39 Flanken

…aber das ein­zi­ge VfB-Tor ist ein Elf­me­ter-Nach­schuss in letz­ter Minu­te. Auch im drit­ten Spiel in die­ser eng­li­schen Woche blieb die Mann­schaft unter ihren Mög­lich­kei­ten, dies­mal stand sie sich aber vor allem selbst im Weg.

Klar, gegen Wolfs­burg hät­te ein biss­chen mehr Reak­ti­ons­schnel­lig­keit bei den Tur­bo­kon­tern der VW-Ange­stell­ten nicht gescha­det oder eine kon­se­quen­te­re Chan­cen­ver­wer­tung. Gegen Prag traf man auf eine topor­ga­ni­sier­te Abwehr eines Geg­ners der inter­na­tio­na­len Mit­tel­klas­se, an der man sich die Zäh­ne aus­biss. Die TSG Hof­fen­heim jedoch hat­te bis dato schon 15 Gegen­to­re kas­siert, vier davon nach einer 3:0‑Führung im eige­nen Sta­di­on gegen Wer­der Bre­men am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de. Kurz: Es sprach eigent­lich nichts dage­gen, dass der VfB mit einem Sieg in die Län­der­spiel­pau­se gehen wür­de. Und damit will ich den Hof­fen­hei­mern nicht grund­sätz­lich die Qua­li­tät ab‑, son­dern sie viel­mehr unse­rer Mann­schaft zuspre­chen: Denn zuletzt war der VfB sehr gut dar­in, offen­sicht­li­che Schwä­chen des Geg­ners aus­zu­nut­zen. Lei­der bie­ten wir aktu­ell sel­ber dem Geg­ner zu viel an.

Dabei war die ver­stol­per­te Abwehr­ak­ti­on von Maxi Mit­tel­städt eigent­lich gar nicht so dra­ma­tisch. Kann pas­sie­ren, muss man drauf reagie­ren. Lei­der reiht sie sich aber auch ein in eine Serie von Stock­feh­lern, die uns schon gegen Mön­chen­glad­bach, aber auch in der Anfangs­pha­se gegen Prag unter­lie­fen. Mir ist noch nicht ganz klar, ob man sich sei­ner Sache zu sicher oder nicht sicher genug ist und ob aus die­sem Zögern die­se Feh­ler ent­ste­hen. Es ist vor allem der fla­che Spiel­auf­bau hin­ten, in dem es die Mann­schaft hin­ten etwas zu gemäch­lich ange­hen lässt und in dem Moment des Pres­sings nicht schnell genug den Schal­ter fin­det, um die­se prä­zi­se zu über­spie­len. Gegen Hof­fen­heim kamen vor allem in der ers­ten Halb­zeit noch zahl­rei­che ver­lo­re­ne Duell im Mit­tel­feld hin­zu oder ein­fach zu zurück­hal­ten­de Zwei­kampf­füh­rung. Zum Bei­spiel in der vier­ten Minu­te, als Bül­ter sich mit einer ein­fa­chen Fin­te zu viel Platz im Mit­tel­feld ver­schaff­te und Cha­b­ot im Straf­raum sei­ne Lie­be Mühe hat­te, Hlo­zek am Tor­schuss zu hin­dern. Am Ende klär­te dann Maxi Mit­tel­städt auf der Linie.

Ärgerlich, aber keine Hypothek

Die­se Träg­heit ver­bau­te dem VfB auch vie­le Offen­siv­op­tio­nen. Wie schon gegen Prag tra­fen die Brust­ring­trä­ger zu häu­fig die fal­sche Ent­schei­dung, schlepp­ten den Ball zu lang durch die Hof­fen­hei­mer Hälf­te. anstatt mit schnel­len Päs­sen die immer klei­ner wer­den­den Räu­me zu nut­zen, die einem die sich immer mehr aufs Ver­tei­di­gen und Zeit­schin­den ver­le­gen­den Gäs­te boten. Am Ende blieb dann nur doch die Opti­on, den Ball in den Straf­raum zu flan­ken, was die Mann­schaft gan­ze 39 Mal ver­such­te — mit über­schau­ba­rem Erfolg. Dass der VfB nach dem glas­kla­ren Hand­elf­me­ter in der eigent­lich schon abge­lau­fe­nen Nach­spiel­zeit doch noch zum Aus­gleich kam, war nach einer Leis­tungs­stei­ge­rung in der zwei­ten Hälf­te teil­wei­se ver­dient, zeit­gleich belohn­te sich die Mann­schaft dafür, bis zuletzt um den einen Punkt zu kämp­fen. Der erneu­te Tor­er­folg in der letz­ten Minu­te könn­te auch durch­aus wei­ter das Ver­trau­en der Mann­schaft in die eige­ne Qua­li­tät stär­ken — noch hilf­rei­cher wäre es aller­dings, die­se Qua­li­tät direkt auf den Platz zu brin­gen.

Nun geht es also mit neun Punk­ten auch sechs Spie­len in die Län­der­spiel­pau­se, “zu wenig Punk­te, um wirk­lich glück­lich zu sein”, wie Sebas­ti­an Hoe­neß es nach dem Spiel for­mu­lier­te. Nicht etwa, weil man der ver­gan­ge­nen Sai­son nach­ei­fert, son­dern weil die Punk­te — Hoe­neß bezieht sich auf Mainz, Wolfs­burg und Prag — eigent­lich zu holen waren, der VfB aber nicht zugriff. Das ist ärger­lich, für die kom­men­den Wochen aber auch kei­ne Hypo­thek. Posi­tiv stimmt, dass man sich beim VfB nicht mehr unter Ver­weis auf Geg­ner, Schieds­rich­ter, Wet­ter, Stim­mung und Horo­skop damit zufrie­den gibt, son­dern die Pro­ble­me kon­kret anspricht. Gleich­zei­tig darf man nicht ver­ges­sen, dass die Mann­schaft sich wei­ter­hin in einem Pro­zess befin­det, in dem sie sich nach einer rausch­haf­ten Sai­son an die neu­en Gege­ben­hei­ten anpas­sen muss.

Ein Prozess

Das heißt nicht, dass man schlech­te oder wie zuletzt schlicht für einen Sieg unzu­rei­chen­de Leis­tun­gen nicht the­ma­ti­sie­ren soll­te. Aber offen­bar gelingt der Mann­schaft noch nicht der über­ra­schen­de Spiel­auf­bau, der in der letz­ten Sai­son — und in die­ser Spiel­zeit Dort­mund — so über­rum­pel­te. Natür­lich fehlt in Gui­ras­sy auch ein Ziel­stür­mer, der viel­leicht mal aus wenig mehr macht. Und schließ­lich spie­len die Geg­ner jetzt nicht mehr gegen den Fast­ab­stei­ger, son­dern gegen den Vize­meis­ter und begnü­gen sich dann damit, uns mit Nadel­sti­chen zu ner­ven und dann das eige­ne Tor zu ver­ram­meln. Der Schlüs­sel dage­gen sind funk­tio­nie­ren­de Abläu­fe und das klei­ne Quänt­chen Extra-Bereit­schaft, ohne die auch letz­te Sai­son schon nichts ging. Mit Ameen Al-Dak­hil stößt nach der Län­der­spiel­pau­se vor­aus­sicht­lich ein Spie­ler dazu, der schon ein paar Trai­nings­ein­hei­ten unter Hoe­neß in den Bei­nen hat und für genau die­ses über­ra­schen­de Moment im Spiel­auf­bau sor­gen kann. Aber auch das allei­ne wird nicht rei­chen. Die Mann­schaft muss gemein­sam den nächs­ten Schritt zu kon­stan­te­ren Leis­tun­gen machen.

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

2 Gedanken zu „39 Flanken“

  1. Ich den­ke, Hoe­neß sieht es ganz gut. Den Ver­gleich zur Vor­sai­son darf man nicht zie­hen, sonst kann man fast nur ent­täuscht wer­den. Auch wenn es nicht unbe­dingt rea­lis­tisch ist, dass der Vize­meis­ter­ti­tel ver­tei­digt wird, so kann am Ende jeder “ver­schenk­te” Punkt schmer­zen. Und gera­de jetzt am Anfang wäre wirk­lich mehr drin gewe­sen. Wer weiß denn schon, wie die rest­li­che Sai­son ver­lau­fen wird… Trotz­dem habe ich die Hoff­nung, dass Hoe­neß die Trup­pe wie­der zu bes­se­ren Leis­tun­gen brin­gen kann und bin sehr froh über ihn als Trai­ner.

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