Mit einem 2:2 in Frankfurt feiert der VfB nach einjähriger Unterbrechung die Rückkehr in die Champions League und den krönenden Abschluss einer sehr guten Saison. Dass man am Ende auch vom Hoffenheimer Untergang in Gladbach und der Leverkusener Harmlosigkeit profitierte, soll den Glanz nicht trüben, passt aber irgendwie auch zu uns.
Da war er wieder, dieser Bielefeld-Moment, wie ich ihn gerne nenne. Andere sagen dazu #VfBsein, wobei dieser Hashtag aus einer ganz anderen, sportlich viel dunkleren Zeit kommt. Dieser Moment, wo Du auf der Tribüne Angst hast, dass dir der sicher geglaubte Erfolg doch noch entgleitet. Wie im Pokalfinale, als Bielefeld bereits zwei von vier Toren aufgeholt hatte und noch viel zu viel Zeit auf der Uhr war. Du warst zu lange viel zu entspannt und plötzlich entsteht in der Magengegend so ein flaues Gefühl, wie wenn Du als Kind zu hoch geschaukelt hast. Die werden doch nicht…nein, werden sie nicht. Das Erfreuliche an der aktuellen Phase in der Vereinsgeschichte des VfB: Es geht meistens alles gut.
So auch am Samstagnachmittag irgendwann zwischen viertel nach fünf und halb sechs. Das Spiel in Frankfurt lief noch und weil die Heimkurve bereits vor Anpfiff komplett eskalierte und es in der ersten Halbzeit ordentlich Nachschlag gab, waren wir im Vergleich zu allen anderen Partien ziemlich hinten dran. Frankfurt hatte zuvor durch einen ziemlich dämlich vom VfB verursachten und einen etwas lächerlich vom Schiedsrichter entschiedenen Elfmeter den 0:2‑Rückstand aus der ersten Halbzeit aufgeholt und war drauf und dran, ein drittes zu schießen. Zeitgleich liefen in Leverkusen noch sieben Minuten Nachspielzeit und ein Tor hier und ein Tor da und es wäre vorbei gewesen mit der Königsklasse. Leverkusen aber blieb sich treu, traf nicht mehr und es war an der Eintracht und dem VfB, die letzten Minuten dieser Bundesliga-Saison über die Bühne zu bringen. Geschafft!
Krönung einer anstrengenden Saison
Zugegebenermaßen ist das nichts, verglichen mit dem Nervenkitzel, den die zweite Liga am Sonntag bot. Aber es wäre auch nicht unser VfB gewesen, wenn wir den ersten direkt aus einer Ecke resultierenden Treffer seit Menschengedenken und das eigentlich spielentscheidende 2:0 durch den erst am Freitag mit einem neuen Vertrag bis 2028 ausgestatteten Niko Nartey am Ende ganz souverän über die Zeit gebracht hätten. Irgendwas ist ja immer und am Ende ist es egal, denn Platz 4 ist der verdiente Lohn einer langen Saison, die am kommenden Samstag in Berlin mit dem 53. Pflichtspiel ihr Ende findet. Eine Saison, in der uns nicht alles zuflog wie vor zwei Jahren, aber eine Spielzeit, in der der VfB lernte, anders als in der vergangenen Spielzeit Widerstände zu überwinden. Manchmal waren sie zu groß, aber meistens waren sie zu bewältigen.
Auch das Spiel in Frankfurt war alles andere als einfach. Zwar kam die Eintracht erst spät zu ihren Toren und zeigte auch vorher schon, warum die weiteste Auswärtsfahrt in der kommenden Saison zum HSV und nicht ins Ausland gehen wird. Dennoch ging es eben für die Hausherren noch um etwas und das in einem Stadion, welches durchaus einen Einfluss auf das Spiel nehmen kann — in diesem Fall sorgte es eher dafür, dass wir schon Minuten für Abpfiff wussten, dass wir es geschafft haben. Unter diesen Umständen legte der VfB eine solide erste Halbzeit hin und steigerte sich auch nach der Führung weiter, zauberte die Frankfurter zeitweise auseinander. Die zweite Halbzeit wird vermutlich keinen bleibenden Eindruck im kollektiven VfB-Gedächtnis hinterlassen, zu sicher war man sich angesichts der Zwischenstände auf den anderen Plätzen schon — bis eben auf diese bereits angesprochenen letzten Minuten.
Wo wir aktuell hingehören
Dass wir zum zweiten Mal binnen drei Jahren in der Champions League spielen und so entspannt wie noch nie ein DFB-Pokal-Finale gehen können, ist natürlich zu großen Teilen einer Mannschaft zu verdanken, die immer besser gelernt hat, ihre Stärken auf den Platz zu bringen, auch wenn es immer mal wieder kleine Leistungsdellen waren, die dafür sorgten, dass wir in den letzten Minuten der Saison zumindest ein bisschen zittern mussten. Ihren Anteil hat aber auch die sportliche Führung, allen voran Sebastian Hoeneß und Fabian Wohlgemuth, die die Mannschaft besser gemacht haben. Individuell, aber auch im Kollektiv, auf dem Transfermarkt, wie auf dem Trainingsplatz. Natürlich fehlt uns noch einiges — vor allem etliche Abermillionen Euro, bis zur absoluten Spitze. Dort, wo man in der Champions League nicht nur mitspielt, sondern auch die K.O.-Runden fest im Blick hat. Vielleicht werden wir da auch nie hinkommen, angesichts der Zustände im modernen Fußball. Aber für den Moment gehören wir genau dorthin. Zu den Besten. Den grandes équipes. Den Champions!
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass feiert auch die Champions League (verdammte Scheiße!) und blickt zurück auf die Saison: “Fast genau so wichtig wie Tabellen und Statistiken ist das Auftreten aller Verantwortlichen auf und neben dem Platz. Diese Mannschaft hat Attitüde und Resilienz. Es macht fast immer Spaß, dieser Mannschaft zuzugucken. Und es fühlt sich unfassbar gut an, zu wissen, dass ein Spiel noch nicht gelaufen ist, nur weil der VfB in Unterzahl zurückliegt.”
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images