Verein für Bluthochdruck

In Dort­mund gerät der VfB wie schon häu­fi­ger zuletzt in Rück­stand, lässt sich davon aber nicht beein­dru­cken und nimmt dank eines erneut über­ra­gen­den Deniz Undav im West­fa­len­sta­di­on einen wich­ti­gen Punkt mit. Stutt­gart ist Spek­ta­kel!

Rück­stand gegen Mainz durch einen lächer­li­chen Hand­elf­me­ter? Egal. Zwei Rück­stän­de gegen Augs­burg? Egal. Lächer­li­cher Foul­elf­me­ter und zwei Tore Rück­stand, dann noch ein Nacken­schlag? Egal. Die Mann­schaft mit dem Brust­ring lässt sich, anders als im Früh­jahr, aktu­ell nicht mehr unter­krie­gen. Konn­te man die gedreh­ten Heim­spie­le gegen Mainz und Augs­burg noch damit erklä­ren, dass sich letz­ten Endes die Qua­li­tät des VfB durch­set­ze und das Neckar­sta­di­on ja sowie­so eine Fes­tung ist, gibt es für den spä­ten Punkt­ge­winn in Dort­mund nur eine Erklä­rung, die Drei­fach-Knip­ser Deniz Undav auch gleich sel­ber mit­lie­fer­te: Die Mann­schaft glaubt ein­fach immer an sich und die eige­ne Qua­li­tät. Jetzt könn­te man ange­sichts der Domi­nanz der ers­ten 20 Minu­ten natür­lich anmer­ken, dass in Dort­mund mehr hät­te drin sein kön­nen als ein Punkt. Rea­lis­ti­scher­wei­se ver­fügt aber auch der Geg­ner über eine gehö­ri­ge Qua­li­tät — vor allem jene, Feh­ler eis­kalt aus­zu­nut­zen.

Denn unterm Strich geht das 3:3 im Spit­zen­spiel völ­lig in Ord­nung. Der VfB zeig­te sei­ne Qua­li­tät wie zuletzt häu­fi­ger zunächst nur bis zur Straf­raum­kan­te bekam im Sech­zeh­ner aber kaum einen Ball an den Mann. So ging es uns auch schon im letz­ten Spit­zen­spiel in Leip­zig, als die Gast­ge­ber uns bis zum Straf­raum machen lie­ßen, nur um dann ihr Abwehr­netz blitz­schnell zu schlie­ßen. Und wie gegen Leip­zig wur­de der VfB für sei­ne Feh­ler von den Dort­mun­dern bestraft. Wäh­rend vor dem Elf­me­ter­tor von Can die Ein­griffs­schwel­le mal wie­der am Rou­lette-Tisch fest­ge­legt wur­de, zeig­te sich der VfB beim 2:0 ein­fach zu unsor­tiert: Jamie Lewe­ling allein auf wei­ter Flur und im Straf­raum darf dann zuerst Gui­ras­sy unge­hin­dert abschlie­ßen und dann Bei­er zwei Mal nach­sto­chern. Noch ekla­tan­ter das 3:2 der Dort­mun­der, als der VfB eigent­lich schon wie­der die Kon­trol­le zurück­er­langt hat­te: Auch ein flie­gen­der Finn Jeltsch konn­te nicht ver­hin­dern, dass sich Karim Adey­e­mi durch die nicht vor­han­de­ne Rest­ver­tei­di­gung drib­bel­te und schließ­lich zum ver­meint­li­chen Sieg­tref­fer ein­schob. So sta­bil wir häu­fig in die­ser Sai­son stan­den, so leicht­fer­tig gaben wir die­se Tore her.

Der Undav, den wir lieben und vermissten

Aber so ist das eben, wenn man als Spit­zen­mann­schaft (ja!) auf eine ande­re Spit­zen­mann­schaft trifft. Die einen sind eis­kalt, die ande­ren haben Deniz Undav. Der nimmt für mei­nen Geschmack ja vie­le kri­ti­sche Aus­sa­gen etwas zu per­sön­lich, aber zum Einen lie­ben wir ihn ja dafür, dass er das Herz auf der Zun­ge trägt und zum ande­ren scheint ihn das zu Höchst­leis­tun­gen anzu­sta­cheln. Vor zwei Wochen dreh­te er bereits das Heim­spiel gegen Augs­burg mit zwei Tref­fern, dies­mal klau­te er den Dort­mun­dern zwei Punk­te mit drei Toren, von denen eines schö­ner war als das ande­re. Deniz ist aktu­ell genau der Undav, den wir in der vor­letz­ten Sai­son lie­ben gelernt und ver­gan­ge­ne Spiel­zeit ver­misst haben: Der muti­ge Instinkt­fuß­bal­ler, der den direk­ten Weg zum Tor sucht und sich dafür auch belohnt. Zwei Mal stand er qua­si an der glei­chen Stel­le im geg­ne­ri­schen Fün­fer, näm­lich genau da, wo er ste­hen muss­te. Das 2:1 ein Kunst­schuss, das 2:2 der pure Wil­le. Und schließ­lich das 3:3, ein­ge­lei­tet von einem star­ken Dribb­ling von Chris Füh­rich durch die Bei­ne sei­nes Gegen­spie­lers.

Es hat­te sich schon vor der Län­der­spiel­pau­se ange­deu­tet, aber beim VfB läuft der­zeit wie­der vie­les zusam­men. Auch wenn in den kom­men­den ein­ein­halb Wochen drei wei­te­re Aus­wärts­spie­le anste­hen und die Geg­ner bis Weih­nach­ten in ande­ren Tabel­len­re­gio­nen unter­wegs sind als viel­leicht zu Sai­son­be­ginn. Ich schrieb unlängst, dass der VfB sich in die­ser Spiel­zeit alles erar­bei­ten müs­se, dass einem nichts geschenkt wür­de. Das stimmt auch wei­ter­hin, aber die Mann­schaft erar­bei­tet sich die­se Erfol­ge eben auch und kom­bi­niert Ein­satz und Qua­li­tät. Das reicht dann in der Sum­me viel­leicht doch nicht für ganz oben, dafür müss­ten wir noch effi­zi­en­ter und defen­siv sta­bi­ler sein. Aber es reicht, um in die­ser Sai­son genau die Rol­le zu spie­len, die wir spie­len wol­len und kön­nen. Gleich­zei­tig beweist ein Spie­ler wie Deniz Undav mit etwas Ver­zö­ge­rung auch, war­um man für ihn vor ein­ein­halb Jah­ren eine Rekord­sum­me auf den Tisch gelegt hat. Denn genau in sol­chen Spie­len machen Unter­schieds­spie­ler den Unter­schied.

Ich bin gespannt, zu was die Mann­schaft in der Lage ist, wenn ihr wie­der zwei Stür­mer zur Ver­fü­gung ste­hen und Undav nicht jede Par­tie so ein Pen­sum abspu­len muss. Lang­wei­lig wird es uns aktu­ell jeden­falls nicht. Aber Spaß macht es unge­mein.

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass sieht eine Magi­cal Mys­tery Show von Deniz und lobt: “Aus­ser Moral, Wider­stands­kraft und den uner­schüt­ter­li­chen Glau­ben an sich selbst zeig­te der VfB, dass er mit einer deut­schen Spit­zen­mann­schaft nicht nur mit­hal­ten, son­dern sie auch über die meis­te Spiel­zeit domi­nie­ren kann.”

Titel­bild: © Lars Baron/Getty Images

1 Gedanke zu „Verein für Bluthochdruck“

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.