Glück

Der VfB schreibt Geschich­te und steht zum ers­ten Mal in sei­ner Ver­eins­ge­schich­te im zwei­ten Jahr in Fol­ge im Pokal­fi­na­le. Über ein anstren­gen­des Spiel, das alles hat­te.

Ich bin Tia­go Tomás für sei­nen Sieg­tref­fer in der 121. Minu­te des Halb­fi­nals gegen den SC Frei­burg zu ewi­gem Dank ver­pflich­tet. Wäre es näm­lich zum Elf­me­ter­schie­ßen gekom­men, mir wäre es wohl so ergan­gen wie Bil­al El Khan­nouss vor Anpfiff der Ver­län­ge­rung. Die ers­te Pokal­run­de in Braun­schweig hat mir da schon gereicht. Aber zum Glück blieb mir, blieb uns das erspart, eben weil Tomás mit sei­nem Tor in dritt­letz­ter Minu­te ein Pokal­halb­fi­na­le ent­schied, das die jun­gen Leu­te wohl als episch bezeich­nen wür­den, das aber auch von kras­sen Feh­lern mas­siv beein­flusst wur­de. Dabei tut es nichts zur Sache, dass der VfB ab Mit­te der ers­ten Halb­zeit der regu­lä­ren Spiel­zeit die Kon­trol­le über das Spiel an sich riss. Die artis­ti­sche Hacken­ein­la­ge unse­res Stür­mers war ein Schuss ins Glück — glück­lich waren am Ende nicht nur alle Betei­lig­ten im Brust­ring, glück­lich war auch der Spiel­ver­lauf. Denn bei aller Freu­de über die­ses his­to­ri­sche Wei­ter­kom­men muss man kon­sta­tie­ren, dass Schieds­rich­ter Tobi­as Welz der schlech­tes­te Akteur auf dem Rasen des Neckar­sta­di­ons war — und gleich­zei­tig der, der neben Tomás am meis­ten im Ram­pen­licht stand.

Dass die Gäs­te kei­nen Elf­me­ter beka­men, als Stil­ler Egge­stein leicht tou­chier­te, lässt sich noch ver­tre­ten. Dass aber Hölers Zwei­kampf mit Cha­b­ot noch abge­pfif­fen wird, bevor der Ball im Netz lan­det, ist wild. Weder gab der Zwei­kampf das her, noch ließ er so dem unse­li­gen VAR die Chan­ce, sei­nen ekla­tan­ten Feh­ler zu kor­ri­gie­ren. Hin­zu kam eine unglaub­lich erra­ti­sche Spiel­lei­tung ohne Linie, die einem sol­chen Halb­fi­na­le eigent­lich nicht wür­dig war. Wäre der VfB trotz­dem in der 121. Minu­te zurück­ge­kom­men? Viel­leicht. War der Sieg am Ende trotz­dem ver­dient? Frag nach beim Pfos­ten von Flo­ri­an Mül­lers Tor. Die Brust­ring­trä­ger hat­ten bereits vor der kol­lek­ti­ven Eksta­se am Ende mehr­fach die Gele­gen­heit, das Halb­fi­na­le auf ihre Sei­te zu zie­hen, schei­ter­ten aber ein ums ande­re Mal am erstaun­lich star­ken Mül­ler, der eige­nen Schuss­tech­nik, dem Lini­en­rich­ter oder eben: dem Pfos­ten. Ein Pro­blem, dass sich durch­zieht durch die­se ansons­ten her­vor­ra­gen­de Sai­son. Immer­hin ein­mal traf der VfB noch in der regu­lä­ren Spiel­zeit, als Deniz Undav ein unnach­ahm­li­ches Deniz-Undav-Tor schoss: ansatz­los, aus gehö­ri­ger Ent­fer­nung, unhalt­bar für den stol­pern­den Mül­ler.

Am Ende geht es gut

Aber nicht nur der Schieds­rich­ter und der geg­ne­ri­sche Tor­hü­ter mach­ten Feh­ler. Gera­de in der Anfangs­pha­se, gekrönt im nega­ti­ven Sin­ne von der Frei­bur­ger Füh­rung, hat­te man als Betrach­ter nicht den Ein­druck, der Mann­schaft sei die Bedeu­tung die­ses Spiels bewusst. War sie natür­lich, aber auf dem Platz sah man davon rela­tiv wenig. Statt­des­sen schenk­te Ange­lo Stil­ler mit  einem blin­den Rück­pass über das hal­be Feld ins eige­ne Tor­aus einer der stan­dard­stärks­ten Mann­schaf­ten Deutsch­lands eine Stan­dard­si­tua­ti­on.  Dass Niko Nar­tey die­se in die Mit­te direkt vor die Frei­bur­ger Angrei­fer ver­län­ger­te, pass­te zu sei­nem gebrauch­ten Abend, aber auch in das Sche­ma der letz­ten Wochen: Irgend­je­mand begeht immer einen Leicht­sinns­feh­ler und so lei­der auch in die­sem immens wich­ti­gen Spiel. Was aber den VfB in die­ser Sai­son eben­so aus­zeich­net:  Am Ende geht es meis­tens gut.

Und so kön­nen wir unterm Strich, Schi­ri hin, Fehl­päs­se her, ein­fach nur glück­lich sein. Auch wenn uns im Fina­le ein wesent­lich schwe­re­rer Geg­ner gegen­über­steht als letz­tes Jahr, rei­tet der VfB die Erfolgs­wel­le wei­ter. Man muss immer wie­der dar­an erin­nern, welch phä­no­me­na­le Ent­wick­lung unser Ver­ein in den ver­gan­ge­nen Jah­ren genom­men hat: Ein Pokal­fi­na­le wird zu einem wie­der­keh­ren­den Ereig­nis und nicht zu einem klei­nen Licht­blick in einem dunk­len Tun­nel. Wir kön­nen in der drit­ten Sai­son in Fol­ge inter­na­tio­nal spie­len, nach­dem die wei­tes­ten Aus­wärts­fahr­ten jah­re­lang nach Aue oder Ham­burg gin­gen. Die Zahl der auf­re­gen­den, emo­tio­na­len und erfolg­rei­chen und damit beson­de­ren Spie­le las­sen sich kaum noch an zwei Hän­den abzäh­len. Und es gibt schein­bar immer noch Ver­eins­re­kor­de, die wir noch nicht gebro­chen haben. Jetzt also das zwei­te Pokal­fi­na­le in Fol­ge. Das kann uns kei­ner mehr neh­men, genau­so wenig wie die Erin­ne­rung an Tia­go Tomás und sei­nen Schuss ins Glück.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass schreibt über “Ein Spiel, für immer in den Her­zen der VfB-Fans”

Titel­bild: © Sona Maleterova/Getty Images

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