Neu im Brustring: Ramon Hendriks

Mit Ramon Hen­driks von Cham­pi­ons League-Mit­be­wer­ber Feye­noord hat der VfB sei­ne Innen­ver­tei­di­gung per­so­nell wei­ter ver­stärkt. Wir haben uns in den Nie­der­lan­den nach ihm erkun­digt.

Noch ist der Wech­sel von Wal­de­mar “War­um soll­te ich wegen Geld wech­seln wol­len, wir füh­len uns in Stutt­gart wohl” Anton zum BVB nicht voll­zo­gen, aber Fabi­an Wohl­ge­muth hat in der ver­gan­ge­nen Woche nach der Lei­he von Frans Krät­zig die Abwehr­rei­he wei­ter ver­stärkt — dies­mal mit einem links­fü­ßi­gen Innen­ver­tei­di­ger namens Ramon Hen­driks. Ob der Hiro­ki Ito und Wal­de­mar Anton erset­zen kann, zumin­dest per­spek­ti­visch, das woll­ten wir her­aus­fin­den und haben uns des­halb bei Exper­ten sei­nes Stamm­ver­eins Feye­noord Rot­ter­dam und sei­nes letz­ten Leih­ver­eins Vites­se Arn­hem über ihn erkun­digt.

Hen­driks wur­de am 18. Juli 2001 im Groß­raum Rot­ter­dam, genau­er im fast namens­glei­chen Dorf Hen­drik-Ido-Ambracht, gebo­ren und begann im ört­li­chen Ver­ein mit dem Fuß­ball­spie­len. Mit 13 Jah­ren wech­sel­te er 2014 ins grö­ße­re Dor­d­recht, das süd­öst­lich von Rot­ter­dam liegt, in den Nach­wuchs des damals für kur­ze Zeit erst­klas­si­gen FC. 2017 schließ­lich zog es ihn in die gro­ße Stadt, zu Feye­noord. Dort durch­lief er die Jugend­mann­schaf­ten bis zur U21, in der U19 lief er sogar als Kapi­tän auf. Nach­dem die U21-Liga im Herbst 2020 coro­nabe­dingt abge­bro­chen wur­de, ver­lieh ihn Rot­ter­dam im Janu­ar 2021 für ein hal­bes Jahr zum Zweit­li­gis­ten NAC Bre­da. Den Machern des Feye­noord-Pod­casts Kein Gel­oel zufol­ge dien­te das dem damals 20jährigen vor allem zur Wei­ter­ent­wick­lung, vor allem im Bereich Kör­per­lich­keit und Ent­schei­dungs­fin­dung. Zudem hat­te er auf der Innen­ver­tei­di­ger­po­si­ti­on mit Mar­cos Sene­sie star­ke Kon­kur­renz.

Breda — Bank — Utrecht

Bei Bre­da eta­blier­te er sich sofort auf der lin­ken Innen­ver­tei­di­ger-Posi­ti­on und qua­li­fi­zier­te sich für die Auf­stiegs­play­offs, in denen NAC im Fina­le aller­dings an Nij­me­gen schei­ter­te. Nach sei­ner Rück­kehr zu Feye­noord pen­del­te er 2021/2022 eine Sai­son lang zwi­schen der ers­ten Mann­schaft und der U21, debü­tier­te in der Ere­di­vi­sie und beim 2:1‑Sieg bei Uni­on Ber­lin auch in der Con­fe­rence League im Euro­pa­po­kal, bestritt aber auch sie­ben Spie­le in der Nach­wuchs­li­ga. Vor allem saß er in die­ser Spiel­zeit aber in der Ere­di­vi­sie auf der Bank, weil ihm Spie­ler wie der bereits ange­spro­che­ne Sene­sie, aber auch David Han­cko als lin­ker Innen­ver­tei­di­ger vor­ge­zo­gen wor­den, eben­so wie Tyrell Mala­cia und Qui­lind­schy Hart­man auf der Links­ver­tei­di­ger-Posi­ti­on. Kein Gel­oel wei­sen dar­auf hin, dass bis auf Sene­sie alle in ihrer Zeit bei Feye­noord zu Natio­nal­spie­lern wur­den. Han­cko ist gera­de bei der EM für die Slo­wa­kei aktiv, Hart­mann und Mala­cia (mitt­ler­wei­le bei Man­ches­ter United) sind der­zeit ver­letzt, wur­den aber zuletzt auch für die Elf­tal nomi­niert und wären womög­lich auch beim Tur­nier dabei.

Also wur­de er im Som­mer 2022 erneut ver­lie­hen, dies­mal an Liga­kon­kur­rent FC Utrecht. Unglück­li­cher­wei­se riss er sich im Urlaub das Kreuz­band und kehr­te zunächst für die Reha nach Rot­ter­dam zurück. Nach­dem er im März 2023 drei Spie­le für Utrecht über 90 Minu­ten absol­viert hat­te, muss­te er beim 2:1‑Sieg in Gro­nin­gen bereits nach 29 Minu­ten mit einer Knie­ver­let­zung aus­ge­wech­selt wer­den, die ihn den Rest der Sai­son kos­te­te. Nach zwei mehr oder min­der ver­lo­re­nen Jah­ren ging es dann im ver­gan­ge­nen Som­mer leih­wei­se zu Vites­se Arn­hem, für die Mo San­koh in der Vor­sai­son auf­ge­lau­fen war. Damals berich­te­te uns Wil­ko vom Pod­cast Stu­dio Langs de Rijn über die Lei­he des VfB-Talents und er beant­wor­te­te auch dies­mal unse­re Fra­gen zu Ramon Hen­driks Sai­son nahe der deutsch-hol­län­di­schen Gren­ze.

Stabiler Abwehrspieler beim hochverschuldeten Absteiger

Um es vor­weg zu neh­men: Die Sai­son ver­lief ver­hee­rend für Vites­se. Am Sai­son­ende stan­den ledig­lich gan­ze sechs Punk­te auf dem Kon­to. Arn­hem hat­te zwar mehr Punk­te geholt, derer 18 aber vom Ver­band wie­der abge­zo­gen bekom­men, weil sie gegen die Lizenz­be­stim­mun­gen ver­stie­ßen. Jedoch hät­ten auch 24 Punk­te nicht für den Klas­sen­er­halt gereicht und nun steht nach dem Abstieg sogar die Lizenz für die zwei­te Liga auf der Kip­pe. Wil­ko erklärt uns, dass sich Vites­se 14 Mil­lio­nen Euro von US-Unter­neh­mer Coley Par­ry gelie­hen habe, um die von der frü­he­ren Ver­eins­füh­rung ange­häuf­ten Schul­den in glei­cher Höhe zu decken und die Sai­son zu Ende spie­len zu kön­nen. Par­ry habe im Gegen­zug die Mehr­heit am Ver­ein über­neh­men wol­len, woge­gen aber der hol­län­di­sche Fuß­ball­ver­band KVNB sein Veto ein­leg­te, was wie­der­um dazu führt, dass Par­ry sein Geld zurück will — Vites­se steht also ohne Geld und des­we­gen mög­li­cher­wei­se ohne Lizenz da.

Hen­driks habe viel Poten­zi­al, räumt Wil­ko ein, habe aller­dings vor der Sai­son nur wenig Erfah­rung und Spiel­zeit gehabt, wes­we­gen er nicht zu gro­ße Erwar­tun­gen an den Leih­spie­ler gehabt habe. Ohne­hin sei es so, dass der Druck bei Vites­se gerin­ger sei, Spie­ler wür­den sich dort ent­wi­ckeln, auch mal Feh­ler machen und dann wie­der zu ihrem Stamm­ver­ein zurück­keh­ren. Hen­driks bestritt für Arn­hem 32 Par­tien in der ver­gan­ge­nen Sai­son in der Liga, hin­zu kamen vier Pokal­spie­le. Wil­ko zufol­ge sei er trotz der ver­hee­ren­den Sai­son ein sta­bi­ler Abwehr­spie­ler gewe­sen, dem aller­dings auch Feh­ler unter­lau­fen sei­en wie hier gegen sei­nen Stamm­ver­ein Feye­noord (ab 1:42):

Starker linker Fuß, aber kein Stammspieler

Wil­ko hät­te ihn, die finan­zi­el­le und sport­li­che Situa­ti­on von Vites­se mal außen vor­ge­las­sen, ger­ne wei­ter in Arn­hem gese­hen, um sich wei­ter zu ent­wi­ckeln. In der Ent­wick­lung sieht er ihn auch beim VfB noch und pro­phe­zeit, dass Hen­driks in der kom­men­den Sai­son vor allem von der Bank kom­men wird, weil er sich noch an das Tem­po und die Kör­per­lich­keit im deut­schen Fuß­ball gewöh­nen muss. Auch die Jungs von Kein Gel­oel sehen ihn erst­mal als Ersatz­spie­ler. Dass er Feye­noord in die­sem Som­mer ver­las­sen wür­de, über­rascht sie nicht, wohl aber der Wech­sel zum VfB, der ja wie Feye­noord auch in der Cham­pi­ons League spielt. Auch sie spre­chen ihm ein gro­ßes Talent zu, dass aber unter kei­nem Trai­ner bei Feye­noord zum Tra­gen gekom­men sei. Wil­ko plä­diert dafür, Hen­driks Zeit zu geben, um sich beim VfB zu akkli­ma­ti­sie­ren. 

Ob er das tut, hängt natür­lich auch von sei­ner Spiel­zeit ab und der Mög­lich­keit sich in der Abwehr gegen sei­ne Kon­kur­renz durch­zu­set­zen. Wenig über­ra­schend ist er als lin­ker Innen­ver­tei­di­ger auch ein Links­fuß und ergänzt damit die Rie­ge jener Ver­tei­di­ger bestehend aus Maxi Mit­tel­städt, Frans Krät­zig, Dan-Axel Zag­adou und Jeff Cha­b­ot. Wil­ko lobt sei­ne Geschwin­dig­keit und auch in Rot­ter­dam hebt man die­se her­vor, neben sei­nem star­ken lin­ken Fuß und sei­nen Tack­lings. Luft nach oben sieht Wil­ko noch in der Abspra­che mit den Neben­leu­ten und bei Kopf­bäl­len. Kein Gel­oel bestä­ti­gen auch, dass er in der Lage ist, das Spiel über Päs­se ins Mit­tel­feld auf­zu­bau­en, anstatt den Ball nur nach vor­ne zu bol­zen. Bei Vites­se spiel­te er ver­gan­ge­ne Sai­son in einem 4–3‑3, weiß Wil­ko zu berich­ten, jedoch habe die Abwehr sehr hoch gestan­den. Auch der Ver­gleich mit ande­ren Innen­ver­tei­di­gern auf FBref.com zeigt sei­ne Stär­ken im Zwei­kampf und im Ball­be­sitz­spiel.

Noch ist, wie ein­gangs erwähnt, der Trans­fer von Wal­de­mar Anton nicht voll­zo­gen und der VfB ver­fügt noch nicht über das Geld, um ihn zu erset­zen. Hen­driks ist die­ser Ersatz selbst­re­dend schon allein wegen der Posi­ti­on in der Innen­ver­tei­di­gung nicht. Jeff Cha­b­ot war offen­sicht­lich schon ein Vor­griff auf einen mög­li­chen Abgang von Hiro­ki Ito, so dass sich Hen­driks mit dem hof­fent­lich voll­stän­dig wie­der­ge­ne­se­nen Dan-Axel Zag­adou sowie eben Cha­b­ot um die lin­ke Hälf­te der Innen­ver­tei­di­gung duel­liert. Ange­sichts der Erfah­rung sei­ner Kon­kur­renz und Hen­driks man­geln­der Spiel­pra­xis auf höhe­rem Level in den letz­ten Jah­ren haben Zag­adou und Cha­b­ot der­zeit die Nase vorn, jedoch muss man gera­de für Ers­te­ren ange­sichts sei­ner Ver­let­zungs­an­fäl­lig­keit immer jeman­den in der Hin­ter­hand haben. Ob Hen­driks als Her­aus­for­de­rer ähn­lich durch­star­tet wie in der letz­ten Sai­son Rou­ault und Ster­giou auf der rech­ten Abwehr­sei­te bleibt abzu­war­ten. Es wird hier an Sebas­ti­an Hoe­neß lie­gen, sein vol­les Poten­zi­al her­aus­zu­kit­zeln. Für eine kol­por­tier­te Ablö­se von etwa 700.000 Euro macht man mit einem offen­bar ent­wick­lungs­fä­hi­gen Innen­ver­tei­di­ger, der in drei Wochen erst 23 Jah­re alt wird, wenig falsch.

Titel­bild: © Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Schreibe einen Kommentar

Rund um den Brustring
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.