Eine Woche zum Vergessen

Gegen Glad­bach ver­liert der VfB auch das drit­te Spiel der eng­li­schen Woche. Wäh­rend die Nie­der­la­ge gegen Paris auch bei einer bes­se­ren Leis­tung hät­te pas­sie­ren kön­nen, ver­schenkt die Mann­schaft mit einem fah­ri­gen Auf­tritt in der Liga die nächs­ten drei Punk­te und eine bes­se­re Posi­ti­on.

Kurz vor Ende hat­te der VfB noch­mal die drit­te oder vier­te Luft, wie er sie so häu­fig hat. Die Gäs­te aus Mön­chen­glad­bach führ­ten 2:1 und die Spie­ler im Brust­ring lie­ßen das end­lo­se Hin- und Her­ge­schie­be und Getrick­se end­lich sein und ver­legt sich auf die Devi­se “hoch und weit”. Der Ball kam nach einem erfolg­rei­chen Zwei­kampf nach links auf Maxi Mit­tel­städt, der setz­te zur Flan­ke an — und schlug die­se VfL-Kee­per Nico­las direkt in die Arme. Ob die­se Flan­ke als eine der weni­gen Tor­chan­cen zähl­te, die sich der VfB in die­sem Spiel erar­bei­te­te? Auf jeden Fall stand sie sinn­bild­lich für eine Woche, in der die Mann­schaft in drei Spie­len kein Tor sel­ber erziel­te, son­dern sich bei geg­ne­ri­schen Ver­tei­di­gern für den Tor­ju­bel bedan­ken durf­te.

Natür­lich waren die Spu­ren der bis­he­ri­gen Woche unüber­seh­bar: Jeff Cha­b­ot und Ata­kan Kara­zor hat­ten in Mainz ihre jeweils fünf­te gel­be Kar­te gese­hen und nach dem eher emo­tio­nal denn kör­per­lich anstren­gen­den Spiel gegen Paris muss­te Trai­ner Sebas­ti­an Hoe­neß wie­der durch­ro­tie­ren. Dass die­se Rota­ti­on der Mann­schaft nicht unbe­dingt Sta­bi­li­tät ver­lieh war das eine: Die Vie­rer­ket­te stand ent­we­der zu hoch und ließ sich, wie bei bei­den Gegen­to­ren, immer wie­der mit lan­gen Bäl­len aus­he­beln. Oder die Abstän­de zu den Sech­sern stimm­ten nicht und die Glad­ba­cher konn­ten unbe­drängt durch die VfB-Hälf­te spa­zie­ren. Obwohl Ramon Hen­driks und vor allem Leo­ni­das Ster­giou das offen­siv gar nicht so schlecht mach­ten, pass­te defen­siv beim VfB rela­tiv wenig zusam­men. Das lag auch dar­an, dass Hoe­neß den Feh­ler aus dem Hin­spiel gegen Frei­burg wie­der­hol­te und Mil­lot neben Stil­ler auf die Sechs stell­te. Dadurch klaff­te wie­der um vor­ne ein Loch, dass nie­mand zu fül­len ver­moch­te. Wäh­rend Bru­un Lar­sen auf links kaum auf­tauch­te, erwisch­te Jamie Lewe­ling auf rechts einen schwa­chen Tag, denn kaum eines sei­ner Zuspie­le kam an.

Hacke, Spitze, Fehlpass

Das alles erklärt aber nicht allein, war­um die Mann­schaft auf die bei­den letz­ten Spie­le kei­ne nen­nens­wer­te Reak­ti­on zeig­te. Wie­der wur­den Päs­se leicht­fer­tig in Räu­me geschla­gen, in denen sie die Glad­ba­cher nur erlau­fen muss­te. Fast jedes so wich­ti­ge Kopf­ball­du­ell im Mit­tel­feld ging ver­lo­ren. Und anstatt die viel­bei­ni­ge Glad­ba­cher Abwehr mit Tem­po und Prä­zi­si­on zu über­win­den, erging man sich offen­siv in Schön­spie­le­rei, ließ Bäl­le im Straf­raum per Hacke abtrop­fen oder gönn­te sich halb­ga­re Schüs­se, in der Hoff­nung, die wür­den allein auf­grund des eige­nen Tabel­len­plat­zes schon rein­ge­hen. Anders als Deniz Undav es nach dem Spiel behaup­te­te, hat­te Glad­bach durch­aus nicht “kaum Chan­cen”. Es war viel­mehr der VfB, der nach einem lan­gen Ball in der 71. Minu­te die ein­zi­ge Rie­sen­chan­ce auf die eige­ne Füh­rung ver­geig­te. Der Sieg war für die Borus­sen voll­auf ver­dient.

Denn auch wenn die Mann­schaft auf dem Papier sehr von der Treff­si­cher­heit von Tim Klein­dienst abhän­gig ist, so bespiel­te sie den VfB genau so, wie es nötig war, um zu gewin­nen: Mit vol­lem Ein­satz, immer auf eine Nach­läs­sig­keit der Haus­her­ren lau­ernd. So wie beim 1:0, als Ngo­u­mou mut­ter­see­len­al­lein im Stutt­gar­ter Straf­raum auf­tauch­te. Oder beim 2:0, als Antho­ny Rou­ault den Ball gegen Ull­rich ver­stol­per­te. Oder in einer der zahl­rei­chen Sze­nen, als Alex­an­der Nübel, der beim ers­ten Tor auch nicht gut aus­sah, sei­ner Abwehr den Arsch ret­te­te. Der VfB hin­ge­gen brach­te sei­ne kol­lek­ti­ve Qua­li­tät nicht auf den Platz und auch indi­vi­du­ell blie­ben gera­de die Unter­schieds­spie­ler hin­ter ihren Mög­lich­kei­ten. Sei es der 50-Mil­lio­nen-Euro-Sturm, die genau in sol­chen Spie­len gegen direk­te Kon­kur­ren­ten um Euro­pa den, ja, den Unter­schied mach­ten soll­ten. Oder die bei­den deut­schen Natio­nal­spie­ler, die unlängst ihre Ver­trä­ge zu gut dotier­ten Kon­di­tio­nen ver­län­ger­ten. Oder der Spiel­ma­cher, der bei sei­nem Traum­ver­ein in der der­zei­ti­gen Ver­fas­sung nicht mal auf der Bank säße, wie man am Mitt­woch beob­ach­ten konn­te.

Potenzial verschwendet

Nun ist es nichts Außer­ge­wöhn­li­ches, dass der VfB mal zwei Spie­le in Fol­ge ver­liert — wenn wir Paris mal ange­sichts der Qua­li­tät des Geg­ners raus­neh­men. Was aber wirk­lich nervt: Wie ver­schwen­de­risch die Mann­schaft in die­ser Woche mit ihrem Poten­zi­al umge­gan­gen ist. Die bis­he­ri­ge Run­de zeigt, dass letz­te Sai­son eben kein Aus­rei­ßer nach oben war, son­dern dass wir ein gewis­ses Niveau hal­ten kön­nen — men­tal und spie­le­risch. Die­se Gewiss­heit ist in die­ser Woche etwas ver­lo­ren gegan­gen, denn bei­de Nie­der­la­gen in der Liga waren weder unglück­lich, noch das Ergeb­nis dis­ku­ta­bler Schieds­rich­ter­ent­schei­dun­gen, son­dern voll­kom­men ver­dient. Die Mann­schaft muss jetzt schnells­tens den Schal­ter umle­gen, um gegen Augs­burg am Diens­tag und beim Debüt von Niko Kovac als BVB-Trai­ner nicht in eine gefühl­te Nega­tiv­spi­ra­le zu gera­ten.

Dass sich Leip­zig mit einem schwa­chen 0:0 bei Uni­on Ber­lin an uns vor­bei auf Platz 4 schob, ist erst­mal nur eine Moment­auf­nah­me. Wich­ti­ger ist, dass der VfB sich in den kom­men­den Wochen nicht aus den euro­päi­schen Plät­zen ver­drän­gen lässt son­dern wie­der Fahrt Rich­tung Euro­pa auf­nimmt. Das war nach dem bit­te­ren Aus gegen Paris das erklär­te Ziel von Trai­ner und Mann­schaft. Und das will ich in Zukunft auch wie­der auf dem Platz sehen.

Titel­bild: © Alex Grimm/Getty Images

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