Rund um das Spiel gegen St. Pauli

Nach drei Spiel­ta­gen gab es in Bad Cannstatt schon gehö­ri­gen Rede­be­darf. Was es am Ende gebracht hat, wer­den wir heu­te Abend sehen.

Am ver­gan­ge­nen Sams­tag, unmit­tel­bar nach der sorg­los ver­spiel­ten Par­tie in Frei­burg, klan­gen die State­ments der Ver­ant­wort­li­chen und Spie­ler des VfB ja eher nach einer Mischung aus Rat­lo­sig­keit und Trotz. Man habe über 80 Minu­ten vie­le Bäl­le raus­ge­köpft und kön­ne sich gar nicht erklä­ren, war­um man die Feh­ler der Ver­gan­gen­heit wie­der­ho­le. Erme­din Demi­ro­vic ver­stieg sich gar zur der Aus­sa­ge, die Medi­en woll­ten nur Unru­he rein­brin­gen, wenn sie fest­stell­ten, dass der VfB außer ihm aktu­ell über kei­nen Mit­tel­stür­mer ver­fügt. Fünf Tage spä­ter klingt das alles schon sehr viel reflek­tier­ter. Nach einer Trai­nings­wo­che, in der kein ein­zi­ges öffent­li­ches Trai­ning statt­fand und in der auch auf den Kanä­len des Ver­eins kein ein­zi­ges Bild vom Trai­ning auf­tauch­te, mach­te Sebas­ti­an Hoe­neß in einer sehr sehens­wer­ten Pres­se­kon­fe­renz deut­lich, dass es seit dem Frei­burg-Spiel intern ordent­lich geschep­pert haben muss — im posi­ti­ven, kon­struk­ti­ven Sin­ne natür­lich. Hoe­neß sprach mei­ner Mei­nung nach sehr klar an, wor­an es der Mann­schaft im Breis­gau gefehlt hat­te: Mut, Tem­po und die Bereit­schaft auch Läu­fe in die Tie­fe zu machen, wenn die Wahr­schein­lich­keit auf den Ball­ge­winn eher nied­rig war. Details zur Trai­nings­wo­che und auch zur Bewer­tung ein­zel­ner Spie­ler ließ er sich natür­lich wie immer nicht ent­lo­cken. Die Außen­dar­stel­lung sug­ge­riert aber, dass man nach dem letz­ten Spiel bewusst nicht zur Tages­ord­nung über­ge­hen woll­te. Das ist schon mal ein ers­ter Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung — Selbst­er­kennt­nis und so.

Kom­men wir zur

Personalsituation

Ameen Al-Dak­hil ist wie­der dabei, bei Luca Jaquez reicht es wegen der Gesichts­mas­ke noch nicht. Ansons­ten feh­len nur wei­ter­hin Silas, Deniz Undav und Jus­tin Diehl. Was aber nicht heißt, dass eine

Mögliche Startaufstellung

unver­än­dert sein soll­te. Ich kann mir durch­aus vor­stel­len, dass Hoe­neß etwas Dis­rup­ti­on rein­bringt und den einen oder ande­ren Spie­ler mit einem Bank­platz über­rascht. Zum Bei­spiel Ata­kan Kara­zor, der in Frei­burg weder sei­ner Rol­le als Füh­rungs­spie­ler, noch als Defen­siv­chef gerecht wur­de. Auch wenn es man­gels Spiel­pra­xis ein gewis­ses Risi­ko beinhal­tet, wür­de ich even­tu­ell auch die rech­te Hälf­te der Vie­rer­ket­te umbau­en und mit den wie­der­ge­ne­se­nen Ameen Al-Dak­hil und Leo Ster­giou bestü­cken — bei­de wer­den dar­auf bren­nen, sich in die Mann­schaft zu spie­len. El Khan­nouss und Demi­ro­vic sind für mich gesetzt. Even­tu­ell kriegt Füh­rich doch wie­der eine Start­elf-Chan­ce, Lewe­ling und Tomás kann ich mir aber mit ihrem Zug zum Tor eher vor­stel­len als den Dribb­ler Füh­rich, der wie­der auf eine viel­bei­ni­ge Abwehr tref­fen wird. Dass Hoe­neß indes sei­ne Grund­for­ma­ti­on auf ein 4–3‑3 umstellt, kann ich mir nicht vor­stel­len — aber viel­leicht dien­te die nicht-öffent­li­che Trai­nings­wo­che auch dazu, um genau das vor­zu­be­rei­ten.

Statistik

Es ist das ins­ge­samt 24. Pflicht­spiel zwi­schen dem VfB und St. Pau­li. In vier Zweit­li­ga-Spie­len in den spä­ten 2010er Jah­ren gewann der VfB drei Mal, die letz­te Par­tie ging 1:1 aus. 2012 setz­ten sich die Brust­ring­trä­ger dank Toren von Tra­o­ré, Ibi­se­vic und Hajnal mit 3:0 vor 26.000 Zuschau­ern im Neckar­sta­di­on in der zwei­ten Pokal­run­de durch. Das ner­vi­ge 0:1 kurz vor Ende des letz­ten Jah­res war der ers­te Aus­wärts­sieg der Ham­bur­ger in Bad Cannstatt und erst der drit­te Sieg gegen den VfB über­haupt nach knapp 30 Jah­ren. Sie­ben Punk­te aus den ers­ten drei Spie­len bedeu­te­ten den bes­ten Bun­des­li­ga-Sai­son­start der Ver­eins­ge­schich­te, auch in die 2. Liga star­te­te man nie bes­ser. Leih­spie­ler Andre­as Houn­ton­dji ist mit drei Tref­fern aktu­ell bes­ter Tor­schüt­ze des FCSP. Wäh­rend die Gäs­te nach drei Spie­len in allen Lauf­sta­tis­ti­ken rela­tiv weit vor­ne lie­gen, belegt der VfB eher die hin­te­ren Plät­ze — wenig über­ra­schend, aber wir machen halt auch aus unse­rem Ball­be­sitz nichts, bei dem wir liga­weit auf Platz 3 lie­gen. Immer­hin haben wir bei gewon­ne­nen Kopf­ball­du­el­len die Nase vorn. St. Pau­li hat aktu­ell gemein­sam mit Hof­fen­heim die meis­ten Fouls der Liga began­gen, beson­ders zeich­net sich hier Dani­el Sina­ni aus.

Fazit

Natür­lich muss der VfB auf­pas­sen, dass er den Gäs­ten nicht ins offe­ne Mes­ser rennt — also kei­ne zor­ni­ger Hara­ki­ri-Fuß­ball. Viel wich­ti­ger ist, dass die Brust­ring­trä­ger den Ham­bur­gern von vorn­her­ein klar machen, dass sie nicht gewillt sind, noch­mal so ein Spiel abzu­schen­ken. Zu häu­fig schon hat man das Spiel so lan­ge zu offen gelas­sen und dem Geg­ner bis zuletzt ermög­licht, das Spiel offen zu gestal­ten. Das kön­nen wir uns sowie­so nicht leis­ten, erst recht aber nicht in der aktu­el­len Situa­ti­on. Einen so fahr­läs­si­gen Ver­wal­tungs­fuß­ball wie letz­ten Sams­tag will ich beim VfB nicht mehr sehen. Mal schau­en, ob Mann­schaft und Trai­ner die Selbst­kri­tik der ver­gan­ge­nen Woche in kon­struk­ti­ve Bah­nen lei­ten kön­nen, um nicht nach Spie­len­de wie­der im nega­ti­ven Sin­ne ver­wun­dert über die eige­ne Leis­tung zu sein.

Zum Wei­ter­hö­ren: Jan­nick war beim Vor-dem-Spiel-Pod­cast beim Mill­ern­Ton zu Gast und auch dort blickt man natür­lich auf das Frei­tag­abend-Spiel vor­aus.

Titel­bild: © Alex­an­der Hassenstein/Getty Images

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