Nach fast sieben Jahren reist der HSV wieder für ein Erstligaspiel an den Neckar. Doch dazwischen lagen zwei sehr verrückte Zweitliga-Partien, eine klare Relegation und ein – für VfB Fans – tragisches Hinspiel. Die Duelle der beiden Traditionsmannschaften waren in den letzten Jahren immer sehr sehenswert.
Das Dortmund-Spiel hat wieder die typischen Schwächen des VfB-Spiels aufgezeigt. Toter Ballbesitz, Kreativlosigkeit gegen einen tiefstehenden Gegner, Standardsschwäche und zu guter Letzt defensive Unkonzentriertheiten, mit denen man sich selbst ins Bein schießt. Im Prinzip war es ja das Gleiche wie beim Hinspiel in Hamburg. Stellvertretend dafür ist der 2:1‑Siegtreffer der Hanseaten. Ein eigener Freistoß aus aussichtsreicher Position wird viel zu schwach ausgeführt, man lässt sich überrennen und kassiert in letzter Sekunde das Siegtor. Doch im Gegensatz zu den Dortmundern haben die Rothosen mit ihren Fans gefeiert, statt sich provokativ vor die VfB-Fans zu stellen und irgendwelche Instagram-Stories über Jubelschreie bei Pässen zu verfassen, aber das ist ein anderes Thema.
Es gibt viele Fans, die siegessicher auf Sonntagabend blicken. Mein Blick ist eher gekennzeichnet durch Sorgenfalten und dies liegt nicht daran, dass ich versuche zweckpessimistisch zu sein. Wir haben uns in dieser Saison regelmäßig schwer gegen Mannschaften aus den Tabellenkeller getan. Nur gegen Bremen und Wolfsburg gab es klare Siege, ansonsten zitterten wir bis zum Schlusspfiff oder patzten wie in Heidenheim oder bei beiden Spielen in Hamburg. Ich hab das Gefühl, gegen Mannschaften aus der ersten Tabellenhälfte läuft es besser, wenn der Gegner wirklich versucht auch das Spiel zu machen.
Mich freut es übrigens, dass der Hamburger SV wieder da ist. Klar, die Häme und der Spott waren immer lustig, aber dieser große Traditionsverein gehört zur Bundesliga und sollte es auch langfristig tun. So gesehen freut mich die Entwicklung in Norddeutschland und ich hoffe auch, dass die nächsten Jahre Mannschaften wie Hamburg, Köln oder Schalke 04 um die Erstligazugehörigkeit nicht bangen müssen und dass Mannschaften wie Leipzig, Hoffenheim und Wolfsburg… naja ihr wisst schon.
Personalsituation
Alle fit tatsächlich, auch Jovanovic, der sich von seinem Boxunfall erholt hatte. Atakan Karazor wird aufgrund einer Gelbsperre fehlen.
Startelf
Ich habe lange über die Dreierkette nachgedacht, aber bin zurück zum klassischen 4–2‑3–1 weil ich mich damit irgendwie wohler fühle. Ich könnte mir vorstellen, Hoeneß rotiert wieder einiges rum, und wir könnten El Khannouss und/oder Tomas sehen.
Statistik
Bei Insgesamt 105 Bundesligapartien spricht die Bilanz für den HSV. Mit 38 Siegen, 22 Unentschieden und 45 Niederlagen haben wir – Bayern München ausgenommen- gegen keine Mannschaft öfters verloren als gegen die Hamburger. Der große Teil der Niederlagen passierten im Norden. Nur 18 Mal konnten die Hamburger in Stuttgart gewinnen. In Stuttgart wartet der HSV seit 2013 auf ein Auswärtssieg. Das erste Duell der beiden Mannschaften war das Spiel um Platz 3 der Deutschen Meisterschaft 1937. Stuttgart gewann damals 1:0.
Fazit
Hamburg geht als klarer Underdog in das Duell und so erwarte ich auch ihr Spiel. Es wird ein Kampf, den wir von Minute 1 annehmen müssen. Ich denke trotzdem, dass wir die drei Punkte in 90 Prozent der Fälle in Stuttgart behalten.
Titelbild: © Alexander Hassenstein/Getty Images