Neu im Brustring: Finn Jeltsch und Luca Jaquez

Am letz­ten Tag des Trans­fer­fens­ters wech­selt der VfB sei­ne Innen­ver­tei­di­ger ein­mal kräf­tig durch: Antho­ny Rou­ault wech­selt nach Ren­nes, für die Ablö­se ver­pflich­tet Fabi­an Wohl­ge­muth Finn Jeltsch vom 1. FC Nürn­berg und Luca Jaquez vom FC Luzern. Wir stel­len Euch die Neu­zu­gän­ge vor und ver­su­chen uns an einer Ein­ord­nung.

Es war ein­mal ein Sport­di­rek­tor, dem kam kurz nach Sai­son­be­ginn der Kapi­tän und Abwehr­chef abhan­den. Und er ver­pflich­te­te den knapp 30jährigen Karim Hag­gui von Han­no­ver 96. Als das nicht reich­te ver­pflich­te­te er in der nächs­ten Sai­son Adam Hlou­sek. Und als auch das nicht fruch­te­te und der Ver­ein fast abstieg, wur­de der Sport­di­rek­tor ent­las­sen und sein Nach­fol­ger ver­pflich­te­te Toni Sun­jic. Und lieh sich Feder­i­co Bar­ba aus Ita­li­en. Und der Ver­ein kas­sier­te 75 Gegen­to­re — so viel wie nie zu vor und nie wie­der in sei­ner Bun­des­li­ga-Geschich­te und stieg ab.

Nun heißt Fabi­an Wohl­ge­muth nicht Fre­di Bobic oder Robin Dutt, son­dern eben Fabi­an Wohl­ge­muth, aber auch er muss­te im ver­gan­ge­nen Som­mer nicht nur einen Innen­ver­tei­di­ger sei­ner Vize­meis­ter-Mann­schaft erset­zen, son­dern gleich zwei und dann auch noch sei­nen Kapi­tän und Abwehr­chef. Der VfB ist aktu­ell zwar nicht auf Kurs, am Ende 75 Gegen­to­re kas­siert zu haben, 30 Gegen­to­re in 20 Bun­des­li­ga-Spie­len sind all­ge­mei­nem Emp­fin­den den­noch zu vie­le, vor allem wenn die Zahl der geschos­se­nen Tore nicht wesent­lich höher ist und so auf dem Weg zu einer Rück­kehr auf die euro­päi­sche Büh­ne zuletzt ein paar Punk­te fehl­ten. Und jetzt wech­selt auch noch kurz vorm wich­ti­gen Pokal-Vier­tel­fi­na­le der ein­zi­ge ande­re fit­te, bun­des­li­gaer­fah­re­ne Innen­ver­tei­di­ger neben Jeff Cha­b­ot zurück nach Frank­reich. Quel mal­heur!

Zur all­ge­mei­nen Unru­he, die nach unter Sebas­ti­an Hoe­neß uner­hör­ten drei Nie­der­la­gen in Fol­ge ent­stan­den ist, kam dann noch, dass Wohl­ge­muth die kol­por­tier­ten 13 bis 15 Mil­lio­nen Euro, die er für Rou­ault aus Ren­nes erhielt, nicht etwa in einen Abwehr­spie­ler des Typs Ser­gi­os Ramos inves­tier­te, son­dern in zwei Talen­te: Den 21jährigen Luca Jaquez vom FC Luzern, U21 Natio­nal­spie­ler der Schweiz, und den 18jährigen Finn Jeltsch vom 1. FC Nürn­berg, der an der Sei­te von VfB-Nach­wuchs­spie­ler Max Her­werth  vor zwei Jah­ren u17-Welt­meis­ter wur­de. Wie ris­kant die­se Rocha­de in einer wich­ti­gen Sai­son­pha­se ist und was sie uns mit­tel­fris­tig brin­gen könn­te, dazu spä­ter mehr. Zunächst soll es um unse­re bei­den Neu­zu­gän­ge gehen. Was bei­de ver­bin­det: Sie sind Nach­wuchs­na­tio­nal­spie­ler, haben bis­her aus­schließ­lich in ihrer Geburts­stadt oder im unmit­tel­ba­ren Umfeld gespielt und wagen damit mit dem Wech­sel nach Stutt­gart den ers­ten Schritt in die Frem­de. Und: Sie kön­nen bereits auf eine für ihr Alter beacht­li­che Erfah­rung im Pro­fi­fuß­ball ver­wei­sen.

Jeltsch folgt Uzun und Brown in die Bundesliga

Jeltsch Anfang der Saison beim FCN. © Juergen Schwarz/Getty Images
Jeltsch Anfang der Sai­son beim FCN. © Juer­gen Schwarz/Getty Images

Begin­nen wir mit Finn Jeltsch. Der wur­de am 17. Juli 2006 in Neu­en­det­tels­au, süd­west­lich von Nürn­berg gebo­ren. Mit neun Jah­ren wech­sel­te er 2015 vom loka­len Ama­teur­ver­ein SV Rai­ter­saich ins Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum des dama­li­gen Zweit­li­gis­ten 1. FC Nürn­berg. Wie Mar­cus vom Fan-Pod­cast Total Beglubbt zu berich­ten weiß, war er in der Sai­son 2022/23 mit 16 schon Kapi­tän der U17 in der A‑Ju­nio­ren-Bun­des­li­ga Süd-/Süd­west und durch­lief par­al­lel die Nach­wuchs­mann­schaf­ten des DFB. 2023 gewann er dann mit der U17-Natio­nal­mann­schaft erst im Mai die Euro­pa­meis­ter­schaft und wur­de im Novem­ber auch noch Welt­meis­ter und absol­vier­te bei bei­den Tur­nie­ren fast jedes Spiel. In der glei­chen Sai­son führ­te er auch mit dann 17 Jah­ren die A‑Jugend des Clubs als Kapi­tän aufs Feld und stand gleich­zei­tig am 29. Okto­ber das ers­te Mal im Pro­fi­ka­der und saß beim Aus­wärts­spiel in Kiel auf der Bank. Vor ziem­lich genau einem Jahr wur­de er dann zur Halb­zeit beim Stand von 0:1 gegen den 1. FC Kai­sers­lau­tern ein­ge­wech­selt und gab die­se Posi­ti­on weder in den ver­blei­ben­den zwölf Sai­son­spie­len, noch in der bis­he­ri­gen Sai­son wie­der her — mit Aus­nah­me zwei­er Spie­le, die er wegen mus­ku­lä­rer Pro­ble­me ver­pass­te.

Das führt dazu, dass Jeltsch inner­halb eines Jah­res im Pro­fi­fuß­ball bereits 33 Pflicht­spie­le bestrit­ten hat und knapp 3.000 Ein­satz­mi­nu­ten in den Bei­nen hat. Zum Ver­gleich: Antho­ny Rou­ault kam in ein­ein­halb Jah­ren — natür­lich auf einem ande­ren Niveau, aber auch schon mit mehr Erfah­rung, auf etwas mehr als 3.100 Minu­ten für den VfB. Nun gehört der Club — lei­der — in der zwei­ten Liga auch schon län­ger nicht mehr zur Spit­zen­grup­pe, nach dem letz­ten Abstieg 2019 kam man nicht mehr über Platz 8 hin­aus, die letz­ten bei­den Spiel­zei­ten been­de­te man auf einem zwei­stel­li­gen Tabel­len­platz und auch aktu­ell ist man nur Zehn­ter.  Das soll­te aber nicht davon ablen­ken, dass Jeltsch nach Can Uzun und Natha­ni­el Brown, die es nach Frank­furt zog, bereits der drit­te NLZ-Absol­vent des FCN ist, der es in kur­zer Zeit zu einem geho­be­nen Bun­des­li­ga­ver­ein geschafft hat.

Der lange Ball ist für ihn kein Ausweg

Sieht man ein­mal davon ab, dass Jeltsch eben mit 18 Jah­ren noch sehr jung ist und zum ers­ten Mal auf die­sem Niveau spielt, passt sein Spiel viel­leicht noch bes­ser in das Anfor­de­rungs­pro­fil von Sebas­ti­an Hoe­neß, als das bei Antho­ny Rou­ault der Fall war. FCN-Fan Chris sieht sei­ne Stär­ken in der Dyna­mik und im Zwei­kampf: “Er schal­tet sich auf­grund sei­nes Tem­pos und für sein für einen Innen­ver­tei­di­ger sehr gutes Dribb­ling auch häu­fig ins Offen­siv­spiel mit ein.” Club-Fan Micha­el betont zudem sei­ne Über­sicht bei der Spiel­eröff­nung. Pod­cas­ter Mar­cus beschreibt Jeltsch zu dem als “für sein jun­ges Alter bereits unglaub­lich abge­klärt und stress­re­sis­tent.” Zudem, so Chris, habe er in der Ver­gan­gen­heit auch schon als Kapi­tän Ver­ant­wor­tung über­nom­men. Schwä­chen sieht Mar­cus bei­spiels­wei­se im Kopf­ball­spiel, 188 Zen­ti­me­ter sind jetzt für einen Innen­ver­tei­di­ger in der Tat nicht unbe­dingt Gar­de­maß. Auch das Stel­lungs­spiel bezeich­nen unse­re Exper­ten noch als aus­bau­fä­hig und damit zusam­men­hän­gend, wie bei vie­len jun­gen Spie­lern, auch die Ent­schei­dungs­fin­dung. Die Defen­si­ve, so Mar­cus, sei seit Jah­ren nicht gera­de die “Scho­ko­la­den­sei­te” des Clubs, das lie­ge aber am wenigs­ten an Jeltsch.

Direkt ange­spro­chen auf sei­ne Kom­pa­ti­bi­li­tät mit dem Hoe­neß-Fuß­ball, sind sich unse­re Exper­ten einig. Unter Ex-Trai­ner Chris­ti­an Fiél agier­te Jeltsch noch als rech­ter Innen­ver­tei­di­ger einer Vie­rer­ket­te, der aktu­el­le Club-Trai­ner Miros­lav Klo­se lässt mit einer Drei­er­ket­te spie­len, aus der sich Jeltsch immer wie­der löst, auf die Sech­ser­po­si­ti­on vor­rückt und in den Spiel­auf­bau ein­greift, eine Spiel­wei­se die etwas an Wal­de­mar Anton in der letz­ten Sai­son erin­nert. Im Der­by gegen Fürth lei­te­te er (Rücken­num­mer 4) sogar das 4:0 durch Ste­fan Schlei­mer erst ein und leg­te es dann im geg­ne­ri­schen Straf­raum direkt auf.

Auch für den fla­chen Spiel­auf­bau unter Pres­sing­druck sehen ihn die FCN-Fans als geeig­net an oder wie Mar­cus es for­mu­liert, Jeltsch sei jemand “der gefühlt gar kei­nen lan­gen Ball als letz­ten Aus­weg kennt.” Dabei pro­fi­tie­re er auch von sei­ner Tech­nik, sei­nem guten Auge und der Erfah­rung auf der Sech­ser­po­si­ti­on in den Nach­wuchs­mann­schaf­ten. Chris sieht ihn auch als für die Posi­ti­on des Rechts­ver­tei­di­gers geeig­net. Mar­cus beschreibt ihn zudem als sehr geer­det und ruhig, aber mit Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein auf dem Platz.

Finn Jeltsch scheint also jemand zu sein, der sich per­fekt in das Sys­tem von Sebas­ti­an Hoe­neß hin­ein ent­wi­ckeln kann. Ob er aller­dings auch eine Sofort­hil­fe ist, die die Abwehr sta­bi­li­siert, bleibt offen. Mar­cus hät­te ihm lie­ber noch ein hal­bes Jahr regel­mä­ßi­ge Spiel­pra­xis in der zwei­ten Liga ange­dei­hen las­sen, die ihm in Stutt­gart vor­aus­sicht­lich nicht im glei­chen Maße zur Ver­fü­gung ste­hen wird. Außer­dem ver­lässt Jeltsch mit dem Wech­sel erst­mals die frän­ki­sche Hei­mat, was man auch nicht unter­schät­zen dür­fe. Den Sprung in die Bun­des­li­ga trau­en ihm defi­ni­tiv alle zu, wobei Chris ein­schränkt, dass er ver­mut­lich noch nicht direkt eine Hil­fe ist.

Luca Jaquez und die Jungen Wilden vom FC Luzern

Nun zu Luca Jaquez. Der kam etwas mehr als drei Jah­re frü­her als Jeltsch am 2. Juni 2003 auf die Welt und zwar im schwei­ze­ri­schen Luzern. Nach ers­ten Schrit­ten beim SC Ober­geis­sen­stein, des­sen Sport­an­la­ge in der Nähe des Vier­wald­stät­ter Sees liegt, wech­sel­te er bereits mit elf Jah­ren in den Nach­wuchs des FCL und durch lief dort, ähn­lich wie Jeltsch, die Jugend­mann­schaf­ten sowie par­al­lel die U‑Mannschaften der Schwei­zer Nati. 2022, also noch mit 18 Jah­ren, gelang ihm mit der U21 des Ver­eins der Auf­stieg aus der vier­ten Liga in die dritt­klas­si­ge Pro­mo­ti­on League. Gleich­zei­tig saß er aber damals schon bei den Pro­fis in der Super League auf der Bank und debü­tier­te vor knapp drei Jah­ren am 30. Janu­ar 2022 beim 0:3 gegen den FC Basel in der höchs­ten Schwei­zer Spiel­klas­se. Zuvor hat­te er übri­gens in den Nach­wuchs­mann­schaf­ten vor allem in der Offen­si­ve gespielt.

Der Auf­stieg der U21, ver­rät uns FCL-Fan Beni­to, war — ähn­lich wie beim VfB — wich­tig für den Nach­wuchs der Luzer­ner, da die jun­gen Spie­ler dort bereits Pro­fi­luft schnup­pern konn­ten, bevor sie das in der ers­ten Mann­schaft tun. Denn die Durch­läs­sig­keit zwi­schen Jugend und Pro­fis ist in Luzern ziem­lich groß, wie Dani­el Wyrsch, Redak­teur bei der Luzer­ner Zei­tung erklärt: “Allein in den etwas mehr als drei Jah­ren unter Frick gaben 15 eige­ne Nach­wuchs­spie­ler ihr Debüt in der höchs­ten Liga. In Sachen Spiel­mi­nu­ten der Spie­ler unter 22 Jah­ren ist der FCL mit gro­ßem Abstand die Num­mer 1.” Über­haupt, Trai­ner Mario Frick: Der lang­jäh­ri­ge Kapi­tän der lich­ten­stei­ni­schen Natio­nal­mann­schaft ist bereit seit Dezem­ber 2021 Trai­ner beim FCL und beglei­tet damit nicht nur die Kar­rie­re von Jaquez über einen län­ge­ren Zeit­raum, son­dern auch den ande­rer Talen­te. Im Schnitt, beto­nen bei­de Exper­ten, ste­hen in jedem Spiel fünf Kicker aus dem eige­nen Nach­wuchs auf dem Platz. Frick ver­kör­pe­re den Luzer­ner Weg, erklärt uns FCL-Fan Maxi, der ein biss­chen an die ers­te Gene­ra­ti­on der jun­gen Wil­den beim VfB erin­nert: Der Ver­ein steht finan­zi­ell auch aktu­ell nicht gut da und setzt des­halb pri­mär auf die eige­ne Jugend.

Tragende Säule

Jaquez 2021 bei der Schweizer U19. © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Jaquez 2021 bei der Schwei­zer U19. © Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images

In der Sai­son 2022/2023 pen­del­te Jaquez zwi­schen Ein­sät­zen und Kader­no­mi­nie­run­gen in der ers­ten Mann­schaft und Ein­sät­zen in der U21, die am Sai­son­ende gar Meis­ter der drit­ten Liga wur­de. Die Pro­fi­mann­schaft schloss die Sai­son als Vier­ter ab und schei­ter­te Anfang der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit in der zwei­ten Run­de der Con­fe­rence League-Qua­li an Hiber­ni­an aus Edin­burg. Jaquez jedoch avan­cier­te in der Liga zum Stamm­spie­ler, ver­pass­te nur acht von 38 Spie­len und beleg­te am Ende mit dem FCL Platz 1 der Rele­ga­ti­ons­run­de, also der unte­ren Hälf­te der nach dem 33. Spiel­tag geteil­ten Liga. Dani­el Wyrsch zufol­ge war der mitt­ler­wei­le 20jährige wesent­lich abge­klär­ter und ruhi­ger am Ball als noch in der Vor­sai­son. Beni­to merkt an, dass der FCL zu die­ser Zeit auch einen Man­gel an Innen­ver­tei­di­gern hat­te, die regel­mä­ßi­gen Ein­sät­ze stärk­ten das Selbst­ver­trau­en des Spie­lers jedoch schein­bar eher, als dass sie ihn über­for­der­ten. Maxi führt zudem an, dass er robus­ter im Zwei­kampf und in der Luft wur­de.

In der aktu­el­len Sai­son steht der FCL nach dem 2:0 gegen Luzern am Sonn­tag — ein Tor von Ex-VfBler Adri­an Grbic — wei­ter­hin auf Platz 3 der Super League. Jaquez stand bei die­ser Par­tie schon nicht mehr im Kader, bestritt aber auch in die­ser Sai­son schon 20 Spie­le und traf sogar ins­ge­samt drei Mal. Ins­ge­samt kommt er für die Pro­fis des FC Luzern schon auf 66 Spie­le und über 5.000 Minu­ten Ein­satz­zeit. Mitt­ler­wei­le ist er laut Dani­el Wyrsch eine tra­gen­de Säu­le der FCL-Abwehr, von der vie­le erwar­tet hät­ten, dass er trotz Inter­es­ses vom fran­zö­si­schen Tabel­len­vier­ten und Cham­pi­ons League-Ach­tel­fi­na­lis­ten Lil­le OSC noch bis Sai­son­ende bleibt. Auch in der Schwei­zer U21 ist er Stamm­spie­ler, Beni­to erwar­tet sogar im März eine Nomi­nie­rung für die A‑Nationalmannschaft. Schein­bar ver­glich ihn Mario Frick nicht umsonst früh mit Natio­nal­spie­ler Manu­el Akan­ji von Man­ches­ter City, wie Dani­el Wyrsch uns ver­rät.

Schwächen? Eigentlich keine

Beni­to beschreibt Jaquez als sehr zwei­kampf­stark, der Jour­na­list der Luzer­ner Zei­tung cha­rak­te­ri­siert ihn fol­gen­der­ma­ßen: “Er spielt tech­nisch sau­ber und ist ruhig am Ball und in der Abwehr­ar­beit. Sei­ne lan­gen Bäl­le sind prä­zis, die Spiel­aus­lö­sung kann sich sehen las­sen. Sein Kopf­ball ist defen­siv wie offen­siv gut.” Auch die Anfor­de­run­gen sei­nes neu­en Trai­ners scheint er also zu erfül­len. Beni­to berich­tet zudem, dass er Pres­sing­mo­men­te gut über­steht und anschlie­ßend für eige­ne Kon­ter nutzt und auch sonst gut in der Spiel­eröff­nung sei. Alle Exper­ten sind sich einig, dass er sich auch beim VfB schnell sport­lich ein­fin­den wird. Was sei­ne Schwä­chen angeht, fasst es Beni­to am Bes­ten zusam­men: “Eine Schwä­che ist, dass er sich eigent­lich nur selbst im Weg ste­hen kann bei sei­ner Kar­rie­re.” Auch Maxi kann kei­ne wirk­li­chen Schwä­chen fest­ma­chen und Dani­el Wyrsch betont auch auf Nach­fra­ge noch­mal, dass er eigent­lich kei­ne Schwä­che hat — und hier spricht der Jour­na­list, nicht der Fan. Natür­lich bedeu­te der Wech­sel in die Bun­des­li­ga auch eine Umstel­lung für ihn, er habe sich aber auch in der Ver­gan­gen­heit schnell an neue Her­aus­for­de­run­gen ange­passt. Auch Beni­to ist sich sicher “Er wird sich schnell ans Kli­ma anpas­sen. Er hat die­sen Lea­der-Gen in sich. Er reisst das Spiel an sich und zeigt sei­ne Men­ta­li­tät über vol­le 90 Minu­ten.”

Bevor wir zu einer Ein­ord­nung kom­men, noch ein paar inter­es­san­te Noti­zen: Denn natür­lich ver­bin­det den VfB nicht nur ein Test­spiel gegen­ein­an­der in der Vor­be­rei­tung auf die aktu­el­le Sai­son —  bei dem Jaquez als Kapi­tän auf dem Feld stand — son­dern die Per­son von Sport­di­rek­tor Chris­ti­an Gent­ner, der sei­ne Kar­rie­re beim FCL been­de­te, bevor er Lei­ter der Lizenz­spie­ler­ab­tei­lung bei uns wur­de. Alle Exper­ten sind sich einig, dass er auch bei die­sem Trans­fer eine Rol­le spiel­te, zudem merkt Dani­el Wyrsch an, dass U21-Spie­ler Leny Mey­er, der im August letz­ten Jah­res zur U21 des VfB stieß, der Sohn von FCL-Sport­chef Remo Mey­er ist. Jaquez’ Mut­ter, das als klei­ne Anek­do­te noch, arbei­tet seit 30 Jah­ren als Sekre­tä­rin bei der Luzer­ner Zei­tung und zog ihren Sohn allei­ne groß.

Investition in die gar nicht so ferne Zukunft

Bei­de, Jeltsch und Jaquez, sind also durch­aus inter­es­san­te Talen­te, die ziem­lich per­fekt zur Spiel­wei­se des VfB pas­sen. Wäh­rend Jeltsch ein für einen Innen­ver­tei­di­ger fast schon spek­ta­ku­lä­rer Spie­ler­typ zu sein scheint, hat sich Jaquez auf einem etwas höhe­ren Level schon bewie­sen und scheint näher an der Bun­des­li­ga dran zu sein als Jeltsch. Bei­de kom­men mit der Emp­feh­lung sehr guter Jugend­ar­beit in ihren Ver­ei­nen nach Bad Cannstatt und bei­den wird eine gro­ße Zukunft vor­aus­ge­sagt, nicht nur im Ver­ein, son­dern teil­wei­se auch im Natio­nal­tri­kot. In der Gegen­wart wird der VfB jedoch heu­te Abend aller Vor­aus­sicht nach mit Jeff Cha­b­ot und Anrie Cha­se im DFB-Pokal-Vier­tel­fi­na­le auf­lau­fen. Beim Ver­ti­kal­pass hat Andre­as mal wie­der Pho­to­shop aus­ge­packt und zieht einen durch­aus nicht ganz unpas­sen­den Ver­gleich zu Fabi­an Wohl­ge­muths Vor­gän­ger Sven Mislin­tat und resü­miert: “Statt west­fä­li­scher Haus­manns­kost tischt uns Fabi­an Mis­lin­muth mitt­ler­wei­le inno­va­ti­ves Fusi­on Food auf. Er läßt sich nicht von einem kurz­fris­ti­gen per­so­nel­len Eng­pass lei­ten. Das geht sel­ten gut. Auch ein erfah­re­ner Ver­tei­di­ger muss ankom­men und sich mit dem Hoe­neß-Ball ver­traut machen.” Noch tref­fen­der ist aber noch fol­gen­der Satz: “Der Sport-Vor­stand denkt an die Zukunft, hofft bei bei­den Per­spek­tiv­spie­lern aber auch auf Ver­stär­kun­gen in der Gegen­wart.”

Denn in der Tat setzt der VfB die 13 bis 15 Mil­lio­nen für Antho­ny Rou­ault durch­aus geschickt ein. Denn weder Jeltsch noch Jaquez sind der­art blut­jung und uner­fah­ren, wie es bei­spiels­wei­se Enzo Mil­lot war, der gera­de erst zwei Ligue 1‑Spiele für Mona­co bestrit­ten hat­te und beim VfB zunächst sogar noch in der Regio­nal­li­ga zum Ein­satz kam. Gleich­zei­tig schei­nen sie ein ähn­li­ches Poten­zi­al zu haben wie er und bei­de könn­te man ohne Beden­ken wohl auch schon in Kür­ze in der Bun­des­li­ga auf den Platz stel­len — mit­tel­fris­tig sind sie gera­de mit ihren Stär­ken durch­aus star­ke Kon­kur­renz für Ameen Al-Dak­hil oder auch Leo­ni­das Ster­giou, auch wenn der ja eher auf der Außen­po­si­ti­on behei­ma­tet ist. Antho­ny Rou­ault so kurz­fris­tig zie­hen zu las­sen, ist natür­lich trotz­dem nicht ohne Risi­ko, für die­se Ablö­se aber fast schon alter­na­tiv­los. Das Wei­ter­kom­men gegen Augs­burg und auch die Teil­nah­me am Euro­pa­po­kal soll­te indes nicht in die­ser Woche auf der Innen­ver­tei­di­ger-Posi­ti­on ent­schie­den wer­den.

Wie Sebas­ti­an Hoe­neß auf der Pres­se­kon­fe­renz am Mon­tag durch­bli­cken ließ rech­net man womög­lich über­nächs­tes Wochen­en­de gegen Wolfs­burg schon wie­der mit Al-Dak­hil. Außer­dem bestä­tig­te er mei­ne The­se, dass die zu vie­len Gegen­tor nicht nur etwas mit der Abwehr­leis­tung zu tun haben, son­dern auch damit, dass es dem VfB auf­grund der unter­durch­schnitt­li­chen Chan­cen­ver­wer­tung in die­ser Sai­son nicht gelingt, ein Spiel früh zu zu machen, was dazu führt, dass auch die Geg­ner irgend­wann ihre Chan­cen wit­tern und nut­zen. Und über­haupt hat der VfB die letz­ten bei­den Liga­spie­le nicht ver­lo­ren, weil ihm es ihm an Qua­li­tät fehl­te — son­dern an Hal­tung. Zum Bei­spiel bei Antho­ny Rou­ault, der den Ball vor dem ent­schei­den­den 2:1 ver­stol­per­te. Kurz­fris­tig mag die Mann­schaft in der Innen­ver­tei­di­gung also eine per­so­nel­le Eng­stel­le haben — das hat uns aber auch nicht von einer pas­sa­blen Hin­run­de abge­hal­ten. Mit­tel- und lang­fris­tig bin ich froh, dass unser Sport­vor­stand nicht mehr Bobic oder Dutt heißt. Und ich bin mir sicher, dass wir Wal­de­mar Anton auch in Zukunft bes­ser erset­zen kön­nen als damals Ser­dar Tasci.

Titel­bild-Col­la­ge: ©  Chris­ti­an Kas­par-Bart­ke/­Get­ty Images (Jaquez rechts) und Juer­gen Schwarz/Getty Images (Jeltsch links)

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