Unvollendet

Anders als im Vor­jahr, als die DFL dem Dou­ble­si­e­ger jeden Wunsch von den Lip­pen ablas, waren die Rah­men­be­din­gun­gen für den zwei­ten Super­cup-Gewinn nach 1992 für den VfB dies­mal gar nicht mal so schlecht. Dass es nicht gelang, dem gro­ßen Titel einen klei­nen fol­gen zu las­sen, hat nicht nur mit der Qua­li­tät des Geg­ners zu tun.

Wie bereits ange­kün­digt, war mir der Super­cup im Vor­hin­ein nicht so super wich­tig. Immer­hin kann ich jetzt sagen, dass ich den VfB auch in die­sem Wett­be­werb gese­hen habe — wer weiß, wann die Gele­gen­heit wie­der kommt. Gleich­zei­tig ist ein Pflicht­spiel natür­lich ein Pflicht­spiel und wenn der VfB einen, wenn auch weni­ger wer­ti­gen, Pokal gewin­nen kann — wie­so nicht? Schließ­lich hat­ten die Spie­ler des DFB-Pokal-Sie­gers im Vor­hin­ein auch ange­kün­digt, dass man Appe­tit bekom­men habe, den Tro­phä­en­schrank wei­ter zu fül­len. Abge­se­hen davon, dass es gegen den Rekord­meis­ter ging, hat­ten die Brust­ring­trä­ger mit dem Heim­spiel in einem Sta­di­on mit voll funk­ti­ons­fä­hi­gen Tor­ka­me­ras auch sonst bes­se­re Vor­aus­set­zun­gen als im Vor­jahr. Wäh­rend man aber gegen Lever­ku­sen — mal wie­der — kurz vor Schluss einen Gegen­tref­fer hin­neh­men muss­te, war das 1:2 gegen die Bay­ern am Ende eher ein wenig schmei­chel­haft.

Nun habe ich schon von jeman­dem auf Twit­ter gele­sen, dass der gegen einen Dritt­li­gis­ten und meh­re­re Zweit­li­gis­ten errun­ge­ne Pokal­sieg ohne einen Tri­umph im Bay­ern-Legen­den-Cup wert­los wäre. Das ist natür­lich gro­ber Unfug und den­noch wäre der Super­cup eine will­kom­me­ne Gele­gen­heit gewe­sen, nicht nur auf dem Trans­fer­markt ein (ver­meint­li­ches) Zei­chen zu set­zen, son­dern auch auf dem Platz. Dann kann es immer noch pas­sie­ren, dass man gegen Mün­chen ver­liert. Wie in der Vor­sai­son, als man den Dou­ble­si­e­ger am Ran­de einer Nie­der­la­ge hat­te, geht man dann aber mit gestärk­tem Selbst­ver­trau­en in die Liga. Die­ses Ziel bleibt, wie so vie­les am Sams­tag­abend, noch unvoll­endet.

Ohne Struktur und Konsequenz

Wie zum Bei­spiel der Kader. All­zu offen­sicht­lich war die Lücke, die durch den Abgang von Enzo Mil­lot und die bis­her noch nicht getä­tig­te Ver­pflich­tung eines Nach­fol­gers ent­stan­den ist. Sie wur­de näm­lich meist mit lan­gen, hohen und ihrer­seits häu­fig unvoll­ende­ten Päs­sen auf Möch­te­gern-Bay­ern-Spie­ler Nick Wol­te­ma­de über­brückt. Der hielt sich frei­lich schad­los und kämpf­te um jeden hohen Ball, wur­de aber ent­we­der von Day­ot Upa­me­ca­no oder vom über­for­der­ten Harm Osmers an der Wei­ter­ver­ar­bei­tung gehin­dert. Auch Chris Füh­rich hät­te durch­aus jeman­den gebrau­chen kön­nen, der ihm auf dem lin­ken Flü­gel Druck macht, aber dazu war die Ver­pflich­tung von Tia­go Tomás dann doch etwas zu kurz­fris­tig. Kurz: Dem VfB ging lan­ge offen­siv völ­lig die Struk­tur ab, erst mit dem Sei­ten­wech­sel von Jamie Lewe­ling wur­den die Offen­siv­ak­tio­nen kon­se­quen­ter.

Aber lei­der, bis auf den Kopf­ball­tref­fer eben jenes Lewe­ling nach Vor­la­ge von Neu­zu­gang Che­ma, unvoll­endet. Deniz Undav ver­gab gute Schuss­po­si­tio­nen über­has­tet und Nick Wol­te­ma­des Tor­rie­cher war an die­sem Sams­tag­abend so ver­schnupft wie sein Bera­ter. Dass man gegen die Bay­ern sei­ne Chan­cen nut­zen muss, um eine Chan­ce zu haben, ist eine Bin­sen­weis­heit. Dem VfB ging aber nicht nur die Tor­ge­fähr­lich­keit ab, son­dern lan­ge auch der eben­so wich­ti­ge Mut: Offen­siv agier­te man häu­fig zu umständ­lich, ver­lor im Mit­tel­feld wich­ti­ge Bäl­le und war häu­fig auf den Flü­geln defen­siv bloß­ge­stellt. Allei­ne von der Qua­li­tät der Chan­cen her hät­ten sich die Bay­ern den Super­cup schon in der ers­ten Halb­zeit sichern kön­nen. Immer­hin: Der VfB biss sich ins Spiel zurück, nach­dem er sich zuvor mal wie­der ein wenig sel­ber geschla­gen hat­te: Die unglück­li­che Abwehr von Luca Jaquez führ­te zum 0:1 und beim 0:2 rück­te man nicht nur in Unter­zahl zu hoch auf, son­dern hät­te nach Ansicht von Sebas­ti­an Hoe­neß das Tor schon in der Ent­ste­hung ver­hin­dern kön­nen.

Zurück an die Leistungsgrenze

Ich gehe zwar nicht so ganz bei der sehr posi­ti­ven Bewer­tung des Spiels mit, weil wir mal wie­der gegen die Bay­ern mit rela­tiv vol­len Hosen ins Spiel gin­gen. Die bemer­kens­wert offe­ne Kri­tik von Hoe­neß an der Ent­ste­hung des 0:2 macht aber auch deut­lich, dass man sich intern der noch vor­han­de­nen Defi­zi­te durch­aus bewusst ist. Klar ist: Der Kader muss noch ver­voll­stän­digt wer­den und wir spie­len nicht jede Woche gegen Mann­schaf­ten die­sen Kali­bers. Schon die nächs­ten bei­den Aus­wärts­spie­le in Köpe­nick und Braun­schweig wer­den aber auch ein Test für die Wider­stands­fä­hig­keit der Mann­schaft sein. Da muss es wie­der hei­ßen: Brust(ring) raus.

Dabei sieht es so aus, als hät­te nicht nur der Super­cup unter bes­se­ren Vor­zei­chen statt­ge­fun­den, son­dern als wür­de man auch unter bes­se­ren Bedin­gun­gen in die Sai­son gehen. Die Mann­schaft, die Ende Janu­ar auf Platz 4 stand, bleibt wohl mit Aus­nah­me von Enzo Mil­lot zusam­men — kein Ver­gleich mit dem Umbruch des letz­ten Som­mers, als man gleich­zei­tig den Top­stür­mer und die kom­plet­te Innen­ver­tei­di­gung erset­zen muss­te. Gleich­zei­tig muss sich die Mann­schaft, die die Sai­son im Mai auf Platz 9 been­de­te, auch noch stei­gern. Gera­de das offen­si­ve Zusam­men­spiel über die Flü­gel und die Ein­bin­dung der teu­ren Stür­mer Demi­ro­vic und Undav muss bes­ser funk­tio­nie­ren. Defen­si­ve Unkon­zen­triert­hei­ten müs­sen abge­stellt wer­den und zugleich muss die Mann­schaft sich wie­der häu­fi­ger an ihre Leis­tungs­gren­ze stre­cken. Die Chan­ce und das Poten­zi­al, spie­le­risch ein biss­chen mehr an die Vor-vor-Sai­son anzu­knüp­fen, sind da — und war­ten auf Voll­endung. 

Zum Wei­ter­le­sen: Der Ver­ti­kal­pass ana­ly­siert: “Trai­ner und Mann­schaft sahen ein gutes Spiel und füh­len sich gut vor­be­rei­tet für den Bun­des­li­ga­start. Ich fin­de, es gibt noch eini­ge Haus­auf­ga­ben zu erle­di­gen bis zum ers­ten Aus­wärts­spiel gegen die unbe­que­men Unio­ner.” Stuttgart.international fin­det: “Der 1:2‑Endstand schmei­chelt eher den Haus­her­ren. Goretz­ka, Kane und Diaz set­zen die High­lights in einem über wei­te Stre­cken von den Gäs­ten domi­nier­ten Spiel.”

Titel­bild: © Danie­la Porcelli/Getty Images 

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