Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Union-Fan Sebastian

Mit dem 1. FC Uni­on muss der VfB direkt beim nächs­ten form­star­ken Geg­ner antre­ten. FCU-Fan Sebas­ti­an ver­rät uns mehr über die aktu­el­le Lage in Köpe­nick.

Rund um den Brust­ring: Hal­lo Sebas­ti­an und vie­len Dank, dass Du Dir wie­der Zeit für unse­re Fra­gen nimmst.

Sebas­ti­an: Hal­lo Lenn­art, sehr ger­ne!

Als der VfB das Hin­spiel noch zu einem 3:2‑Heimsieg dreh­te, stand bei Uni­on noch Bo Svens­son an der Sei­ten­li­nie.

Die­ses Spiel fiel in unse­re schwie­rigs­te Sai­son­pha­se. Zu Beginn waren die Ergeb­nis­se zwar durch­wach­sen, aber zumin­dest die Defen­si­ve war unter Svens­son ins­ge­samt sehr sta­bil. Nach dem frus­trie­ren­den Pokalaus in Bie­le­feld gab es in der Liga aber nur noch einen Punkt aus den nächs­ten 4 Spie­len und dann bei euch die­se Nie­der­la­ge nach eige­ner Füh­rung. Die­sem Rück­schlag folg­te das denk­wür­di­ge Heim­spiel gegen Bochum und schließ­lich die 1:4 Nie­der­la­ge in Bre­men, die Bo Svens­son letzt­lich den Job kos­te­te.

Zum Jah­res­wech­sel kam Ex-Uni­on-Spie­ler Stef­fen Baum­gart, des­sen Start an der Alten Förs­te­rei jedoch miss­lang: Aus den ers­ten acht Spie­len 2025 hol­te Uni­on nur sie­ben Punk­te. War­um stell­te sich Dei­ner Mei­nung nach nicht direkt ein Trai­ner­ef­fekt ein bei Euch?

Es war sogar ein sehr deut­li­cher Trai­ner­ef­fekt erkenn­bar, aller­dings nega­tiv. Baum­gart leg­te sich sofort und öffent­lich auf die von ihm bevor­zug­ten Vie­rer­ket­te fest und ver­sprach ein schnel­les, inten­si­ves Offen­siv­spiel. Aller­dings pass­te der Kader, der über Jah­re an die Fün­fer­ket­te gewöhnt war, über­haupt nicht zu die­sem Sys­tem und es war in der Win­ter­pau­se auch kaum Zeit, das ein­zu­stu­die­ren. Da auch kaum ent­spre­chen­de Trans­fers getä­tigt wur­den, war offen­sicht­lich, dass das nicht funk­tio­nie­ren wür­de. Von einem erfah­re­nen Bun­des­li­ga-Mana­ger wie Horst Heldt hät­te ich erwar­tet, dass er das bei sei­ner Ent­schei­dung anti­zi­piert und ent­spre­chend berück­sich­tigt.

Die ers­ten Spie­le im neu­en Jahr sahen ent­spre­chend chao­tisch aus. Die Abwehr kam über­haupt nicht mit Baum­garts Vie­rer­ket­te klar, Erfol­ge in der Offen­si­ve beruh­ten vor­nehm­lich auf Zufäl­len. Dazu wirk­te die Per­so­nal­po­li­tik ziem­lich will­kür­lich. Es wur­de viel rotiert, dazu ein Yor­be Ver­tes­sen öffent­lich demon­tiert und geschasst. Der ist jetzt übri­gens Stamm­spie­ler (lei­der beim fal­schen Club) in Salz­burg, hat in 9 Spie­len schon 6 Scor­er­punk­te gesam­melt.

Mitt­ler­wei­le gehört Uni­on aber zu den form­stärks­ten Teams der Liga, ist seit fünf Spie­len unge­schla­gen und hat auch gegen den Meis­ter und den Tabel­len­füh­rer gepunk­tet. Woher kommt der Auf­schwung?

Eine wich­ti­ge Rol­le spielt sicher­lich, dass Baum­gart den Ver­such auf­ge­ge­ben hat, die Vie­rer­ket­te zu eta­blie­ren. Schon in den ers­ten Spie­len hat er immer wie­der auf Drei­er- bzw. Fün­fer­ket­te umge­stellt, wonach die Leis­tun­gen meist deut­lich bes­ser wur­den. Mit Aus­nah­me des schwa­chen Heim­spiels gegen Kiel (0:1) kam dann auch wie­der mehr Sta­bi­li­tät zurück. Per­so­nell hat sich nach den ers­ten Wochen des Aus­pro­bie­rens ein gewis­ses Gerüst eta­bliert. Stür­mer Ilic, der unter Svens­son gar kei­ne Rol­le gespielt hat­te, wur­de unter Baum­gart bei­spiels­wei­se zur Stamm­kraft und hat auch schon mehr­fach getrof­fen.

So lang­sam merkt man auch die für Baum­gart typi­sche Inten­si­tät im Spiel. Ich ver­mu­te, das hat sich alles erst eine Wei­le fin­den müs­sen, aber jetzt sieht man so lang­sam die Effek­te.

Der Klas­sen­er­halt dürf­te bei 12 Punk­ten Vor­sprung fünf Spiel­ta­ge vor Schluss sicher sein. War das erneut das pri­mä­re Sai­son­ziel oder hat­te man sich nach der schwe­ren letz­ten Sai­son für die­se Spiel­zeit wie­der höhe­re Zie­le gesetzt?

Nach dem erst im letz­ten Moment erreich­ten Klas­sen­er­halt in der Vor­sai­son konn­te es gar kein ande­res Sai­son­ziel geben als sicher und ruhig durch die Sai­son zu kom­men, ohne ernst­haft in Abstiegs­ge­fahr zu gera­ten. Dazu war es der Plan, die Spiel­idee mit Bo Svens­son wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Ich den­ke, man hat­te inner­lich gehofft, dass mit ihm auch nach oben mehr mög­lich sein wür­de. Spä­tes­tens seit dem Trai­ner­wech­sel ging es aber nur noch um den Klas­sen­er­halt.

Uni­on hat die zweit­we­nigs­ten Tore der Liga geschos­sen, steht aber auch hin­ten sehr sta­bil, ist lauf­freu­dig und zwei­kampf­stark und auch in der Foul­sta­tis­tik ganz vor­ne. Kehrt Uni­on unter Baum­gart ein biss­chen zu der Spiel­wei­se zurück, die nach dem Auf­stieg so erfolg­reich war oder ist das nur die Außen­wahr­neh­mung?

Zumin­dest hat­ten alle bis­he­ri­gen Bemü­hun­gen, von die­ser Spiel­wei­se abzu­wei­chen, kei­nen Erfolg. Schon Urs Fischer woll­te den Uni­on-Fuß­ball in der Cham­pi­ons League-Sai­son vor allem offen­siv wei­ter­ent­wi­ckeln, was jedoch aus ver­schie­de­nen Grün­den schei­ter­te. Der Ansatz von Bo Svens­son war sehr ähn­lich, doch auch ihm gelang es nicht, die defen­si­ve Sta­bi­li­tät um eine schlag­kräf­ti­ge­re Offen­si­videe zu ergän­zen. Sowohl Nenad Bje­li­ca als auch Stef­fen Baum­gart pro­bier­ten sich in einer grund­sätz­lich offen­si­ve­ren Aus­rich­tung, schei­ter­ten damit aber kom­plett und kor­ri­gier­ten sich rela­tiv bald wie­der. Inso­fern über­rascht es nicht, dass alle Trai­ner frü­her oder spä­ter zu bewähr­ten Struk­tu­ren und Prin­zi­pi­en zurück­ge­kehrt sind. Das ist also nicht nur Außen­wahr­neh­mung, son­dern lässt sich durch­aus so beob­ach­ten.

Span­nend könn­te es wer­den, soll­te der Kader nach der Sai­son mehr auf die Spiel­idee von Baum­gart zuge­schnit­ten wer­den. Dann könn­te sich der Cha­rak­ter von Uni­ons Fuß­ball doch etwas ver­än­dern.

Wo siehst Du aktu­ell die Stär­ken und Schwä­chen der Mann­schaft?

Die Stär­ken sind kein Geheim­nis und du hast sie ja selbst schon erwähnt: defen­si­ve Sta­bi­li­tät, ekli­ge Zwei­kampf­füh­rung und mitt­ler­wei­le auch wie­der mehr Effi­zi­enz im Tor­ab­schluss. Dazu kommt eine gewis­se Varia­bi­li­tät im Kader und an die­sem Spiel­tag auch der Heim­vor­teil. Schwä­chen sehe ich nach wie vor im Ball­be­sitz und feh­len­den Mit­teln, um Geg­ner dau­er­haft unter Druck zu set­zen und vie­le, gute Tor­chan­cen zu kre­ieren. Ins­ge­samt könn­te offen­siv ein­fach noch mehr pas­sie­ren.

Drei Spie­ler mit VfB-Bezug ste­hen bei Uni­on im Kader. Dazu drei Fra­gen: Hät­test Du bei Top­tor­schüt­ze Bene­dict Hol­ler­bach mit so einer Ent­wick­lung gerech­net?

Zunächst muss ich geste­hen, dass ich kein Fan von Hol­ler­bach bin. Wer frau­en­ver­ach­ten­de Posi­tio­nen öffent­lich unter­stützt, zeigt damit eine Gesin­nung, die ich inak­zep­ta­bel fin­de und das ver­blasst auch nicht ein­fach so. Sei­ne anschlie­ßen­den Nopo­lo­gies haben effek­tiv nichts davon rela­ti­viert oder gar ent­schul­digt. Ich war auch sehr ent­täuscht dar­über, wie der Ver­ein das her­un­ter­ge­spielt hat.

Dazu for­mu­lier­te er bei sei­ner Ankunft ja schon sehr for­sche Ansprü­che und war schnell unzu­frie­den, als er nicht gleich auf viel Spiel­zeit kam, was ich für einen Spie­ler, der von einem Dritt­li­gis­ten zu einem Cham­pi­ons League-Club wech­selt, etwas anma­ßend fand.

Rein sport­lich bin ich bei ihm sehr zwie­ge­spal­ten. Einer­seits fällt er durch ein sehr ego­is­ti­sches Spiel auf, ver­sucht immer selbst zum Abschluss zu kom­men, ver­passt oft gute Abspiel­mo­men­te, ver­drib­belt sich oder schließt auch aus schlech­ten Posi­tio­nen ab. Das brach­te ihn zwar oft in den Fokus der Bericht­erstat­tung, Uni­on aber wenig Zähl­ba­res. Auch die­se Sai­son hat er Uni­ons Offen­siv­spiel dadurch oft mehr gelähmt als belebt und mich oft zur Ver­zweif­lung gebracht.

Ande­rer­seits hat er als Ein­zi­ger auch immer wie­der getrof­fen und zum Teil wich­ti­ge Tore erzielt, wie etwa beim Klas­sen­er­halt am letz­ten Spiel­tag der vori­gen Sai­son. Sei­ne spie­le­ri­sche Qua­li­tät kommt immer mehr zum Tra­gen und die sport­li­che Ent­wick­lung, die er genom­men hat, muss auch ich aner­ken­nen. Gerech­net hät­te ich damit aber ehr­lich gesagt nicht.

Wie bit­ter ist das vor­zei­ti­ge Sai­son­ende unse­res Leih­spie­lers Jeong Woo-yeong für ihn und für Uni­on und wel­che Rol­le spielt Rani Khe­di­ra mitt­ler­wei­le bei den Eiser­nen?

Jeongs Ver­let­zung war für ihn per­sön­lich beson­ders bit­ter, da er sich einen fes­ten Platz im Mit­tel­feld erkämpft hat­te, was bei Uni­on ange­sichts der gro­ßen Kon­kur­renz gar nicht so ein­fach ist. Umge­kehrt kann das Team sei­nen Aus­fall auf Grund der Kader­brei­te ziem­lich gut kom­pen­sie­ren. So hat sich zum Bei­spiel András Schä­fer zurück­ge­kämpft und zuletzt wie­der zwei Spie­le über die vol­le Distanz gemacht.

Rani Khe­di­ra zählt nach wie vor zu den wich­tigs­ten Stüt­zen im Team, auch wenn die zwi­schen­zeit­li­che kol­lek­ti­ve Form­kri­se auch an ihm nicht vor­über gegan­gen war. Mitt­ler­wei­le lie­fert er wie­der gewohnt sou­ve­rä­ne Leis­tun­gen und steu­er­te dar­über hin­aus den schö­nen wie wich­ti­gen Aus­gleichs­tref­fer beim Aus­wärts­sieg in Frei­burg bei.

Zum Abschluss: Was ist Dein Tipp für Auf­stel­lung und Ergeb­nis?

Baum­gart hat kei­nen Grund, etwas im Ver­gleich zu den letz­ten Wochen zu ver­än­dern. Alle Stamm­spie­ler sind fit und nie­mand ist gesperrt. Daher erwar­te ich die­sel­be Auf­stel­lung wie gegen Lever­ku­sen, sofern der laut Kicker noch frag­li­che Jura­no­vic nicht doch aus­fällt und vor­aus­sicht­lich durch Rothe ersetzt wer­den wür­de.

Ich hof­fe auf ein ähn­lich unter­halt­sa­mes Spiel wie in der Hin­run­de und tip­pe auf ein 2:2.

Titel­bild: © Maja Hitij/Getty Images

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