus­sicht­lich die gan­ze Woche beschäf­ti­gen wird.

Wir brauchen diesen Pokal!

Ich bin, fünf Tage vor dem Spiel immer noch ver­dammt ner­vös. Rech­net man mal die Zweitliga-“Meisterschaft” und den alber­nen Super­cup raus, den ja eh die Lever­ku­se­ner Mär­chen­mann­schaft gewin­nen soll­te, kommt man als VfB-Fan mit Final­spie­len, Titel­chan­cen und Tro­phä­en nur sehr sel­ten in Berüh­rung. 2007 erwar­te­te eigent­lich jeder von uns das Dou­ble, nach der Meis­ter­schaft — heu­te vor 18 Jah­ren — konn­te man die Final­nie­der­la­ge gegen Nürn­berg aber noch irgend­wie ver­kraf­ten. 2013 war das Fina­le schon das Höchs­te der Gefüh­le und es hät­te schon sehr viel zusam­men kom­men müs­sen, damit eine sich schon im lang­sa­men Siech­tum befind­li­che VfB-Mann­schaft am Ende den Pott in die Höhe gereckt hät­te. Aber die­ses Mal haben wir nicht nur eine rea­lis­ti­sche Chan­ce auf den Titel, nein, wir brau­chen ihn auch. Natür­lich wäre das für die Armi­nia ein noch grö­ße­rer Erfolg, aber wir brau­chen die­sen ver­damm­ten Pokal!

Schließ­lich war es nur den eben genann­ten Lever­ku­se­nern geschul­det, dass sich der VfB für sei­ne bes­te Sai­son seit Men­schen­ge­den­ken “nur” mit der Vize­meis­ter­schaft und dem Ein­zug in die Cham­pi­ons League beloh­nen konn­te. Jah­re­lang konn­ten wir von sol­chen Höhen nur träu­men ver­blass­te das Bild von VfB-Kapi­tän Frank Ver­la­at, der am 14. Juni 1997 den Pokal in den Ber­li­ner Him­mel reckt, immer mehr. Der Pokal­sieg wäre ein ver­spä­te­ter Lohn für die Sai­son 2023/2024 und, neben der damit ver­bun­de­nen erneu­ten Qua­li­fi­ka­ti­on für Euro­pa, eine Wohl­tat für die über ein Jahr­zehnt geschun­de­ne VfB-See­le. Ich habe es schon vor ein paar Wochen geschrie­ben: Der VfB ist nor­ma­ler­wei­se nicht gut dar­in, Chan­cen zu nut­zen. Aber die­se müs­sen wir unbe­dingt ergrei­fen. Für den VfB, für die­se immer noch groß­ar­ti­ge Mann­schaft, für uns alle!

Titel­bild: © Maja Hitij/Getty Images

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