Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Viking-Podcaster Dagi

End­lich wie­der Cham­pi­ons League denkt sich nicht nur der VfB, son­dern auch unser ers­ter Geg­ner Viking FK aus Sta­van­ger. Wie es beim aktu­el­len nor­we­gi­schen Meis­ter aus­sieht ver­rät uns Dagi vom Viking Pod­cast Bak Mål.

Rund um den Brust­ring: Zunächst ein­mal herz­li­chen Glück­wunsch zum ers­ten Meis­ter­ti­tel seit 1991! War der Gewinn der Meis­ter­schaft eine gro­ße Über­ra­schung oder vor allem das Ergeb­nis guter Arbeit über einen län­ge­ren Zeit­raum?

Dagi: Ich wür­de sagen, es war ein biss­chen von bei­dem. Viking hat­te über meh­re­re Jah­re hin­weg auf etwas hin­ge­ar­bei­tet, aber vor Beginn der Sai­son hät­ten wohl nur sehr weni­ge Men­schen vor­her­ge­sagt, dass wir tat­säch­lich Meis­ter wer­den wür­den. Der Titel war defi­ni­tiv kein Zufall. Der Ver­ein hat sowohl auf als auch neben dem Platz hart dar­an gear­bei­tet, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, und über die Jah­re war eine kla­re Ent­wick­lung zu erken­nen. Der größ­te Unter­schied in die­ser Sai­son war wahr­schein­lich die Kon­stanz. Wir haben es geschafft, Woche für Woche auf einem hohen Niveau zu spie­len – und genau das hat uns letzt­end­lich den Titel gebracht. Für die Viking-Fans war der Meis­ter­ti­tel abso­lut gewal­tig. Die letz­te Meis­ter­schaft lag 34 Jah­re zurück, des­halb waren die Emo­tio­nen rie­sig, als es end­lich geschafft war.

Ihr habt Dina­mo Zagreb in der Qua­li­fi­ka­ti­on aus­ge­schal­tet. Habt Ihr damit gerech­net, wei­ter­zu­kom­men?

Ehr­lich gesagt: nein. Wir wuss­ten, dass wir eine Chan­ce haben, aber Dina­mo Zagreb war natür­lich der Favo­rit. Sie haben deut­lich mehr Erfah­rung auf die­sem Niveau und neh­men seit Jah­ren regel­mä­ßig an euro­päi­schen Wett­be­wer­ben teil.

Genau das hat das Ergeb­nis auch so beson­ders gemacht. Viking hat gezeigt, dass wir auch gegen Mann­schaf­ten mit grö­ße­ren Bud­gets und deut­lich mehr inter­na­tio­na­ler Erfah­rung mit­hal­ten kön­nen.

Was denkst Du über die Geg­ner, die ihr zuge­lost bekom­men habt?

Für uns ist es eine fan­tas­ti­sche Aus­lo­sung. Wir woll­ten gro­ße euro­päi­sche Ver­ei­ne, denn genau von sol­chen Spie­len träumt man als Fan.

Wir wis­sen, dass das Niveau extrem hoch ist. Gleich­zei­tig haben wir nichts zu ver­lie­ren. Wir kön­nen mit viel Begeis­te­rung in die­se Spie­le gehen und ver­su­chen, es Mann­schaf­ten, die eigent­lich als Favo­ri­ten gel­ten, so schwer wie mög­lich zu machen.

Wie habt Ihr reagiert, als ihr Stutt­gart zuge­lost bekom­men habt?

Da war defi­ni­tiv gro­ße Begeis­te­rung! Stutt­gart ist ein gro­ßer Ver­ein, und gegen eine Mann­schaft aus der Bun­des­li­ga zu spie­len, macht das gan­ze Erleb­nis noch ein­mal beson­de­rer. Und dies­mal kom­men wir nach Stutt­gart, also habt ihr den Heim­vor­teil. Wir wis­sen, dass die Her­aus­for­de­rung dadurch noch grö­ßer wird. Unse­re Reak­ti­on war wahr­schein­lich unge­fähr: „Okay … das wird schwie­rig – aber was für eine Chan­ce!“ Genau des­halb wol­len wir in Euro­pa spie­len. Wir wol­len uns mit Ver­ei­nen wie Stutt­gart mes­sen.

Was sind Eure Zie­le in der Cham­pi­ons League?

In ers­ter Linie wol­len wir es genie­ßen und das Bes­te aus die­ser Gele­gen­heit machen. Wir sind rea­lis­tisch. Von Viking wird nicht erwar­tet, dass wir im Wett­be­werb weit kom­men. Aber wir wol­len auch nicht ein­fach nur froh sein, dabei zu sein. Unser Ziel ist es, kon­kur­renz­fä­hig zu sein, eini­ge Spie­le zu gewin­nen und hof­fent­lich auf dem Weg dort­hin ein paar Leu­te zu über­ra­schen. Und wenn wir eini­ge euro­päi­sche Spit­zen­ver­ei­ne vor Pro­ble­me stel­len kön­nen, wäre das eine fan­tas­ti­sche Erfah­rung für uns.

Die Bun­des­li­ga-Sai­son hat in Deutsch­land gera­de erst begon­nen, wäh­rend ihr bereits mit­ten in eurer Sai­son steckt. Siehst Du dar­in einen Vor­teil oder einen Nach­teil?

Ich den­ke, es kann bei­des sein. Viking befin­det sich mit­ten in der lau­fen­den Sai­son. Die Spie­ler sind also bereits voll im Spiel­rhyth­mus und haben vie­le wich­ti­ge Spie­le gemein­sam bestrit­ten. Stutt­gart hin­ge­gen fin­det erst noch sei­nen Rhyth­mus. Das könn­te uns in Bezug auf Fit­ness und Momen­tum einen Vor­teil ver­schaf­fen. Aller­dings spielt Stutt­gart zu Hau­se und kommt aus einer deut­lich stär­ke­ren Liga. Ihr habt Spie­ler, die es gewohnt sind, auf einem sehr hohen Niveau zu spie­len. Auch wenn wir also mehr Pflicht­spie­le in den Bei­nen haben, ist der Qua­li­täts­un­ter­schied etwas, mit dem wir umge­hen müs­sen.

Wie all­ge­mein bekannt ist, habt Ihr nicht einen, son­dern gleich zwei Chef­trai­ner. Wie kam es dazu?

Das ist defi­ni­tiv unge­wöhn­lich! Viking hat sich für einen etwas ande­ren Ansatz ent­schie­den: Bjar­te Lun­de Aars­heim und Mor­ten Jen­sen arbei­ten gemein­sam als Chef­trai­ner. Anstatt dass eine Per­son alle Ent­schei­dun­gen trifft, tei­len sie sich die Ver­ant­wor­tung und ergän­zen sich gegen­sei­tig. Das ist zu einem sehr wich­ti­gen Bestand­teil der Arbeits­wei­se von Viking gewor­den. Von außen mag das viel­leicht etwas unge­wöhn­lich aus­se­hen, aber für uns hat es her­vor­ra­gend funk­tio­niert. Und wenn man Meis­ter wird, ist es schwie­rig, gegen die Ergeb­nis­se zu argu­men­tie­ren!

Wie wür­dest Du euren Spiel­stil beschrei­ben? Was sind die Stär­ken und Schwä­chen der Mann­schaft?

Viking ist eine offen­siv aus­ge­rich­te­te und ener­gie­ge­la­de­ne Mann­schaft. Wir wol­len Fuß­ball spie­len, anstatt uns ein­fach nur hin­ten hin­ein­zu­stel­len und zu ver­tei­di­gen. Wir ver­su­chen, hoch zu pres­sen, mit viel Inten­si­tät zu spie­len und vie­le Spie­ler in unse­re Angriffs­si­tua­tio­nen ein­zu­bin­den. Außer­dem haben wir viel Selbst­ver­trau­en, wenn wir den Ball haben. Unse­re größ­te Stär­ke ist wahr­schein­lich unser Kol­lek­tiv. Wir ver­las­sen uns nicht voll­stän­dig auf einen ein­zel­nen Spie­ler. Die Mann­schaft arbei­tet sehr hart für­ein­an­der. Unse­re Schwä­che ist wahr­schein­lich die Kehr­sei­te die­ser offen­si­ven Men­ta­li­tät. Wenn man vie­le Spie­ler nach vor­ne schickt und hoch presst, kann man Räu­me hin­ter sich offen las­sen. Gegen eine Mann­schaft wie Stutt­gart könn­te das gefähr­lich wer­den. Wenn wir den Ball in ungüns­ti­gen Situa­tio­nen ver­lie­ren, hat Stutt­gart die Qua­li­tät, uns sehr schnell dafür zu bestra­fen.

Wen wür­dest Du als euren bes­ten Spie­ler bezeich­nen?

Für mich muss es unser Kapi­tän Zlat­ko Tri­pić sein. Er ist für Viking enorm wich­tig – sowohl auf als auch neben dem Platz. Er ver­fügt über die Erfah­rung, die Per­sön­lich­keit und die Qua­li­tät, um in gro­ßen Spie­len den Unter­schied zu machen. Was ich an Zlat­ko aber beson­ders mag, ist sei­ne Men­ta­li­tät. Er ver­kör­pert vie­les von dem, wofür Viking steht. Er ist ein Anfüh­rer, und man sieht ihm wirk­lich an, wie viel ihm der Ver­ein bedeu­tet. Einen sol­chen Spie­ler als Kapi­tän zu haben, ist extrem wert­voll – ins­be­son­de­re vor euro­päi­schen Spie­len.

Was ist Dei­ne Pro­gno­se für das Spiel?

Hier geben mir mein Herz und mein Ver­stand zwei völ­lig unter­schied­li­che Ant­wor­ten.

Mein Herz sagt 1:1.

Mein Ver­stand sagt 3:1 für Stutt­gart.

Stutt­gart spielt zu Hau­se, hat einen sehr star­ken Kader und ist natür­lich der Favo­rit. Wenn ich also völ­lig ratio­nal sein soll, muss ich 3:1 für Stutt­gart sagen. Aber Fuß­ball ist nicht immer ratio­nal. Und als Viking-Fan muss ich dar­an glau­ben, dass wir euch vor Pro­ble­me stel­len kön­nen. Wenn wir im Spiel blei­ben und unse­re Chan­cen nut­zen, kann alles pas­sie­ren. Des­halb hof­fe ich, dass mein Herz recht behält! Noch ein­mal vie­len Dank, dass ihr uns ein­ge­la­den habt. Wir freu­en uns wirk­lich sehr auf das Spiel und dar­auf, Viking auf die­sem Niveau spie­len zu sehen.

Viel Glück für Stutt­gart – aber hof­fent­lich nicht zu viel Glück!

Vie­len Dank! 

Titel­bild: © Jurij Kodrun/Getty Images

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