Geschlagert

Erneut muss der VfB dar­un­ter lei­den, dass Dani­el Schla­ger mit der Lei­tung eines Bun­des­li­ga-Spiels über­for­dert ist. Für die fünf­te Heim­nie­der­la­ge in Fol­ge (!) war aber nicht allein der Ama­teur-Schieds­rich­ter aus Baden ver­ant­wort­lich, denn bereits vor dem lächer­li­chen Platz­ver­weis trat die Mann­schaft nicht so auf, wie es die aktu­el­le Situa­ti­on erfor­dert.

Man muss sich wirk­lich lang­sam fra­gen, was sich DFL und DFB bei sol­chen Anset­zun­gen den­ken. Nach dem 2:3 im Pokal-Halb­fi­na­le gegen Frank­furt 2022 gab Schieds­rich­ter Dani­el Schla­ger zu Pro­to­koll, ein Spiel sol­le nicht in der letz­ten Minu­te der­art ent­schie­den wer­den — also durch den von ihm ver­wei­ger­ten Hand­elf­me­ter gegen den DFB. Kurio­ser­wei­se hat­te er bereits das Ach­tel­fi­na­le des VfB in Pader­born gepfif­fen, in dem wir uns aber die Eier  in Per­son von Dinos Mavro­pa­nos immer­hin sel­ber ins Ei leg­ten. Im Febru­ar 2023 ver­pfiff Schla­ger den VfB, als er Lever­ku­sens Tre­ter Robert And­rich nicht mit gelb-rot vom Feld schick­te, bevor der sein Tor erzie­len konn­te und in der zwei­ten Run­de des lau­fen­den Wett­be­werbs mach­te er aus einer Frei­stoß­si­tua­ti­on bei bes­ter Sicht einen Elf­me­ter und konn­te von Glück spre­chen, dass der VfB die Lau­te­rer sonst im Griff hat­te. Wäh­rend Schla­ger im Herbst noch die faden­schei­ni­ge Ent­schul­di­gung her­an­zog, dass ihm in den ers­ten Pokal­run­den kein VAR zur Ver­fü­gung stün­de, hät­te er die­sen am Sonn­tag­nach­mit­tag an sei­ner Sei­te gehabt — nur eben nicht bei gel­ben Kar­ten.

Auch hier griff aber wie­der das Sche­ma Schla­ger: bes­te Sicht, kata­stro­pha­le Zwei­kampf­be­wer­tung und hin­ter­her der Gra­tis­mut in Form des gegen­über Alex Wehr­le geäu­ßer­ten Geständ­nis­ses einer Fehl­ent­schei­dung. Es ist bereits das zwei­te Mal in die­ser Sai­son, dass der VfB eine völ­lig lach­haf­te gelb-rote Kar­te und die damit ver­bun­de­ne Sper­re ertra­gen muss, immer­hin war aber Schla­ger nicht ganz so blind wie Kol­le­ge Jablon­ski im Herbst gegen Wolfs­burg, wes­we­gen ein Ein­spruch wohl kei­nen Erfolg haben wird. Wäh­rend man aber auf Schal­ke nach der gegen uns ver­zock­ten Fast-Meis­ter­schaft 2001 jah­re­lang Mar­kus Merk bei Anset­zun­gen ableh­nen konn­te und der BVB gleich von zwei Schieds­rich­tern — Felix Zway­er und Sascha Ste­ge­mann — zumin­dest eine zeit­lang ver­schont blieb, müs­sen wir immer wie­der die­se Anset­zun­gen ertra­gen und ich schaue mit ban­gen Bli­cken dar­auf, wer fürs Pokal­fi­na­le ange­setzt wird. Dass der VfB offi­zi­ell Ein­spruch gegen die gelb-rote Kar­te ein­legt, ist zwar not­wen­dig, sinn­vol­ler wäre es aber, den ent­spre­chen­den Druck auf Ver­band und Liga auf­zu­bau­en, damit Schla­gers Zuord­nung zur Bun­des­li­ga über­dacht wird oder zumin­dest er uns nicht mehr mit einen Fehl­ein­schät­zun­gen quä­len darf.

Wieder im Panikmodus

Ich könn­te noch viel mehr über den Zustand des Schieds­rich­ter­we­sens in Deutsch­land schrei­ben, das darf aber nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass der VfB nach dem erkämpf­ten Ein­zug ins Pokal­fi­na­le und der Pflicht­auf­ga­be in Bochum für das Spiel gegen gut orga­ni­sier­te und mit einer kla­ren Spiel­idee auf­tre­ten­den Bre­mer men­tal nicht gewapp­net war. Der VfB mag das Spiel letzt­end­lich wegen Dani­el Schla­ger ver­lo­ren haben, dass er es ohne ihn gewon­nen hät­te, ist jedoch alles ande­re als sicher. Was dem VfB vor dem Platz­ver­weis lan­ge fehl­te, kul­mi­nier­te im Aus­gleich durch Oli­ver Bur­ke: Ein ziel­lo­ser Abschlag von Alex­an­der Nübel, der umge­hend beim Geg­ner lan­de­te, im Anschluss ein wei­te­rer ver­lo­re­ner Zwei­kampf und ein Steck­pass von Mitch Wei­ser, der die viel zu weit auf­ge­rück­te VfB-Abwehr offen­sicht­lich über­rasch­te. Kom­pak­te Spiel­an­la­ge, Zwei­kampf­stär­ke und stei­le Päs­se auf schnel­le Spie­ler —  das war nebem dem sehr hohen Pres­sing das Erfolgs­re­zept der Bre­mer und der VfB spiel­te ihnen genau in die Kar­ten. Nicht umsonst stan­den die Nord­deut­schen vor der Par­tie nur einen Punkt hin­ter uns: Es war eine Par­tie auf Augen­hö­he, in die Bre­men bis zur 60. Minu­te unterm Strich schlicht mehr inves­tier­te. Schon die Füh­rung durch Ster­giou fiel in eine Pha­se, in der der VfB nach einer erfolg­lo­sen Anfangs­of­fen­si­ve mal wie­der viel zu vie­le Gän­ge zurück­schal­te­te.

Gera­de weil Bre­men so gut orga­ni­siert ist und sich der­zeit in ähn­li­chen Tabel­len­re­gio­nen unter­wegs ist wie der VfB, hät­ten wir in die­ses Spiel wesent­lich mehr inves­tie­ren müs­sen. Es war nicht zu erwar­ten, dass wir Bre­men so abbü­geln wie Bochum, auch wenn der sehr sehens­wer­te Pass von Ange­lo Stil­ler die defen­si­ven Schwä­chen der Gäs­te, ins­be­son­de­re in Per­son von Tor­wart Zet­te­rer, ziem­lich gut offen­leg­te. Es kann aber in so einem Spiel nicht sein, dass wir auf­hö­ren, Zwei­kämp­fe im Mit­tel­feld zu gewin­nen und plötz­lich nicht nur gedank­lich, son­dern auch phy­sisch immer einen Schritt zu spät kom­men. Natür­lich stei­ger­te sich der VfB im Ver­lauf der Par­tie auch wie­der und hat­te auf­grund der indi­vi­du­el­len Qua­li­tät sei­ner Offen­si­ve genug Mög­lich­kei­ten, erneut in Füh­rung zu gehen — die Spiel­an­la­ge aber war geprägt von ris­kan­ten Fehl­päs­sen und umständ­li­chem Offen­siv­spiel, in dem auch Erme­din Demi­ro­vic erneut pass­mä­ßig zu ver­hun­gern droh­te. Die Mann­schaft wirk­te schon vor der Fehl­ent­schei­dung aus­ge­laugt und ver­fiel zudem immer mehr in Panik­mo­dus, als die Bre­mer began­nen, Mor­gen­luft zu wit­tern. Viel­leicht wäre es uns mit elf Spie­lern noch gelun­gen, irgend­wie einen lucky punch zu lan­den. Genau­so gut hät­te uns aber Wer­der ein wei­te­res Mal über­rum­peln kön­nen. Sebas­ti­an Hoe­neß sag­te über die Pha­se nach der Füh­rung “Wir waren das akti­ve­re Team, in man­chen Situa­tio­nen jedoch zu unprä­zi­se, um doch mehr her­aus­zu­ho­len.”. Die Akti­vi­tät kann man der Mann­schaft nicht abspre­chen, die Struk­tu­riert­heit jedoch schon.

Den Europapokal verdienen

Das Spiel gegen Bre­men ver­deut­licht, dass die Pro­ble­me des VfB vor allem in den Köp­fen der Spie­ler ver­an­kert sind. Zum einen fehlt offen­sicht­lich jemand, der in kri­sen­träch­ti­gen Situa­tio­nen wie der Pha­se nach der eige­nen Füh­rung den Laden zusam­men­hält und die Mann­schaft auf dem Platz neu aus­rich­tet. Ange­lo Stil­ler ist dazu noch zu uner­fah­ren und eher offen­siv-krea­tiv ori­en­tiert, Ata­kan Kara­zor ist trotz Kapi­täns­bin­de offen­bar dazu nicht in der Lage. Die­ses Pro­blem zieht sich schon seit dem Super­cup durch die gan­ze Sai­son und hat ganz offen­bar ihren Ursprung in den Abgän­gen von Füh­rungs­spie­lern wie Ser­hou Gui­ras­sy und Wal­de­mar Anton, die weder von Kara­zor noch von Deniz Undav auf­ge­fan­gen wer­den konn­ten. Viel mys­te­riö­ser ist die Tat­sa­che, dass die Mann­schaft gera­de in die­ser Pha­se ergeb­nis­tech­nisch und immer wie­der auch in der Hal­tung zu Spiel und Geg­ner so abschmiert, obwohl sie seit Ende Janu­ar nur noch eine eng­li­sche Woche zu absol­vie­ren hat­te und damit nur noch in qua­si ein­ein­halb Wett­be­wer­ben ver­tre­ten ist. Es scheint, als habe sich der Stress, ohne rich­ti­ges Trai­ning alle drei Tage auf dem Platz zu ste­hen, posi­ti­ver auf die Mann­schaft aus­ge­wirkt als eine kom­plet­te Trai­nings­wo­che. in der Abläu­fe und men­ta­le Wider­stands­fä­hig­keit trai­niert wer­den kön­nen. Und selbst nach zwei Erfolgs­er­leb­nis­sen gelingt es der Mann­schaft nicht, die Span­nung kom­plett hoch­zu­hal­ten.

Natür­lich schwebt über allem wei­ter­hin der 24. Mai und die Chan­ce auf den ers­ten Pokal­sieg seit der Meis­ter­schaft, min­des­tens eben­so wich­tig ist es aber, dass die Mann­schaft mit Rücken­wind und Selbst­ver­trau­en in die­ses Spiel geht. Auch wenn wir die Armi­nia auf dem Papier ange­sichts von ein­ein­halb Ligen Unter­schied schla­gen müs­sen: Die Bie­le­fel­der wer­den sich ganz genau anschau­en, mit wel­chen Pro­ble­men wir gegen kom­pak­te, cle­ve­re und zwei­kampf­star­ke Mann­schaf­ten zu kämp­fen haben. Mal ganz abge­se­hen davon möch­te ich, dass wir uns einen mög­li­chen Ein­zug in den Euro­pa­po­kal auch über die Liga zumin­dest annä­hernd ver­die­nen und nicht wie 2013 alles auf das Pokal­fi­na­le set­zen. Natür­lich ist der Zustand der Mann­schaft und des Ver­eins nicht mit damals ver­gleich­bar, schon allein weil ich im aktu­el­len Kader wesent­lich mehr Poten­zi­al für die Fol­ge­jah­re sehe. Aber es muss in die­ser Sai­son ein­fach mehr drin sein als ein zwei­stel­li­ger Tabel­len­platz. Ob die Mann­schaft dafür bereit ist, kann sie am kom­men­den Wochen­en­de gegen einen ähn­lich unan­ge­neh­men Geg­ner wie­der unter Beweis stel­len.

Zum Wei­ter­le­sen: Auch der Ver­ti­kal­pass kann das Wort­spiel natür­lich nicht lie­gen las­sen ver­senkt gekonnt mit “Der DFB prä­sen­tiert: Das gro­ße Schla­ger­fes­ti­val”.

Titel­bild: © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

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