Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Bremen-Fan Simon

Heu­te gas­tiert der Tabel­len­nach­bar SV Wer­der Bre­men bei uns im Neckar­sta­di­on. Wie es bei den Nord­deut­schen läuft ver­rät uns Wer­der-Fan Simon.

Rund um den Brust­ring: Wie läuft es bei Euch?

Simon: Durch die Nie­der­la­gen­se­rie und schlech­ten Leis­tun­gen im Febru­ar ist die Eupho­rie der bes­ten Hin­run­de seit über 10 Jah­ren lei­der wie­der ver­flo­gen und die Luft ziem­lich raus, die Sie­ge und wie­der über­zeu­gen­de­ren Auf­trit­te vor­letz­te Woche gegen Kiel und vor allem letz­ten Sams­tag gegen die Ein­tracht haben die Stim­mung aber gera­de wie­der ein biss­chen ange­ho­ben.

Was ist Euer Sai­son­ziel?

In der jetzt drit­ten Sai­son nach dem Wie­der­auf­stieg kann man sicher mit einer bis­her sor­gen­lo­sen Sai­son weit weg vom Abstiegs­kampf zufrie­den sein, man hat­te sich aber nach der haar­scharf ver­pass­ten Con­fe­rence League Qua­li­fi­ka­ti­on letz­tes Jahr und vor allem der bereits erwähn­ten, sehr guten Hin­run­de auf jeden Fall im gesam­ten Ver­ein Hoff­nun­gen auf Euro­pa gemacht. Ob da im Schluss­spurt noch was geht oder man das end­gül­tig abha­ken muss wird sich wahr­schein­lich sehr stark jetzt am Sonn­tag ent­schei­den, vor allem weil es gegen einen direk­ten Kon­kur­ren­ten und Tabel­len­nach­bar geht.

Bre­men ist kon­stant inkon­stant – wor­an liegt das?

Zum Teil liegt es glau­be ich dar­an, dass der eige­ne spiel­freu­di­ge Ansatz gegen stär­ke­re und selbst das Spiel gestal­ten­de Geg­ner bes­ser funk­tio­niert als gegen eher tief­stehen­de, eng ver­tei­di­gen­de Mann­schaf­ten. Ande­rer­seits gibt es im Kader kei­ne kla­ren Leis­tungs­trä­ger, die bei schwie­ri­ge­ren Spiel­ver­läu­fen selbst den Unter­schied machen, son­dern eher vie­le ähn­lich star­ke Ein­zel­spie­ler. Die kön­nen oft gemein­sam über­zeu­gen, hin und wie­der aber auch kol­lek­tiv schwach und ent­täu­schend auf­tre­ten.

Wie bewer­test Du Ole Wer­ner?

Dank ihm hat Wer­der nicht nur den direk­ten Wie­der­auf­stieg geschafft, son­dern sich auch in den zwei­ein­halb Jah­ren seit­dem wie­der sou­ve­rän in der Bun­des­li­ga eta­bliert, was trotz der Grö­ße des Ver­eins kei­ne selbst­ver­ständ­li­che und leich­te Auf­ga­be ist, wie man gera­de beim VfB nach den letz­ten bei­den Ab- und Auf­stie­gen sehen konn­te. Vor allem aber hat er es seit Amts­an­tritt ligen­über­grei­fend geschafft, eine ansehn­li­che und spie­le­risch über­zeu­gen­de Art des Fuß­balls zu imple­men­tie­ren, wie sie es wohl seit den wirk­lich erfolg­rei­chen Zei­ten vor 2010 lan­ge so nicht­mehr im Ver­ein gab. Selbst­ver­ständ­lich hat er auch sei­ne Schwä­chen und macht Feh­ler, gera­de als jun­ger Trai­ner, wel­cher zum ers­ten Mal in der Bun­des­li­ga an der Sei­ten­li­nie steht, hat er aber auch dabei Lern­fä­hig­keit gezeigt. Alles in allem holt er so ziem­lich das Best­mög­li­che aus dem Kader und den eige­nen Mög­lich­kei­ten her­aus und man kann mehr als zufrie­den damit sein ihn als Trai­ner zu haben, was vie­le im Ver­ein und Umfeld (mich ein­ge­schlos­sen) auch sind.

Bre­men schei­ter­te im Pokal bereits an unse­rem Final­geg­ner Armi­nia Bie­le­feld, wor­an lag das?

Ja jut wor­an hats jele­gen, das fragt man sich nach­her natür­lich immer wor­an et jele­gen hat. Wer­der hat gegen Bie­le­feld vor allem die ers­te Hälf­te total ver­schla­fen, sich zwei sehr dum­me Gegen­to­re selbst ein­ge­schenkt und all­ge­mein viel zu wenig Ener­gie und selbst­be­wuss­tes Auf­tre­ten an den Tag gelegt. In der zwei­ten Halb­zeit war die Leis­tung dann bes­ser und es fiel ja auch noch recht früh der Anschluss­tref­fer, am Ende hat wür­de ich sagen vor allem der Wil­le und eine gewis­se Ener­gie gefehlt, in einem beson­de­ren Pokal­spiel auch wirk­lich unbe­dingt wei­ter­kom­men zu wol­len. Bie­le­feld kommt aber anders als Pokalun­der­dogs aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch weni­ger über das rei­ne tief ste­hen und vor­ne hof­fen, son­dern bringt sel­ber mehr Qua­li­tä­ten im Spie­le­ri­schen und ver­tei­di­gen mit, als man es von einem Dritt­li­gis­ten erwar­tet. Das ändert nicht die Rol­len­ver­tei­lung, für eine rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung ist es aber auch wich­tig zu beden­ken, dass Bie­le­feld eben sel­ber vor 3 Jah­ren noch Bun­des­li­ga gespielt hat.

Wer­der ist aus­wärts sehr stark, wie erklärst Du Dir das?

So ganz kann ich mir das und wahr­schein­lich auch zum Teil die Mann­schaft es sich selbst nicht erklä­ren. Wer­der hat zwar einen bru­ta­len Aus­wärts­sup­port der Fans und pro­fi­tiert gera­de gegen star­ke und das Spiel bestim­men­de Mann­schaf­ten wie z.B. Lever­ku­sen davon, auf­grund der eige­nen Spiel­an­la­ge gut in frem­den Sta­di­en umschal­ten und Räu­me nut­zen zu kön­nen. Viel­leicht ist es aber im Ver­gleich auch eher eine Heim­schwä­che, wo die Auf­trit­te gera­de in die­sem Jahr oft eher ideen­los und zäh gewirkt haben.

Was sind Eure Stär­ken und Schwä­chen?

Der Schwach­punkt bei Wer­der ist ganz klar die Defen­si­ve, wo durch Ver­let­zun­gen und die dadurch feh­len­de Kon­stanz die Abläu­fe und Abstim­mung teil­wei­se man­gel­haft ist, oft haben in den letz­ten Par­tien aber auch indi­vi­du­el­le Feh­ler der Innen­ver­tei­di­ger und von Tor­wart Zet­te­rer für ärger­li­che Gegen­to­re gesorgt. Stark ist die Mann­schaft dage­gen im Kom­bi­na­ti­ons- und Umschalt­spiel, über die Außen­ver­tei­di­ger sowie Keke Topp, Roma­no Schmid und Jus­tin Njin­mah ver­fügt Wer­der zudem über ordent­lich Tem­po.

Wer ist Dein Wer­der Spie­ler der bis­he­ri­gen Sai­son?

Ganz klar Roma­no Schmid. Nach­dem er schon in der Vor­sai­son einen Ent­wick­lungs­schritt gemacht hat, den man gar nicht mehr so hat­te kom­men sehen ist er die­se Sai­son noch­mal bes­ser und wich­ti­ger für Wer­der gewor­den. Er ist nicht nur spie­le­risch enorm stark, son­dern durch sei­ne Dribb­ling­fä­hig­kei­ten und Tem­po auch sehr zen­tral für das Funk­tio­nie­ren der gesam­ten Offen­si­ve. Zudem trifft er mit sei­ner tol­len Schuss­tech­nik immer wie­der sehens­wert, wie zuletzt gegen Glad­bach und Frank­furt und ist damit sowohl was rei­nes Scoring als auch das Spie­le­ri­sche angeht der Hin­gu­cker und zen­tra­le Fak­tor.

Wie ist die Per­so­nal­si­tua­ti­on bei Bre­men?

Aktu­ell fehlt nur Milos Vel­j­ko­vic ver­letzt, Amos Pie­per muss­te am Sams­tag ver­letzt aus­ge­wech­selt wer­den und ist also noch frag­lich.

Dein Tipp für das Spiel?

Ich glau­be, auch wenn das hier wahr­schein­lich eher nicht so gut ankommt, an einen 2:1‑Auswärtssieg für Wer­der und hof­fe, beim gefühlt hun­derts­ten Besuch mit Wer­der im Neckar­sta­di­on end­lich das ers­te Mal einen Sieg zu sehen, auch wenn es sicher kein Sonn­tags­spa­zier­gang wird.

Vie­len Dank!

Titel­bild: © Stuart Franklin/Getty Images

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