Rund um die Mitgliederversammlung: Im Gespräch mit Präsidiumskandidatin Bernadette Martini

Bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Sams­tag wird auch des Prä­si­di­um des e.V. neu besetzt. Wir haben mit Ber­na­dette Mar­ti­ni über ihre Kan­di­da­tur und ihre Zie­le gespro­chen.

Rund um den Brust­ring: Wie ist der Ent­schluss ent­stan­den, für das Prä­si­di­um des VfB zu kan­di­die­ren?

Ber­na­dette Mar­ti­ni: In mei­ner Zeit als Ver­eins­bei­rat in der Säu­le Mit­glie­der und Fans muss­te ich schnell fest­stel­len, dass ich mei­nen Erwar­tun­gen an mich nicht gerecht wer­den konn­te. Ich bin immer wie­der an Gren­zen gesto­ßen und konn­te mich, auch auf­grund der sat­zungs­ge­mä­ßen Vor­ga­ben, nur sehr begrenzt ein­brin­gen. Ich habe in mei­ner Amts­zeit fest­ge­stellt, dass ich sowohl die Spra­che der Mit­glie­der als auch die Spra­che der AG-Ver­tre­ter spre­chen und ver­ste­hen kann. Dies möch­te ich nut­zen, um den Ver­ein zu einen und zwi­schen den Ver­tre­tern unter­schied­li­cher Posi­tio­nen zu ver­mit­teln, um den VfB gemein­sam wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Daher ist für mich der Ent­schluss gereift, mich für das Prä­si­di­um zu bewer­ben.

Was wol­len Sie anders und/oder bes­ser machen als Ihre Vor­gän­ger im Prä­si­di­um?

Ich wer­de die e.V.- und Mit­glie­der­belan­ge immer über mein Han­deln stel­len und die Mit­glie­der mit stra­te­gi­scher Här­te und geschick­ter Diplo­ma­tie ver­tre­ten. Der Dia­log zwi­schen Mit­glie­dern und Fans und dem Prä­si­di­um ist für mich essen­zi­ell, des­halb wer­de ich bei den Spie­len in der Cannstat­ter Kur­ve blei­ben und auch wie gewohnt mit mei­nem Fan­club zu den Aus­wärts­spie­len fah­ren, um den Aus­tausch auf­recht­zu­er­hal­ten und nah­bar zu sein. Ich wer­de dar­an arbei­ten, dass alle han­deln­den Per­so­nen ein ange­mes­se­nes Rol­len­ver­ständ­nis haben und ent­spre­chend ihrer Rol­le han­deln. Eine trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Mit­glie­dern ist für mich selbst­ver­ständ­lich. Ich wer­de mich dafür ein­set­zen, dass die Mit­be­stim­mung durch uns Mit­glie­der u.a. durch Sat­zungs­än­de­run­gen aus­ge­baut wird.

75+1 muss in allen Gre­mi­en abge­bil­det sein, hier müs­sen wir im Prä­si­di­al­aus­schuss eine Kor­rek­tur vor­neh­men.

Wo sehen Sie die wich­tigs­ten Hand­lungs­fel­der im VfB e.V. in den nächs­ten Jah­ren?

  • Wei­ter­ent­wick­lung und Stär­kung der Abtei­lun­gen / neue Abtei­lun­gen über Koope­ra­tio­nen
  • Ver­tre­tung des e.V. in der AG / Stra­te­gi­sche Neu­be­set­zung der e.V.-Sitze im Auf­sichts­rat
  • Mit­glie­der­ent­wick­lung

Und was sind Ihre Zie­le für Ihre Amts­zeit?

  • Den Ver­ein einen und nah­ba­rer machen
  • Ver­an­ke­rung des Aus­glie­de­rungs­ver­spre­chens in der AG-Sat­zung im Rah­men einer mora­lisch ver­bind­li­chen Soll-For­mu­lie­rung
  • Mit­be­stim­mung der Mit­glie­der aus­bau­en, z.B. durch die Wahl eines legi­ti­mier­ten Fan­ver­tre­ters, der durch das Prä­si­di­um in den Auf­sichts­rat beru­fen wird
  • Muse­um als gemein­sa­mes Pro­jekt aller Gre­mi­en, Grup­pie­run­gen und Abtei­lun­gen
  • Strahl­kraft der Abtei­lun­gen erhö­hen, Ver­eins­le­ben för­dern
  • Sat­zungs­än­de­run­gen u.a. zum Auf­ga­ben­be­reich des Ver­eins­bei­rats als das Prä­si­di­um bera­ten­des und kon­trol­lie­ren­des Gre­mi­um ansto­ßen

Mit wel­chen Maß­nah­men wol­len sie die Abtei­lun­gen des VfB e.V. — abge­se­hen vom Jugend­fuß­ball — wei­ter stär­ken?

  • Ein­for­de­rung der im Grund­la­gen­ver­trag ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen bei der AG

Wir müs­sen die Bedürf­nis­se und Erwar­tun­gen der Abtei­lun­gen betref­fend Kom­mu­ni­ka­ti­on, Finan­zen sowie Mar­ke­ting & Spon­so­ring klar kom­mu­ni­zie­ren und die Leis­tungs­er­brin­gung im Sin­ne der Abtei­lun­gen ein­for­dern.

  • Strahl­kraft der Abtei­lun­gen aus­bau­en

Die Abtei­lun­gen müs­sen sicht­ba­rer gemacht wer­den. Dies kön­nen wir u.a. dadurch errei­chen, dass wir einen wöchent­li­chen News­let­ter mit allen Ter­mi­nen der anste­hen­den Spie­le und Wett­kämp­fe anbie­ten, indem wir Spiele/Wettkämpfe mit Spiel­ta­gen ver­knüp­fen und den Ein­tritt in der Ein­tritts­kar­te für das Bun­des­li­ga­spiel inklu­die­ren oder indem wir an einem „Tag des Ver­eins“ allen Abtei­lun­gen die Mög­lich­keit geben, sich zu prä­sen­tie­ren. Auch Koope­ra­tio­nen mit Schu­len soll­ten aus­ge­baut wer­den, um den Nach­wuchs zu sichern. Wenn die Abtei­lun­gen mehr ins Ram­pen­licht gerückt wer­den, stei­gert dies auch auto­ma­tisch die Attrak­ti­vi­tät für Spon­so­ren.

  • Ver­bes­se­rung der Infra­struk­tur

Alle Abtei­lun­gen soll­ten lang­fris­tig rund um den Neckar­park eine Hei­mat haben.

  • Reak­ti­vie­rung des Club­re­stau­rants als Ver­eins­heim für alle Abtei­lun­gen und Mit­glie­der oder Schaf­fung eines neu­en Begeg­nungs­raums.
  • Ver­eins­le­ben ermög­li­chen und för­dern
  • Erwei­te­rung des Ange­bots durch neue Abtei­lun­gen über Koope­ra­tio­nen mit bestehen­den Ver­ei­nen, denn der Brei­ten­sport ist das Herz­stück des Ver­eins

Hal­ten Sie die Ein­rich­tung eines fes­ten Ver­eins­mu­se­ums für sinn­voll und umsetz­bar?

Ich hal­te die Ein­rich­tung eines Ver­eins­mu­se­ums nicht nur für sinn­voll, son­dern für zwin­gend erfor­der­lich, um die Tra­di­ti­on zu wah­ren und sie an die nächs­ten Gene­ra­tio­nen wei­ter­zu­ge­ben. Für mich ist die Ent­wick­lung eines Ver­eins­mu­se­ums aber noch viel mehr, es ist für mich das ver­bin­den­de Pro­jekt, an dem alle gemein­sam arbei­ten kön­nen, Mit­glie­der, Abtei­lun­gen, Ver­eins­bei­rat, Prä­si­di­um und Vor­stand.

Der VfB hat über 120.000 Mit­glie­der. Wie wol­len Sie die­se in das Ver­eins­le­ben ein­bin­den?

Die Mit­glieds­bei­trä­ge stel­len die Haupt­ein­nah­me­quel­le des e.V. dar. Man muss lei­der fest­stel­len, dass der größ­te Teil Mit­glied ist, weil die Mit­glied­schaft Vor­tei­le bezüg­lich Vor­kaufs­recht auf Tickets oder Rabat­te im Shop beinhal­tet. Somit ist die Mit­glie­der­zahl stark abhän­gig vom Erfolg der Pro­fi­mann­schaft. Wir müs­sen dar­an arbei­ten, dass mehr Mit­glie­der Mit­glied blei­ben oder wer­den, weil sie sich mit dem Ver­ein iden­ti­fi­zie­ren, Teil der Gemein­schaft sein und mit­be­stim­men und mit­ge­stal­ten wol­len. Durch fol­gen­de Maß­nah­men kön­nen wir die­ses Ziel errei­chen:

  • Durch Inte­gri­tät und Trans­pa­renz das Ver­trau­en in die Gre­mi­en stär­ken
  • Ver­eins­le­ben aus­bau­en z.B. durch ein Som­mer­fest oder ein Fuß­ball­tur­nier nur für Mit­glie­der
  • Mehr Betei­li­gung z.B. über Pro­jekt­grup­pen und mehr Mit­be­stim­mung ermög­li­chen, um die emo­tio­na­le Ver­bun­den­heit zu stär­ken

Wie ste­hen Sie zur Mög­lich­keit einer hybri­den Mit­glie­der­ver­samm­lung?

Ich als Mit­glied kann eine hybri­de Mit­glie­der­ver­samm­lung aus fol­gen­den Grün­den der­zeit nicht befür­wor­ten:

  • Die Mit­glie­der­ver­samm­lung wäre dann öffent­lich, der Ein­wahl­link könn­te wei­ter­ge­ge­ben wer­den, bzw. der Live-Stream könn­te mit­ge­schnit­ten wer­den. Zudem sieht unse­re Sat­zung kei­ne Stimm­rechts­über­tra­gung vor. Fak­tisch käme eine hybri­de Mit­glie­der­ver­samm­lung aber einer Stimm­rechts­über­tra­gung gleich, da die Zugangs­da­ten an Drit­te wei­ter­ge­ge­ben wer­den könn­ten, die sich in der Fol­ge stell­ver­tre­tend an Abstim­mun­gen betei­li­gen könn­ten. Um dies aus­zu­schlie­ßen wäre eine Legi­ti­mie­rung, die mit hohen Kos­ten ver­bun­den wäre, nötig.
  • Vie­le Mit­glie­der haben unter­jäh­rig nicht die Zeit oder das Inter­es­se, sich mit der Ver­eins­po­li­tik und even­tu­ell anste­hen­den Sat­zungs­än­de­run­gen zu beschäf­ti­gen. Des­halb hal­te ich die Aus­spra­che im Rah­men der Mit­glie­der­ver­samm­lung für essen­zi­ell, die Ver­gan­gen­heit hat gezeigt, wie wich­tig die­se für die Mei­nungs­bil­dung der anwe­sen­den Mit­glie­der sein kann. Mei­ne Sor­ge ist, dass sich Mit­glie­der von zu Hau­se aus ein­wäh­len, aber die Mit­glie­der­ver­samm­lung nicht ver­fol­gen, son­dern nur an Abstim­mun­gen teil­neh­men.
  • Hybri­de Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen bedeu­ten für den e.V. erheb­li­che Mehr­kos­ten. Bei ande­ren Ver­ei­nen hat sich gezeigt, dass sich die Teil­nah­me­quo­te durch eine hybri­de Mit­glie­der­ver­samm­lung nur gering­fü­gig erhöht hat, wäre dies bei uns auch der Fall, so stün­den die Mehr­kos­ten für mich in kei­nem Ver­hält­nis.

Ich möch­te in die­sem Zusam­men­hang beto­nen, dass ich trotz der Geset­zes­än­de­rung das Prä­si­di­um nicht befugt sehe, die Ent­schei­dung über eine hybri­de Mit­glie­der­ver­samm­lung zu tref­fen. Die­se weit­rei­chen­de Ent­schei­dung muss die Mit­glie­der­ver­samm­lung tref­fen.

Wel­ches Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al sehen Sie noch bei der Sat­zung des e.V.?

  • Es soll­te über die Sat­zung gere­gelt wer­den, dass auto­ma­tisch alle 3 Prä­si­di­ums­mit­glie­der einen Auf­sichts­rats­sitz inne­ha­ben.
  • Der Ver­eins­bei­rat soll­te über die Sat­zung als bera­ten­des und kon­trol­lie­ren­des Gre­mi­um für das Prä­si­di­um eta­bliert wer­den. Es könn­te unter ande­rem fest­ge­legt wer­den, dass die Ände­rung des Grund­la­gen­ver­tra­ges und die Kapi­tal­erhö­hung zustim­mungs­pflich­tig durch den Ver­eins­bei­rat ist. Außer­dem könn­ten wir das Prä­si­di­um dazu ver­pflich­ten, die Auf­sichts­rats­be­set­zung mit dem Ver­eins­bei­rat zu erör­tern.
  • Fest­le­gen des Hand­lungs­rah­mens inner­halb des­sen das Prä­si­di­um befugt ist, Auf­ga­ben zu dele­gie­ren.

Wür­den Sie im Fal­le einer Wahl und der gleich­zei­ti­gen Wahl von Diet­mar All­gai­er zum Prä­si­den­ten die Ein­füh­rung eines/r lei­ten­den Ange­stell­ten im Ver­ein, der dem Prä­si­den­ten die ope­ra­ti­ve Arbeit abnimmt, begrü­ßen und unter­stüt­zen?

Ich sehe die Not­wen­dig­keit den e.V. wei­ter zu pro­fes­sio­na­li­sie­ren, aber einen Geschäfts­füh­rer kann ich aus fol­gen­den Grün­den nicht befür­wor­ten:

  • Wir haben sehr moti­vier­te Mit­ar­bei­ter im Ver­eins­ma­nage­ment, die sehr gute Arbeit leis­ten und sich weit über die regel­mä­ßi­ge Arbeits­zeit hin­aus für den Ver­ein ein­set­zen. Ich hal­te es nicht für sinn­voll, son­dern eher demo­ti­vie­rend, wenn man ihnen einen Geschäfts­füh­rer über­stel­len wür­de.
  • Die Geschäfts­füh­rung des e.V. muss das Prä­si­di­um inne­ha­ben, denn die­se sind hier­für von den Mit­glie­dern gewählt. Ein allein durch das Prä­si­di­um ein­ge­setz­ter Geschäfts­füh­rer birgt die Gefahr, dass Ent­schei­dun­gen an den Mit­glie­dern vor­bei getrof­fen wer­den, die Mit­glie­der hät­ten kei­nen Zugriff auf die­se Per­son.

Ich bin davon über­zeugt, dass wir den Unter­bau erwei­tern soll­ten und einem bestehen­den Mit­ar­bei­ter über eine Unter­schrif­ten­re­ge­lung mehr Kom­pe­ten­zen zukom­men las­sen soll­ten. Der Hand­lungs­rah­men, inner­halb des­sen das Prä­si­di­um Auf­ga­ben dele­gie­ren kann, könn­te durch die Mit­glie­der­ver­samm­lung im Rah­men einer durch die Sat­zungs­kom­mis­si­on erar­bei­te­ten Sat­zungs­än­de­rung fest­ge­legt wer­den. Ich möch­te dem neu­en Prä­si­di­um hier nicht vor­grei­fen, aber den­noch ein Bei­spiel nen­nen, ich könn­te mir unter ande­rem eine zusätz­li­che Stel­le kom­bi­niert für Finan­zen und För­der­mit­tel vor­stel­len. Wir sind ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein, daher haben wir Zugriff auf viel­fäl­ti­ge För­der­mit­tel für unse­re Abtei­lun­gen, ich gehe davon aus, dass das Poten­zi­al dies­be­züg­lich noch nicht aus­ge­schöpft ist.

Die Res­sorts Recht, Finan­zen, Mit­glie­der­we­sen, Mar­ke­ting & Spon­so­ring und Kom­mu­ni­ka­ti­on wer­den der­zeit, wie im Grund­la­gen­ver­trag gere­gelt, durch die AG als Dienst­leis­ter für den e.V. erbracht. Ich hal­te nichts davon, wenn wir uns in die­sen Res­sorts eine Par­al­lel­welt im e.V. auf­bau­en. Viel­mehr müs­sen wir die über den Grund­la­gen­ver­trag ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen ein­for­dern, wir müs­sen klar kom­mu­ni­zie­ren, was wir erwar­ten und was wir benö­ti­gen. Soll­te sich in der Fol­ge her­aus­stel­len, dass ein­zel­ne Leis­tun­gen nicht zufrie­den­stel­lend erbracht wer­den oder sich die AG als Dienst­leis­ter zum Nach­teil für den e.V. her­aus­stel­len, dann müs­sen ein­zel­ne Leis­tun­gen aus dem Grund­la­gen­ver­trag her­aus­ge­nom­men wer­den, sodass der e.V. die­se nicht mehr über den Grund­la­gen­ver­trag ver­gü­ten muss. In der Fol­ge müs­sen die ent­spre­chen­den Stel­len im e.V. geschaf­fen oder Auf­trä­ge extern ver­ge­ben wer­den.

Wie ist Ihre Hal­tung zum Auf­sichts­rats­vor­sitz der VfB AG: Soll­te die­ser nur vom Prä­si­den­ten des e.V. gestellt wer­den oder kann es auch ein Prä­si­di­ums-Mit­glied sein? Oder muss es über­haupt ein/e Vertreter/in des Ver­eins sein?

Den Auf­sichts­rats­vor­sitz muss zwin­gend ein gewähl­tes Gre­mi­en­mit­glied inne­ha­ben. Wir Mit­glie­der haben durch die Aus­glie­de­rung jeg­li­chen Zugriff auf den Pro­fi­fuß­ball und die AG ver­lo­ren, ein­zig über den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den kön­nen wir noch bedingt Ein­fluss neh­men, wenn es sich um ein gewähl­tes Gre­mi­en­mit­glied han­delt.

Auch, wenn bei der dama­li­gen Mit­glie­der­ver­samm­lung das Ver­spre­chen, dass der Prä­si­dent immer Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der sein wird, tat­säch­lich nicht geäu­ßert wur­de, so gilt es für mich den­noch, da es uns Mit­glie­dern im Vor­feld und im Nach­gang mehr­mals genau so ver­spro­chen wur­de. Ich plä­die­re aber dafür, die ande­ren Prä­si­di­ums­mit­glie­der aus fol­gen­dem Grund nicht gänz­lich aus­zu­schlie­ßen:

Der­zeit sind die bei­den Stell­ver­tre­ter des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den die bei­den Inves­to­ren­ver­tre­ter. Soll­te unser Prä­si­dent z.B. krank­heits­be­dingt für län­ge­re Zeit aus­fal­len, so hät­te dies zur Fol­ge, dass der Auf­sichts­rat von den bei­den Inves­to­ren­ver­tre­tern gelei­tet wird, die­se wür­den u.a. die Tages­ord­nung fest­le­gen. Für einen sol­chen Fall soll­te das Prä­si­di­um die Mög­lich­keit haben, ein ande­res Prä­si­di­ums­mit­glied zur Wahl des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den vor­zu­schla­gen. Wich­tig ist aber, dass nicht der Auf­sichts­rat sich ein Prä­si­di­ums­mit­glied aus­sucht, son­dern wenn, dann beschließt das Prä­si­di­um, ein ande­res Prä­si­di­ums­mit­glied vor­zu­schla­gen.

Die­sen Pas­sus möch­te ich als mora­lisch ver­bind­li­che Soll-For­mu­lie­rung in der AG-Sat­zung ver­an­kern, wobei ich die genaue Aus­for­mu­lie­rung der Sat­zungs­kom­mis­si­on über­las­sen möch­te und die Mit­glie­der­ver­samm­lung über die Auf­nah­me abstim­men las­sen möch­te.

Aktu­ell ist der Auf­sichts­rat der VfB AG mit 10 Per­so­nen besetzt, wovon fünf den VfB e.V. ver­tre­ten (Diet­mar All­gai­er, Andre­as Grupp, Bea­te Beck-Dehar­de, Tan­ja Gön­ner und Alex­an­der Klä­ger) je zwei den Inves­tor Mer­ce­des (Peter Schy­mon und Franz Rei­ner), je zwei den Inves­tor Por­sche (Lutz Mesch­ke und Albrecht Rei­mold) sowie mit Tobi­as Rös­chl ein Ver­tre­ter des Inves­tors JAKO. Ein wei­te­rer Platz ist noch frei. Wie ist Ihre Hal­tung zur Sitz-Ver­tei­lung im Auf­sichts­rat? Soll­te die­ser dem Ver­hält­nis der Antei­le an der VfB AG ent­spre­chen (78,2 Pro­zent VfB e.V., 10,4 Pro­zent Por­sche, 10,4 Pro­zent Mer­ce­des, 1 Pro­zent JAKO) oder reicht eine ein­fa­che Mehr­heit des e.V.?

Die Mehr­heits­ver­hält­nis­se müs­sen in allen Gre­mi­en, also Auf­sichts­rat und Prä­si­di­al­aus­schuss abge­bil­det sein. Vier Sit­ze sind an je zwei Inves­to­ren­ver­tre­ter ver­ge­ben. Für mich ist selbst­ver­ständ­lich, dass alle drei Prä­si­di­ums­mit­glie­der den e.V. im Auf­sichts­rat ver­tre­ten. Auch dies soll­ten wir so in der e.V.-Satzung ver­an­kern. Die wei­te­ren fünf e.V.-Sitze müs­sen durch das Prä­si­di­um an kom­pe­ten­te e.V‑Vertreter ver­ge­ben wer­den. Das Prä­si­di­um muss einen trans­pa­ren­ten Pro­zess erar­bei­ten, wie die Auf­sichts­rats­sit­ze zukünf­tig ver­ge­ben wer­den sol­len. Wenn die nöti­gen Kom­pe­tenz­fel­der fest­ge­legt sind, kön­nen die pas­sen­den Per­sön­lich­kei­ten gesucht und gefun­den wer­den. Es ist dar­auf zu ach­ten, dass die Auf­sichts­rä­te unab­hän­gig von Vor­stän­den, Inves­to­ren und wei­te­ren han­deln­den Per­so­nen sind und sie müs­sen sen­si­bi­li­siert wer­den, was es bedeu­tet, einen e.V.-Sitz im Auf­sichts­rat inne­zu­ha­ben.

Somit hät­te der e.V. eine 2/3 Mehr­heit, was die Anteils­ver­hält­nis­se annä­hernd abbil­den wür­de.

Dar­an anschlie­ßend: Soll­te der Auf­sichts­rat in sei­ner jet­zi­gen Grö­ße bei­be­hal­ten, ver­grö­ßert oder ver­klei­nert wer­den?

Der Auf­sichts­rat muss in sei­ner jet­zi­gen Grö­ße bei­be­hal­ten wer­den, da bei einer Redu­zie­rung auf 9 Sit­ze die Anteils­ver­hält­nis­se nicht mehr abbild­bar wären. Eine Erwei­te­rung auf 15 Sit­ze hal­te ich nicht für sinn­voll.

Soll­te der Prä­si­di­al­aus­schuss die Mehr­heits­ver­hält­nis­se eben­so wider­spie­geln oder sind Sie mit der der­zei­ti­gen Beset­zung (zwei e.V.-Vertreter, je ein Inves­to­ren-Ver­tre­ter, Mehr­heit des e.V. ist durch dop­pel­tes Stimm­recht des Prä­si­den­ten gewahrt) zufrie­den?

Auch im Prä­si­di­al­aus­schuss müs­sen die Mehr­heits­ver­hält­nis­se abge­bil­det sein. Ich hät­te mir gewünscht, dass die Inves­to­ren­ver­tre­ter sich einen Sitz im Prä­si­di­al­aus­schuss tei­len, dann hät­te man den Prä­si­di­al­aus­schuss bei drei Per­so­nen belas­sen kön­nen. Wenn der Prä­si­di­al­aus­schuss, wie nun gesche­hen, auf vier Per­so­nen erwei­tert wird, hät­te ich es für sinn­voll erach­tet, wenn der vier­te Sitz durch den e.V.-Vertreter mit Fuß­ball­kom­pe­tenz ein­ge­nom­men wür­de.

Um 50+1 gera­de noch so zu wah­ren, ver­fügt der Prä­si­dent im Fal­le einer Patt­si­tua­ti­on über die Dop­pel­stim­me und es müs­sen nun immer bei­de Prä­si­di­ums­mit­glie­der anwe­send sein, um beschluss­fä­hig zu sein. Dies hal­te ich für die „schnel­le Ein­greif­trup­pe“ nicht für sinn­voll, da es die Hand­lungs­fä­hig­keit die­ses Gre­mi­ums ein­schränkt.

Ich kann der­zeit nicht beur­tei­len, ob der Prä­si­di­al­aus­schuss dau­er­haft nötig ist oder ob der Auf­sichts­rat die­se Ent­schei­dun­gen eben­falls tref­fen könn­te. Vor­aus­set­zung hier­für wäre mehr Vor­lauf­zeit für die Beschluss­fas­sung.

Sehen Sie die Not­wen­dig­keit, den Auf­sichts­rat vor Ablauf der Amts­zeit 2027 neu zu beset­zen, was die Ver­tre­tung des VfB e.V. angeht?

Ja, die­se Not­wen­dig­keit sehe ich, dass wir den Auf­sichts­rat vor 2027 stra­te­gisch neu auf­stel­len müs­sen.

Ich hat­te nie den Ein­druck, dass die Auf­sichts­rä­te, die einen e.V.-Sitz inne­ha­ben, bewusst Ent­schei­dun­gen gegen den e.V. getrof­fen haben, son­dern mein Ein­druck war und ist, dass ihnen zu kei­nem Zeit­punkt ihre Rol­le erklärt wur­de. Den­noch ist viel Ver­trau­en ver­lo­ren gegan­gen und es muss bei jedem Ver­tre­ter hin­ter­fragt wer­den, wel­cher Mehr­wert für den VfB gebo­ten wird.

In die­sem Zusam­men­hang wün­sche ich mir einen legi­ti­mier­ten Fan­ver­tre­ter im Auf­sichts­rat, da es wich­tig ist, dass auch die­se Sicht­wei­se im Auf­sichts­rat ein­ge­bracht wird. Für die Legi­ti­mie­rung gibt es für mich zwei Mög­lich­kei­ten:

Wir grün­den eine Fan­ab­tei­lung und wäh­len den Fan­ver­tre­ter aus deren Mit­te

oder

die Mit­glie­der­ver­samm­lung wählt den Fan­ver­tre­ter nach­dem der Wahl­aus­schuss die Kan­di­da­ten nomi­niert hat.

In bei­den Fäl­len wür­de dem Prä­si­di­um emp­foh­len, den gewähl­ten Fan­ver­tre­ter in den Auf­sichts­rat zu beru­fen.

Sehen Sie die Not­wen­dig­keit, die Mit­glie­der über einen Ver­kauf von Antei­len über die 2017 beschlos­se­nen 24,9 Pro­zent abstim­men zu las­sen? War­um oder war­um nicht? 

Nein, die­se Not­wen­dig­keit sehe ich nicht und ich wür­de die Abstim­mung in der Mit­glie­der­ver­samm­lung auch nicht befür­wor­ten. Deutsch­land­weit ist 50+1 nicht ver­han­del­bar, beim VfB ist für mich 75+1 nicht ver­han­del­bar. Der Ver­ein und ins­be­son­de­re der Fuß­ball gehört uns allen! Wenn wir wei­te­re Antei­le abge­ben wür­den, so wür­de das die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Ver­ein wei­ter schmä­lern und den Ein­fluss des e.V. in der AG erneut redu­zie­ren.

Abge­se­hen davon sehe ich nicht die Not­wen­dig­keit zusätz­li­che finan­zi­el­le Mit­tel für die AG über einen erneu­ten Anteils­ver­kauf zu gene­rie­ren und wir müs­sen gene­rell hin­ter­fra­gen, ob der Ver­kauf von Antei­len wäh­rend einer Pha­se, in der der Markt­wert steigt, über­haupt Sinn macht. Wir müs­sen inner­halb der AG ein Gesamt­kon­zept ent­wi­ckeln und den VfB durch erfolg­rei­che Arbeit und eine weit­sich­ti­ge Finanz­pla­nung auf soli­de Bei­ne stel­len.

Wel­che The­men, die Fans abseits des sport­li­chen Erfolgs bewe­gen, hal­ten Sie für am wich­tigs­ten?

Die Ent­frem­dung von Ver­ei­nen und Ver­bän­den von der Basis schrei­tet immer wei­ter vor­an. Die Fans haben den deut­schen Fuß­ball zu dem gemacht, was er heu­te ist. Des­halb müs­sen wir uns für den Erhalt der Fan­kul­tur in Deutsch­land ein­set­zen. Hier­zu zäh­le ich fol­gen­de Aspek­te:

  • Bezahl­ba­re Tickets
  • Fan­ge­rech­te Anstoß­zei­ten
  • Ein­satz gegen Kol­lek­tiv­stra­fen und Stadt- und Sta­di­on­ver­bo­te ohne rechts­kräf­ti­ge Ver­ur­tei­lung
  • Video­be­weis abschaf­fen, damit der Fuß­ball, der von Emo­tio­nen lebt, erhal­ten bleibt
  • Ver­pflich­ten­de Sta­di­on­al­li­an­zen
  • Ange­mes­se­ne Behand­lung von Gäs­te­fans bei Aus­wärts­spie­len
  • Kom­mis­si­on Fans und Fan­kul­tu­ren mehr Gehör ver­schaf­fen

Ich möch­te dies­be­züg­lich aber kei­ne fal­schen Erwar­tun­gen wecken. Der Ein­satz für den Erhalt der Fan­kul­tur in Deutsch­land ist dem Prä­si­di­um nur mög­lich, wenn der Auf­sichts­rat und vor allem der Vor­stand davon über­zeugt wer­den kön­nen, die­sen Weg zu gehen. Hier müs­sen wir Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten, indem wir den dar­aus resul­tie­ren­den Mehr­wert für den VfB her­aus­stel­len.

Wel­che Lösun­gen sehen Sie für eine nach­voll­zieh­ba­re Ver­tei­lung von Ein­tritts­kar­ten?

Die Ver­tei­lung der Ein­tritts­kar­ten bzw. die begrenz­te Anzahl an Tickets wird immer ein Streit­the­ma blei­ben. Wir ver­kau­fen immer noch das­sel­be Pro­dukt, die Nach­fra­ge ist aber mas­siv gestie­gen.

Ich möch­te mit kla­ren Hand­lungs­emp­feh­lun­gen dar­an mit­wir­ken, den Mit­glie­der­ver­kauf über den Ticket­shop zu opti­mie­ren, hier sehe ich gro­ßen Hand­lungs­be­darf.

Außer­dem müs­sen wir ehr­lich und trans­pa­rent kom­mu­ni­zie­ren, wie weni­ge Tickets über­haupt für den Mit­glie­der­ver­kauf zur Ver­fü­gung ste­hen, um kei­ne fal­schen Erwar­tun­gen zu wecken. Wir haben 60.000 Plät­ze, davon sind 36.000 an Dau­er­kar­ten­in­ha­ber ver­ge­ben, 6.000 ste­hen den Gäs­ten zu, zudem ver­fü­gen wir über ca. 3.500 Busi­ness­plät­ze und wei­te­re Tickets gehen an Spon­so­ren. So kann sich jeder aus­rech­nen, wie weni­ge Tickets über­haupt an Mit­glie­der ver­kauft wer­den kön­nen.

Wel­che Rol­le kön­nen Sie als Prä­si­di­ums­mit­glied des e.V. im Span­nungs­feld zwi­schen orga­ni­sier­ten Fans, der Poli­zei und der Liga spie­len?

Zunächst möch­te ich mei­ne Hal­tung zu die­sem Span­nungs­feld dar­le­gen.

Grund­sätz­lich haben alle die­sel­ben Pflich­ten und es gel­ten für alle in Deutsch­land die­sel­ben ein­zu­hal­ten­den Geset­ze. In die­sem Zusam­men­hang muss man aber im Gegen­zug die Fra­ge stel­len, ob alle Fuß­ball­fans auch die­sel­ben Rech­te haben. Die­se Fra­ge muss ich aus mei­nen per­sön­li­chen Erfah­run­gen her­aus mit Nein beant­wor­ten.

Ich bin davon über­zeugt, dass ich zwi­schen den ein­zel­nen Inter­es­sens­grup­pen ver­mit­teln kann, da ich die unter­schied­li­chen Hal­tun­gen ver­ste­hen kann. Da ich immer wie­der mit der Fan­sze­ne rei­se und auch ich bereits zur fal­schen Zeit am fal­schen Ort war und die Über­macht der Poli­zei zu spü­ren bekom­men habe, posi­tio­nie­re ich mich klar für die orga­ni­sier­ten Fans. Die Fra­ge wird sein, ob die Poli­zei und die Liga mich als Gesprächs­part­ner akzep­tie­ren. Dies wäre Vor­aus­set­zung für kon­flikt­lö­sen­de Gesprä­che auf Augen­hö­he. Fan­kul­tur braucht gewis­se Frei­räu­me, wenn hier­für eine Akzep­tanz geschaf­fen wer­den könn­te, wür­den alle Sei­ten davon pro­fi­tie­ren.

Der­zeit sehe ich auf­grund der Gescheh­nis­se der letz­ten Jah­re kei­ne Mög­lich­keit alle Ver­tre­ter an einen Tisch zu bekom­men, daher wür­de ich ger­ne zwi­schen den unter­schied­li­chen Ver­tre­tern ver­mit­teln.

Sehen Sie sich durch Ihre Arbeit im Ver­eins­bei­rat auf die Auf­ga­ben im Prä­si­di­um vor­be­rei­tet und wenn ja, wie?

Ja, ich sehe mich durch die Arbeit im Ver­eins­bei­rat sehr gut auf die Auf­ga­ben im Prä­si­di­um vor­be­rei­tet. Ich ken­ne die inter­nen Struk­tu­ren in e.V.  und AG im Detail, ich ken­ne die han­deln­den Per­so­nen und weiß, wie ich mit wem spre­chen muss, um bestimm­te Zie­le zu errei­chen. Durch mei­ne offe­ne und ehr­li­che Art und die Art und Wei­se wie ich bis­her mit Kon­flik­ten umge­gan­gen bin, konn­te ich mir all­seits Respekt und Aner­ken­nung ver­schaf­fen. Dies wird mir bei der Arbeit im Prä­si­di­um hel­fen.

Durch mei­ne bis­he­ri­ge Arbeit ken­ne ich die Pro­blem­fel­der sowie die Poten­zia­le und kann sofort nach mei­ner Wahl in den Arbeits­mo­dus umschal­ten.

Vie­len Dank für das Gespräch!

Titel­bild: © Ber­na­dette Mar­ti­ni

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