Schwierig

In Hei­den­heim lässt der VfB zwei wich­ti­ge Punk­te lie­gen. Erneut reicht es bei einem Abstiegs­kan­di­da­ten nicht zu einem Drei­er, weil die Mann­schaft mit einem moti­vier­ten Geg­ner und einem erra­ti­schen Unpar­tei­ischen Pro­ble­me hat.

“Also Robert, ich erken­ne hier auf dem Bild so gut wie nichts”, sprach Sascha Ste­ge­mann einst im Mai 2020 in sein Mikro. Oder wie es anschlie­ßend beim DFB hieß: “Der Schieds­rich­ter hat ein straf­ba­res Hand­spiel wahr­ge­nom­men”. Nun­ja. Was genau Ste­ge­mann am reg­ne­ri­schen Sonn­tag­abend auf dem Hei­den­hei­mer Schloß­berg wahr­ge­nom­men hat hat, ist nicht ganz klar. Denn den recht offen­sicht­li­chen Tritt von Maxi Mit­tel­städt an den Knö­chel sei­nes Gegen­spie­lers sah er erst, nach­dem VAR Gün­ter Perl ihn dar­auf hin­wies und er sich die Sze­ne eine gefühl­te Ewig­keit anschau­te. In der Zwi­schen­zeit hat­te der VfB schon die viel­um­ju­bel­te erneu­te Füh­rung erziel­te. Statt 2:1 aus weiß-roter Sicht hieß es plötz­lich 1:2. Der­ar­ti­ge Situa­tio­nen kön­nen nicht im Sin­ne des Erfin­ders sein.

Genau­so wenig wie die Aus­mes­sung von Schul­ter­eck­ge­len­ken, um ein Abseits nach­zu­wei­sen. Mal ganz unab­hän­gig von dem zwei­ten aner­kann­ten Tor von Erme­din Demi­ro­vic an die­sem Abend: Wel­chen Vor­teil hat ein Stür­mer davon, dass sein lin­ker Schnür­sen­kel näher am geg­ne­ri­schen Tor ist als der des Geg­ners? Mei­ner Mei­nung ver­sagt der VAR hier noch mehr als sowie­so schon. Denn wäh­rend man bei Fouls die fal­sche Wahr­neh­mung nur dele­giert und ver­zö­gert, wird beim Abseits eine Ein­deu­tig­keit sug­ge­riert, die es schlicht nicht gibt.

Gera­de­zu gro­tesk ist die selek­ti­ve Anwen­dung des VAR. Die Ein­griffs­schwel­le wird so ange­passt, wie man es gera­de braucht, um dem Kol­le­gen auf dem Feld den Aller­wer­tes­ten zu ret­ten — was gefühlt bei Sascha Ste­ge­mann häu­fig vor­kommt, schaut man sich die Bewer­tung im ein­schlä­gi­gen Fach­ma­ga­zin an. So wie­der gese­hen beim Foul an Ramon Hen­driks vor dem 3:2 der Hei­den­hei­mer. Wenn man eine chao­ti­sche Spiel­füh­rung dann noch durch auto­ri­täts­hei­schen­de gel­be Kar­ten ver­schlim­mert ist das in der Gesamt­be­trach­tung, nun kam schwie­rig.

Mental zu wenig investiert

Es ist aber genau­so schwie­rig und fehl­ge­lei­tet, das 3:3 beim Tabel­len­letz­ten allein an Ste­ge­mann fest zu machen. Denn der VfB, der von einem frü­hen Geis­tes­blitz Chris Füh­richs pro­fi­tier­te, inves­tier­te über lan­ge Stre­cken zu wenig in das Spiel. Nicht unbe­dingt kör­per­lich, schließ­lich wies Sebas­ti­an Hoe­neß dar­auf hin, dass man erneut vie­le Kilo­me­ter gelau­fen sei, son­dern viel­mehr men­tal. Denn alle drei Gegen­to­re resul­tier­ten auch aus einem schwie­ri­gen Stel­lungs­spiel und feh­len­der Über­sicht. Ins­ge­samt brach­ten sich die Jungs im Brust­ring immer wie­der durch Nach­läs­sig­kei­ten in die Bre­douil­le und so hat­ten die Haus­her­ren neben den drei Toren noch wei­te­re Chan­cen.

Der VfB aller­dings auch und das ist viel­leicht das Bes­te an die­sem schwie­ri­gen Abend: Die Mann­schaft ist meist nicht tot­zu­krie­gen und hät­te auch gut und ger­ne noch das 4:3 erzie­len kön­nen. Die Qua­li­tät, sol­che Spie­le für sich zu ent­schei­den, ist wei­ter­hin da. Wie gegen St. Pau­li hat­te man dane­ben der erwart­ba­ren Ent­schlos­sen­heit des Abstiegs­kan­di­da­ten zu wenig ent­ge­gen­zu­set­zen, um alle drei Punk­te wie­der mit in die Lan­des­haupt­stadt zu neh­men: Zu wenig Mut vorm Tor, zu wenig Kon­zen­tra­ti­on in der Rück­wärts­be­we­gung, zu vie­le fahr­läs­si­ge Fehl­päs­se. Das reicht so nur, wenn Du auch ein biss­chen Glück hast, denn Hei­den­heim ist ja grund­sätz­lich eine Mann­schaft, in der es stimmt, auch mit dem Trai­ner — die Qua­li­tät reicht nur vor­aus­sicht­lich nicht für die Bun­des­li­ga. Ver­lässt man sich gegen einen sol­chen Geg­ner nur auf die Qua­li­tät, wirds schwie­rig.

Weitermachen!

Und was machen wir jetzt mit dem Ergeb­nis? Wei­ter­ma­chen! Der VfB konn­te oben nicht zum gro­ßen Sprung anset­zen, rutscht aber auch nicht ab. Ärger­lich ist, dass man die Punkt­ver­lus­te fast aller Kon­kur­ren­ten nicht nut­zen konn­te. Am Don­ners­tag und am Sonn­tag hat man aber vor eige­ner Kulis­se die Mög­lich­keit, sich ergeb­nis­tech­nisch und tabel­la­risch wie­der zu reha­bi­li­tie­ren. Viel­leicht dies­mal, ohne den Geg­ner nach frü­her Füh­rung wie­der mit ins Spiel zu holen. Am Ende ist eine Bewer­tung die­ses Spiels am Ende gar nicht so schwie­rig: Nichts pas­siert, neu­er Anlauf.

Zum Wei­ter­le­sen: Der sehr inter­es­san­te Rei­se­be­richt aus Glas­gow beim Ver­ti­kal­pass.

Titel­bild: © Sebas­ti­an Widmann/Getty Images

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