Nach dem Ausrufezeichen in Leverkusen bleibt dem VfB keine Verschnaufpause denn er muss gleich heute gegen die SG Eintracht Frankfurt ran. Wie es bei den Adlerträgern aussieht, verraten uns Franzi und Cettina.
Wie bewertet Ihr die aktuelle Saison?
Cettina: Wenn man nüchtern betrachtet auf die Tabelle schaut, ist das eigentlich vollkommen in Ordnung. Die Eintracht liegt vier Punkte hinter Platz 4, man hat 7 Spiele gewonnen und jeweils vier verloren und unentschieden gespielt. Das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal ist zwar ärgerlich, aber gegen eine Mannschaft wie Dortmund auch vertretbar. Allerdings würde glaube kaum ein Fan sagen, dass man aktuell mit der Saisonleistung zufrieden ist, dafür gab es zu viele unerklärliche Ausrutscher.
Franzi: Ich würde der Saison eine solide 3 geben. Nichts Fantastisches, aber auch nicht abgrundtief schlecht. Es könnte für meinen Geschmack noch ein bisschen besser laufen, aber man hat sich durch die letzten Jahre an einen hohen Standard gewöhnt, der wahrscheinlich nicht jede Saison so reproduziert werden kann.
Wie hat sich Frankfurt über die Winterpause bis jetzt verstärkt? Wer kam und wer ging?
Cettina: Mit Younes Ebnoutalib, Keita Kosugi, Arnaud Kalimuendo und Ayoube Amaimouni-Echghouyab hat die Eintracht schon mal zumindest auf dem Papier odentlich zugeschlagen. Dazu kommt auch noch Love Arrhov, der bereits vorher unter Vertrag genommen wurde. Ich bin eigentlich kein großer Fan davon sämtliche Hoffnungen in Neuzugänge zu stecken, da die alle erstmal ankommen sollen, bevor man sie direkt mit Druck belädt, allerdings merke ich selbst, dass ich mir besonders von Ebnoutalib und Kalimuendo viel erhoffe. Younes ist gebürtiger Frankfurter und hat auch bei Elversberg schon gezeigt, dass er Fußball spielen kann. Natürlich unterscheidet sich die Bundesliga von der 2. Liga, aber 12 Tore in 17 Einsätzen macht man nicht mal eben so. Auch Kalimuendo hat durchaus gezeigt was in ihm schlummert und ich hoffe einfach, dass er in Frankfurt voll aufblühen kann. Mit Keita Kosugi hat man nochmal Verstärkung auf der linken Seite geholt, allerdings hat er dort mit Nathaniel Brown auch starke Konkurrenz. Wenn er jedoch Spielzeit bekommt und Brown im Sommer wechseln sollte, haben wir mit ihm einen Spieler voller starker Perspektive bekommen und können uns auf das freuen, was da noch kommt.
Elye Wahi wurde verliehen, allerdings war er bisher auch keine sonderlich große Hilfe (eher im Gegenteil, da er dauerhaft im Abseits stand und so eh nie angespielt werden konnte). Jeder der mich kennt, weiß, wie wenig ich ihn leiden kann und dass das auch nicht nur am sportlichen Können liegt, sondern eher an der ein oder anderen kritischen Situation in seiner Vergangenheit. Von daher bin ich eigentlich ganz froh, dass er weg ist – auch wenn es schon bisschen funny ist dass er bei OGC Nizza natürlich direkt im ersten Spiel getroffen hat
Franzi: Im Vergleich zu den letzten Jahren waren die Abgänge dieses Mal nicht so besonders schmerzhaft. Stattdessen hat sich die Eintracht vor allem in der Offensive deutlich verstärkt – gefühlt mit 10 neuen Stürmern. Gerade Ebnoutalib und Kalimuendo haben im Spiel gegen Dortmund einen sehr guten ersten Eindruck hinterlassen.
Plant man noch Transfers?
Cettina: So genau lässt sich die Eintracht da nicht in die Karten schauen, allerdings gibt es noch das ein oder andere Gerücht. Im Gespräch sind beispielsweise Luca Erlein von Hoffenheim II, und Sean Steur von Ajax. Auch Cajetan Lenz ist ein Name der immer wieder fällt, genau so wie Sergi Altimira von Betis Sevilla. Auch auf der Abgang-Seite hört man immer mal, dass Jessic Ngankam noch gehen könnte. In der letzten PK fiel auch der Satz „Morgen starten wir ins Jahr 2026. Dann wird Markus Krösche überall Augen und Ohren offenhalten und schauen, was noch passiert“. Möglich scheint also Einiges, aber ich wäre auch nicht überrascht wenn es einfach so bleibt und keiner mehr kommt oder geht.
Franzi: Ich hoffe noch auf etwas Defensives. Entweder Verstärkung direkt in der Abwehr oder auf der 6.
Dino Toppmöller ist nun seit 2023 Trainer der der SGE und damit der drittdienstälteste Trainer der Bundesliga, dennoch ist er nicht unumstritten. Woran liegt das?
Cettina: Dass Toppmöller mittlerweile auf Platz 3 der dienstältesten Trainer liegt hat mich ein bisschen überrascht, aber gleichzeitig fühlt es sich auch so an als würden wir in die 23. Saison mit ihm gehen. Wenn man Dino mit unserem vorherigen Trainer vergleicht, liegen dazwischen natürlich Welten. Und genau das ist glaube auch ein kleines Problem: Toppmöller ist kein Trainer, den man leicht greifen kann. Er hat eine sehr glatte und wenig emotionale Art, obwohl sich das seit seiner Ankunft in Frankfurt schon deutlich gebessert hat. In Frankfurt braucht man aber jemanden mit „Aura“, der die Stadt anzünden kann. Dazu kommt noch dass Dino-Ball nicht immer der Ansehnlichste und Spektakulärste ist.
Gepaart mit sonstigen Unruhen kann das schnell dazu führen, dass am Trainerstuhl gerüttelt wird und da frage ich mich immer wieder ob ich zu entspannt oder diese Leute zu hektisch reagieren. Toppmöller hat die Eintracht auf so vielen Ebenen verbessert und es erstmals geschafft dass dieser Verein sich über die Liga für die Champions League qualifiziert. Er hat super viele junge Spieler entwickelt und zeigt immer wieder dass er super fair ist und jeder Chancen bekommt. Ihn jetzt dafür abzusägen, weil Burkardt verletzt ist, Wahi ein Griff ins Klo war und die Defensive scheinbar nicht mehr in der Lage ist 90 Minuten konzentriert auf dem Platz zu stehen wäre meiner Meinung nach falsch. Und wer soll denn bitte besser sein? Natürlich läuft nicht alles super, aber jetzt einen neuen Trainer zu fordern ist ein bisschen weit hergeholt.
Franzi: Dino hat es nicht leicht, weil auch die Trainer vor ihm durchaus erfolgreich waren und er einen extrem rotierenden Kader zur Verfügung hat. Die besten Spieler gehen und neue, junge, unerfahrene Spieler kommen. Meiner Meinung nach hat er sich allerdings gut etabliert und besteht auch etwas schwierigere Phasen mit dem Verein. Ich glaube es gibt immer ein paar Nörgler, die es immer besser wissen.
Frankfurt zählt als Champions League-Kandidat, sehen das die Frankfurter und die Fans auch so?
Cettina: Ich glaube es gibt durchaus Fans, die erwarten, dass die Eintracht künftig immer als CL-Kandidat zählt, aber davon bin ich sehr weit entfernt. Wenn alles normal läuft, ist die Eintracht mittlerweile ein Kandidat für die Plätze 5 bis 7 und alles davor wird meist nur gelingen, wenn andere schwächeln. Mit den Bayern, Dortmund, Leverkusen und Red Bull sind – in einer normalen Saison – die ersten 4 Plätze relativ sicher belegt, danach ist dann Platz für Frankfurt, Stuttgart und Co. Es wird auch bestimmt wieder eine Saison kommen, in der man sich gar nicht für das internationale Geschäft qualifiziert, aber auch das ist relativ normal.
Franzi: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, für wen die Eintracht aktuell als Champions-League-Kandidat gilt, für mich definitiv nicht. Das ist noch ein Level zu hoch. Ziel ist es, um die europäischen Plätze zu spielen, und dazu gehören nicht nur Platz drei und vier, sondern auch die Plätze dahinter. Dahin fehlen uns aktuell nur drei Punkte.
Seht Ihr die Champions League als realistisches Saisonziel ?
Cettina: Nein. Natürlich freue ich mich wenn es mal einen Ausrutscher gibt und wir nochmal Champions League spielen sollten, allerdings ist uns die Qualifikation auf normalem Wege bisher erst einmal gelungen und da finde ich nicht, dass man diese Ausnahme direkt als Saisonziel setzen sollte. Das realistische Saisonziel ist die Europa League und selbst da kann man nicht vom Untergang der SGE reden, wenn es „nur“ die Conference League werden sollte.
Franzi: Ein realistisches Ziel und mein Wunsch ist eher die Europa League – und das nicht nur, weil das Finale nächstes Jahr in Frankfurt stattfindet.
In der Champions League steht die SGE auf Platz 30 hinter Vereinen wie Pafos FC, Qarabag Agdam und Olympiakos Piräus. Seid Ihr enttäuscht oder hat man eine so schwere Champions League-Saison erwartet?
Cettina: Mit anderen Gegnern wäre ich eventuell etwas enttäuscht, aber bei den Kalibern die da vor der Tür standen, war der aktuelle Punktestand absolut erwartbar. Atletico, Liverpool, Neapel, Barcelona und Tottenham sind halt einfach nochmal auf einer ganz anderen Stufe als die Eintracht. Lediglich das Spiel gegen unsere Freunde aus Bergamo hätte anders ausgehen können, beim Rest kann man der Mannschaft auch keine Vorwürfe machen. Als ich die Auslosung (oder eher das, was davon noch übrig ist) gesehen habe, war ich für eine halbe Sekunde voller Vorfreude als ich die ersten großen Gegner gesehen habe.
Spätestens beim dritten dieser Art war die Vorfreude aber vorbei. Die Qualifikation für die Champions League war einfach schon das große Geschenk oder jeder Punkt, den man dort holt ist einfach nochmal ein Schleifchen obendrauf.
Franzi: Wir hatten mit Barcelona, Liverpool, Atlético, Napoli etc. eines der schwersten Lose überhaupt. Da war eigentlich allen von Anfang an klar, was auf uns zukommt. Wir wollten Champions League und wir haben Champions League bekommen. Es waren bislang sehr krasse Spiele und Stadionerlebnisse dabei, deshalb bin ich insgesamt nicht enttäuscht.
Glaubt Ihr noch an das Weiterkommen?
Cettina: Nein, ehrlich gesagt glaube ich nicht mehr ans Weiterkommen. Das Spiel gegen Qarabag könnte man noch gewinnen, gegen Tottenham wird’s da schon wieder eng und das wird leider nicht reichen. Was aber, wie gesagt, auch vollkommen okay ist.
Franzi: Nein, so ehrlich muss man sein.
Frankfurt hat in der Bundesliga zwar die drittmeisten Tore, aber auch die drittmeisten Gegentore. Woran liegt das?
Cettina: An der Defensive höhöhö. Nein, also wenn ich wüsste woran das liegt, wäre ich um Einiges schlauer als der durchschnittliche Frankfurt-Fan. Eine starke Offensive kann ja oft dafür sorgen, dass man das ein oder andere Gegentor mehr in Kauf nimmt und die letzten Jahre ist diese Rechnung auch oft aufgegangen. Momentan scheint aber besonders in der Defensive (Abwehr und auch Mittelfeld) irgendwas nicht ganz zu stimmen. Mit Rasmus Kristensen, Robin Koch, Nnamdi Collins und Arthur Theate hat man auf dem Papier eigentlich eine ziemlich starke Abwehr und alle haben auch schon über längeren Zeitraum gezeigt, das sie wirklich verlässliche Säulen sein können. Warum diese Saion aber jeder (mit kleiner Ausnahme von Kristensen) einen Durchhänger hat, bleibt mir ein Rätsel. Da kann man auch nicht mehr von kleinen Unaufmerksamkeiten sprechen, da gibt es mindestens in jedem zweiten Spiel gravierende Fehler, die dann auch nicht immer ausgebügelt werden können.
Bei so einer hohen Anzahl an Gegentoren muss man natürlich auch über den Torwart sprechen und da hat die Eintracht ja auch ein paar Problemchen gehabt. Alles fing damit an, dass Trapp gegangen ist, man mit Kaua Santos in die Saison gehen wollte und der am Anfang nicht spielen konnte. Michael Zetterer ist eine absolut solide Nummer 2 aber irgendwie dachte man in Frankfurt, dass ein gutes Spiel reicht um ihn vorerst zum Stammtorwart zu machen, was schon für leichte Irritationen gesorgt hat. Man hätte diesen Wechselspaß zwischen Santos und Zetterer auch irgendwie schlauer lösen können (sagt doch einfach dass Santos sich wieder verletzt hat anstatt ihn öffentlich anzuzählen und nach vier Spielen wieder zu degradieren). Scheinbar hat man sich auf der Position ein bisschen verschätzt und so gibt es auch keine Sicherheit hinter der Abwehr. Ich glaube dass die Abwehr einen spielerisch starken und lauten Typen im Tor braucht, der auch mal rumschreit wenn es nötig ist und da sehe ich weder Zetterer noch Santos so stark, wie man es momentan bräuchte.
Franzi: Ganz einfach gesagt: an einer sehr starken Offensive und einer gleichzeitig zu anfälligen Defensive.
Wie würdet Ihr den Frankfurter Fußball beschreiben? Was sind die Stärken und Schwächen?
Cettina: Der Frankfurter Fußball ist momentan sehr schwer zu beschreiben. Man schwankt irgendwie zwischen Genie, Wahnsinn und gähnender Langeweile. Mal spektakulär und erfolgreich, mal spektakulär schlecht. Besonders Einzelaktionen von Spielern wie Brown, Uzun, Burkardt oder Doan sorgen immer wieder dafür, dass das ganze Stadion explodiert aber eine Woche später spielen die selben Spieler auf dem Platz, als hätte man sie mit Schlafmitteln vollgepumpt. Das Wort, was am besten passt ist also „ambivalent“. Die Stärken sind ganz klar Einzelaktionen von guten Spielern und auch die Entwicklung der jungen Spieler.
Die Kaderbreite ist zwar nicht wesentlich besser als das Jahr davor, aber man kann durchaus starke Steigerungen bei den bisherigen Talenten erkenne. Schwäche ist alles was passiert, sobald man den Druck rausnimmt. Die Mannschaft wird fahrlässig und sobald man das erste Gegentor kassiert, fallen meist auch noch ein bis zwei weitere innerhalb kürzester Zeit. Auch der Spielaufbau ist noch ausbaufähig. Man macht zu viele einfache Fehler und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir auch ein. Viel schwerer ist es jedoch die positiven Dinge zu sehen, obwohl diese ja auch absolut vorhanden sind.. Und genau das ist glaube auch ein großes Problem im Frankfurter Umfeld.
Franzi: Es ist ja kein Geheimnis, dass wir in der Offensive gut aufgestellt sind und unsere Schwäche die Defensive ist. Darauf ist der VfB bestimmt gut vorbereitet.
Wer ist Euer Frankfurt-Spieler der bisherigen Saison?
Cettina: Bei meiner Wahl zum Spieler der bisherigen Saison schwanke ich noch zwischen Kristensen und Doan. Beide Spieler sind unfassbar wichtig und man merkt wenn sie fehlen. Kristensen ist einfach ein defensives Biest, der sehr unangenehm zu bespielen ist und an dem sich jeder gestandene Stürmer die Zähne ausbeißt. Doan hingehen hat uns durch Einzelaktionen schon sechs Punkte gesichert und schafft es immer wieder aus irren Situationen gute Torchancen zu kreieren. Beide sind unfassbar wichtig und nur durch meine irrationale Vorliebe für schöne Defensivaktionen hat Kristensen da die Nase etwas weiter vorne.
Franzi: Für mich ist es ein Unentschieden zwischen Nene Brown und Jonny Burkardt.
Wie sieht die aktuelle Personalsituation vor dem VfB-Spiel aus?
Cettina: Die größte Veränderung wird wahrscheinlich im Tor stattfinden, denn Toppmöller setzt nach der Winterpause wohl wieder auf Kaua Santos. Ansonsten fallen Burkardt und Batshuayi verletzt aus – es bleibt also spannend, ob Ansgar Knauff wieder positionsfremd spielen wird. Im Zentrum wird es durch die Ausfälle von Shkiri und Chaibi aufgrund des Afrika-Cups personell etwas dünner, aber mit Larsson, Højlund und Dahoud hat man Optionen, die auch durchaus Fußball spielen können.
Zum Abschluss: Euer Tipp für das Spiel?
Cettina: Aktuell schätze ich Stuttgart stärker ein als die Eintracht, davon daher gehe ich von einem 2:1 aus.
Franzi: Ein spannender 3:2‑Auswärtssieg für die SGE.
Vielen Dank!
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images